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	<title>BUNDESLÄNDER &#8211; Online-Plattform Leerstand aktivieren</title>
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	<description>Potenziale der Innenentwicklung und Leerstandsaktivierung: Leerstand überwinden, Baukultur erhalten, lebendige Orte schaffen</description>
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		<title>Erfolgreich gegen den Gewerbeleerstand im Ortskern: Leerstandsmanagement Quierschied</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Sep 2026 12:46:51 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Erfolgreich gegen den Gewerbeleerstand im Ortskern Leerstandsmanagement Quierschied Die 13.000 Einwohner*innen zählende Gemeinde Quierschied im Regionalverband Saarbrücken hat mit ihrem Leerstandsmanagement eine öffentlichkeitswirksame Anlaufstelle geschaffen, die Interessierte niedrigschwellig informiert und unterstützt. Um mehr über das Konzept und die Maßnahmen gegen Leerstände zu erfahren, haben wir uns auf den Weg in die 13 Kilometer nördlich von Saarbrücken gelegene Gemeinde gemacht und vor Ort mit dem Leerstandsmanager Sebastian Zenner, dem Kultur- und Veranstaltungsmanager Robin Schmelzer sowie Theresa Goldammer vom Fachbereich Bauen, Wohnen, Umwelt gesprochen. Theresa Goldammer, Sebastian Zenner und Robin Schmelzer auf dem Triebener Platz Leerstand und Wandel in Quierschied Wie viele andere Gemeinden auch steht die Gemeinde Quierschied vor der Aufgabe, einen belebten Ortskern für Anwohner*innen und Gewerbetreibende zu erhalten und ortsbildprägende Gewerbeleerstände zu reduzieren. Gesellschaftliche Veränderungen, wie der Online-Handel und die Entstehung von Einkaufszentren auf der grünen Wiese, aber auch die Nähe zur Landeshauptstadt Saarbrücken, sorgen dafür, dass die Geschäfte im Ortskern mit geringeren Gewinnen und steigenden Kosten konfrontiert sind und zunehmend schließen müssen. In Quierschied kommt außerdem eine Nachfolgeproblematik hinzu. In den vergangenen Jahren sind einige Gewerbetreibende in den Ruhestand gegangen, ohne eine Nachfolge für ihr Gewerbe zu finden. „Es findet sich oft einfach keiner, der das bestehende Geschäft mit Stammkundschaft, auch mit entsprechenden Kenntnissen vor Ort übernimmt. Wenn das wegfällt, ist natürlich die Hürde heutzutage durch die gesellschaftlichen Entwicklungen umso größer.“ (Sebastian Zenner) Das kommunale Leerstandsmanagement – Aufgaben und Grenzen  Diesen Entwicklungen stellt die Gemeinde seit 2012 ein Leerstandsmanagement entgegen. Entstanden ist dieses ursprünglich im Rahmen der Städtebauförderung und wird seitdem von der Gemeinde finanziert. Seit 2017 ist Sebastian Zenner für die Leerstände zuständig, wobei das Leerstandsmanagement in die Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit und Gemeindemarketing integriert ist und nur einen Teil seiner Aufgaben ausmacht. Kernstück des Leerstandsmanagements ist die Sammlung und Vorstellung leerstehender Ladenlokale und Gastronomieflächen auf der Internetseite der Gemeinde. In der Regel werden hier zwischen fünf und zehn Gewerbeimmobilien präsentiert. In dem dazugehörigen Steckbrief finden Interessierte Informationen über die Quadratmeterzahl, Lage, ÖPNV-Anbindung, Besonderheiten wie Toiletten, Küchenanschlüsse, Keller, Barrierefreiheit und Kontaktinformationen. An die Informationen über die Leerstände kommt die Gemeinde in der Regel durch den Kontakt zu den Eigentümer*innen oder durch aufmerksame Anwohner*innen. Wenn Sebastian Zenner über Immobilienplattformen oder Social Media selber auf einen Leerstand aufmerksam wird, geht er auch direkt auf die Eigentümer*innen zu, um die Immobilie aufzunehmen. Auf der anderen Seite erreichen die Gemeinde ebenfalls Anfragen von Kaufinteressent*innen bzw. Immobiliensuchenden. Sebastian Zenner verweist dabei auch auf die Grenzen seiner Handlungsmöglichkeiten und Befugnisse, da er selbst nicht als Makler tätig wird und beispielsweise keine Annoncen im Amtsblatt platziert. Trotzdem kommt es vor, dass der Leerstandsmanager bei Bedarf die Immobiliensuchenden stärker unterstützt, indem er verstärkt in die Recherche geht und sich z. B. über die Eigentümer*innen informiert und bei der Immobiliensuche in eine beratende Rolle „rutscht“. Bei Bedarf begleitet er die Interessent*innen auch zu den Terminen mit den Eigentümer*innen oder stellt den Kontakt zum Bürgermeister her. Aus Zenners Sicht liegt die Stärke des Leerstandsmanagements in dem niederschwelligen, kostengünstigen und bedürfnisorientierten Vorgehen, wobei die Gemeinde einen Überblick erhält und bei Bedarf individuell unterstützen kann. „Im Gespräch mit den Interessenten und auch mit den Eigentümern bekommt man eine Vorstellung davon, welche Erwartungen auf beiden Seiten vorherrschen und kann vermittelnd einwirken oder beispielsweise auf Förderprogramme hinweisen oder ähnliches.“ (Sebastian Zenner)  Ein wichtiger Aspekt ist darüber hinaus die Öffentlichkeitsarbeit. Laut Sebastian Zenner ist diese wichtig, um das Thema in den Köpfen der Menschen präsent zu halten und das Wissen zu festigen, an wen man sich bei Bedarf wenden kann. Zu diesem Zweck ruft die Gemeinde in unregelmäßigen Abständen dazu auf, bestehende Gewerbeleerstände zu melden. „Nur, wenn Eigentümer und auch Interessenten wissen, dass wir diese Unterstützung anbieten, können sie davon auch profitieren. Deshalb ist es immens wichtig, immer wieder öffentlich darauf hinzuweisen. Ich kann schließlich nur diejenigen Leerstände präsentieren, die mir bekannt sind.“ (Sebastian Zenner) Dazu gehört auch, Erfolge öffentlichkeitswirksam zu feiern: Bei Neuansiedlungen schaut deshalb schonmal der Bürgermeister vorbei, um die neuen Ladenbetreiber zu begrüßen. Darüber wird wiederum berichtet: Mit einer Pressemitteilung samt Foto, die im Amtsblatt und über den regionale Presseverteiler veröffentlicht wird. Auf diese Weise verbreitet sich die Erkenntnis, dass sich etwas zum Positiven verändert und die Gemeinde sich für einen belebten Ortskern einsetzt. Auch für die in der Regel jungen Unternehmen hat es einen Vorteil: In Form einer kostenlosen Anschub-„Werbung“ für ihr Geschäft. Mit Sebastian Zenner haben die Anwohner*innen zudem eine feste, in der Öffentlichkeit bekannte Ansprechperson, was einen unkomplizierten und persönlichen Austausch und Kontakt ermöglicht. „Wenn man das schon ein paar Jahre macht, wird man in einer kleinen Gemeinde wie Quierschied schon mal auf der Straße angequatscht. Das fällt vielen leichter, als eine E-Mail zu schreiben. Und generell ist es etwas anderes, wenn man jemanden schon kennt – beispielsweise aus einem Verein. Dann heißt es ‚Du machst das doch bei der Gemeinde.‘ Zwei Vermittlungen liefen genau über diesen Weg, nachdem ich auf dem Fußballplatz angesprochen wurde.“ (Sebastian Zenner) Einbahnstraße zur Ortsmitte Neues Leben für die Ortsmitte – die Erfolgsgeschichten Seit dem Amtsantritt von Sebastian Zenner im Jahr 2017 konnten durch das Leerstandsmanagement über zehn Ladenlokale oder Immobilien an neue Nutzer*innen vermittelt werden. Auch, wenn zwangläufig immer mal wieder neue Leerstände entstehen, ist die Bilanz positiv und die Leerstandsquote in der Quierschieder Innenstadt konstant – zwischenzeitlich sogar gesunken. „Generell glaube ich, dass wir die Gesamtsituation im Rahmen unserer Möglichkeiten verbessern konnten. Das liegt wohl auch an der öffentlichen Wahrnehmung und am Verbreiten positiver Nachrichten wie eben bei den Neuansiedlungen. Das gab es vorher in dieser Fülle nicht.“ (Sebastian Zenner) Ein großer Erfolg des Leerstandsmanagements der Gemeinde war vor einigen Jahren beispielsweise die Ansiedlung eines Verbrauchermarkts. Später zog ein Fitnessstudio in die Räumlichkeiten eines anderen Verbrauchermarktes ein. Zuletzt sind unter anderem eine Physiotherapie-Praxis, je zwei Imbisse, Bäckerei- und Post-Filialen, insgesamt drei Restaurants und Imbisse sowie eine Metzgerei mit Unterstützung des Leerstandsmanagements eröffnet worden. Auch ein Barbershop und ein Piercingstudio gehören zu den neuen lokalen Angeboten. Zuletzt konnte das Ladenlokal in einer am Marktplatz gelegene Immobilie, das zuletzt als Reisebüro genutzt wurde, nach kurzem Leerstand an eine neue Inhaberin vermittelt werden. Seit]]></description>
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									<h3>Erfolgreich gegen den Gewerbeleerstand im Ortskern</h3><h4>Leerstandsmanagement Quierschied</h4><p>Die 13.000 Einwohner*innen zählende Gemeinde Quierschied im Regionalverband Saarbrücken hat mit ihrem Leerstandsmanagement eine öffentlichkeitswirksame Anlaufstelle geschaffen, die Interessierte niedrigschwellig informiert und unterstützt. Um mehr über das Konzept und die Maßnahmen gegen Leerstände zu erfahren, haben wir uns auf den Weg in die 13 Kilometer nördlich von Saarbrücken gelegene Gemeinde gemacht und vor Ort mit dem Leerstandsmanager Sebastian Zenner, dem Kultur- und Veranstaltungsmanager Robin Schmelzer sowie Theresa Goldammer vom Fachbereich Bauen, Wohnen, Umwelt gesprochen.</p>								</div>
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									<h4>Leerstand und Wandel in Quierschied</h4><p>Wie viele andere Gemeinden auch steht die Gemeinde Quierschied vor der Aufgabe, einen belebten Ortskern für Anwohner*innen und Gewerbetreibende zu erhalten und ortsbildprägende Gewerbeleerstände zu reduzieren. Gesellschaftliche Veränderungen, wie der Online-Handel und die Entstehung von Einkaufszentren auf der grünen Wiese, aber auch die Nähe zur Landeshauptstadt Saarbrücken, sorgen dafür, dass die Geschäfte im Ortskern mit geringeren Gewinnen und steigenden Kosten konfrontiert sind und zunehmend schließen müssen. In Quierschied kommt außerdem eine Nachfolgeproblematik hinzu. In den vergangenen Jahren sind einige Gewerbetreibende in den Ruhestand gegangen, ohne eine Nachfolge für ihr Gewerbe zu finden.</p><p style="text-align: center;"><em>„Es findet sich oft einfach keiner, der das bestehende Geschäft mit Stammkundschaft,<br />auch mit entsprechenden Kenntnissen vor Ort übernimmt. <br />Wenn das wegfällt, ist natürlich die Hürde heutzutage durch <br />die gesellschaftlichen Entwicklungen umso größer.“ <br />(Sebastian Zenner)</em></p><h4>Das kommunale Leerstandsmanagement – Aufgaben und Grenzen</h4><p><strong> </strong>Diesen Entwicklungen stellt die Gemeinde seit 2012 ein Leerstandsmanagement entgegen.</p><p>Entstanden ist dieses ursprünglich im Rahmen der Städtebauförderung und wird seitdem von der Gemeinde finanziert. Seit 2017 ist Sebastian Zenner für die Leerstände zuständig, wobei das Leerstandsmanagement in die Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit und Gemeindemarketing integriert ist und nur einen Teil seiner Aufgaben ausmacht.</p><p>Kernstück des Leerstandsmanagements ist die Sammlung und Vorstellung leerstehender Ladenlokale und Gastronomieflächen auf der Internetseite der Gemeinde. In der Regel werden hier zwischen fünf und zehn Gewerbeimmobilien präsentiert. In dem dazugehörigen Steckbrief finden Interessierte Informationen über die Quadratmeterzahl, Lage, ÖPNV-Anbindung, Besonderheiten wie Toiletten, Küchenanschlüsse, Keller, Barrierefreiheit und Kontaktinformationen.</p><p>An die Informationen über die Leerstände kommt die Gemeinde in der Regel durch den Kontakt zu den Eigentümer*innen oder durch aufmerksame Anwohner*innen. Wenn Sebastian Zenner über Immobilienplattformen oder Social Media selber auf einen Leerstand aufmerksam wird, geht er auch direkt auf die Eigentümer*innen zu, um die Immobilie aufzunehmen. Auf der anderen Seite erreichen die Gemeinde ebenfalls Anfragen von Kaufinteressent*innen bzw. Immobiliensuchenden.</p><p>Sebastian Zenner verweist dabei auch auf die Grenzen seiner Handlungsmöglichkeiten und Befugnisse, da er selbst nicht als Makler tätig wird und beispielsweise keine Annoncen im Amtsblatt platziert.</p>								</div>
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									<p>Trotzdem kommt es vor, dass der Leerstandsmanager bei Bedarf die Immobiliensuchenden stärker unterstützt, indem er verstärkt in die Recherche geht und sich z. B. über die Eigentümer*innen informiert und bei der Immobiliensuche in eine beratende Rolle „rutscht“. Bei Bedarf begleitet er die Interessent*innen auch zu den Terminen mit den Eigentümer*innen oder stellt den Kontakt zum Bürgermeister her.</p><p>Aus Zenners Sicht liegt die Stärke des Leerstandsmanagements in dem niederschwelligen, kostengünstigen und bedürfnisorientierten Vorgehen, wobei die Gemeinde einen Überblick erhält und bei Bedarf individuell unterstützen kann.</p><p style="text-align: center;"><em>„Im Gespräch mit den Interessenten und auch mit den Eigentümern <br />bekommt man eine Vorstellung davon, welche Erwartungen <br />auf beiden Seiten vorherrschen und kann vermittelnd einwirken <br />oder beispielsweise auf Förderprogramme hinweisen oder ähnliches.“ <br />(Sebastian Zenner)</em></p><p><strong> </strong>Ein wichtiger Aspekt ist darüber hinaus die Öffentlichkeitsarbeit. Laut Sebastian Zenner ist diese wichtig, um das Thema in den Köpfen der Menschen präsent zu halten und das Wissen zu festigen, an wen man sich bei Bedarf wenden kann. Zu diesem Zweck ruft die Gemeinde in unregelmäßigen Abständen dazu auf, bestehende Gewerbeleerstände zu melden.</p><p style="text-align: center;"><em>„Nur, wenn Eigentümer und auch Interessenten wissen, <br />dass wir diese Unterstützung anbieten, <br />können sie davon auch profitieren. <br />Deshalb ist es immens wichtig, immer wieder öffentlich darauf hinzuweisen. <br />Ich kann schließlich nur diejenigen Leerstände präsentieren, die mir bekannt sind.“<br />(Sebastian Zenner)</em></p><p>Dazu gehört auch, Erfolge öffentlichkeitswirksam zu feiern: Bei Neuansiedlungen schaut deshalb schonmal der Bürgermeister vorbei, um die neuen Ladenbetreiber zu begrüßen. Darüber wird wiederum berichtet: Mit einer Pressemitteilung samt Foto, die im Amtsblatt und über den regionale Presseverteiler veröffentlicht wird. Auf diese Weise verbreitet sich die Erkenntnis, dass sich etwas zum Positiven verändert und die Gemeinde sich für einen belebten Ortskern einsetzt. Auch für die in der Regel jungen Unternehmen hat es einen Vorteil: In Form einer kostenlosen Anschub-„Werbung“ für ihr Geschäft.</p><p>Mit Sebastian Zenner haben die Anwohner*innen zudem eine feste, in der Öffentlichkeit bekannte Ansprechperson, was einen unkomplizierten und persönlichen Austausch und Kontakt ermöglicht.</p><p style="text-align: center;"><em>„Wenn man das schon ein paar Jahre macht, wird man <br />in einer kleinen Gemeinde wie Quierschied schon mal auf der Straße angequatscht.<br />Das fällt vielen leichter, als eine E-Mail zu schreiben. <br />Und generell ist es etwas anderes, wenn man jemanden schon kennt –<br />beispielsweise aus einem Verein. Dann heißt es <br />‚Du machst das doch bei der Gemeinde.‘ <br />Zwei Vermittlungen liefen genau über diesen Weg, <br />nachdem ich auf dem Fußballplatz angesprochen wurde.“ <br />(Sebastian Zenner)</em></p>								</div>
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									<h4>Neues Leben für die Ortsmitte – die Erfolgsgeschichten</h4><p>Seit dem Amtsantritt von Sebastian Zenner im Jahr 2017 konnten durch das Leerstandsmanagement über zehn Ladenlokale oder Immobilien an neue Nutzer*innen vermittelt werden. Auch, wenn zwangläufig immer mal wieder neue Leerstände entstehen, ist die Bilanz positiv und die Leerstandsquote in der Quierschieder Innenstadt konstant – zwischenzeitlich sogar gesunken.</p><p style="text-align: center;"><em>„Generell glaube ich, dass wir die Gesamtsituation <br />im Rahmen unserer Möglichkeiten verbessern konnten. <br />Das liegt wohl auch an der öffentlichen Wahrnehmung und <br />am Verbreiten positiver Nachrichten wie eben bei den Neuansiedlungen. <br />Das gab es vorher in dieser Fülle nicht.“ <br />(Sebastian Zenner)</em></p><p>Ein großer Erfolg des Leerstandsmanagements der Gemeinde war vor einigen Jahren beispielsweise die Ansiedlung eines Verbrauchermarkts. Später zog ein Fitnessstudio in die Räumlichkeiten eines anderen Verbrauchermarktes ein. Zuletzt sind unter anderem eine Physiotherapie-Praxis, je zwei Imbisse, Bäckerei- und Post-Filialen, insgesamt drei Restaurants und Imbisse sowie eine Metzgerei mit Unterstützung des Leerstandsmanagements eröffnet worden. Auch ein Barbershop und ein Piercingstudio gehören zu den neuen lokalen Angeboten. Zuletzt konnte das Ladenlokal in einer am Marktplatz gelegene Immobilie, das zuletzt als Reisebüro genutzt wurde, nach kurzem Leerstand an eine neue Inhaberin vermittelt werden. Seit April 2025 betreibt diese dort ein Hundezentrum, wenig später gesellte sich aufgrund der Größe des Ladenlokals noch eine Tierfotografin als Untermieterin dazu. Der Fokus liegt aber nicht nur auf konsumorientierten Angeboten. Mit Unterstützung der Gemeinde bezog auch der lokale Verein einzig.ART.ich e.V. ein leerstehendes Ladenlokal in der Innenstadt und kann nun zur Belebung der Ortsmitte beitragen.</p>								</div>
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									<h4>Zusammenspiel von Leerstandsmanagement und Ortskernentwicklung</h4><p>Während unseres Gesprächs wurde deutlich, dass der Erfolg des Leerstandsmanagements eng mit der Ortskernentwicklung verbunden ist und die Leerstandsproblematik in der Gemeinde themenübergreifend berücksichtigt wird.</p><p style="text-align: center;"><em>„Das Leerstands-Thema wird überall so ein bisschen mitgedacht <br />und dadurch findet es eigentlich überall ein bisschen statt.“ <br />(Sebastian Zenner)</em></p><p>Viele Maßnahmen zur Ortskernbelebung schließen an das Leerstandsmanagement an und stehen in enger Wechselwirkung zueinander. Im Rahmen des Ende 2025 ins Leben gerufene Wirtschaftsforum „Gemeinsam handeln!“ bietet die Gemeinde den Unternehmen Unterstützung bei der Vernetzung untereinander an.</p><p>Eine wichtige Grundlage schuf die Revitalisierung und Neugestaltung der Ortsmitte mithilfe der Städtebauförderung. Zwischen 2012 und 2024 wurden u. a. der Marktplatz sowie der Rathausplatz neu gestaltet und der Veranstaltungssaal „Q.lisse – Haus der Kultur“ errichtet. Der „Triebener Platz“, der auf dem ersten Foto zu Beginn des Artikels zu sehen ist, folgte vor zwei Jahren als letzter Baustein und lädt mit neuen Grünflächen und einer Brunnenanlage zum Verweilen ein.</p>								</div>
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									<p>An der Ortskernbelebung arbeitet auch das Kultur- und Veranstaltungsmanagement maßgeblich mit. Der kommunale Veranstaltungssaal Q.lisse zieht mit seinem eigenen Kulturangebot überregional Leute an und bringt die Menschen dabei auch zu den lokalen Gewerbebetrieben.</p><p>Auch wird seit einigen Jahren an den Wochenmarkt-Tagen Mittwoch und Samstag der kostenlose Marktbus eingesetzt. Als „Seniorenbus“ gestartet, bringt er inzwischen Kundinnen und Kunden aller Altersklassen kostenlos von etwas abgelegenen Wohnvierteln in der Gemeinde in die Quierschieder Ortsmitte – und zurück.</p><p>Ein Besuchermagnet ist außerdem der wieder aufgelebte Frühjahrsmarkt auf dem neu gestalteten Marktplatz. Aufgrund von sinkenden Besucherzahlen wurde das frühere, traditionelle Konzept des Marktes grundsätzlich überarbeitet. Um seine Attraktivität zu steigern, wurde der neue Markt von Donnerstag auf Samstag verlegt und um einige Elemente ergänzt. So werden beispielsweise lokale Vereine und Unternehmen beteiligt</p><p>Über den neuen Frühjahrsmarkt hinaus erweitern ein Gourmet- und Kunstmarkt, Weihnachtsmärkte in allen Gemeindebezirken die Anwohner*innen regelmäßig in die Ortsmitten. Durch diese Maßnahmen wird nicht nur der bestehende lokale Handel unterstützt, sondern der Ortskern auch für potenzielle Gewerbetreibende attraktiver gemacht.</p><p style="text-align: center;"><em>„Das sind die Punkte, die wir aus unserem Bereich <br />als Schnittstelle zum Leerstandsmanagement zuarbeiten, <br />weil wir uns dazu auch immer abstimmen. <br />Wo könnte man was tun, um das Ganze weiterzuentwickeln <br />und Institutionen, Firmen und Gewerbetreibende in den Ort zu locken?“</em><br /><em>(Robin Schmelzer)</em></p>								</div>
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									<h4>Herausforderungen – wenn Eigentümer*innen nicht mitziehen   </h4><p>Sebastian Zenner verdeutlicht, dass trotz der Erfolge Bemühungen teilweise auch ins Leere laufen und einige Gewerbeleerstände in den letzten 15 Jahren nicht vermittelt werden konnten. Nicht selten wegen mangelnden Interesses der Eigentümer*innen an Renovierungen oder weiteren Vermietungen, an Uneinigkeit in Erbengemeinschaften, finanziellen Fragen oder anderer Gründe. Beispiele reichen von einer früheren Industriestätte über zwei vor sich hin faulende frühere Gaststätten bis hin zu einem noch gar nicht so alten Bürokomplex. Trotz teils bester Lage finden sich keine Interessenten – bzw. wird mit ihnen keine Einigung über Renovierungen, Miete oder Pacht erzielt.</p>								</div>
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									<p>Die Möglichkeiten der Gemeinde sind hier begrenzt. Sie ist auf die Mitwirkung der Eigentümer*innen angewiesen, insbesondere darauf, dass die verfügbaren Leerstände und die Ansprechpartner*innen an das Leerstandsmanagement gemeldet werden. Nur dann können Interessenten sich mit ihnen in Verbindung setzen und über eine mögliche Nutzung verhandeln.</p><p>„Manche Eigentümer wohnen oder stammen gar nicht aus Quierschied oder der Umgebung. Wenn man selbst nicht vor Ort ist und eine Immobilie nur als Wertanlage oder Abschreibungsobjekt hält, besteht oft kein Interesse an einer Vermittlung. Dieses Problem existiert allerdings überall.“ (Sebastian Zenner)</p><p>Um dem spekulativen Leerstand und der Abwesenheit einiger Eigentümer*innen entgegenzuwirken, plant die Gemeinde die Etablierung eines Eigentümerforums. Ziel ist es, die Eigentümer*innen gezielt anzusprechen und einen Raum zu schaffen, in dem sie sich austauschen, Synergien herstellen und gemeinsame Projekte entwickeln können.</p><p style="text-align: center;"><em>„Wir versuchen was anzustoßen, <br />aber im Endeffekt entscheiden die Eigentümer, <br />was sie mit ihrem Eigentum machen.“ <br />(Sebastian Zenner)</em></p>								</div>
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									<h5>Saarland</h5><p>Um mehr über die Region dieser Bereisung zu erfahren hier klicken.</p>								</div>
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		<title>Abtei Marienmünster – von der Klosteranlage zum lebendigen Kulturort</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Sep 2026 12:37:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[BUNDESLÄNDER]]></category>
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					<description><![CDATA[Abtei Marienmünster von der Klosteranlage zum lebendigen Kulturort Die ehemalige Benediktinerabtei Marienmünster im Norden des Kreises Höxter ist eine der am besten erhaltenen historischen Klosteranlagen Westfalens und lockt heute als Kultur- und Begegnungsstätte zahlreiche Touristen sowie Kultur- und Musikbegeisterte an. Träger ist die 2006 gegründete Kulturstiftung Marienmünster, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Erhalt der Klosteranlage zu sichern und Wissenschaft, Kunst und Kultur zu fördern. Vor Ort haben wir mit Hans Hermann Jansen gesprochen. Der Musiker kam vor über 35 Jahren in die Abtei und ist dort seitdem u. a. als Kulturmanager und Leiter der Kulturstiftung Marienmünster tätig. Blick von Westen auf die Abtei Marienmünster Strukturwandel und Leerstand Die Abtei Marienmünster wurde im Jahr 1803 nach über 650 Jahren klösterlichem Leben in Folge der Säkularisation aufgelöst und ihr Besitz verstaatlicht. Während die Pfarrkirche St. Jakobus im staatlichen Besitz blieb und nach wie vor von der Kirchengemeinde genutzt wird, wurde der westliche Teil der Anlage an verschiedene Privateigentümer verkauft, welche die Gebäude bis in das 21. Jahrhundert landwirtschaftlich nutzten. Aus dem Besitz der Familie Derenthal entstand 1817 die Derenthal’sche Stiftung, die sich später dem Erhalt der Klosteranlage widmete. Nachdem in den 1990er Jahre Teile des Wirtschaftshofes aufgegeben werden mussten, standen die drei Scheunen im Westen der Abtei leer. In Kombination mit dem schlechten baulichen Zustand erhöhte sich der Handlungsdruck, die Scheunen für die Zukunft zu sichern und wieder zu beleben. Hans Herrmann Jansen beschreibt außerdem, wie die Abtei Ende des 20. Jahrhunderts von einem Konglomerat an Nutzer*innen und Besitzer*innen geprägt war. „Wir haben festgestellt, dass dieser als Gesamtkorpus gedachte Zusammenhang im Jahr 1803 völlig zerstört wurde und in viele Partikularinteressen zerfiel.“ Kulturstiftung Marienmünster – mit Stifter-Identität zum Kulturort Im Jahr 1999 begannen die Beratungsgespräche mit den Eigentümer*innen und Anwohner*innen der Abtei gemeinsam mit der Stadt Marienmünster, dem Regierungspräsidium Detmold sowie dem Amt für Denkmalpflege in Bezug auf eine sinnstiftende Nachnutzung und Rettung der denkmalgeschützten Scheunen. Inhaltlich sollte die neue Nutzung dem Charakter eines Klosters entsprechen und als Ort der Gemeinschaft, Bildung und Kultur weitergedacht werden. Auf dieser Grundlage wurde die Idee, den ehemaligen Wirtschaftshof als Begegnungs- und Bildungsstätte zu etablieren, geboren. Über die Zeit hat sich ein musikalischer Schwerpunkt etabliert. Hintergrund war die bereits seit 1993 in der Abtei aktive Gesellschaft der Musikfreunde der Abtei Marienmünster e.V., welche es sich, ebenfalls unter der Führung von Hans Hermann Jansen, zur Aufgabe gemacht hat, das musikalisch-literarische Leben vor Ort zu unterstützen. 2006 wurde die Kulturstiftung Marienmünster als Betreiberin der Kulturstätte gegründet. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Derenthal’sche Stiftung, welche die Kulturstiftung nicht nur gründete, sondern ihr auch die Scheunen, bestehend aus Schafstall, Reisescheune und Ackerhaus, zur Verfügung stellte. Hans Hermann Jansen betont, wie wichtig die Gründung einer gemeinnützigen Stiftung für das Vorhaben war, um die Finanzierung und den kulturellen Auftrag langfristig zu sichern. Gleichzeitig trägt die Stiftung laut ihm zur gemeinschaftlichen Identität bei. „Das war für mich eben auch klar, dass es eine exemplarische Entwicklung auch im ländlichen Raum immer nur durch diese Stifter-Identitäten gibt.“ Mit der Kulturstiftung wird außerdem das Ziel verfolgt, die seit der Verstaatlichung des Klosters entstandenen verschiedenen Interessen zusammenzuführen. Vor diesem Hintergrund pachtete die Kulturstiftung weitere Gebäude und Flächen, wie den Klostergarten, welcher 2014 durch die Stiftung in seinen historischen benediktinischen Zustand gebracht wurde. In den 1990er Jahren hatte Hans Hermann Jansen außerdem damit begonnen, leerstehende Wohnungen auf dem Anwesen durch die Ansiedelung von Künstler*innen wiederzubeleben. Aus dieser Entwicklung entstanden vielfältige Nutzungspotenziale. Luftansicht Scheunen, Links: Schafstall, Mitte: Reisescheune, Rechts: Ackerscheune Frontansicht Ackerscheune (Konzertsaal) Von Schweinestall zum Konzertsaal – die Sanierung Mit dem Ziel, möglichst viel der ursprünglichen Bausubstanz und den historischen Charakter zu erhalten, wurde 2004 mit den Sanierungsarbeiten begonnen. Die Scheunen dienten zuletzt als Lager und Schweineställe. Die früheren Innenwände der Ackerscheune waren bereits entfernt worden und so konnte sie ohne eine Beschädigung der historischen Bausubstanz in einen Konzertsaal verwandelt werden. Kernaufgabe der behutsamen Restaurierung war die Erneuerung der über 300 Jahre alten, sanierungsbedürftigen Dächer aus Wesersandsteinplatten. Diese wurden mit regionaltypischen Solling-Sandsteinplatten neu eingedeckt. Ergänzt wurde die Sanierung mit einem modernen Zwischenbau, der die drei Scheunen verbindet und die historische Architektur durch einen zeitgenössischen Stil abrundet. 2007 konnte die erste, 2010 die zweite und 2013 die dritte Scheune eröffnet werden. Für die spätere kulturelle Nutzung der großen Räumlichkeiten war außerdem der Einbau eines modernen Energiesystems wichtig. Mit der Wandtemperierung, kombiniert mit einer Biogasanlage, kann heute zuverlässig und nachhaltig geheizt werden.   Hans Hermann Jansen berichtet von einer gelungenen Sanierungsphase, die von einer guten Zusammenarbeit und einer großen Solidarität geprägt war. Die Derenthal’sche Stiftung war über den gesamten Zeitraum Bauherrin. Beteiligt waren außerdem die Stadt, der Kreis als untere Bauaufsichtsbehörde und die Bezirksregierung Detmold. Hinzu kamen viele ehrenamtliche Helfer*innen aus der Umgebung und der Region, die durch ihre hohe Solidarität und Identifizierung mit den Zielen der Kulturstiftung insgesamt über 600.000 Stunden Arbeit geleistet haben. Außenansicht, moderner Zwischenbau (Foto: Kulturstiftung Marienmuenster) Innenansicht Foyer in der Reisescheune (Foto: Kulturstiftung Marienmuenster) Finanzierung zwischen privatem Engagement und Förderungen Die finanzielle Grundlage für die Umnutzung der drei Scheunen, mit einem Gesamtvolumen von knapp 5 Mio. €, bildet eine gemischte Finanzierungsstruktur, bei der öffentliche und private Mittel miteinander kombiniert wurden. Eine Schlüsselrolle spielte das private Engagement der Derenthal’schen Stiftung, welche neben den Gebäuden auch Barvermögen einbrachte und die Gründung der Kulturstiftung mit einem Startkapital von 50.000 € ermöglichte. Gleichzeitig wurden für die Umnutzung verschiedene öffentliche Fördermittel genutzt. Der mit Abstand größte Anteil von 3 Mio. € konnte durch die Städtebauförderung abgedeckt werden. Weitere Sanierungsmaßnahmen wurden von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, dem Regionalen Wirtschaftsförderungsprogramm (RWP) und der NRW-Stiftung gefördert. Eine große finanzielle und psychische Belastung stellten die unvorhersehbaren zusätzlichen Kosten dar, welche nicht förderfähig und durch die Städtebauförderung nicht abgedeckt wurden. Daraufhin musste die Familienstiftung Schulden in Höhe von 1,5 Mio. € aufnehmen.    „Die Familienstiftung war schachmatt durch die Städtebauförderung. Das war also eine Investitionsfalle, wenn man ganz ehrlich sein will. Die Eigenanteile wurden immer höher.“ Hans Herrmann Jansen hätte sich vor diesem Hintergrund ein Controlling für die Vorhaben der verschiedenen beteiligten Institutionen, Architekten und Bauleute gewünscht, um eine bessere Kalkulation der Kosten zu]]></description>
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									<h3>Abtei Marienmünster</h3><h4><strong>von der Klosteranlage zum lebendigen Kulturort</strong></h4><p>Die ehemalige Benediktinerabtei Marienmünster im Norden des Kreises Höxter ist eine der am besten erhaltenen historischen Klosteranlagen Westfalens und lockt heute als Kultur- und Begegnungsstätte zahlreiche Touristen sowie Kultur- und Musikbegeisterte an. Träger ist die 2006 gegründete Kulturstiftung Marienmünster, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Erhalt der Klosteranlage zu sichern und Wissenschaft, Kunst und Kultur zu fördern. Vor Ort haben wir mit Hans Hermann Jansen gesprochen. Der Musiker kam vor über 35 Jahren in die Abtei und ist dort seitdem u. a. als Kulturmanager und Leiter der Kulturstiftung Marienmünster tätig.</p>								</div>
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									<h4>Strukturwandel und Leerstand</h4><p>Die Abtei Marienmünster wurde im Jahr 1803 nach über 650 Jahren klösterlichem Leben in Folge der Säkularisation aufgelöst und ihr Besitz verstaatlicht. Während die Pfarrkirche St. Jakobus im staatlichen Besitz blieb und nach wie vor von der Kirchengemeinde genutzt wird, wurde der westliche Teil der Anlage an verschiedene Privateigentümer verkauft, welche die Gebäude bis in das 21. Jahrhundert landwirtschaftlich nutzten. Aus dem Besitz der Familie Derenthal entstand 1817 die Derenthal’sche Stiftung, die sich später dem Erhalt der Klosteranlage widmete. Nachdem in den 1990er Jahre Teile des Wirtschaftshofes aufgegeben werden mussten, standen die drei Scheunen im Westen der Abtei leer. In Kombination mit dem schlechten baulichen Zustand erhöhte sich der Handlungsdruck, die Scheunen für die Zukunft zu sichern und wieder zu beleben.</p><p>Hans Herrmann Jansen beschreibt außerdem, wie die Abtei Ende des 20. Jahrhunderts von einem Konglomerat an Nutzer*innen und Besitzer*innen geprägt war.</p><p style="text-align: center;"><em>„Wir haben festgestellt, dass dieser als Gesamtkorpus gedachte Zusammenhang im Jahr 1803 völlig zerstört wurde und in viele Partikularinteressen zerfiel.“</em></p>								</div>
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									<h4>Kulturstiftung Marienmünster – mit Stifter-Identität zum Kulturort</h4><p>Im Jahr 1999 begannen die Beratungsgespräche mit den Eigentümer*innen und Anwohner*innen der Abtei gemeinsam mit der Stadt Marienmünster, dem Regierungspräsidium Detmold sowie dem Amt für Denkmalpflege in Bezug auf eine sinnstiftende Nachnutzung und Rettung der denkmalgeschützten Scheunen. Inhaltlich sollte die neue Nutzung dem Charakter eines Klosters entsprechen und als Ort der Gemeinschaft, Bildung und Kultur weitergedacht werden. Auf dieser Grundlage wurde die Idee, den ehemaligen Wirtschaftshof als Begegnungs- und Bildungsstätte zu etablieren, geboren. Über die Zeit hat sich ein musikalischer Schwerpunkt etabliert. Hintergrund war die bereits seit 1993 in der Abtei aktive Gesellschaft der Musikfreunde der Abtei Marienmünster e.V., welche es sich, ebenfalls unter der Führung von Hans Hermann Jansen, zur Aufgabe gemacht hat, das musikalisch-literarische Leben vor Ort zu unterstützen.</p><p>2006 wurde die Kulturstiftung Marienmünster als Betreiberin der Kulturstätte gegründet. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Derenthal’sche Stiftung, welche die Kulturstiftung nicht nur gründete, sondern ihr auch die Scheunen, bestehend aus Schafstall, Reisescheune und Ackerhaus, zur Verfügung stellte. Hans Hermann Jansen betont, wie wichtig die Gründung einer gemeinnützigen Stiftung für das Vorhaben war, um die Finanzierung und den kulturellen Auftrag langfristig zu sichern. Gleichzeitig trägt die Stiftung laut ihm zur gemeinschaftlichen Identität bei.</p><p style="text-align: center;"><em>„Das war für mich eben auch klar, dass es eine exemplarische Entwicklung auch im ländlichen Raum immer nur durch diese Stifter-Identitäten gibt.“</em></p><p>Mit der Kulturstiftung wird außerdem das Ziel verfolgt, die seit der Verstaatlichung des Klosters entstandenen verschiedenen Interessen zusammenzuführen. Vor diesem Hintergrund pachtete die Kulturstiftung weitere Gebäude und Flächen, wie den Klostergarten, welcher 2014 durch die Stiftung in seinen historischen benediktinischen Zustand gebracht wurde. In den 1990er Jahren hatte Hans Hermann Jansen außerdem damit begonnen, leerstehende Wohnungen auf dem Anwesen durch die Ansiedelung von Künstler*innen wiederzubeleben. Aus dieser Entwicklung entstanden vielfältige Nutzungspotenziale.</p>								</div>
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									<h4>Von Schweinestall zum Konzertsaal – die Sanierung</h4><p>Mit dem Ziel, möglichst viel der ursprünglichen Bausubstanz und den historischen Charakter zu erhalten, wurde 2004 mit den Sanierungsarbeiten begonnen. Die Scheunen dienten zuletzt als Lager und Schweineställe. Die früheren Innenwände der Ackerscheune waren bereits entfernt worden und so konnte sie ohne eine Beschädigung der historischen Bausubstanz in einen Konzertsaal verwandelt werden. Kernaufgabe der behutsamen Restaurierung war die Erneuerung der über 300 Jahre alten, sanierungsbedürftigen Dächer aus Wesersandsteinplatten. Diese wurden mit regionaltypischen Solling-Sandsteinplatten neu eingedeckt. Ergänzt wurde die Sanierung mit einem modernen Zwischenbau, der die drei Scheunen verbindet und die historische Architektur durch einen zeitgenössischen Stil abrundet. </p>								</div>
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									<p>2007 konnte die erste, 2010 die zweite und 2013 die dritte Scheune eröffnet werden. Für die spätere kulturelle Nutzung der großen Räumlichkeiten war außerdem der Einbau eines modernen Energiesystems wichtig. Mit der Wandtemperierung, kombiniert mit einer Biogasanlage, kann heute zuverlässig und nachhaltig geheizt werden.  </p><p>Hans Hermann Jansen berichtet von einer gelungenen Sanierungsphase, die von einer guten Zusammenarbeit und einer großen Solidarität geprägt war. Die Derenthal’sche Stiftung war über den gesamten Zeitraum Bauherrin. Beteiligt waren außerdem die Stadt, der Kreis als untere Bauaufsichtsbehörde und die Bezirksregierung Detmold. Hinzu kamen viele ehrenamtliche Helfer*innen aus der Umgebung und der Region, die durch ihre hohe Solidarität und Identifizierung mit den Zielen der Kulturstiftung insgesamt über 600.000 Stunden Arbeit geleistet haben.</p>								</div>
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									<h4>Finanzierung zwischen privatem Engagement und Förderungen</h4><p>Die finanzielle Grundlage für die Umnutzung der drei Scheunen, mit einem Gesamtvolumen von knapp 5 Mio. €, bildet eine gemischte Finanzierungsstruktur, bei der öffentliche und private Mittel miteinander kombiniert wurden.</p><p>Eine Schlüsselrolle spielte das private Engagement der Derenthal’schen Stiftung, welche neben den Gebäuden auch Barvermögen einbrachte und die Gründung der Kulturstiftung mit einem Startkapital von 50.000 € ermöglichte. Gleichzeitig wurden für die Umnutzung verschiedene öffentliche Fördermittel genutzt. Der mit Abstand größte Anteil von 3 Mio. € konnte durch die Städtebauförderung abgedeckt werden. Weitere Sanierungsmaßnahmen wurden von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, dem Regionalen Wirtschaftsförderungsprogramm (RWP) und der NRW-Stiftung gefördert. Eine große finanzielle und psychische Belastung stellten die unvorhersehbaren zusätzlichen Kosten dar, welche nicht förderfähig und durch die Städtebauförderung nicht abgedeckt wurden. Daraufhin musste die Familienstiftung Schulden in Höhe von 1,5 Mio. € aufnehmen.  </p><p style="text-align: center;"><em> „Die Familienstiftung war schachmatt <br />durch die Städtebauförderung. <br />Das war also eine Investitionsfalle, <br />wenn man ganz ehrlich sein will. <br />Die Eigenanteile wurden immer höher.“</em></p><p>Hans Herrmann Jansen hätte sich vor diesem Hintergrund ein Controlling für die Vorhaben der verschiedenen beteiligten Institutionen, Architekten und Bauleute gewünscht, um eine bessere Kalkulation der Kosten zu gewährleisten.</p><p>Aktuell ist Marienmünster eine von 30 Regionen, die in der derzeitigen Förderphase von 2023 bis 2030 durch das Bundesprogramm Aller.Land gefördert werden. Mit dem Ziel, die Themen der Kulturstiftung neu zu denken und zukunftsweisende Mechanismen der Zusammenarbeit zu erproben, erhält die Stiftung eine 100 %-Förderung von 1,5 Mio. €, wobei die zehn Prozent Eigenanteil vom Land Nordrhein-Westfalen übernommen werden.</p><p>Auch die ehrenamtliche Hilfe bildet einen wichtigen Teil des Finanzierungskonzeptes. Die Kulturstiftung wird ausschließlich ehrenamtlich betrieben. Aktuell gibt es rund 30 Mitarbeiter*innen, die auf ehrenamtlicher Basis die anfallenden Aufgaben, wie die Gästeführung, Gartenarbeiten oder die Programmentwicklung übernehmen. Während die Kulturstiftung Marienmünster u. a. für die organisatorischen, finanziellen und baulichen Rahmenbedingungen zuständig ist, kümmert sich die Gesellschaft der Musikfreunde um die inhaltliche und künstlerische Arbeit.</p><p>Hinzu kommen Einnahmen durch Spenden, Zustiftungen, Kulturveranstaltungen und Gebäudevermietungen, die den alltäglichen Betrieb ermöglichen.</p>								</div>
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									<h4>Netzwerke als Motor der Kulturarbeit    </h4><p>Die unterschiedlichen regionalen und überregionalen Netzwerke sind ein zentraler Bestandteil der Kulturarbeit der Stiftung. Hans Hermann Jansen beschreibt, wie wichtig es ist, die Abtei Marienmünster gemeinsam mit den weiteren klösterlichen Einrichtungen der Region zu denken. 2009 hat er in diesem Kontext das Netzwerk Klosterlandschaft OWL ins Leben gerufen, das als ein kulturtouristisches Netzwerk die Klöster in Ostwestfalen-Lippe verknüpft und nachhaltige Zusammenarbeit ermöglicht.</p><p style="text-align: center;"><em> „Allein die Tatsache, dass es dort Parallelentwicklungen gibt, <br />ist natürlich ermutigend. Wir schaffen keine Konkurrenz, <br />sondern im Endeffekt Beteiligung und Wahrnehmung.“</em></p><p>Aber auch Netzwerke, die Hans Hermann Jansen im Laufe seiner Karriere als Musiker aufbauen konnte, spielen eine wichtige Rolle.</p><p style="text-align: center;"><em>„Im Endeffekt sind sie als Künstler wie die Bienen hierhergekommen <br />und haben dementsprechend viel zu der Gemeinschaftsaufgabe geleistet. <br />Kunst im Allgemeinen oder kulturelle Nutzung kostet nicht nur, <br />sondern bringt auch einen unglaublichen Multiplikationseffekt.“</em></p><p>Darüber hinaus ist die Abtei in regionale Kulturpartnerschaften wie das regionale Kulturprogramm (RKP), Urban Land OWL oder auch die LEADER-Region eingebunden. Aktuell bringt auch Aller.Land neuen Schwung in das Netzwerk. Durch die hinzugewonnene Bekanntheit und den Fokus des Förderprogrammes auf Beteiligung und Gemeinschaft können wieder neue Kontakte geknüpft werden. In diesem Kontext arbeitet die Kulturstiftung aktuell an der Zusammenarbeit mit einer jüngeren Zielgruppe. Geplant sind Kooperationen mit der Hochschule OWL und weiteren Grund- und Musikschulen.</p>								</div>
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									<h4>Die Abtei als kulturelle Begegnungs- und Veranstaltungsstätte</h4><p>In den letzten 20 Jahren konnten sich die drei Scheunen des ehemaligen Wirtschaftshofes als kulturelle Begegnungs- und Veranstaltungsstätte mit musikalischem Schwerpunkt etablieren. Dank ihrer guten Akustik finden in der ehemaligen Ackerscheune heute regelmäßig hochrangige Konzerte statt. Auch für professionelle Tonaufnahmen kann der Konzertsaal genutzt werden. Die Reisescheune und der Schafstall können ebenfalls für verschiedene Veranstaltungen und private Feiern gemietet werden. Über das Jahr finden verschiedene Workshops, Seminare, Konzerte, Aufführungen und Chor-Veranstaltungen statt. Im Sommer steht z. B. das Klosterfestival vor der Tür. Zum Zeitpunkt unseres Besuches wurde außerdem eine Fotoausstellung aufgebaut. Die Kulturstiftung versteht sich darüber hinaus als offenes Haus, in dem Menschen die Möglichkeit bekommen, sich kreativ zu entfalten. Dabei stehen Gemeinschaft, Kommunikation und Demokratiebildung im Fokus. Auch Kinder und Jugendliche werden gezielt in das Konzept eingebunden. Über Angebote für Schulklassen bekommen Kinder die Möglichkeit, das Haus kennenzulernen und selber aktiv zu werden. Dazu findet regelmäßig ein Ferientheater statt, bei dem Kinder und Jugendlichen gemeinsam ein Musiktheaterstück einstudieren und anschließend aufführen.</p><p style="text-align: center;"><em> „Aus einem Lost Place haben wir im Grunde <br />dieses Dornröschenerlebnis gemacht.“</em></p>								</div>
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									<h5>Nordrhein-Westfalen</h5><p>Um mehr über die Region dieser Bereisung zu erfahren hier klicken.</p>								</div>
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									<h5>Nordrhein-Westfalen</h5><p>Trailer der Bereisung als Youtube-Video</p>								</div>
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		<title>Die KulturScheune 1a – gemeinsam für einen neuen Begegnungsort</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Sep 2026 10:13:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[BUNDESLÄNDER]]></category>
		<category><![CDATA[Nordrhein-Westfalen]]></category>
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					<description><![CDATA[Die KulturScheune 1a gemeinsam für einen neuen Begegnungsort Wie viele ländliche Orte sieht sich auch Fürstenberg, ein Stadtteil von Bad Wünnenberg im nordrhein-westfälischen Kreis Paderborn, mit dem Rückgang kultureller Strukturen und gemeinschaftlicher Begegnungsräume konfrontiert. „Alte Strukturen brechen weg. Die Kirche hat immer weniger Bedeutung. Kneipen gibt es nicht mehr. Die letzte hat tatsächlich vor vier Jahren zugemacht. Früher gab es mal sieben, acht oder neun. Es gibt eigentlich keine Kristallisationspunkte, damit Leute sich treffen können oder was miteinander machen.“(Peter Gödde) Dieser Entwicklung wollten einige engagierte Anwohner*innen nicht tatenlos zusehen. Ihre Chance witterten sie im Jahr 2020, als eine Scheune in der Ortsmitte leer fiel. In den nächsten vier Jahren verwirklichte die Gruppe ihre Vision eines kulturellen Identifikations- und Begegnungsortes in der ehemaligen Zehntscheune. Unter dem Namen „KulturScheune1a” ist die Scheune heute ein über die Region hinaus bekannter Veranstaltungsort, der namhafte Künstler*innen und Gäste aus ganz Deutschland anlockt. Für die Dorfgemeinschaft ist sie ein Gestaltungsraum, der zum Mitmachen einlädt. Unsere Interviewpartner*innen auf der Fluchttreppe Wir waren vor Ort und haben mit Peter Gödde, dem Geschäftsführer der KulturScheune1a UG, mit Julia Mühlenbein, der Leiterin der Organisation, sowie mit Erhard Weitekamp gesprochen und einen Einblick in die spannende Entwicklung des Projekts bekommen. Frontansicht Die Scheune von oben Von der Zehntscheune zum Kulturzentrum   Die ehemalige Zehntscheune und heutige Heimat der Kulturscheune1a wurde 1776 vom Graf von Westfaphlen erbaut und war Teil eines landwirtschaftlichen Gutshofes im historischen Ortskern von Fürstenberg. Nachdem sie ihre ursprüngliche Nutzung verlor, wurde die Scheune seit den 1970er Jahren von der Kommune als Bauhof und Lager genutzt. Als diese 2020 in ein neues Gebäude umzogen, blieb das bedeutende Gebäude ungenutzt zurück. „Es war nicht nur eine Zehntscheune, sondern auch ein Ort des Austauschs zwischen Adel, Kirche und Bürgern, also Bauern. Das war also immer ein spannungsgeladener Ort, positiv gemeint.“(Peter Gödde) Mit dem Wunsch, das identitätsstiftende Gebäude zu erhalten und einen neuen Kultur- und Begegnungsort für die Dorfgemeinschaft zu schaffen, entwickelte eine motivierte Gruppe aus zunächst fünf und später 15 Anwohner*innen im Austausch mit der Dorfgemeinschaft das Konzept der Kulturscheune. Nach langen Verhandlungen mit der Kommune, welche dem Kulturprojekt weniger wohlwollend gegenüberstand, konnte sie das Gebäude am 1. April 2021 für einen symbolischen Euro übernehmen. Nach dem Kauf stand die Gruppe vor einer sanierungsbedürftigen Scheune, ohne Boden, Isolierung und mit alten, baufälligen Toren. Nach konkreten Planungsgesprächen mit Architekten, Sachverständigen und Fachplanern und der Beantragung einer Nutzungsänderung, konnte im Winter desselben Jahres mit den Sanierungsarbeiten begonnen werden. Viele davon wurden in Eigenleistung erbracht. Im Fokus stand die bauliche und technische Anpassung sowie die energetische Modernisierung, um eine ganzjährige Nutzung zu ermöglichen. Zunächst wurde ein Teil der Scheune bis zur zweiten Jahreshälfte 2021 provisorisch nutzbar gemacht. Ein gedämmter Holzboden und eine mobile Trennwand aus Glas wurden eingesetzt, um einen Cafébereich vom größeren Scheunenbereich abzuschirmen. Weiter ging es 2022 mit der Dachdämmung. 2023 waren bereits große Teile der Sanierungsarbeiten im Innenbereich abgeschlossen, wie z. B. die zuverlässige Wärmeversorgung durch eine Fußbodenheizung. Im darauffolgenden Jahr wurde die Kulturscheune mit der Sanierung des Vorplatzes abgerundet. Heute umfasst die KulturScheune1a ein Foyer mit einem Cafébereich, der aus zusammengewürfelten Tischen von ehemaligen Pensionen besteht. Im linken Scheunenbereich findet sich ein Veranstaltungssaal mit 200 Sitzplätzen und einer über 50 m² großen Bühne. Vervollständigt wird die KulturScheune1a durch moderne sanitäre Anlagen, eine Küche sowie Ausstellungs- und Arbeitsflächen. Cafébereich In einer der alten Hallen wurde ein Theater eingerichtet, die „Die Andere Welt Bühne“, die das kulturelle Angebot der Region erweitert. Mit der Veranstaltung von Workshops sowie Angebote für Kinder und Jugendliche haben die Initiator*innen zudem einen gesellschaftlichen Auftrag angenommen. Hierfür geht Melanie Seeland, die für den Betrieb des Theaters verantwortlich ist, Kooperationen mit Kindergärten und Schulen der Stadt ein und schafft Angebote für interessierte Bürger*innen. Den Bau der Innenausstattung übernahmen die Initiator*innen selbst. In der Waldwirtschafterei fertigten sie beispielsweise die aufwendigen Bühnenelemente. Die Bestuhlung und Teile der Technik wurden von befreundete Berliner Theatern gestiftet, die damit einen wichtigen Beitrag für die Eröffnung des Theaterbetriebs leisteten. Neben den erbrachten Eigenleistungen trägt sich „Die Andere Welt Bühne“ über Förderungen des Landes Brandenburg – insbesondere durch die Kulturförderung. Und der Erfolg bestätigt die Bemühungen und motiviert die Betreiber*innen. Das Theater lockt neben den Menschen aus der Region auch Publikum aus dem nahliegenden Berlin nach Strausberg. In einer anderen Halle auf dem alten Postgelände befindet sich die besagte Waldwirtschafterei. Die Holzwerkstatt stellt einen wesentlichen und wichtigen Bestandteil des Vorhabens dar. Hier werden neben Auftragsarbeiten insbesondere die Ausstattungen für den eigenen Gebrauch – wie Bühnenelemente für das Theater oder die Innenausstattung für die Schmorpost – sowie die Elemente für die Häuser für das „Wohnen am Waldrand“ gefertigt. Der Aufbau der Werkstatt sowie die Anschaffung von Maschinen und des eigenen mobilen Sägewerks – das sich an einer anderen Stelle auf dem Gelände im Einsatz befindet und die gefällten Bäume zu Bauholz verarbeitet – wurden mit eigenen Mitteln finanziert. Anschaffungs- und Betriebskosten können zum Teil durch Auftragsarbeiten und durch den Aufbau des Wohnquartiers sowie dessen Einnahmen gedeckt werden. Auf dem Gelände entsteht zusätzlich zu dem kulturellen und gastronomischen Angebot ein kleines nachhaltiges Wohnquartier, welches zukünftig noch erweitert werden könnte. Der Nachhaltigkeitsaspekt ergibt sich aus der Art und Weise des Hausbaus. Es handelt sich um Holzhäuser, deren Bau einem ressourcenschonenden, kreislauforientierten Ansatz folgt. Fenster werden nachgenutzt; das Holz stammt vom eigenen Gelände ohne nennenswerte Transportwege und wird vor Ort verarbeitet. Außerdem stehen die Neubauten auf Punktfundamenten, für welche nur geringe Mengen Beton benötigt werden. Zudem lässt die Bauweise den kompletten Rückbau der Häuser zu. Die Finanzierung des Projekts „Wohnen am Waldrand“ setzt sich aus Eigenmitteln aus der laufenden Kreditfinanzierung und den bereits geleisteten Zahlungen von Genossenschaftsanteilen zukünftiger Bewohner*innen zusammen. Das erste Haus wird bereits bewohnt und das zweite steht kurz vor dem Bezug. Weitere Häuser befinden sich im Bau, sind zum Teil bereits verkauft oder warten auf Bewohner*innen. Potenzielle Nutzer*innen steigen demnach nach einem genossenschaftlichen Modell, mit ihren persönlichen finanziellen Mitteln, in das Vorhaben ein, werden dadurch Miteigentümer*innen aller Häuser und mieten ihr eigenes Haus bzw. ihre eigene Wohnung. Linker Scheunenbereich mit Blick auf die Bühne Blick von der Bühne]]></description>
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									<h3><strong>Die KulturScheune 1a</strong></h3><h4><strong>gemeinsam für einen neuen Begegnungsort</strong></h4><p>Wie viele ländliche Orte sieht sich auch Fürstenberg, ein Stadtteil von Bad Wünnenberg im nordrhein-westfälischen Kreis Paderborn, mit dem Rückgang kultureller Strukturen und gemeinschaftlicher Begegnungsräume konfrontiert.</p><p style="text-align: center;"><em>„Alte Strukturen brechen weg. Die Kirche hat immer weniger Bedeutung. Kneipen gibt es nicht mehr. Die letzte hat tatsächlich vor vier Jahren zugemacht. Früher gab es mal sieben, acht oder neun. Es gibt eigentlich keine Kristallisationspunkte, damit Leute sich treffen können oder was miteinander machen.“<br />(Peter Gödde)</em></p><p>Dieser Entwicklung wollten einige engagierte Anwohner*innen nicht tatenlos zusehen. Ihre Chance witterten sie im Jahr 2020, als eine Scheune in der Ortsmitte leer fiel. In den nächsten vier Jahren verwirklichte die Gruppe ihre Vision eines kulturellen Identifikations- und Begegnungsortes in der ehemaligen Zehntscheune. Unter dem Namen „KulturScheune1a” ist die Scheune heute ein über die Region hinaus bekannter Veranstaltungsort, der namhafte Künstler*innen und Gäste aus ganz Deutschland anlockt. Für die Dorfgemeinschaft ist sie ein Gestaltungsraum, der zum Mitmachen einlädt.</p>								</div>
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									<p>Wir waren vor Ort und haben mit Peter Gödde, dem Geschäftsführer der KulturScheune1a UG, mit Julia Mühlenbein, der Leiterin der Organisation, sowie mit Erhard Weitekamp gesprochen und einen Einblick in die spannende Entwicklung des Projekts bekommen.</p>								</div>
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									<h4>Von der Zehntscheune zum Kulturzentrum  </h4><p>Die ehemalige Zehntscheune und heutige Heimat der Kulturscheune1a wurde 1776 vom Graf von Westfaphlen erbaut und war Teil eines landwirtschaftlichen Gutshofes im historischen Ortskern von Fürstenberg. Nachdem sie ihre ursprüngliche Nutzung verlor, wurde die Scheune seit den 1970er Jahren von der Kommune als Bauhof und Lager genutzt. Als diese 2020 in ein neues Gebäude umzogen, blieb das bedeutende Gebäude ungenutzt zurück.</p><p style="text-align: center;"><em>„Es war nicht nur eine Zehntscheune, sondern auch ein Ort des Austauschs zwischen Adel, Kirche und Bürgern, also Bauern. Das war also immer ein spannungsgeladener Ort, positiv gemeint.“<br />(Peter Gödde)</em></p><p>Mit dem Wunsch, das identitätsstiftende Gebäude zu erhalten und einen neuen Kultur- und Begegnungsort für die Dorfgemeinschaft zu schaffen, entwickelte eine motivierte Gruppe aus zunächst fünf und später 15 Anwohner*innen im Austausch mit der Dorfgemeinschaft das Konzept der Kulturscheune. Nach langen Verhandlungen mit der Kommune, welche dem Kulturprojekt weniger wohlwollend gegenüberstand, konnte sie das Gebäude am 1. April 2021 für einen symbolischen Euro übernehmen.</p><p>Nach dem Kauf stand die Gruppe vor einer sanierungsbedürftigen Scheune, ohne Boden, Isolierung und mit alten, baufälligen Toren. Nach konkreten Planungsgesprächen mit Architekten, Sachverständigen und Fachplanern und der Beantragung einer Nutzungsänderung, konnte im Winter desselben Jahres mit den Sanierungsarbeiten begonnen werden.</p>								</div>
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									<p>Viele davon wurden in Eigenleistung erbracht. Im Fokus stand die bauliche und technische Anpassung sowie die energetische Modernisierung, um eine ganzjährige Nutzung zu ermöglichen. Zunächst wurde ein Teil der Scheune bis zur zweiten Jahreshälfte 2021 provisorisch nutzbar gemacht. Ein gedämmter Holzboden und eine mobile Trennwand aus Glas wurden eingesetzt, um einen Cafébereich vom größeren Scheunenbereich abzuschirmen. Weiter ging es 2022 mit der Dachdämmung. 2023 waren bereits große Teile der Sanierungsarbeiten im Innenbereich abgeschlossen, wie z. B. die zuverlässige Wärmeversorgung durch eine Fußbodenheizung. Im darauffolgenden Jahr wurde die Kulturscheune mit der Sanierung des Vorplatzes abgerundet.</p><p>Heute umfasst die KulturScheune1a ein Foyer mit einem Cafébereich, der aus zusammengewürfelten Tischen von ehemaligen Pensionen besteht. Im linken Scheunenbereich findet sich ein Veranstaltungssaal mit 200 Sitzplätzen und einer über 50 m² großen Bühne. Vervollständigt wird die KulturScheune1a durch moderne sanitäre Anlagen, eine Küche sowie Ausstellungs- und Arbeitsflächen.</p>								</div>
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									<p>In einer der alten Hallen wurde ein Theater eingerichtet, die „Die Andere Welt Bühne“, die das kulturelle Angebot der Region erweitert. Mit der Veranstaltung von Workshops sowie Angebote für Kinder und Jugendliche haben die Initiator*innen zudem einen gesellschaftlichen Auftrag angenommen. Hierfür geht Melanie Seeland, die für den Betrieb des Theaters verantwortlich ist, Kooperationen mit Kindergärten und Schulen der Stadt ein und schafft Angebote für interessierte Bürger*innen.</p><p>Den Bau der Innenausstattung übernahmen die Initiator*innen selbst. In der Waldwirtschafterei fertigten sie beispielsweise die aufwendigen Bühnenelemente. Die Bestuhlung und Teile der Technik wurden von befreundete Berliner Theatern gestiftet, die damit einen wichtigen Beitrag für die Eröffnung des Theaterbetriebs leisteten. Neben den erbrachten Eigenleistungen trägt sich „Die Andere Welt Bühne“ über Förderungen des Landes Brandenburg – insbesondere durch die Kulturförderung. Und der Erfolg bestätigt die Bemühungen und motiviert die Betreiber*innen. Das Theater lockt neben den Menschen aus der Region auch Publikum aus dem nahliegenden Berlin nach Strausberg.</p><p>In einer anderen Halle auf dem alten Postgelände befindet sich die besagte Waldwirtschafterei. Die Holzwerkstatt stellt einen wesentlichen und wichtigen Bestandteil des Vorhabens dar. Hier werden neben Auftragsarbeiten insbesondere die Ausstattungen für den eigenen Gebrauch – wie Bühnenelemente für das Theater oder die Innenausstattung für die Schmorpost – sowie die Elemente für die Häuser für das „Wohnen am Waldrand“ gefertigt.</p>								</div>
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									<p>Der Aufbau der Werkstatt sowie die Anschaffung von Maschinen und des eigenen mobilen Sägewerks – das sich an einer anderen Stelle auf dem Gelände im Einsatz befindet und die gefällten Bäume zu Bauholz verarbeitet – wurden mit eigenen Mitteln finanziert. Anschaffungs- und Betriebskosten können zum Teil durch Auftragsarbeiten und durch den Aufbau des Wohnquartiers sowie dessen Einnahmen gedeckt werden.</p><p>Auf dem Gelände entsteht zusätzlich zu dem kulturellen und gastronomischen Angebot ein kleines nachhaltiges Wohnquartier, welches zukünftig noch erweitert werden könnte. Der Nachhaltigkeitsaspekt ergibt sich aus der Art und Weise des Hausbaus. Es handelt sich um Holzhäuser, deren Bau einem ressourcenschonenden, kreislauforientierten Ansatz folgt. Fenster werden nachgenutzt; das Holz stammt vom eigenen Gelände ohne nennenswerte Transportwege und wird vor Ort verarbeitet. Außerdem stehen die Neubauten auf Punktfundamenten, für welche nur geringe Mengen Beton benötigt werden. Zudem lässt die Bauweise den kompletten Rückbau der Häuser zu.</p><p>Die Finanzierung des Projekts „Wohnen am Waldrand“ setzt sich aus Eigenmitteln aus der laufenden Kreditfinanzierung und den bereits geleisteten Zahlungen von Genossenschaftsanteilen zukünftiger Bewohner*innen zusammen. Das erste Haus wird bereits bewohnt und das zweite steht kurz vor dem Bezug. Weitere Häuser befinden sich im Bau, sind zum Teil bereits verkauft oder warten auf Bewohner*innen. Potenzielle Nutzer*innen steigen demnach nach einem genossenschaftlichen Modell, mit ihren persönlichen finanziellen Mitteln, in das Vorhaben ein, werden dadurch Miteigentümer*innen aller Häuser und mieten ihr eigenes Haus bzw. ihre eigene Wohnung.</p>								</div>
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									<p>Projektträger ist die KulturScheune1a UG, welche den Kultur- und Begegnungsort eigenständig betreibt, wodurch eine professionelle Unternehmerstruktur mit dem ehrenamtlichen Engagement verknüpft wird. Die 2020 für das Projekt gegründete Sintfeld Stiftung e.V. und Pro Fürstenberg e.V. haben die UG als gemeinnützige Gesellschafter errichtet und sind Teil einer nachhaltigen und stabilen Trägerschaft. Neben der ehrenamtlichen Geschäftsführung beteiligen sich mittlerweile um die 60 ehrenamtlich Engagierte an dem Projekt und in verschiedenen Arbeitsgruppen in den Bereichen Bau, Finanzen, Gestaltung, Programmarbeit, Scheunenmarkt und Café. Eine hauptamtliche Organisationsleitung koordiniert die Ehrenamlichen und leistet das umfängliche Veranstaltungsmanagement.</p><h4>Förderung und langfristige Finanzierung</h4><p>Finanziert wurde die Projektumsetzung durch das <a href="https://www.dritteorte.nrw" target="_blank" rel="noopener">Programm Dritte Orte</a>, mit dem das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen die Entwicklung kultureller Begegnungsorte und ihren nachhaltigen Betrieb fördert. Dies beinhaltete eine Fördersumme von 450.000 € über drei Jahre für den Umbau, die Ausstattung und für Personalkosten. Nach dieser Umsetzungsphase folgte eine Folgeförderung für den laufenden Betrieb mit 50.000 € für das Jahr 2024, 40.000 € für 2025 und 30.000 € für 2026.</p><p style="text-align: center;"><em>„Es gibt dort durchaus, sagen wir mal, sehr wohlwollende Bereitschaft, <br />gerade im Kulturministerium Nordrhein-Westfalen, <br />die Dritten Orte auch weiter zu unterstützen.“ <br />(Peter Gödde)</em></p><p>Weitere finanzielle Unterstützung für die Renovierungsmaßnahmen erhielt das Projekt durch die <a href="https://www.nrw-stiftung.de" target="_blank" rel="noopener">NRW-Stiftung</a> in Höhe von 265.000 €. Aus dem Heimatprogramm des Bauministeriums NRW wurde die Vorplatzgestaltung und ein Kunstwettbewerb mit 150.000 € unterstützt. Die Dachsanierung und die Platzbeleuchtung wurden außerdem von der Stadt mit ca. 80.000 € unterstützt. Die Sintfeld-Energiestiftung der lokalen Windparks unterstütze ebenfalls mit 50.000 €.</p><p>Der laufende Betrieb mit den anfallenden Personal-, Unterhalts- und Veranstaltungskosten kann zu einem Drittel durch die Einnahmen für die Kulturveranstaltung und zu einem weiteren Drittel durch den Catering- und Getränkeumsatz abgedeckt werden. Das letzte Drittel muss mit Hilfe anderer Quellen, wie z. B. Förderung, Sponsoring oder dem Freundeskreis generiert werden. Letzteres beschreibt einen Kreis von Privatpersonen und lokalen Förderern, welche das Projekt regelmäßig finanziell unterstützen.</p><p style="text-align: center;"><em>„Wir müssen uns natürlich überlegen:<br />Wie kriegen wir dieses fehlende Drittel bei uns finanziert? <br />Deswegen haben wir einen Freundeskreis installiert, wo einfach Leute, <br />die das auch leisten können, Unternehmer, Ärzte, und so weiter, sagen:<br />„Wir geben euch als feste Zusage pro Jahr Betrag X, das ist uns die tolle Arbeit <br />und das Weiterbestehen der KulturScheune1a wert.“ <br />(Peter Gödde)</em></p><h4>Zwischen Bürokratie und lokaler Akzeptanz</h4><p>Zu den größten Hürden gehörten im Aufbau die mangelnde Zusammenarbeit sowie fehlende Unterstützung und Wertschätzung der Kommune. Peter Gödde beschreibt seinen Eindruck, dass das Projekt mit dem Fokus auf Kultur auf wenig Zuspruch bei den Kommunalpolitiker:innen und der Stadtverwaltung gestoßen ist.</p><p style="text-align: center;"><em>„Das Kulturverständnis im ländlichen Raum ist bisweilen sehr eng<br />und vielfach nur auf Tradition und Vereinsmeierei begrenzt. <br />Vor allem in kleineren Kommunen, die keine eigene Kulturämter etc. haben, <br />sollte man neues, diverses, modernes und breites kulturelles <br />bürgerschaftliches Engagement begrüßen und unterstützen, <br />gerade auch finanziell und wertschätzend.“ <br />(Peter Gödde)</em></p><p>Hinzu kommt ein dörfliches Spannungsfeld mit Rivalitäten zwischen den lokalen Vereinen und anderen Dörfern um Besucher*innen und finanzielle Unterstützung.</p><p style="text-align: center;"><em>„Es gibt andere Vereine, die gucken ja neidisch drauf und sagen: <br />‚Das braucht ihr doch eigentlich gar nicht. <br />Wieso kriegen die öffentliches Geld?‘“ <br />(Peter Gödde)</em></p><p>Dabei betonen die Akteur*innen, dass mit der KulturScheune1a keinerlei Konkurrenz zu den lokalen Vereinsangeboten geschaffen werden. Die neuen Angebote und Formate der KulturScheune1a decken Wünsche und Bedarfe ab, die traditionell nicht, oder nicht mehr erfüllt werden.</p><p>Überwinden konnte die Gruppe die Rückschläge und Kritik vor allem durch die gegenseitige Unterstützung und Motivation im Team.</p><p style="text-align: center;"><em>„Das schweißt natürlich auf der anderen Seite auch wieder zusammen, <br />wenn man sagt: ‚So, wir schaffen das.‘“ <br />(Peter Gödde)</em></p>								</div>
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									<p>Herausfordernd war außerdem der Umgang mit den widerstreitenden Interessen und Vorgaben von Denkmalschutz, energetischer Sanierung und Brandschutz. Probleme gab es u. a.  aufgrund des notwendigen Fluchtausgangs im hinteren Bereich der Scheune. Trotz der guten fachlichen Hinweise, die die Gruppe in Bezug auf den Umgang mit dem alten Mauerwerk erhalten hat, bemängelt Peter Gödde die langsamen und starren Abläufe der formalen Prozesse und der Vergabe von Genehmigungen.</p><p style="text-align: center;"><em>„Ich bin, gerade in ländlichen Regionen, sehr dafür, <br />dass man den Leuten das Geld gibt, dass man sie verantwortlich <br />macht dafür und dann in Eigenregie machen lässt. <br />Denn wenn wir das hier alles umgesetzt hätten <br />mit den Vergaberichtlinien der Stadt, <br />dann wären wir heute noch nicht fertig.“ (Peter Gödde)</em></p><h4>Gemeinschaftlich auf Augenhöhe ans Ziel</h4><p>Das Erfolgsrezept des Bottom-up-Projektes liegt vor allem in der geschickten Bündelung der zahlreichen organisatorischen und handwerklichen Kompetenzen sowie der persönlichen Netzwerke des Teams, das sich aus engagierten Anwohner*innen zusammengefunden hat.</p><p style="text-align: center;"><em>„Jeder hat irgendwo seine Fähigkeiten. <br />Wenn man die vernünftig zusammenbaut, <br />dann kann man solche Projekte wirklich gut hinbekommen. <br />Vor allem ehrenamtliche Projekte. Wenn ich mir das alles <br />zusammenkaufen muss, ist das nicht finanzierbar.“ <br />(Peter Gödde)</em></p><p>Peter Gödde, der seinerseits als ehemaliger Jurist Kompetenzen im Bereich der Beantragung von Fördermitteln mitbringt, beschreibt, wie er ein Netzwerk in Richtung Politik aufbauen konnte, um das Projekt geschickt zu präsentieren. Für die Projektumsetzung waren aber auch lokale Kontakte und kurze Wege auf Augenhöhe wichtig.</p><p style="text-align: center;"><em>„Ich habe gestern den Installateur angerufen: <br />‚Michael, du musst morgen um halb fünf hier hinkommen.‘ <br />Ja, dann kommt der auch. Deswegen sage ich ja, <br />wenn man das als städtisches Projekt gemacht hätte, <br />wäre das ganz klar noch nicht fertig.“ <br />(Peter Gödde)</em></p><p>Das Projekt verdeutlicht die Stärke ländlicher Räume: Eine engagierte Dorfgemeinschaft, angetrieben von motivierten Einzelpersonen, übernimmt Verantwortung und kann sich über kurze Wege austauschen und vernetzen.</p><h4>Das Nutzungskonzept – „genießen, begegnen, gestalten“</h4><p>Die Kulturscheune1a hat sich bis heute als gefragter Veranstaltungs- und Begegnungsort etabliert. Jährlich finden dort 120 Veranstaltungen statt. Das Spektrum reicht von Konzerten über Lesungen bis hin zu Vorträgen.</p><p style="text-align: center;"><em>„Mittlerweile kriegen wir pro Tag fünf bis acht Bewerbungen <br />von Künstler*innen, die sich aus der ganzen Bundesrepublik <br />und darüber hinaus hier bewerben.“ <br />(Julia Mühlenbein)</em></p><p>Auch Malkurse, ein Lesekreis, eine Foto-AG, Quizabende und vieles mehr finden statt und bieten die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen. Mit Events wie der Inliner-Disco und dem FIFA-Turnier werden zudem gezielt Kinder und Jugendliche angesprochen, da diese bisher weniger in der Scheune aktiv sind.</p><p>Gleichzeitig hat sich das Konzept über die Jahre aufgrund neuer Bedürfnisse und des Wegfalls weiterer lokaler Strukturen erweitert. So finden auf Wunsch des lokalen Bestatters in der Scheune regelmäßig Beerdigungscafés statt. Mittlerweile können auch Geburtstage und Hochzeiten in der Scheune gefeiert werden. Das Kulturangebot wird durch den Scheunenmarkt und das Café Sammeltasse ergänzt, welches zum Markt, zu den Veranstaltungen und jeden zweiten Sonntag öffnet.</p><p>Mit der Grundidee, stetig zu wachsen und sich weiterzuentwickeln, sind auch in Zukunft neue Projekte geplant. Ein aktuelles Projekt ist das Kulturnetz Südliches Paderborner Land. Mit diesem Netzwerk sollen bürgerschaftlich getragene Kultureinrichtungen im südlichen    Paderborner Land stärker vernetzt werden.</p>								</div>
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									<h5>Nordrhein-Westfalen</h5><p>Um mehr über die Region dieser Bereisung zu erfahren hier klicken.</p>								</div>
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									<h5>Nordrhein-Westfalen</h5><p>Trailer der Bereisung als Youtube-Video</p>								</div>
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		<pubDate>Thu, 23 Jul 2026 14:52:42 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Kirche neu gedacht – Netzwerkkirche Ellrich In Ellrich, der nördlichsten Stadt des Freistaats Thüringen, hat die St. Johanniskirche eine ganz besondere Bedeutung. Für die Anwohner*innen ist sie seit der Wiedervereinigung ein wichtiger Hoffnungsträger und ein identitätsstiftendes Symbol für eine selbstbewusste Stadt in einem geeinten Deutschland. Nach ihrem Wiederaufbau wurde die Kirche zu einem Ort der Gemeinschaft. Unter der Bezeichnung „Netzwerkkirche“ hat sie sich seit 2018 zu einem soziokulturellen Begegnungsraum und Projektzentrum entwickelt, das Menschen unabhängig von ihrem Glauben und ihrer Herkunft vernetzt. Um einen Einblick in die bewegende und inspirierende Geschichte der Kirche St. Johannis zu bekommen, haben wir uns auf den Weg nach Ellrich im Landkreis Nordhausen gemacht und mit dem Vorsitzenden des Kirchenbauvereins, Martin Bischoff, gesprochen. St. Johanniskirche Ellrich Die St. Johanniskirche – Herz der Gemeinschaft und Symbol für die Zukunft Ellrich und seine über 1.000 Jahre alte Kirche blicken auf eine schicksalhafte Vergangenheit zurück. Das Gipsvorkommen im Südharz machte die Region um Ellrich im Nationalsozialismus zu einem wichtigen Standort für die Rüstungsindustrie. In diesem Zusammenhang befand sich in Ellrich außerdem das KZ-Außenlager Ellrich-Juliushütte. Nach dem Bau der Mauer Anfang der 1960er Jahre lag Ellrich in Folge der nahen Grenze zum Westen im fünf Kilometer breiten Sperrgebiet der damaligen DDR. Dies machte jeden Zugang genehmigungspflichtig, stellte die Bewohner*innen unter ständige Kontrolle und grenzte die Stadt in alle Himmelsrichtungen ab. Durch einen Blitzeinschlag im Jahr 1907 wurde die Kirche stark beschädigt. Durch Fehler beim bald einsetzenden Wiederaufbau und durch fehlende Unterstützungsmaßnahmen nach dem Zweiten Weltkrieg musste sie in den 1950er Jahren bauaufsichtlich gesperrt werden. Auch die imposanten Kirchtürme verfielen im Laufe der Jahrzehnte zunehmend und wurden bis 1965 vollständig abgetragen. Zurück blieb eine Kirche in ruinösem Zustand mit fehlenden Böden, zerstörten Dächern und bewachsenen Mauern. Für die Ellricher*innen war dies ein unerträgliches Bild und ein Sinnbild für die schwere Kriegs- und Nachkriegszeit. Nach der Wiedervereinigung 1990 wuchs der Wunsch, die Kirche und die beiden Türme wiederaufzubauen und sie als Zentrum der Gemeinschaft zu nutzen. „Ellrich hat viel erlebt. Die Leute sind lethargisch und man glaubt gar nicht mehr,dass es Fortschritte gibt. Wir kommen aus diesem Kreisel einfach nicht mehr raus.Das kann man nur durchbrechen, indem man sagt: „Wir bauen jetzt den Turm und zeigen damit, dass wir wieder da sind.” (Martin Bischoff) Nach der Wende wurde ein erster Anlauf unternommen, das Kirchenschiff wieder nutzbar zu machen. Hierfür gründeten sich die Initiativen „Förderkreis St. Johannis“ und „Wiederaufbau Glockenturm St. Johannis in Ellrich e.V.“, heute vereint im „Kirchenbauverein Ellrich e.V.“, welcher sich seitdem unermüdlich für die weitere Sanierung und Nutzung der Kirche einsetzt. Ab 1991 erfolgte die Sanierung des Kirchenschiffes als gemeinschaftliche Leistung des Fördervereins zusammen mit der evangelischen Kirchengemeinde Ellrich, den kirchlichen Bauämtern und der Stadt Ellrich. Auch der Freistaat Thüringen unterstützte das Projekt. Im Jahr 2008 wurde die Kirche erneut geweiht. Neues Leben in alten Mauern – die Kirche wird zum kulturellen Zentrum   Nach der Weihung der Kirche sah sich der Verein mit einer neuen Herausforderung konfrontiert: Wie sollte das imposante Gebäude auch in Zukunft angemessen genutzt werden?  „Wir hatten natürlich das Problem aller Kirchen. Was machen wir jetzt mit unserem Gebäude? Wir kommen so alleine nicht weiter.“ (Martin Bischoff) Innenansicht saniertes Kirchenschiff Mit dem Wunsch, die Sanierung der Kirche, inklusive des Wiederaufbaus der nach wie vor zerstörten Türme, weiter voranzutreiben und in den Räumlichkeiten wieder mehr Leben zu erreichen, entwickelte der Kirchenverein die Vision einer kulturellen Begegnungsstätte. Im Rahmen des offenen Ideenaufrufs „500 Kirchen – 500 Ideen“ der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen von 2012 bis 2023 entstand schließlich das Konzept der Netzwerkkirche. Mit diesem Vorhaben wurde die St. Johanniskirche zu einem von insgesamt sieben Modellprojekten. Die Grundlage für die Umsetzung legte dann im Jahr 2018 eine Machbarkeitsstudie, durchgeführt vom Architekturbüro SMITS + TANDLER (Erfurt), mit der Kostenaufstellung und einer detaillierten Zielplanung für den Umbau zur Netzwerkkirche. Nachdem diese sowohl intern als auch mit der Kirchenleitung und dem Baureferenten beim Kirchenkreis besprochen worden war, konnte es mit der Sanierung und dem Umbau des Kirchenschiffs losgehen. Zentrale Erfolgsfaktoren waren dabei die Expertise und gute Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro, besonders auch die Erfahrungen und die bestehenden regionalen Kontakte der Architekten in Bezug auf die Bauleitplanung. Auch die fachliche Begleitung durch die IBA trieb den Umbau des Kirchenschiffes zur Netzwerkkirche weiter voran. Im Fokus stand dabei vor allem die Konzeptentwicklung. Durch die im Rahmen der IBA durchgeführten Netzwerktreffen, Konzeptwerkstätten und unterschiedlichen Workshops konnten sich die Akteur*innen vor Ort qualifizieren und vernetzen. Am 1. Dezember 2022 konnte die Netzwerkkirche schließlich feierlich eröffnet werden. Mit dem erfolgreichen Innenausbau und der Eröffnung der Netzwerkkirche rückte das nächste Ziel in der Vordergrund: Der Wiederaufbau der beiden Kirchentürme. Dieses Vorhaben vervollständigt den Wunsch der Ellricher*innen, die St. Johanniskirche von den Spuren der Vergangenheit zu befreien. „Wir wollen den Turm wiederhaben, um zu zeigen, dass Ellrich wieder lebt.“ (Martin Bischoff) Ausgehend von den Vorstellungen des Architekten entschied sich der Kirchenbauverein für eine besondere und gleichzeitig bezahlbare Bauweise: Einzelne Betonteile wurden in einem lokalen Betonbauwerk gegossen und anschließend ähnlich wie Legosteine mit Hilfe von zwei Kränen vor Ort zum Turm zusammengesetzt. Die Betonmischung aus Kies und Zement ist farblich sowie von der Oberflächenstruktur her auf das Kirchenschiff abgestimmt. Auf diese Weise konnten die beiden Turmspitzen innerhalb der nächsten zwei Jahre fertiggestellt werden. Eine weitere Besonderheit ist die sich über den gesamten Turm ziehende Fuge, die die wechselvolle Geschichte der Stadt und Kirche zwischen Trennung und Vereinigung betont. Dadurch stehen die Türme heute als Symbol für die Verbundenheit von Ost und West. „Wir haben unsere Kirche. Wir haben das, was Deutschland geteilt hat, überwunden.Wir sind wieder eine Stadt selbstbewusster Leute in einem selbstbewussten Deutschland.“(Martin Bischoff) Mit Symbolkraft zum Fördererfolg Um die nötigen Fördermittel für den Umbau zu akquirieren, stand der Kirchenbauverein zunächst vor der Herausforderung, die erforderlichen Eigenmittel aufzubringen. Gelungen ist dies durch den Wettbewerb des Mitteldeutschen Rundfunks „Mach Dich ran“. Als Sieger des Wettbewerbs erhielt der Verein ein Preisgeld von 200.000 € und konnte damit den Grundstein für den Umbau legen. Mit der prominenten Unterstützung des damaligen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow,]]></description>
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									<h3>Kirche neu gedacht – Netzwerkkirche Ellrich</h3><p>In Ellrich, der nördlichsten Stadt des Freistaats Thüringen, hat die St. Johanniskirche eine ganz besondere Bedeutung. Für die Anwohner*innen ist sie seit der Wiedervereinigung ein wichtiger Hoffnungsträger und ein identitätsstiftendes Symbol für eine selbstbewusste Stadt in einem geeinten Deutschland. Nach ihrem Wiederaufbau wurde die Kirche zu einem Ort der Gemeinschaft. Unter der Bezeichnung „Netzwerkkirche“ hat sie sich seit 2018 zu einem soziokulturellen Begegnungsraum und Projektzentrum entwickelt, das Menschen unabhängig von ihrem Glauben und ihrer Herkunft vernetzt.</p><p>Um einen Einblick in die bewegende und inspirierende Geschichte der Kirche St. Johannis zu bekommen, haben wir uns auf den Weg nach Ellrich im Landkreis Nordhausen gemacht und mit dem Vorsitzenden des Kirchenbauvereins, Martin Bischoff, gesprochen.</p>								</div>
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									<h4>Die St. Johanniskirche – Herz der Gemeinschaft und Symbol für die Zukunft</h4><p>Ellrich und seine über 1.000 Jahre alte Kirche blicken auf eine schicksalhafte Vergangenheit zurück. Das Gipsvorkommen im Südharz machte die Region um Ellrich im Nationalsozialismus zu einem wichtigen Standort für die Rüstungsindustrie. In diesem Zusammenhang befand sich in Ellrich außerdem das KZ-Außenlager Ellrich-Juliushütte. Nach dem Bau der Mauer Anfang der 1960er Jahre lag Ellrich in Folge der nahen Grenze zum Westen im fünf Kilometer breiten Sperrgebiet der damaligen DDR. Dies machte jeden Zugang genehmigungspflichtig, stellte die Bewohner*innen unter ständige Kontrolle und grenzte die Stadt in alle Himmelsrichtungen ab.</p>								</div>
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									<p>Durch einen Blitzeinschlag im Jahr 1907 wurde die Kirche stark beschädigt. Durch Fehler beim bald einsetzenden Wiederaufbau und durch fehlende Unterstützungsmaßnahmen nach dem Zweiten Weltkrieg musste sie in den 1950er Jahren bauaufsichtlich gesperrt werden. Auch die imposanten Kirchtürme verfielen im Laufe der Jahrzehnte zunehmend und wurden bis 1965 vollständig abgetragen. Zurück blieb eine Kirche in ruinösem Zustand mit fehlenden Böden, zerstörten Dächern und bewachsenen Mauern. Für die Ellricher*innen war dies ein unerträgliches Bild und ein Sinnbild für die schwere Kriegs- und Nachkriegszeit. Nach der Wiedervereinigung 1990 wuchs der Wunsch, die Kirche und die beiden Türme wiederaufzubauen und sie als Zentrum der Gemeinschaft zu nutzen.</p><p style="text-align: center;"><em>„Ellrich hat viel erlebt. Die Leute sind lethargisch und man glaubt gar nicht mehr,<br />dass es Fortschritte gibt. Wir kommen aus diesem Kreisel einfach nicht mehr raus.<br />Das kann man nur durchbrechen, indem man sagt: <br />„Wir bauen jetzt den Turm und zeigen damit, dass wir wieder da sind.” <br />(Martin Bischoff)</em></p>								</div>
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									<p>Nach der Wende wurde ein erster Anlauf unternommen, das Kirchenschiff wieder nutzbar zu machen. Hierfür gründeten sich die Initiativen „Förderkreis St. Johannis“ und „Wiederaufbau Glockenturm St. Johannis in Ellrich e.V.“, heute vereint im „Kirchenbauverein Ellrich e.V.“, welcher sich seitdem unermüdlich für die weitere Sanierung und Nutzung der Kirche einsetzt. Ab 1991 erfolgte die Sanierung des Kirchenschiffes als gemeinschaftliche Leistung des Fördervereins zusammen mit der evangelischen Kirchengemeinde Ellrich, den kirchlichen Bauämtern und der Stadt Ellrich. Auch der Freistaat Thüringen unterstützte das Projekt. Im Jahr 2008 wurde die Kirche erneut geweiht.</p>								</div>
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									<h4>Neues Leben in alten Mauern – die Kirche wird zum kulturellen Zentrum  </h4><p>Nach der Weihung der Kirche sah sich der Verein mit einer neuen Herausforderung konfrontiert: Wie sollte das imposante Gebäude auch in Zukunft angemessen genutzt werden?</p><p style="text-align: center;"><em> „Wir hatten natürlich das Problem aller Kirchen. <br />Was machen wir jetzt mit unserem Gebäude? <br />Wir kommen so alleine nicht weiter.“ <br />(Martin Bischoff)</em></p>								</div>
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									<p>Mit dem Wunsch, die Sanierung der Kirche, inklusive des Wiederaufbaus der nach wie vor zerstörten Türme, weiter voranzutreiben und in den Räumlichkeiten wieder mehr Leben zu erreichen, entwickelte der Kirchenverein die Vision einer kulturellen Begegnungsstätte. Im Rahmen des offenen Ideenaufrufs „500 Kirchen – 500 Ideen“ der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen von 2012 bis 2023 entstand schließlich das Konzept der Netzwerkkirche. Mit diesem Vorhaben wurde die St. Johanniskirche zu einem von insgesamt sieben Modellprojekten. Die Grundlage für die Umsetzung legte dann im Jahr 2018 eine Machbarkeitsstudie, durchgeführt vom Architekturbüro SMITS + TANDLER (Erfurt), mit der Kostenaufstellung und einer detaillierten Zielplanung für den Umbau zur Netzwerkkirche. Nachdem diese sowohl intern als auch mit der Kirchenleitung und dem Baureferenten beim Kirchenkreis besprochen worden war, konnte es mit der Sanierung und dem Umbau des Kirchenschiffs losgehen.</p><p>Zentrale Erfolgsfaktoren waren dabei die Expertise und gute Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro, besonders auch die Erfahrungen und die bestehenden regionalen Kontakte der Architekten in Bezug auf die Bauleitplanung. Auch die fachliche Begleitung durch die IBA trieb den Umbau des Kirchenschiffes zur Netzwerkkirche weiter voran. Im Fokus stand dabei vor allem die Konzeptentwicklung. Durch die im Rahmen der IBA durchgeführten Netzwerktreffen, Konzeptwerkstätten und unterschiedlichen Workshops konnten sich die Akteur*innen vor Ort qualifizieren und vernetzen. Am 1. Dezember 2022 konnte die Netzwerkkirche schließlich feierlich eröffnet werden.</p>								</div>
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									<p>Mit dem erfolgreichen Innenausbau und der Eröffnung der Netzwerkkirche rückte das nächste Ziel in der Vordergrund: Der Wiederaufbau der beiden Kirchentürme. Dieses Vorhaben vervollständigt den Wunsch der Ellricher*innen, die St. Johanniskirche von den Spuren der Vergangenheit zu befreien.</p><p style="text-align: center;"><em>„Wir wollen den Turm wiederhaben, <br />um zu zeigen, dass Ellrich wieder lebt.“ </em><br /><em>(Martin Bischoff)</em></p><p>Ausgehend von den Vorstellungen des Architekten entschied sich der Kirchenbauverein für eine besondere und gleichzeitig bezahlbare Bauweise: Einzelne Betonteile wurden in einem lokalen Betonbauwerk gegossen und anschließend ähnlich wie Legosteine mit Hilfe von zwei Kränen vor Ort zum Turm zusammengesetzt. Die Betonmischung aus Kies und Zement ist farblich sowie von der Oberflächenstruktur her auf das Kirchenschiff abgestimmt. Auf diese Weise konnten die beiden Turmspitzen innerhalb der nächsten zwei Jahre fertiggestellt werden. Eine weitere Besonderheit ist die sich über den gesamten Turm ziehende Fuge, die die wechselvolle Geschichte der Stadt und Kirche zwischen Trennung und Vereinigung betont. Dadurch stehen die Türme heute als Symbol für die Verbundenheit von Ost und West.</p><p style="text-align: center;"><em>„Wir haben unsere Kirche. <br />Wir haben das, was Deutschland geteilt hat, überwunden.<br />Wir sind wieder eine Stadt selbstbewusster Leute <br />in einem selbstbewussten Deutschland.“<br />(Martin Bischoff)</em></p>								</div>
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									<h4>Mit Symbolkraft zum Fördererfolg</h4><p>Um die nötigen Fördermittel für den Umbau zu akquirieren, stand der Kirchenbauverein zunächst vor der Herausforderung, die erforderlichen Eigenmittel aufzubringen. Gelungen ist dies durch den Wettbewerb des Mitteldeutschen Rundfunks „Mach Dich ran“. Als Sieger des Wettbewerbs erhielt der Verein ein Preisgeld von 200.000 € und konnte damit den Grundstein für den Umbau legen. Mit der prominenten Unterstützung des damaligen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow, der sich für den Erhalt der Kirche starkmachte, und dem Status als IBA-Projekt, durch den die Kirche weitere Aufmerksamkeit erhielt, war auch die weitere Fördermittelakquise von Erfolg geprägt.</p>								</div>
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									<p>So konnten Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung innerhalb der Richtlinie zur Förderung von Kultur und Kunst in Höhe von 1,4 Mio. € beantragt werden. Mit der Argumentation, das Kulturhaus durch den Bau der Türme erweitern zu können, erhielt der Kirchenbauverein außerdem 4 Mio. € aus dem Vermögen der Parteien und Massenorganisationen der ehemaligen DDR (PMO Fond). Nachdem weitere 330.000 € an privaten Mittel eingeworben worden waren, konnten im Frühjahr 2025 auch die Glocken im Turm wieder läuten.</p><p>Martin Bischoff verweist auf die emotionsgeladene Vergangenheit der Kirche und seiner Stadt. Insbesondere die Türme haben eine starke Symbolkraft, was auch bei der Beantragung der Fördermittel eine Rolle spielte.</p><p style="text-align: center;"><em>„Und dann sind diese Grundkonzepte nichts anderes als pures Marketing. </em><br /><em>Also sie zielen auf das Herz oder auf den Bauch, nicht auf den Verstand“ </em><br /><em>(Martin Bischoff)</em></p><p>Nichtsdestoweniger war die Beantragung der Fördermittel inklusive der Berichterstattung für Martin Bischoff, welcher den Großteil dieser Aufgaben übernahm, sehr zeitintensiv. Hinzu kommen die große Verantwortung und Verpflichtung, die ein Projekt dieser Größenordnung mit sich bringt. </p><p style="text-align: center;"> <em>„Bei so einer Sache muss man jemanden haben, <br />der sich diesen Aufgaben voll und ganz widmen kann. <br />Das kann man wirklich nicht nebenbei machen, <br />wenn man noch berufstätig ist.“ <br />(Martin Bischoff)</em></p>								</div>
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									<h4>Das Nutzungskonzept – ein Veranstaltungsort für alle</h4><p>Heute ist die St. Johanniskirche das Zentrum eines Netzwerks, in dem sich Menschen der Gemeinde, unabhängig von ihrem Glauben, begegnen können. Die Kirchengemeinde fungiert nicht selbst als Veranstalter, sondern stellt der Öffentlichkeit einen 500 m² großen Veranstaltungsraum im Kirchenschiff zu Verfügung, welcher bis zu 300 Personen Platz bietet. Dieser kann für verschiedene Anlässe wie Konzerte, Tagungen, Ausstellungen, Workshops oder private Feierlichkeiten gemietet werden. Für die Veranstalter*innen steht dabei eine multifunktionale Einrichtung bereit, bestehend aus einer Medienanlage für Audio- und Videotechnik, einem Beamer, Mikrofonen und digital steuerbaren Zeilenlautsprechern. In der Kirche wurden auch eine Touristeninformation, Toiletten und eine moderne Küchenzeile eingerichtet. Zahlreiche Veranstaltungen wie Ballettaufführungen, Abschlussbälle oder Hochzeiten haben bereits stattgefunden. Auch als Filmkulisse konnte die Kirche bereits dienen. In den neu errichteten Türmen befindet sich zudem eine Galerie. In Zukunft sollen diese verstärkt von regionalen Künstler*innen genutzt werden.</p>								</div>
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									<h4>Zwischen neuem Glanz und wirtschaftlichen Herausforderungen</h4><p>Auch wenn die Kirche heute wieder in neuem Glanz erstrahlt, stellt der tägliche Betrieb der Netzwerkkirche den Verein weiterhin vor finanzielle Herausforderungen. Um die laufenden Kosten, insbesondere für Strom und die Instandhaltung der Toiletten finanzieren zu können müssen im Monat mindestens zwei kostenpflichtige Veranstaltungen stattfinden. Martin Bischoff erklärt, dass das Angebot der Netzwerkkirche aktuell noch nicht genügend von den Menschen aus der Umgebung genutzt wird. Gleichzeitig wird die dauerhafte Nutzung der Kirche dadurch erschwert, dass das Kirchenschiff mit dem Veranstaltungsraum nicht geheizt werden kann. Für Veranstaltungen kommen daher fast ausschließlich die Sommermonate infrage.</p><p>Um eine stärkere Nutzung der Netzwerkkirche zu erreichen und die Hemmschwelle zu senken, gab es im Jahr 2023 einen Schnuppertag. 2025 öffnete die Kirche zum Tag des offenen Denkmales, dem Tag der Architektur und zum Kirchbautag den Besucher*innen ihre Türen. Darüber hinaus informieren ein Schaukasten, die Website des Kirchenbauvereins und die lokale Presse über die Netzwerkkirche und die aktuellen Veranstaltungen.</p>								</div>
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									<h5><strong>Landkreis Nordhausen</strong></h5><p>Um mehr über die Region dieser Bereisung zu erfahren hier klicken.</p>								</div>
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									<h5>Thüringen</h5><p>Trailer der Bereisung als Youtube-Video</p>								</div>
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		<title>Kunstkirche Uthleben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Jul 2026 12:41:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[BUNDESLÄNDER]]></category>
		<category><![CDATA[Thüringen]]></category>
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					<description><![CDATA[Kunstkirche Uthleben – mit Kunst zum neuen Leben Kirchen sind ein fester Bestandteil des Dorfbildes durch ihre zentrale Lage im Ortskern und ihre architektonische und baukulturelle Vielfalt. Für viele historisch gewachsene Dörfer sind sie wichtige Zeugnisse der Geschichte und als sozialer und identitätsstiftender Mittelpunkt von großer Bedeutung für die Dorfgemeinschaft. Die fortschreitende Säkularisierung führt jedoch vielfach zu einer geringeren Nutzung. Diese Entwicklung erfordert ein Umdenken und einen Wandel für Kirchen in ländlichen Räumen hin zu neuen Funktionen und Nutzungsmöglichkeiten. Ein Ort, an dem dieses Umdenken bereits Früchte getragen hat, ist die Kunstkirche Uthleben. Hier konnte die Kirchengemeinde die Kirche als lebendigen Ort für kreative und generationenübergreifende Projekte etablieren. Um mehr über das Projekt zu erfahren, haben wir uns auf den Weg in den Ortsteil der Landgemeinde Stadt Heringen/Helme in Thüringen gemacht. Vor Ort haben wir unter anderem mit Sandra Hesse, der Projektleiterin der Kunstkirche, mit der Kirchenratsvorsitzenden Dagmar Ullrich und mit dem Gemeindebürgermeister Matthias Marquardt gesprochen. St. Petrus Kirche in Uthleben Dorfkirche neu gedacht Die evangelische Dorfkirche St. Petrus in Uthleben hat für die Menschen der Ortschaft eine wichtige historische und kulturelle Bedeutung. Gleichzeitig machen die sinkenden Mitgliederzahlen auch der Uthlebener Kirchengemeinde zu schaffen. Dagmar Ullrich und Sandra Hesse berichten, dass neben den Gottesdiensten nur noch sehr selten rein kirchliche Veranstaltungen stattfinden und die Räumlichkeiten wie vielerorts kaum noch angemessen genutzt werden. Der Anteil der Einwohner*innen, die erreicht werden, sinkt. „Viele Gebäude und vor allem Kirchen stehen leer. Die ganze Woche über ist dort kein Leben zu sehen. Das sind wunderschöne Gebäude.“ (Sandra Hesse) Gleichzeitig verschwindet die Bereitschaft der Ortsgemeinschaft, die Kirche finanziell zu unterstützen oder sich ehrenamtlich zu engagieren, was den Fortbestand der Kirche weiter belastet. „Durch die vielen Kirchenaustritte erhalten wir als Kirchengemeinde natürlich auch weniger Geld. Dann müssen wir natürlich schauen: Entweder wir schließen den Laden oder wir entwickeln ein tragfähiges Finanzierungskonzept.“ (Sandra Hesse) Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen stand für die Kirchengemeinde fest: Die Kirche braucht einen neuen Ansatz, der wieder mehr Menschen erreicht und die Gemeinschaft stärkt. „Grundsätzlich denke ich, dass die Gesellschaft umdenken muss. Ein Umdenken wird kommen, denn das Problem betrifft nicht nur die Kirchen,sondern auch die Vereine und viele andere Bereiche.“ (Matthias Marquardt) Aus diesem Umdenken entwickelte die Gemeinde das Konzept der Kunstkirche. Mit der neuen Nutzung ist die Kirche St. Petrus zu einem offenen, frei zugänglichen Ort für Kunst, Kultur und Gemeinschaft geworden. Die neuen künstlerischen Angebote senken die Hemmschwelle zur Kirche, erreichen Menschen unabhängig von ihrem Glauben und stärken die Gemeinschaft. Die Idee für Kunstveranstaltungen entstand während der Corona-Pandemie. Der damalige Pfarrer und Kirchenratsmitglied Sandra Hesse sammelten zu dieser Zeit erste Ideen für Workshops und beschäftigten sich intensiv mit der Kirche und ihrer kunsthistorischen Ausgestaltung, u. a. der Kirchenmalerei rund um das Kirchenschiff. 2021 konnten daraufhin die ersten kleineren Kunstworkshops realisiert werden. Seitdem wurde das Angebot kontinuierlich erweitert und das Konzept weiter ausgearbeitet. Sandra Hesse übernimmt die Projektleitung im Ehrenamt. Biblische Bilder rund um das Kirchenschiff Heute gibt es neben den Kunstworkshops verschiedene Angebote und Veranstaltungen, darunter Klangwerkstätten und Theaterprojekte. Im Fokus stehen kreative Projekte mit generationsübergreifender Wirkung. Dabei werden auch künstlerische Praktiken mit religiösen Themen verknüpft. Darüber hinaus haben sich unterschiedliche Workshop-Formate, wie die Kunst-Kirchen-Camp-Woche oder die Ferien-Woche etabliert. Zuletzt fand die Ferien-Woche unter dem Motto „Altes Holz neu gedacht“ statt. Im Rahmen eines Holz-Upcycling-Projekts entstanden dabei aus alten Sitzbänken und Holzdielen neue Kunstwerke. Diese sind dauerhaft in der Kirche zu sehen. Künstlerisch gestaltete Holzbänke in der Kirche Ergebnisse des Kunstcamps am 10/11 Juli 2023 Des Weiteren hat sich ein offener Treffpunkt in Form eines Seniorencafés etabliert. In den kirchlichen Gemeinschaftsräumen können Interessierte niedrigschwellig zusammenkommen. „Wir holen sozusagen auch die Menschen ab, die allein sind und gar keinen Grund haben, irgendwohin zu gehen, weil es hier kaum Treffpunkte gibt.“ (Sandra Hesse) Auch für die Zukunft sind weitere Angebote in Planung: Mit Bildungsworkshops für regionale Kindergärten und Schulen soll dem Mangel an Lehrkräften an den Schulen und dem Unterrichtsausfall in den Fächern Kunst, Musik und Geschichte begegnet werden. Sandra Hesse berichtet, dass darüber hinaus auch die Anwohner*innen oft neue Ideen für Angebote haben. Cocktailabende, Konzerte, das gemeinsame Aufstellen von Domino-Steinen oder auch ein Podcast sind schon Thema gewesen. Die Entwicklung der Kunstkirche – von Preisen zu Coaching Im Jahr 2024 wurde das Engagement der Kirchengemeinde mit dem Justus-Jonas-Preis gewürdigt, einer Auszeichnung, welche jährlich vom Evangelischen Kirchenpreis Südharz vergeben wird. 2025 konnte das Projekt als Gewinner des „Ideenkarussell“ der Evangelischen Kirche auch deutschlandweit ein Zeichen setzen. Im selben Jahr folgte die Bewerbung durch Sandra Hesse bei startsocial für ein Beratungsstipendium. Startsocial wird von der gemeinnützigen Organisation startsocial e.V. getragen, die jährlich einen Wettbewerb ausschreibt. Mit dem Gewinn erhielt die Kunstkirche neben 99 weiteren sozialen Initiativen von November 2025 bis Februar 2026 ein professionelles Coaching. Mit dessen Hilfe wurden die Ziele und Herausforderungen der Kunstkirche ermittelt und Schwerpunkte gesetzt. Entstanden sind dabei Arbeitsgruppen und ein Ehrenamtskonzept, welche dabei helfen sollen, die anstehenden Aufgaben ohne Überlastung der Helfenden zu koordinieren. In naher Zukunft ist in diesem Zusammenhang eine Informationsveranstaltung für sämtliche ehrenamtlichen Helfer*innen geplant. Ziel der Veranstaltung ist es unter anderem, die Kapazitäten der Ehrenamtlichen zu ermitteln und weitere Unterstützung zu generieren. Auch ein Kommunikationskonzept wurde währen der Coaching-Phase entwickelt. Die dabei ausgearbeitete regionale Öffentlichkeitsarbeit fokussiert sich vor allem auf Wurfsendungen per Post. Darüber hinaus werden Facebook, Instagram und Statusmitteilungen bei WhatsApp zur Informationsverbreitung genutzt. Zusätzlich können Informationen schnell über eine Dorf-App verbreitet werden. Sandra Hesse beschreibt, dass die Nutzung von bereits vorhandene Informationsplattformen gut funktioniert, da die Betreuung und Koordination einer eigenen Website deutlich mehr Zeit kosten würde.   Über das Coaching hinaus bietet das startsocial-Stipendium der Kunstkirche durch die Aufnahme in das Alumni-Netzwerk einen nachhaltigen Mehrwert. Es eröffnet neue Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen sozialen Initiativen und Akteuren des Non-Profit-Sektors und trägt dazu bei, die Sichtbarkeit der Initiative langfristig zu erhöhen. Finanzierung – eine starke Dorfgemeinschaft und Ehrenamt als Erfolgsrezept   Für die finanzielle Absicherung der Kunstkirche ist es wichtig, breit aufgestellt zu sein. Dazu gehört neben den Teilnahmebeiträgen, Fördermitteln Sponsoren und Spenden vor allem die ehrenamtliche Unterstützung durch die Anwohner*innen. Insgesamt gibt]]></description>
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									<h3>Kunstkirche Uthleben – mit Kunst zum neuen Leben</h3><p>Kirchen sind ein fester Bestandteil des Dorfbildes durch ihre zentrale Lage im Ortskern und ihre architektonische und baukulturelle Vielfalt. Für viele historisch gewachsene Dörfer sind sie wichtige Zeugnisse der Geschichte und als sozialer und identitätsstiftender Mittelpunkt von großer Bedeutung für die Dorfgemeinschaft. Die fortschreitende Säkularisierung führt jedoch vielfach zu einer geringeren Nutzung. Diese Entwicklung erfordert ein Umdenken und einen Wandel für Kirchen in ländlichen Räumen hin zu neuen Funktionen und Nutzungsmöglichkeiten.</p><p>Ein Ort, an dem dieses Umdenken bereits Früchte getragen hat, ist die Kunstkirche Uthleben. Hier konnte die Kirchengemeinde die Kirche als lebendigen Ort für kreative und generationenübergreifende Projekte etablieren. Um mehr über das Projekt zu erfahren, haben wir uns auf den Weg in den Ortsteil der Landgemeinde Stadt Heringen/Helme in Thüringen gemacht. Vor Ort haben wir unter anderem mit Sandra Hesse, der Projektleiterin der Kunstkirche, mit der Kirchenratsvorsitzenden Dagmar Ullrich und mit dem Gemeindebürgermeister Matthias Marquardt gesprochen.</p>								</div>
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									<h4>Dorfkirche neu gedacht</h4><p>Die evangelische Dorfkirche St. Petrus in Uthleben hat für die Menschen der Ortschaft eine wichtige historische und kulturelle Bedeutung. Gleichzeitig machen die sinkenden Mitgliederzahlen auch der Uthlebener Kirchengemeinde zu schaffen. Dagmar Ullrich und Sandra Hesse berichten, dass neben den Gottesdiensten nur noch sehr selten rein kirchliche Veranstaltungen stattfinden und die Räumlichkeiten wie vielerorts kaum noch angemessen genutzt werden. Der Anteil der Einwohner*innen, die erreicht werden, sinkt.</p><p style="text-align: center;"><em>„Viele Gebäude und vor allem Kirchen stehen leer. <br />Die ganze Woche über ist dort kein Leben zu sehen. <br />Das sind wunderschöne Gebäude.“ <br />(Sandra Hesse)</em></p>								</div>
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									<p>Gleichzeitig verschwindet die Bereitschaft der Ortsgemeinschaft, die Kirche finanziell zu unterstützen oder sich ehrenamtlich zu engagieren, was den Fortbestand der Kirche weiter belastet.</p><p style="text-align: center;"><em>„Durch die vielen Kirchenaustritte erhalten wir <br />als Kirchengemeinde natürlich auch weniger Geld. <br />Dann müssen wir natürlich schauen: Entweder wir schließen den Laden <br />oder wir entwickeln ein tragfähiges Finanzierungskonzept.“ <br />(Sandra Hesse)</em></p><p>Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen stand für die Kirchengemeinde fest: Die Kirche braucht einen neuen Ansatz, der wieder mehr Menschen erreicht und die Gemeinschaft stärkt.</p><p style="text-align: center;"><em>„Grundsätzlich denke ich, dass die Gesellschaft umdenken muss. <br />Ein Umdenken wird kommen, denn das Problem betrifft nicht nur die Kirchen,<br />sondern auch die Vereine und viele andere Bereiche.“ <br />(Matthias Marquardt)</em></p>								</div>
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									<p>Aus diesem Umdenken entwickelte die Gemeinde das Konzept der Kunstkirche. Mit der neuen Nutzung ist die Kirche St. Petrus zu einem offenen, frei zugänglichen Ort für Kunst, Kultur und Gemeinschaft geworden. Die neuen künstlerischen Angebote senken die Hemmschwelle zur Kirche, erreichen Menschen unabhängig von ihrem Glauben und stärken die Gemeinschaft.</p><p>Die Idee für Kunstveranstaltungen entstand während der Corona-Pandemie. Der damalige Pfarrer und Kirchenratsmitglied Sandra Hesse sammelten zu dieser Zeit erste Ideen für Workshops und beschäftigten sich intensiv mit der Kirche und ihrer kunsthistorischen Ausgestaltung, u. a. der Kirchenmalerei rund um das Kirchenschiff. 2021 konnten daraufhin die ersten kleineren Kunstworkshops realisiert werden. Seitdem wurde das Angebot kontinuierlich erweitert und das Konzept weiter ausgearbeitet. Sandra Hesse übernimmt die Projektleitung im Ehrenamt. </p>								</div>
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									<p>Heute gibt es neben den Kunstworkshops verschiedene Angebote und Veranstaltungen, darunter Klangwerkstätten und Theaterprojekte. Im Fokus stehen kreative Projekte mit generationsübergreifender Wirkung. Dabei werden auch künstlerische Praktiken mit religiösen Themen verknüpft. Darüber hinaus haben sich unterschiedliche Workshop-Formate, wie die Kunst-Kirchen-Camp-Woche oder die Ferien-Woche etabliert. Zuletzt fand die Ferien-Woche unter dem Motto „Altes Holz neu gedacht“ statt. Im Rahmen eines Holz-Upcycling-Projekts entstanden dabei aus alten Sitzbänken und Holzdielen neue Kunstwerke. Diese sind dauerhaft in der Kirche zu sehen.</p>								</div>
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									<p>Des Weiteren hat sich ein offener Treffpunkt in Form eines Seniorencafés etabliert. In den kirchlichen Gemeinschaftsräumen können Interessierte niedrigschwellig zusammenkommen.</p><p style="text-align: center;"><em>„Wir holen sozusagen auch die Menschen ab, <br />die allein sind und gar keinen Grund haben, irgendwohin zu gehen, <br />weil es hier kaum Treffpunkte gibt.“ <br />(Sandra Hesse)</em></p><p>Auch für die Zukunft sind weitere Angebote in Planung: Mit Bildungsworkshops für regionale Kindergärten und Schulen soll dem Mangel an Lehrkräften an den Schulen und dem Unterrichtsausfall in den Fächern Kunst, Musik und Geschichte begegnet werden.</p><p>Sandra Hesse berichtet, dass darüber hinaus auch die Anwohner*innen oft neue Ideen für Angebote haben. Cocktailabende, Konzerte, das gemeinsame Aufstellen von Domino-Steinen oder auch ein Podcast sind schon Thema gewesen.</p><h4>Die Entwicklung der Kunstkirche – von Preisen zu Coaching</h4><p>Im Jahr 2024 wurde das Engagement der Kirchengemeinde mit dem Justus-Jonas-Preis gewürdigt, einer Auszeichnung, welche jährlich vom Evangelischen Kirchenpreis Südharz vergeben wird. 2025 konnte das Projekt als Gewinner des „Ideenkarussell“ der Evangelischen Kirche auch deutschlandweit ein Zeichen setzen.</p>								</div>
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									<p>Im selben Jahr folgte die Bewerbung durch Sandra Hesse bei startsocial für ein Beratungsstipendium. Startsocial wird von der gemeinnützigen Organisation startsocial e.V. getragen, die jährlich einen Wettbewerb ausschreibt. Mit dem Gewinn erhielt die Kunstkirche neben 99 weiteren sozialen Initiativen von November 2025 bis Februar 2026 ein professionelles Coaching. Mit dessen Hilfe wurden die Ziele und Herausforderungen der Kunstkirche ermittelt und Schwerpunkte gesetzt. Entstanden sind dabei Arbeitsgruppen und ein Ehrenamtskonzept, welche dabei helfen sollen, die anstehenden Aufgaben ohne Überlastung der Helfenden zu koordinieren. In naher Zukunft ist in diesem Zusammenhang eine Informationsveranstaltung für sämtliche ehrenamtlichen Helfer*innen geplant. Ziel der Veranstaltung ist es unter anderem, die Kapazitäten der Ehrenamtlichen zu ermitteln und weitere Unterstützung zu generieren.</p><p>Auch ein Kommunikationskonzept wurde währen der Coaching-Phase entwickelt. Die dabei ausgearbeitete regionale Öffentlichkeitsarbeit fokussiert sich vor allem auf Wurfsendungen per Post. Darüber hinaus werden Facebook, Instagram und Statusmitteilungen bei WhatsApp zur Informationsverbreitung genutzt. Zusätzlich können Informationen schnell über eine Dorf-App verbreitet werden. Sandra Hesse beschreibt, dass die Nutzung von bereits vorhandene Informationsplattformen gut funktioniert, da die Betreuung und Koordination einer eigenen Website deutlich mehr Zeit kosten würde.  </p><p>Über das Coaching hinaus bietet das startsocial-Stipendium der Kunstkirche durch die Aufnahme in das Alumni-Netzwerk einen nachhaltigen Mehrwert. Es eröffnet neue Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen sozialen Initiativen und Akteuren des Non-Profit-Sektors und trägt dazu bei, die Sichtbarkeit der Initiative langfristig zu erhöhen.</p>								</div>
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									<h4>Finanzierung – eine starke Dorfgemeinschaft und Ehrenamt als Erfolgsrezept  </h4><p>Für die finanzielle Absicherung der Kunstkirche ist es wichtig, breit aufgestellt zu sein. Dazu gehört neben den Teilnahmebeiträgen, Fördermitteln Sponsoren und Spenden vor allem die ehrenamtliche Unterstützung durch die Anwohner*innen. Insgesamt gibt es über 50 Helfer*innen im Ort die z. B. Kuchen backen, den Rasen mähen oder den Grill „anschmeißen“. Auch die Leitung der verschiedenen künstlerischen Workshops und Veranstaltungen wird nach einer zuvor erfolgten Schulung von Ehrenamtlichen übernommen. Die Qualifizierung der Ehrenamtlichen wird durch das Mikroförderprogramm der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) unterstützt. Bis einschließlich 2024 konnten hierfür Fördermittel von bis zu 2.500 € pro Projekt beantragt werden. Seit der Neuausrichtung des Förderprogramms im Jahr 2025 beträgt die maximale Fördersumme 1.500 € pro Organisation und Kalenderjahr. Die starke Dorfgemeinschaft bildet eine wesentliche Grundlage für die Arbeit der Kunstkirche. Sandra Hesse berichtet, dass die Gemeindeschenke Uthleben die Ferienworkshops in der Vergangenheit wiederholt durch Essensspenden unterstützt hat. Zu den festen Projektpartnern der Kunstkirche zählen außerdem die Freiwillige Feuerwehr, der Schützenverein, der Kindergarten sowie der Förderverein Uthleben e. V. Letzterer leistet insbesondere einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung der örtlichen Vereine und weiteren lokalen Akteur*innen. Darüber hinaus besteht eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Stadt Heringen/Helme.</p><p>Laut Sandra Hesse ist ein transparentes Vorgehen die Basis für eine breite Unterstützung durch Anwohner*innen, lokale Vereine und Unternehmen. Dabei sollte die Gemeinde stets über aktuelle Themen und Anliegen informiert werden. Es ist wichtig, mit offenen Karten zu spielen und mit der Dorfgemeinschaft und insbesondere dem Förderverein Uthleben e.V. über die finanziellen Herausforderungen zu sprechen. Auch wenn es oft herausfordernd ist alle an einen Tisch zu bringen, betont die Projektleiterin, dass für die Dorfgemeinschaft die Kirche ein wichtiger Bestandteil ist. Durch einen offenen und transparenten Austausch wächst die Bereitschaft der beteiligten Akteurinnen, sich für den Erhalt der Kirche und ihrer Angebote einzusetzen.</p><p style="text-align: center;"><em>„Dazu gehört auch, zu den Leuten zu sagen: <br />‚Hört mal, es gibt weniger Geld von der Landeskirche. <br />Wir legen alles auf den Tisch und fragen: <br />‚Wie wichtig ist euch die Kirche im Dorf?‘ <br />Da kommt natürlich von allen Seiten: <br />‚Ein Dorf ohne Kirche geht gar nicht.‘“ <br />(Sandra Hesse)</em></p>								</div>
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									<p>Für verschiedene Vorhaben ist die Kunstkirche zudem kontinuierlich auf der Suche nach lokalen Sponsor*innen. Zuletzt unterstützten die Volksbank und die Sparkasse die Kunstworkshops der Kunstkirche jeweils mit einer Spende in Höhe von 500 €.</p><h4>Herausforderungen – Begrenzte Ressourcen im Ehrenamt</h4><p>Eine der größten Herausforderungen des ehrenamtlich getragenen Projektes liegt im Umgang mit den zeitlichen Ressourcen. Laut Sandra Hesse muss man im ehrenamtlichen Engagement stets aufpassen, dass man sich nicht überfordert. Andernfalls besteht die Gefahr, das Interesse und den Spaß am Projekt zu verlieren. Besonders das Stellen der Projekt- und Förderanträge ist zeitlich herausfordernd.</p><p>Hinzu kommen organisatorische Herausforderungen, vor allem bei der Koordination der Workshops und der vielen projektbezogenen ehrenamtlichen Helfer*innen. Die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen erfordert dabei viel Abstimmung und Verlässlichkeit. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben dabei gezeigt, dass es wichtig ist, stets einen „Plan B“ bereitzuhalten, falls die ehrenamtlichen Workshopleiter*innen kurzfristig ausfallen oder andere Veränderungen auftreten.</p><p>Hannes Hesse beschreibt außerdem, wie schwierig es ist, die verschiedenen Generationen unter einen Hut zu bringen, besonders weil in immer kürzeren Abständen neue Generationen mit verschiedenen Ansprüchen und Interessen auftauchen. Ihnen gerecht zu werden, wird die Kunstkirche als generationsübergreifendes Projekt auch in Zukunft vor Herausforderungen stellen.</p><p style="text-align: center;"><em>„Von der Generation Z bis zur Generation Alpha. <br />Und dann hast du gleichzeitig noch den Geburtenboom <br />und teilweise sogar noch die Generation <br />aus der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs. <br />All diese Generationen unter einen Hut zu bringen <br />und gleichzeitig auch nicht die Generation in der Mitte zu verlieren, <br />ist relativ schwierig.“ <br />(Hannes Hesse)</em></p>								</div>
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									<h5><strong>Landkreis Nordhausen</strong></h5><p>Um mehr über die Region dieser Bereisung zu erfahren hier klicken.</p>								</div>
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									<h5>Thüringen</h5><p>Trailer der Bereisung als Youtube-Video</p>								</div>
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		<title>Generationenbahnhof Erlau</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 14:13:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[BUNDESLÄNDER]]></category>
		<category><![CDATA[Sachsen]]></category>
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					<description><![CDATA[Generationenbahnhof Erlau Der Bahnhof der Gemeinde Erlau in Mittelsachsen ist ein klassisches Beispiel für die zahlreichen Stilllegungen von Bahnhofsgebäuden in ländlichen Regionen Ostdeutschlands. Knapp 15 Jahre lang stand das unter Denkmalschutz stehende Ensemble leer und war dem Verfall ausgesetzt. Doch die Gemeinde und die Menschen in Erlau wollten den Verlust des ortsbildprägenden und identitätsstiftenden Gebäudes nicht tatenlos hinnehmen. Das Ergebnis jahrelanger Arbeit kann sich sehen lassen: Der Generationenbahnhof ist heute ein zentraler Treffpunkt und Möglichkeitsort für Erlau. Um mehr über diese inspirierende Umnutzung des Bahnhofsgebäudes zu erfahren, haben wir uns auf den Weg in die Region im Mittelsächsischen Hügelland gemacht. Vor Ort haben wir mit einigen engagierten Akteur*innen des Generationenbahnhof Erlau e.V. sowie mit dem damaligen Bürgermeister gesprochen. Gemeinsam haben sie an der neuen Nutzung für das ehemalige Empfangsgebäude gearbeitet und die Idee des Generationenbahnhofs umgesetzt und haben uns von ihren Erfahrungen berichtet. Vom belebten Bahnhof zum Haltepunkt Der Bahnhof Erlau war lange ein belebter Ort in der gleichnamigen Gemeinde. Gelegen an der Eisenbahnstrecke Riesa-Chemnitz war er bis Ende des 20. Jahrhunderts ein regionaler Umschlagplatz für landwirtschaftliche Erzeugnisse, lokale Industrieprodukte und Baustoffe. Für die Anwohner*innen stellte er eine wichtige Verbindung in die regionalen Zentren wie Rochlitz oder Mittweida und in die Großstadt Chemnitz dar. Wie vielerorts setzte auch in Erlau in den 1970er- und 1980er-Jahren ein zunehmender Bedeutungsverlust des Bahnhofs ein. Die abnehmenden Fahrgastzahlen und die Rationalisierung der Bahn führten schließlich dazu, dass das Empfangsgebäude im Jahr 1990 weitgehend außer Betrieb genommen wurde. Drei Wohnungen, welche sich ebenfalls im Gebäude befanden, wurden noch einige Jahre bewohnt. Ab 1999 folgte, nachdem die letzten Mieter*innen der Wohnungen ausgezogen waren, der endgültige Leerstand. Zurück blieb lediglich der 100 Meter nördlich gelegene Bahnhaltepunkt. Das sanierte Bahnhofsgebäude in Erlau Konzept und Umsetzung – „Bürger und Dienstleister Hand in Hand“ Der Wunsch der Gemeinde, das identitätsstiftende Gebäude wieder in einen lebendigen Ort zu verwandeln, war groß. Im Gemeindeblatt wurde vor diesem Hintergrund eine Umfrage veröffentlicht, welche neue Nutzung sich die Erlauer*innen für den ehemaligen Bahnhof vorstellen könnten. Das Ergebnis: einen sozialen Treffpunkt und einen Bürgerbereich. Den entscheidenden Anstoß gab es schließlich im Jahr 2012 durch eine Entwurfsstudie von Architekturstudierenden der Technischen Universität Dresden, welche die Entwicklungsmöglichkeiten des Bahnhofsgebäudes aufzeigte. Initiiert wurde diese von Jana Ahnert, der heutigen Vereinsvorsitzenden des Generationenbahnhof Erlau e.V. und damaligen Mitarbeiterin an der TU Dresden. Nach der öffentlichen Vorstellung des Konzepts mit 100  Teilnehmenden war die Begeisterung unter den Anwesenden groß. Kurz darauf schlossen sich der damalige Bürgermeister Wolfgang Ahnert und einige interessierte Anwohner*innen zu einem Initiativkreis zusammen. Es entwickelte sich eine konkrete Vision für das Gebäude – die Kombination aus medizinischen und gemeinschaftlichen Angeboten, bei der bürgerschaftliches Engagement und professionelle Dienstleistungen unter einem Dach zusammenkommen und sich gegenseitig unterstützen. Mit viel Engagement gelang es der Gemeinde und dem damaligen Bürgermeister im Jahr 2014, das Bahnhofgebäude zu kaufen. Aufgrund der hohen Erhaltungskosten, des geringen Gebäudewerts und des geringen Interesses anderer potenzieller Käufer wurde ein symbolischer Kaufpreis von einem Euro vereinbart. Noch im selben Jahr gründete sich der Verein Generationenbahnhof Erlau e.V., der die Organisation und Netzwerkarbeit für den bürgerschaftlichen Bereich des Generationenbahnhofs bis heute übernimmt. Nach einer sportlichen Planungsphase von weniger als 1,5 Jahren konnte die Sanierung im Januar 2016 beginnen, bei der die Gemeinde als Bauherr fungierte. In enger Abstimmung und guter Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz gelang es, einen Großteil der Außenfassaden sowie etliche historische Elemente wie Türen und Fenster zu erhalten. Mit der Vorstellung, dass sich jede Epoche in der Architektur des Gebäudes widerspiegeln sollte, wurde außerdem ein moderner Anbau aus Fertigbeton mit zusätzlichen Behandlungsräumen für den Zahnarzt erstellt. 2017 erfolgte schließlich die Eröffnung des Generationenbahnhofs. Der Schlüssel für die erfolgreiche Bauphase war die gute Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit Denkmalpflege und Bauaufsichtsbehörde. „Da bin ich mit dem einen oder anderen Becher Kaffee und dem einen oder anderen Stück Kuchen hingefahren, habe das mit denen beraten und dann hat das funktioniert. Es kommt immer darauf an, wie man mit den Leuten umgeht.“ (Wolfgang Ahnert) Das Bahnhofsgebäude nach knapp 15 Jahren Leerstand (Foto: Generationenbahnhof Erlau e.V.) Das Bahnhofsgebäude während der Sanierung 2016 (Foto: Generationenbahnhof Erlau e.V.) Heute befinden sich unter Berücksichtigung des demografischen Wandels eine Seniorentagespflege, ein ambulanter Pflegedienst und eine Zahnarztpraxis in dem Generationenbahnhof. Verbunden wurde dieses professionelle Angebot mit einem ehrenamtlich betriebenen Bürgerbereich, bestehend aus einem Bürgerbüro und einem Bürgersaal als Raum für Bildung, Begegnung, Kultur und Freizeit. Unter dem Motto „Gutes Landesleben in Gemeinschaft“ entstand über die Zeit außerdem eine lange Liste an Aktivitäten wie z. B. Kartenspielrunden, Kreativtreff, Eltern-Kind-Kreis oder Cocktailabende. Die Räume werden darüber hinaus für Vorträge, Workshops oder auch für Ausstellungen genutzt. Auch mit lokalen Vereinen, einer Volkshochschule und weitere externen Akteuren wird zusammengearbeitet. Für den ehemaligen Bürgermeister steht heute fest, die klaren Vorstellungen und die tragbare Nutzungsidee, welche aus dem Ort heraus entwickelt wurden, waren ein entscheidender Erfolgsfaktor für das Projekt: „Das ist ganz, ganz wichtig, wenn Sie so was machen, dass Sie die Nutzung vorne weg klären.“ (Wolfgang Ahnert) Der Generationenbahnhof als Gemeinschaftsprojekt Im Gespräch wurde schnell deutlich, dass der Bahnhof von Beginn an ein Gemeinschaftsprojekt war, geprägt von einer engen Zusammenarbeit zwischen Kommune, Verein, späteren Nutzer*innen und Dienstleister*innen. Die gemeinsame Projektentwicklung war besonders wichtig, damit alle dieselbe Vision teilen. Jana Ahnert erinnert sich insbesondere an die essenzielle Unterstützung der Gemeinde: „Dass die Kommune gesagt hat: ‚Ja, wir gehen das an‘, war eigentlich ein großer Erfolgsfaktor für uns, denn ohne sie hätten wir das niemals stemmen können.“ Einen weiteren Vorteil brachte die multifunktionale Aufstellung des Teams mit Kontakten im ganzen Landkreis. Frederike Bremer, ehemalige Koordinatorin des Bahnhofs, beschreibt, wie wichtig es für die Umsetzung des Projekts war, die verschiedenen Begabungen geschickt zu bündeln und zu verknüpfen. Das Projekt lebt von der Gemeinschaft und einem breiten Netzwerk. Dabei ist es wichtig, ein offener Mensch ohne Berührungsängste zu sein, Kontakte aufzubauen und diese Verbindungen zu pflegen, so Bremer. Das Nutzungskonzept (Abbildung: Generationenbahnhof Erlau e.V.) Auch die Bürger*innen der Gemeinde waren von Anfang an involviert. „Wir haben immer versucht, viel Öffentlichkeitsarbeit zu machen, über das Projekt zu informieren, einzuladen. – Es gab immer die Möglichkeit, mitzudenken, mitzumachen, sich einzubringen, Wünsche]]></description>
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									<h3><strong>Generationenbahnhof Erlau</strong></h3><p>Der Bahnhof der Gemeinde Erlau in Mittelsachsen ist ein klassisches Beispiel für die zahlreichen Stilllegungen von Bahnhofsgebäuden in ländlichen Regionen Ostdeutschlands. Knapp 15 Jahre lang stand das unter Denkmalschutz stehende Ensemble leer und war dem Verfall ausgesetzt. Doch die Gemeinde und die Menschen in Erlau wollten den Verlust des ortsbildprägenden und identitätsstiftenden Gebäudes nicht tatenlos hinnehmen. Das Ergebnis jahrelanger Arbeit kann sich sehen lassen: Der Generationenbahnhof ist heute ein zentraler Treffpunkt und Möglichkeitsort für Erlau.</p><p>Um mehr über diese inspirierende Umnutzung des Bahnhofsgebäudes zu erfahren, haben wir uns auf den Weg in die Region im Mittelsächsischen Hügelland gemacht. Vor Ort haben wir mit einigen engagierten Akteur*innen des Generationenbahnhof Erlau e.V. sowie mit dem damaligen Bürgermeister gesprochen. Gemeinsam haben sie an der neuen Nutzung für das ehemalige Empfangsgebäude gearbeitet und die Idee des Generationenbahnhofs umgesetzt und haben uns von ihren Erfahrungen berichtet.</p><h4><strong>Vom belebten Bahnhof zum Haltepunkt </strong></h4><p>Der Bahnhof Erlau war lange ein belebter Ort in der gleichnamigen Gemeinde. Gelegen an der Eisenbahnstrecke Riesa-Chemnitz war er bis Ende des 20. Jahrhunderts ein regionaler Umschlagplatz für landwirtschaftliche Erzeugnisse, lokale Industrieprodukte und Baustoffe. Für die Anwohner*innen stellte er eine wichtige Verbindung in die regionalen Zentren wie Rochlitz oder Mittweida und in die Großstadt Chemnitz dar.</p><p>Wie vielerorts setzte auch in Erlau in den 1970er- und 1980er-Jahren ein zunehmender Bedeutungsverlust des Bahnhofs ein. Die abnehmenden Fahrgastzahlen und die Rationalisierung der Bahn führten schließlich dazu, dass das Empfangsgebäude im Jahr 1990 weitgehend außer Betrieb genommen wurde. Drei Wohnungen, welche sich ebenfalls im Gebäude befanden, wurden noch einige Jahre bewohnt. Ab 1999 folgte, nachdem die letzten Mieter*innen der Wohnungen ausgezogen waren, der endgültige Leerstand. Zurück blieb lediglich der 100 Meter nördlich gelegene Bahnhaltepunkt.</p>								</div>
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									<h4>Konzept und Umsetzung – „Bürger und Dienstleister Hand in Hand“</h4><p>Der Wunsch der Gemeinde, das identitätsstiftende Gebäude wieder in einen lebendigen Ort zu verwandeln, war groß. Im Gemeindeblatt wurde vor diesem Hintergrund eine Umfrage veröffentlicht, welche neue Nutzung sich die Erlauer*innen für den ehemaligen Bahnhof vorstellen könnten. Das Ergebnis: einen sozialen Treffpunkt und einen Bürgerbereich. Den entscheidenden Anstoß gab es schließlich im Jahr 2012 durch eine Entwurfsstudie von Architekturstudierenden der Technischen Universität Dresden, welche die Entwicklungsmöglichkeiten des Bahnhofsgebäudes aufzeigte. Initiiert wurde diese von Jana Ahnert, der heutigen Vereinsvorsitzenden des Generationenbahnhof Erlau e.V. und damaligen Mitarbeiterin an der TU Dresden. Nach der öffentlichen Vorstellung des Konzepts mit 100  Teilnehmenden war die Begeisterung unter den Anwesenden groß. Kurz darauf schlossen sich der damalige Bürgermeister Wolfgang Ahnert und einige interessierte Anwohner*innen zu einem Initiativkreis zusammen. Es entwickelte sich eine konkrete Vision für das Gebäude – die Kombination aus medizinischen und gemeinschaftlichen Angeboten, bei der bürgerschaftliches Engagement und professionelle Dienstleistungen unter einem Dach zusammenkommen und sich gegenseitig unterstützen.</p>								</div>
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									<p>Mit viel Engagement gelang es der Gemeinde und dem damaligen Bürgermeister im Jahr 2014, das Bahnhofgebäude zu kaufen. Aufgrund der hohen Erhaltungskosten, des geringen Gebäudewerts und des geringen Interesses anderer potenzieller Käufer wurde ein symbolischer Kaufpreis von einem Euro vereinbart.</p><p>Noch im selben Jahr gründete sich der Verein Generationenbahnhof Erlau e.V., der die Organisation und Netzwerkarbeit für den bürgerschaftlichen Bereich des Generationenbahnhofs bis heute übernimmt.</p><p>Nach einer sportlichen Planungsphase von weniger als 1,5 Jahren konnte die Sanierung im Januar 2016 beginnen, bei der die Gemeinde als Bauherr fungierte. In enger Abstimmung und guter Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz gelang es, einen Großteil der Außenfassaden sowie etliche historische Elemente wie Türen und Fenster zu erhalten. Mit der Vorstellung, dass sich jede Epoche in der Architektur des Gebäudes widerspiegeln sollte, wurde außerdem ein moderner Anbau aus Fertigbeton mit zusätzlichen Behandlungsräumen für den Zahnarzt erstellt. 2017 erfolgte schließlich die Eröffnung des Generationenbahnhofs. Der Schlüssel für die erfolgreiche Bauphase war die gute Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit Denkmalpflege und Bauaufsichtsbehörde.</p><p style="text-align: center;"><em>„Da bin ich mit dem einen oder anderen Becher Kaffee <br />und dem einen oder anderen Stück Kuchen hingefahren, <br />habe das mit denen beraten und dann hat das funktioniert. <br />Es kommt immer darauf an, wie man mit den Leuten umgeht.“ <br />(Wolfgang Ahnert)</em></p>								</div>
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									<p>Heute befinden sich unter Berücksichtigung des demografischen Wandels eine Seniorentagespflege, ein ambulanter Pflegedienst und eine Zahnarztpraxis in dem Generationenbahnhof. Verbunden wurde dieses professionelle Angebot mit einem ehrenamtlich betriebenen Bürgerbereich, bestehend aus einem Bürgerbüro und einem Bürgersaal als Raum für Bildung, Begegnung, Kultur und Freizeit. Unter dem Motto „Gutes Landesleben in Gemeinschaft“ entstand über die Zeit außerdem eine lange Liste an Aktivitäten wie z. B. Kartenspielrunden, Kreativtreff, Eltern-Kind-Kreis oder Cocktailabende. Die Räume werden darüber hinaus für Vorträge, Workshops oder auch für Ausstellungen genutzt. Auch mit lokalen Vereinen, einer Volkshochschule und weitere externen Akteuren wird zusammengearbeitet.</p><p>Für den ehemaligen Bürgermeister steht heute fest, die klaren Vorstellungen und die tragbare Nutzungsidee, welche aus dem Ort heraus entwickelt wurden, waren ein entscheidender Erfolgsfaktor für das Projekt:</p><p style="text-align: center;"><em>„Das ist ganz, ganz wichtig, wenn Sie so was machen, <br />dass Sie die Nutzung vorne weg klären.“ <br />(Wolfgang Ahnert)</em></p>								</div>
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									<h4>Der Generationenbahnhof als Gemeinschaftsprojekt</h4><p>Im Gespräch wurde schnell deutlich, dass der Bahnhof von Beginn an ein Gemeinschaftsprojekt war, geprägt von einer engen Zusammenarbeit zwischen Kommune, Verein, späteren Nutzer*innen und Dienstleister*innen. Die gemeinsame Projektentwicklung war besonders wichtig, damit alle dieselbe Vision teilen.</p><p>Jana Ahnert erinnert sich insbesondere an die essenzielle Unterstützung der Gemeinde: „Dass die Kommune gesagt hat: ‚Ja, wir gehen das an‘, war eigentlich ein großer Erfolgsfaktor für uns, denn ohne sie hätten wir das niemals stemmen können.“</p><p>Einen weiteren Vorteil brachte die multifunktionale Aufstellung des Teams mit Kontakten im ganzen Landkreis. Frederike Bremer, ehemalige Koordinatorin des Bahnhofs, beschreibt, wie wichtig es für die Umsetzung des Projekts war, die verschiedenen Begabungen geschickt zu bündeln und zu verknüpfen. Das Projekt lebt von der Gemeinschaft und einem breiten Netzwerk. Dabei ist es wichtig, ein offener Mensch ohne Berührungsängste zu sein, Kontakte aufzubauen und diese Verbindungen zu pflegen, so Bremer.</p>								</div>
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									<p>Auch die Bürger*innen der Gemeinde waren von Anfang an involviert.</p><p style="text-align: center;"><em>„Wir haben immer versucht, viel Öffentlichkeitsarbeit zu machen, <br />über das Projekt zu informieren, einzuladen. – <br />Es gab immer die Möglichkeit, mitzudenken, mitzumachen, <br />sich einzubringen, Wünsche zu äußern.“ <br />(Jana Ahnert)</em></p><p>Durch ein transparentes Vorgehen gelang es außerdem, die Leute auch in Phasen des Stillstands zu beruhigen und abzuholen. </p><p style="text-align: center;"><em>„Da wurden die Leute schon unruhig: Geht das überhaupt los? <br />Und so weiter und so fort. Und da haben wir sie durchs Gebäude geführt.“ <br />(Wolfgang Ahnert)</em></p><h4>Hürden und bleibende Herausforderungen</h4><p>Trotz erfolgreicher Projektumsetzung waren insbesondere die Jahre 2020 und 2021 von Hürden und Rückschlägen geprägt. Die Corona-Pandemie und bauliche Mängel am neuen Flachdach zwangen den Generationenbahnhof zu einer Nutzungspause. Zur selben Zeit kündigte der damalige Pflegeanbieter. Mit einem neuen Dach, dem Einzug eines neuen Pflegeanbieters und der Neubesetzung der Koordinatorenstelle im Verein blühte der Bahnhof ein Jahr später wieder auf und konnte erneut zahlreiche Besucher*innen anziehen. </p><p style="text-align: center;"><em>Eine zentrale Herausforderung für den Generationenbahnhof <br />liegt nach wie vor darin, mehr Leute zu erreichen und mit ins Boot zu holen.<br />„Am Ende ist es ein relativ kleiner Kreis.“ <br />(Jana Ahnert)</em></p><p>Auch die Bekanntmachung neuer Angebote ist eine Hürde für den ländlich gelegenen Treffpunkt. Jana Ahnert beschreibt, wie zeitaufwändig und anstrengend es ist, den Gedanken in die verschiedenen Ortsteile zu tragen. In einigen Gemeindeteilen wird der Mehrwert des Projektes noch nicht gesehen. Hinzukommen auch einige Skeptiker.</p><p style="text-align: center;"><em>„Ich habe mir das am Anfang völlig blauäugig viel einfacher vorgestellt. <br />Ich habe gedacht: Na, man macht mal Informationsveranstaltungen <br />und schreibt was in die Zeitung und dann haben das alle verstanden. <br />Aber das war eben nicht so.“ <br />(Jana Ahnert)</em></p>								</div>
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									<h4>Finanzierung zwischen <br />Förderung und Ehrenamt</h4><p>Die unterschiedlichen Förderprogramme und die finanzielle Unterstützung der Gemeinde waren eine essenzielle Grundlage für das zwei Millionen Euro schwere Projekt. Die Baukostenfinanzierung konnte durch die Rücklagen der Gemeinde, einen aufgenommenen Kredit und eine LEADER-Förderung in Höhe von 700.000 Euro gestemmt werden. Grund für die hohe LEADER-Fördersumme war die Aufteilung des Projekts in fünf verschiedene Förderanträge.</p><p>Für die weitere Projektentwicklung erhielt der Verein unter anderem Fördergelder aus den Programmen „Neulandgewinner”, „Regionalität und Mehrfunktionshäuser” im Rahmen des Bundesprogramms Ländliche Entwicklung (BULE) und LEADER. Mithilfe dieser Fördermittel konnten die Personalkosten für die Bahnhofskoordination im Bürgerbereich durch eine Teilzeitstelle zeitweilig finanziert werden.</p><p>Jana Ahnert weist jedoch auch auf Hürden hin, mit denen Vereine im Kontext der Fördermittelvergabe konfrontiert sind. Dazu gehört zum einen der Eigenanteil, zum anderen die Vorfinanzierung, die die Vereine oft nicht erbringen können.</p><p style="text-align: center;"><em>„Vereine scheitern an den Eigenanteilen, <br />mitunter auch, wenn der nur gering ist. <br />Da wäres gut, wenn Eigenanteil auch in Form <br />von Eigenleistung eingebracht werden kann.“ <br />(Jana Ahnert)</em></p><p>Hinzu kommt, dass Förderprogramme generell seltener in personelle Ressourcen investieren. Das stellt den Verein bei seiner fortlaufenden Arbeit vor große Herausforderungen. Nachdem die Förderung der hauptamtlichen Koordinatorenstelle Ende 2024 ausgelaufen ist, wird der Bürgerbereich rein ehrenamtlich betrieben. In der Folge musste das Angebot an Veranstaltungen und Aktionen reduziert und das Bürgerbüro geschlossen werden.</p><p>Die Kommune übernimmt die Betriebskosten und refinanziert einen Teil der laufenden Kosten durch private Vermietungen. Aufgrund der geringen Mitgliedsbeiträge und Eintrittspreise für Veranstaltungen kann der Verein kaum Einnahmen erzielen, sodass die ehrenamtliche Arbeit und Spenden weiterhin wichtige Säulen für seine Arbeit bilden.</p><p style="text-align: center;"><em>„Gutes Leben im ländlichen Raum, Förderung der Gemeinschaft <br />generiert keine Einnahmen. Und wenn man hier einen Vortrag macht <br />und zehn Euro Eintritt nimmt, dann kommt keiner. <br />Also was ist gutes Leben im ländlichen Raum wert?“<br />(Jana Ahnert)</em></p>								</div>
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		<title>Neues Leben auf altem Grund – wie erst drei, jetzt vier, Initiator*innen das Alte Postgelände in Strausberg in ein Kultur- und Wohnquartier verwandeln</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Apr 2026 13:53:01 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Brandenburg]]></category>
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					<description><![CDATA[Neues Leben auf altem Grund Wie erst drei, jetzt vier, Initiator*innen das Alte Postgelände in Strausberg in ein Kultur- und Wohnquartier verwandeln Das ehemalige Postgelände in Strausberg hat eine bewegte Geschichte und bietet mit seinen rund 25 Hektar Wald sowie fünf Hektar bebauter Fläche enormes Entwicklungspotenzial. Auch die Stadt selbst blickt auf eine lange militärische Vergangenheit zurück. Seit dem 18. Jahrhundert Garnisonsstadt und zu DDR-Zeiten Sitz des Verteidigungsministeriums, spiegelt sich diese Historie auch auf dem Gelände wider. Auf den ersten Blick wirkt das Areal eher unscheinbar: ein Plattenbau im Zentrum, einst Büro- und Verwaltungstrakt und heute unter Denkmalschutz, dazu ein paar kleinere Gebäude und Hallen. Doch das eigentlich Beeindruckende verbirgt sich unter der Erde: Mit einer Fläche von 8.500 Quadratmetern auf mehreren Ebenen erstreckt sich hier die einst größte Nachrichtenbunkeranlage der DDR, die sogenannte Nachrichtenzentrale-2. Nach der Wiedervereinigung ging das Areal über die Deutsche Post an die Deutsche Telekom AG. Die Initiator*innen Matthias Merkle, Antje Borchardt, Mona el Gammal und Melanie Seeland vor dem ehemaligen Pförtnerhäuschen – der heutigen Schmorpost – des alten Postgeländes „Wir haben das Gelände nicht gesucht – es hat uns gefunden.“(Matthias Merkle) Im Jahr 2010 übernahm Matthias Merkle das Gelände, inklusive aller Gebäude, Waldflächen und des Bunkers. Ursprünglich war das Ziel, die große Waldfläche zu erhalten – doch schon bald entwickelte sich daraus eine Vision für ein nachhaltiges Wohn- und Kulturquartier. Gemeinsam mit Melanie Seeland und Antje Borchardt nahm Merkle das Projekt in Angriff. Als ein anderer Käufer absprang, ergriffen sie die Chance und begannen, den Ort Schritt für Schritt neu zu gestalten. Wer heute über das alte Postgelände am Rande von Strausberg spaziert, spürt sofort: Hier entsteht etwas Neues – und doch ruht über allem eine Geschichte. Zwischen alten Hallen, mächtigen Kiefern und den Relikten des Kalten Krieges formt sich seit einigen Jahren ein besonderer Ort. Strausberg, ein Mittelzentrum östlich von Berlin, war lange Zeit von militärischer Nutzung geprägt. Doch nach der Wiedervereinigung fielen zahlreiche Flächen brach, während kulturelles Leben vor allem im nahegelegenen Berlin stattfand. Genau das wollten die drei Initiator*innen ändern. Sie sahen die Chance, einen Freiraum zu schaffen – einen Raum für Kunst, Handwerk und Nachbarschaft. Mit Theateraufführungen, Ausstellungen und einer Gaststätte gelang es ihnen, erste Brücken zu schlagen. Das Theater auf dem Gelände wurde zu einem Ort des Dialogs – für Künstler*innen, Handwerker*innen, Familien, alteingesessene Strausberger und neugierige Besucher. Aus einem Gelände mit schwerer Vergangenheit wächst so Schritt für Schritt ein lebendiger Ort für die Zukunft. Mit Hartnäckigkeit, Engagement und einer Idee – aus gemeinsamer Arbeit wächst ein Ort für alle 2017 eröffnet das Theater; parallel wächst die Holzwerkstatt, später die Gastronomie Schmorpost. Und aus der Nutzung heraus bildet sich eine Wohnungsgenossenschaft für das große Bestandsgebäude. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Helle, hohe Räume, günstige Mieten – laut Matthias Merkle etwa fünf Euro warm, für mindestens 25 Jahre abgesichert. Die Entscheidung gegen chic und für eine Öffnung für Personen von außen war bewusst: „Wenn Neubau später teurer wird, brauchst Du Orte, die sozial durchlässig bleiben.“ Die Öffnung war jedoch teilweise auch aus der Not heraus geboren und der drängenden Zeit geschuldet, das ehemalige Büro- und Verwaltungsgebäude einer neuen Nutzung zuzuführen. Alle Personen und Vereine, die heute in dem Gebäude vorzufinden sind, wurden mit ihrem Einzug Teil der Genossenschaft. „Wir hatten gehofft, eine Gruppe zu finden, die das Haus übernimmt. Stattdessen haben wir mit Nutzer*innen die Genossenschaft gegründet.“(Matthias Merkle) Strukturell steht das Vorhaben auf drei Füßen: eine gemeinnützige UG für das Theater, eine GmbH für Gastronomie und Holzwirtschaft, eine Besitzgesellschaft für die Immobilienentwicklung. „Die Bank will Gewährleistung, Versicherungen, klare Kostenträger – das ist richtig“, erklärt Merkle. „Kulturförderung [für das Theater] kommt vom Land, etwas vom Bund, „von der Stadt nur sehr wenig“. Der Rest wird erwirtschaftet: durch Genossenschaftsmieten, Gastronomie, Holzwirtschaft – und jahrelange Eigenleistung. „Als die Schmorpost endlich genehmigt war, standen wir selbst in der Küche und am Tresen“, sagt Merkle. „Zwei Jahre lang, bis wir Löhne tragen konnten.“ „Förderungen bringen Netzwerke und Legitimation. Es hätte uns früher Integrität verliehen, die wir dann mühsam nachweisen mussten.“(Matthias Merkle) Dass viele klassische Förderprogramme wie LEADER oder die Städtebauförderung nicht passten, kostete nicht nur Geld, sondern auch Hebel. Laut Merkle lebt das Projekt von Zeit, die niemand bezahlt und von einer Hartnäckigkeit, die man nicht planen kann. In den Leerzeiten wurde der Wald gepflegt, der Bunkerbereich ausgelichtet, Wege angelegt – keine großen Gesten, aber sichtbare Zeichen für Menschen, die spazieren gehen und beiläufig zu Nutzer*innen werden. So entsteht auch eine Art von Bindung, die nicht durch Pläne, sondern durch Benutzbarkeit entsteht. „Ohne Ehrenamt geht es nicht, aber es bräuchte mehr Würdigung dafür.“ (Melanie Seeland) Ein Ort im Wandel – das alte Postgelände wird zum lebendigen Kultur- und Wohnquartier Am Eingang des Geländes passiert man die alte Pforte, in der sich seit Ende 2021 eine Gastwirtschaft, die bereits erwähnte Schmorpost, befindet. Die Gastronomie stellt einen der bereits abgeschlossenen Entwicklungsschritte dar. Die Eröffnung war aber nicht nur für die Initiator*innen ein wichtiger Meilenstein. Sie sorgt auch für Außenwirkung und lockt Menschen aus dem Ort auf das alte Postgelände. Finanziert und umgenutzt wurde die Schmorpost aus Eigenmitteln bzw. mit Eigenleistung. Die Innenausstattung ist aus dem eigenen Holz und wurde größtenteils in der Waldwirtschafterei gefertigt. Bestuhlung und andere Teile der Einrichtung sind gebraucht und werden hier nun weiterverwendet. Zur Schmorpost gehört auch ein Biergarten für die sonnigen Tage. Die Schmorpost auf dem alten Postgelände: Von außen ist der Charme des Ehemaligen Pfortengebäudes erhalten geblieben, angrenzend befindet sich der Biergarten &#8230; &#8230; und im Innenraum wurde die Ausstattung zum größten Teil selbst aus dem eigenen Holz gefertigt In einer der alten Hallen wurde ein Theater eingerichtet, die „Die Andere Welt Bühne“, die das kulturelle Angebot der Region erweitert. Mit der Veranstaltung von Workshops sowie Angebote für Kinder und Jugendliche haben die Initiator*innen zudem einen gesellschaftlichen Auftrag angenommen. Hierfür geht Melanie Seeland, die für den Betrieb des Theaters verantwortlich ist, Kooperationen mit Kindergärten und Schulen der Stadt ein und schafft Angebote für interessierte Bürger*innen. Den Bau der Innenausstattung übernahmen die Initiator*innen selbst. In der Waldwirtschafterei fertigten sie beispielsweise die]]></description>
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									<h3><strong>Neues Leben auf altem Grund</strong></h3><h4><strong>Wie erst drei, jetzt vier, Initiator*innen das Alte Postgelände in Strausberg in ein Kultur- und Wohnquartier verwandeln</strong></h4><p>Das ehemalige Postgelände in Strausberg hat eine bewegte Geschichte und bietet mit seinen rund 25 Hektar Wald sowie fünf Hektar bebauter Fläche enormes Entwicklungspotenzial. Auch die Stadt selbst blickt auf eine lange militärische Vergangenheit zurück. Seit dem 18. Jahrhundert Garnisonsstadt und zu DDR-Zeiten Sitz des Verteidigungsministeriums, spiegelt sich diese Historie auch auf dem Gelände wider. Auf den ersten Blick wirkt das Areal eher unscheinbar: ein Plattenbau im Zentrum, einst Büro- und Verwaltungstrakt und heute unter Denkmalschutz, dazu ein paar kleinere Gebäude und Hallen. Doch das eigentlich Beeindruckende verbirgt sich unter der Erde: Mit einer Fläche von 8.500 Quadratmetern auf mehreren Ebenen erstreckt sich hier die einst größte Nachrichtenbunkeranlage der DDR, die sogenannte Nachrichtenzentrale-2. Nach der Wiedervereinigung ging das Areal über die Deutsche Post an die Deutsche Telekom AG.</p>								</div>
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									<p style="text-align: center;"><em>„Wir haben das Gelände nicht gesucht – es hat uns gefunden.“<br />(</em><em>Matthias Merkle)</em></p><p>Im Jahr 2010 übernahm Matthias Merkle das Gelände, inklusive aller Gebäude, Waldflächen und des Bunkers. Ursprünglich war das Ziel, die große Waldfläche zu erhalten – doch schon bald entwickelte sich daraus eine Vision für ein nachhaltiges Wohn- und Kulturquartier. Gemeinsam mit Melanie Seeland und Antje Borchardt nahm Merkle das Projekt in Angriff. Als ein anderer Käufer absprang, ergriffen sie die Chance und begannen, den Ort Schritt für Schritt neu zu gestalten.</p><p>Wer heute über das alte Postgelände am Rande von Strausberg spaziert, spürt sofort: Hier entsteht etwas Neues – und doch ruht über allem eine Geschichte. Zwischen alten Hallen, mächtigen Kiefern und den Relikten des Kalten Krieges formt sich seit einigen Jahren ein besonderer Ort. Strausberg, ein Mittelzentrum östlich von Berlin, war lange Zeit von militärischer Nutzung geprägt. Doch nach der Wiedervereinigung fielen zahlreiche Flächen brach, während kulturelles Leben vor allem im nahegelegenen Berlin stattfand. Genau das wollten die drei Initiator*innen ändern. Sie sahen die Chance, einen Freiraum zu schaffen – einen Raum für Kunst, Handwerk und Nachbarschaft.</p><p>Mit Theateraufführungen, Ausstellungen und einer Gaststätte gelang es ihnen, erste Brücken zu schlagen. Das Theater auf dem Gelände wurde zu einem Ort des Dialogs – für Künstler*innen, Handwerker*innen, Familien, alteingesessene Strausberger und neugierige Besucher. Aus einem Gelände mit schwerer Vergangenheit wächst so Schritt für Schritt ein lebendiger Ort für die Zukunft.</p><h4>Mit Hartnäckigkeit, Engagement und einer Idee – aus gemeinsamer Arbeit wächst ein Ort für alle</h4><p>2017 eröffnet das Theater; parallel wächst die Holzwerkstatt, später die Gastronomie Schmorpost. Und aus der Nutzung heraus bildet sich eine Wohnungsgenossenschaft für das große Bestandsgebäude. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Helle, hohe Räume, günstige Mieten – laut Matthias Merkle etwa fünf Euro warm, für mindestens 25 Jahre abgesichert. Die Entscheidung gegen chic und für eine Öffnung für Personen von außen war bewusst: „Wenn Neubau später teurer wird, brauchst Du Orte, die sozial durchlässig bleiben.“ Die Öffnung war jedoch teilweise auch aus der Not heraus geboren und der drängenden Zeit geschuldet, das ehemalige Büro- und Verwaltungsgebäude einer neuen Nutzung zuzuführen. Alle Personen und Vereine, die heute in dem Gebäude vorzufinden sind, wurden mit ihrem Einzug Teil der Genossenschaft.</p>								</div>
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									<p style="text-align: center;"><em>„Wir hatten gehofft, eine Gruppe zu finden, die das Haus übernimmt. <br />Stattdessen haben wir mit Nutzer*innen die Genossenschaft gegründet.“<br /></em><em>(Matthias Merkle)</em></p><p>Strukturell steht das Vorhaben auf drei Füßen: eine gemeinnützige UG für das Theater, eine GmbH für Gastronomie und Holzwirtschaft, eine Besitzgesellschaft für die Immobilienentwicklung. „Die Bank will Gewährleistung, Versicherungen, klare Kostenträger – das ist richtig“, erklärt Merkle. „Kulturförderung [für das Theater] kommt vom Land, etwas vom Bund, „von der Stadt nur sehr wenig“. Der Rest wird erwirtschaftet: durch Genossenschaftsmieten, Gastronomie, Holzwirtschaft – und jahrelange Eigenleistung. „Als die Schmorpost endlich genehmigt war, standen wir selbst in der Küche und am Tresen“, sagt Merkle. „Zwei Jahre lang, bis wir Löhne tragen konnten.“</p><p style="text-align: center;"><em>„Förderungen bringen Netzwerke und Legitimation. <br />Es hätte uns früher Integrität verliehen, die wir dann mühsam nachweisen mussten.“<br />(Matthias Merkle)</em></p><p>Dass viele klassische Förderprogramme wie LEADER oder die Städtebauförderung nicht passten, kostete nicht nur Geld, sondern auch Hebel. Laut Merkle lebt das Projekt von Zeit, die niemand bezahlt und von einer Hartnäckigkeit, die man nicht planen kann. In den Leerzeiten wurde der Wald gepflegt, der Bunkerbereich ausgelichtet, Wege angelegt – keine großen Gesten, aber sichtbare Zeichen für Menschen, die spazieren gehen und beiläufig zu Nutzer*innen werden. So entsteht auch eine Art von Bindung, die nicht durch Pläne, sondern durch Benutzbarkeit entsteht.</p><p style="text-align: center;"><em>„Ohne Ehrenamt geht es nicht, <br />aber es bräuchte mehr Würdigung dafür.“ <br />(</em><em>Melanie Seeland)</em></p><h4>Ein Ort im Wandel – das alte Postgelände wird zum lebendigen Kultur- und Wohnquartier</h4><p>Am Eingang des Geländes passiert man die alte Pforte, in der sich seit Ende 2021 eine Gastwirtschaft, die bereits erwähnte Schmorpost, befindet. Die Gastronomie stellt einen der bereits abgeschlossenen Entwicklungsschritte dar. Die Eröffnung war aber nicht nur für die Initiator*innen ein wichtiger Meilenstein. Sie sorgt auch für Außenwirkung und lockt Menschen aus dem Ort auf das alte Postgelände.</p><p>Finanziert und umgenutzt wurde die Schmorpost aus Eigenmitteln bzw. mit Eigenleistung. Die Innenausstattung ist aus dem eigenen Holz und wurde größtenteils in der Waldwirtschafterei gefertigt. Bestuhlung und andere Teile der Einrichtung sind gebraucht und werden hier nun weiterverwendet. Zur Schmorpost gehört auch ein Biergarten für die sonnigen Tage.</p>								</div>
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									<p>In einer der alten Hallen wurde ein Theater eingerichtet, die „Die Andere Welt Bühne“, die das kulturelle Angebot der Region erweitert. Mit der Veranstaltung von Workshops sowie Angebote für Kinder und Jugendliche haben die Initiator*innen zudem einen gesellschaftlichen Auftrag angenommen. Hierfür geht Melanie Seeland, die für den Betrieb des Theaters verantwortlich ist, Kooperationen mit Kindergärten und Schulen der Stadt ein und schafft Angebote für interessierte Bürger*innen.</p><p>Den Bau der Innenausstattung übernahmen die Initiator*innen selbst. In der Waldwirtschafterei fertigten sie beispielsweise die aufwendigen Bühnenelemente. Die Bestuhlung und Teile der Technik wurden von befreundete Berliner Theatern gestiftet, die damit einen wichtigen Beitrag für die Eröffnung des Theaterbetriebs leisteten. Neben den erbrachten Eigenleistungen trägt sich „Die Andere Welt Bühne“ über Förderungen des Landes Brandenburg – insbesondere durch die Kulturförderung. Und der Erfolg bestätigt die Bemühungen und motiviert die Betreiber*innen. Das Theater lockt neben den Menschen aus der Region auch Publikum aus dem nahliegenden Berlin nach Strausberg.</p><p>In einer anderen Halle auf dem alten Postgelände befindet sich die besagte Waldwirtschafterei. Die Holzwerkstatt stellt einen wesentlichen und wichtigen Bestandteil des Vorhabens dar. Hier werden neben Auftragsarbeiten insbesondere die Ausstattungen für den eigenen Gebrauch – wie Bühnenelemente für das Theater oder die Innenausstattung für die Schmorpost – sowie die Elemente für die Häuser für das „Wohnen am Waldrand“ gefertigt.</p>								</div>
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									<p>Der Aufbau der Werkstatt sowie die Anschaffung von Maschinen und des eigenen mobilen Sägewerks – das sich an einer anderen Stelle auf dem Gelände im Einsatz befindet und die gefällten Bäume zu Bauholz verarbeitet – wurden mit eigenen Mitteln finanziert. Anschaffungs- und Betriebskosten können zum Teil durch Auftragsarbeiten und durch den Aufbau des Wohnquartiers sowie dessen Einnahmen gedeckt werden.</p><p>Auf dem Gelände entsteht zusätzlich zu dem kulturellen und gastronomischen Angebot ein kleines nachhaltiges Wohnquartier, welches zukünftig noch erweitert werden könnte. Der Nachhaltigkeitsaspekt ergibt sich aus der Art und Weise des Hausbaus. Es handelt sich um Holzhäuser, deren Bau einem ressourcenschonenden, kreislauforientierten Ansatz folgt. Fenster werden nachgenutzt; das Holz stammt vom eigenen Gelände ohne nennenswerte Transportwege und wird vor Ort verarbeitet. Außerdem stehen die Neubauten auf Punktfundamenten, für welche nur geringe Mengen Beton benötigt werden. Zudem lässt die Bauweise den kompletten Rückbau der Häuser zu.</p><p>Die Finanzierung des Projekts „Wohnen am Waldrand“ setzt sich aus Eigenmitteln aus der laufenden Kreditfinanzierung und den bereits geleisteten Zahlungen von Genossenschaftsanteilen zukünftiger Bewohner*innen zusammen. Das erste Haus wird bereits bewohnt und das zweite steht kurz vor dem Bezug. Weitere Häuser befinden sich im Bau, sind zum Teil bereits verkauft oder warten auf Bewohner*innen. Potenzielle Nutzer*innen steigen demnach nach einem genossenschaftlichen Modell, mit ihren persönlichen finanziellen Mitteln, in das Vorhaben ein, werden dadurch Miteigentümer*innen aller Häuser und mieten ihr eigenes Haus bzw. ihre eigene Wohnung.</p>								</div>
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										</figure>
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									<p>Für die Zukunft sind auf dem alten Postgelände noch weitere Projekte geplant. Beispielsweise soll ein Atelier-Haus auf einer freien Fläche erbaut werden, und zwar in Form eines Holzskelettbaus mit integrierten Seecontainern, betrieben mit Geothermie und Photovoltaik. Inspiriert von Berliner Fabriketagen der 1980/90er Jahre bietet das Gebäude flexible Atelierwohnungen (40–160 qm), Coworking-Räume, Gästezimmer sowie einen Seminarraum. Das Projekt richtet sich vor allem an Künstler*innen, Kollektive und kreative Wohnformen. Coworking-Räume und Gästezimmer werden auch befristet nutzbar sein. Das Ziel ist ein lebendiger, dynamischer Ort mit einer Kombination aus wechselnder und bleibender Gemeinschaft.</p>								</div>
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									<p>Darüber hinaus sollen in Zukunft weitere Projekte angegangen und umgesetzt werden. Für die nahe Zukunft soll dies mit den Wissensspeicher – oder einfach nur SPEICHER – geschehen. Dieser hat bereits seine Türen für Interessierte geöffnet und wartet derzeit auf seine Wiedereröffnung. Es handelt sich hierbei um ein Bildungsprojekt zur Wissensvermittlung für eine nachhaltige und gerechte Gestaltung der Welt und seiner Gesellschaft. Der Wissensspeicher richtet sich an jeden interessierten Menschen, da aus der Sicht der Initiator*innen des Projekts ein Wandel der Welt zu einer besseren nur zusammen gelingt. Auf dem alten Postgelände findet der SPEICHER einen festen Platz und wird durch die Initiatorin Mona el Gammal betreut. Zusätzlich zum SPEICHER ist eine langfristige Nutzung des Bunkers als Kulturbunker und Museum geplant. Dabei handelt es sich momentan noch eher um einen Wunsch, als um eine konkrete Planung, aber erste Überlegungen und ein reger Austausch mit dem Verein „Orte der Geschichte“ – der sich bereits 2012 mit dem Ziel, den Bunker zu einem außerschulischen Lern- und Bildungsort zu entwickeln, gegründet – finden bereits statt.</p>								</div>
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									<h4>Förderlücken und Verwaltungschaos – wie Bürokratie kulturelle Transformation verlangsamt</h4><p>Nach Aussage der Initiator*innen bestand die größte Hürde in einer Verwaltung, die politisch Gewolltes administrativ ausbremste. Der Bebauungsplan war 2022 beschlossen, aber monatelang nicht veröffentlicht. Was formal als „vereinfachtes“ Verfahren vorgesehen war, wurde de facto zum „Normalgang“ mit extralangen Genehmigungsschleifen. Fristen, die rechtlich klar sind, gerieten zu dehnbaren Empfehlungen, Akten waren unvollständig, Gespräche blieben mündlich und damit unverbindlich.</p>								</div>
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										<img loading="lazy" decoding="async" width="1242" height="689" src="https://leerstand-aktivieren.de/wp-content/uploads/06_Bunker.jpg" class="attachment-full size-full wp-image-25644" alt="" srcset="https://leerstand-aktivieren.de/wp-content/uploads/06_Bunker.jpg 1242w, https://leerstand-aktivieren.de/wp-content/uploads/06_Bunker-900x499.jpg 900w, https://leerstand-aktivieren.de/wp-content/uploads/06_Bunker-768x426.jpg 768w" sizes="(max-width: 1242px) 100vw, 1242px" />											<figcaption class="widget-image-caption wp-caption-text">  Etwas unscheinbar versteckt sich der Eingang zum größten Bunker der ehemaligen DDR in einer Halle auf dem alten Postgelände.</figcaption>
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									<p style="text-align: center;"><em>„Du fängst an, an der Rechtsstaatlichkeit des Alltags zu zweifeln, <br />weil Dir niemand etwas Schriftliches gibt und mündlich <br />Gesagtes am nächsten Tag nicht mehr gilt.“<br />(Matthias Merkle)</em></p><p>Zu dieser Trägheit kam ein institutionelles Ping-Pong zwischen Stadt und Landkreis. Die Stadt verwies auf den Kreis als Genehmigungsbehörde, der Kreis wiederum auf negative Stellungnahmen der Stadt. „Verantwortlich war am Ende niemand“, sagt Melanie Seeland. Dass Verträge Jahre später von neuem Personal „neu interpretiert“ wurden, verschärfte die Lage. Der Rechtsweg stand theoretisch offen, praktisch aber war er kaum gangbar, weil Verwaltungsgerichte überlastet sind.</p><p style="text-align: center;"><em>„Da wird der Schwarze Peter hin- und hergeschoben, <br />bis Zeit die Entscheidung ersetzt</em><strong><em>. <br /></em></strong><em>Der einzig wirksame Hebel ist so langsam, <br />dass er für lebendige Projekte faktisch nicht existiert.“ <br />(</em><em>Matthias Merkle)</em></p><p>Die Verschleppung hatte einen Preis, der sich in Mieten und Betriebskosten niederschlägt. Auch das Theater, die Gastronomie und die Werkstatt spürten die Verzögerung unmittelbar: Ein vorgesehener Küchenchef sprang ab, weil die Genehmigung nicht kam. Am Ende kochten die Initiator*innen zwei Jahre lang selbst, um den Laden überhaupt öffnen und Personal finanzieren zu können. Durch die Sanierung in Eigenleistung wurde der Betrieb am alten Postgelände aufrechterhalten, während die finanziellen Puffer eigentlich schon längst aufgebraucht waren. Um das Projekt am Leben zu halten, wurde die Holzwerkstatt zur „Überbrückungsökonomie“: Die Fertigung von Geräten für Spielplätze und Möbel lieferte die notwendigen Mittel, um Planungskosten zu tragen und gleichzeitig Wissen aufzubauen. Dass die Schmorpost ausgerechnet in der Corona-Zeit eröffnete, führte jedoch zu neuen Herausforderungen: Preissteigerungen, unsichere Nachfrage, dazu die lokale Gewohnheit, nach 19 Uhr nicht mehr essen zu gehen.</p><p style="text-align: center;"><em>„Zuerst kam um diese Uhrzeit niemand, <br />bis die Leute merkten: Um 20 Uhr essen geht ja doch. <br />Veränderung ist eine geduldige Kulturtechnik.“ <br />(</em><em>Matthias Merkle)</em></p><p>Eine weitere systemische Hürde betrifft die Förderprogrammatik: Das Gebiet des alten Postgeländes kommt weder für die klassischen Programme der Städtebauförderung noch für die LEADER-Förderung in Frage. Damit fehlten nicht nur Zuschüsse, sondern auch die Netzwerke sowie die „weiche“ Legitimation, die solche Förderungen gegenüber Verwaltungen erzeugen. Förderungen sind dabei mehr als nur finanzielle Mittel, sie haben eine Hebelwirkung und stellen gewissermaßen eine Art Schutzschild dar. Stattdessen trug die Konstruktion aus gemeinnütziger UG (Theater), GmbH (Gastronomie/Holzwirtschaft) und Besitzgesellschaft (Immobilien) die Finanzierung – kompliziert, aber belastbar. Kulturförderung vom Land Brandenburg sowie kleinere Bundesmittel halfen, während von der Stadt Strausberg eher wenig kam. Den Rest leisteten Ehrenamt, Privatdarlehen aus dem Umfeld der Initiator*innen und ein „dickes Fell“. Die gesellschaftliche Würdigung des Engagements blieb zunächst überschaubar, obwohl gerade diese unbezahlte Zeit das Projekt trug: Wald pflegen, Bunkerbereich auslichten, Wege anlegen, Veranstaltungen durchführen, Publikum langsam gewinnen.</p>								</div>
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									<p style="text-align: center;"><em>„Wir sind keine guten Netzwerker – wir arbeiten.“ <br />(</em><em>Matthias Merkle)</em></p><p>Hinderlich war nicht nur, was entschieden wurde, sondern auch wie: Fehlende Kommunikation, fehlende Verbindlichkeit, fehlende Zuständigkeit. Antworten auf wesentliche Fragen blieben vage oder gänzlich aus. Selbst kreative, reversible Bauweisen – modular, im Zweifelsfall versetz- oder sogar rückbaubar – änderten am Grundtempo der formalen Prozesse wenig. Bekannte Netzwerke wie das „Netzwerk Zukunftsorte“ halfen sichtbar zu bleiben, ersetzten das tägliche Tun jedoch nicht.</p><h4>Transformation eines Ortes: Vom Postgelände mit Geschichte zum Zukunftsquartier</h4><p>Das ehemalige Postgelände in Strausberg zeigt beispielhaft, wie Orte mit schwerer Geschichte in lebendige Zukunftsräume verwandelt werden können. Was als Vision einiger weniger begann, hat sich durch Hartnäckigkeit, gemeinschaftliches Engagement und kreative Nutzung zu einem wachsenden Kultur- und Wohnquartier entwickelt. Theater, Holzwerkstatt, Gastronomie und Wohnprojekte bilden heute ein stabiles Fundament, das nicht nur kulturelle Vielfalt ermöglicht, sondern auch sozialen Zusammenhalt und nachhaltige Entwicklung fördert. Trotz massiver bürokratischer Hürden und fehlender Förderstrukturen ist es den Initiator*innen dank jahrelanger Eigenleistung gelungen, einen offenen Raum zu schaffen, der Menschen zusammenbringt und neue Perspektiven eröffnet. Der Umbau der Schmorpost, die Etablierung der „Andere Welt Bühne“ und die ersten ökologischen Wohnhäuser zeigen, dass Transformation von unten gelingen kann – wenn Ausdauer, Gemeinschaftssinn und ein klarer Gestaltungswille zusammenkommen.</p><p>In den kommenden Jahren wird sich zeigen, wie sich das Gelände weiterentwickelt: Geplant sind Atelier-Häuser, Coworking-Bereiche, Bildungsprojekte sowie die kulturelle Erschließung des Bunkers. Damit wächst der Ort nicht nur baulich, sondern auch in seiner gesellschaftlichen Bedeutung – als Labor für neue Formen des Zusammenlebens, des nachhaltigen Bauens und der gemeinschaftlichen Nutzung von Raum.</p><p style="text-align: center;"><em>„Wir glauben an diesen Ort. Er ist ein kultureller Farbklecks <br />in einer Region, die genau das braucht. <br />Wenn wir hier Menschen zusammenbringen – <br />zum Reden, Denken, Feiern –, dann ist das <br />die beste Stadtentwicklung, die es geben kann.“ <br />(</em><em>Matthias Merkle)</em></p><p>Das Projekt auf dem alten Postgelände beweist, dass kulturelle und soziale Transformation nicht von oben verordnet werden muss. Sie kann entstehen, wenn Menschen Freiräume mutig gestalten, Verantwortung übernehmen und sich nicht von Hürden entmutigen lassen. Aus einem verlassenen Areal ist ein lebendiger Ort entstanden, der Geschichte bewahrt und Zukunft gestaltet – ein Impuls, der weit über Strausberg hinaus Strahlkraft entfalten kann.</p>								</div>
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									<h5>Brandenburg</h5><p>Um mehr über die Region dieser Bereisung zu erfahren hier klicken.</p>								</div>
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									<h5>Brandenburg</h5><p>Trailer der Bereisung als Youtube-Video</p>								</div>
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		<title>Bahnhof Zschortau – vom ruinösen Leerstand zum modernen Bürostandort</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Apr 2026 14:20:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[BUNDESLÄNDER]]></category>
		<category><![CDATA[Sachsen]]></category>
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					<description><![CDATA[Bahnhof Zschortau – vom ruinösen Leerstand zum modernen Bürostandort Infolge der zahlreichen Stilllegungen von Bahnhöfen in Ostdeutschland stehen in vielen ländlichen Regionen die ortsbildprägenden und meist unter Denkmalschutz stehenden Bahnhofsgebäude leer. Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken und den Orten einen wichtigen Teil ihrer Geschichte und Identifikationsgrundlage zurückzugeben, versuchen private Akteur*innen und Gemeinden vielerorts, den Gebäuden wieder Leben einzuhauchen – so auch in Zschortau, einem Ortsteil der Gemeinde Rackwitz im Landkreis Nordsachsen. Mit dem Ziel, mehr über die Umnutzung des Bahnhofsgebäudes in Zschortau zu erfahren, haben wir uns auf den Weg in die Region 19 km nördlich von Leipzig gemacht und vor Ort mit Bernd Knoblich, Landschaftsarchitekt und Gründer des Büros Knoblich gesprochen, welcher das denkmalgeschützte Empfangsgebäude am Bahnhof heute als Bürostandort nutzt. Das sanierte Bahnhofsgebäude in Zschortau (Foto: Oliver Diecke OD-Pictureworks, Leipzig) Bahnhof Zschortau – die Geschichte Das Bahnhofsgebäude in Zschortau weist eine wechselvolle Geschichte auf. Der Bahnhof liegt an der bedeutsamen Eisenbahnstrecke zwischen Leipzig und Delitzsch und war nach seiner Entstehung um 1870 ein wichtiger Haltepunkt für die Region zwischen Leipzig und Bitterfeld. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verlor das Empfangsgebäude des Landbahnhofes, unter anderem aufgrund des abnehmenden Güterverkehrs und Rangierbetriebs, zunehmend an Bedeutung und wurde 1996 endgültig außer Betrieb genommen. Es folgten über 25 Jahre Leerstand und Verfall, die das historische und ortsbildprägende Gebäude in einem ruinösen Zustand mit beschädigten Dächern, zugenagelten Fenstern und Graffiti zurückgelassen haben. Die angrenzende Bahnhaltestelle blieb dabei bestehen und bindet den Ortsteil der Gemeinde an die umliegenden Städte an. Auch wenn es in der Gemeinde selbst keine Nachnutzungsabsichten gab, war ihr Wunsch, das ortsbildprägende Gebäude zu erhalten, groß. Nach einer gescheiterten Versteigerung im Jahr 2015 und unklaren Eigentümerverhältnissen wandte sich der Bürgermeister der Gemeinde schließlich an den Landschaftsarchitekten Bernd Knoblich. Nach zwei Jahren Überzeugungsarbeit kam dann 2022 die rettende Wende für den verfallenen Bahnhof: Der Landschaftsarchitekt kaufte das Gebäude von der Deutschen Bahn und entwickelt einen modernen und nachhaltigen Bürostandort für seine Mitarbeiter*innen, wodurch nicht nur ein Schandfleck verschwunden ist, sondern auch neue Arbeitsplätze in die Gemeinde gekommen sind.  Die Idee – moderne Büros im Nullenergiehaus Bernd Knoblich kam in den 1990er Jahren nach seinem Studium an der TU Berlin nach Sachsen und gründete 2001 schließlich das gleichnamige Büro Knoblich. Das Planungsbüro für Landschaftsarchitektur, Umweltplanung und Bauleitplanung mit heute über 60 Mitarbeiter*innen ist vor allem in Ostdeutschland tätig. Zu den Bürostandorten gehören das alte Forsthaus in Zschepplin bei Leipzig, eine alte Bürgermeistervilla in Erkner bei Berlin und seit 2024 das alte Bahnhofsgebäude in Zschortau. Das Besondere – alle drei Bürostandorte befinden sich in sorgfältig sanierten Altbauten. Bernd Knoblich betont, dass dies Teil der Nachhaltigkeitsstrategie des Planungsbüros sei – für die eigenen Bürostandorte sollen keine neuen Gebäude an unbebauten Orten entstehen. Stattdessen ist es die Philosophie des Landschaftsarchitekten, alte Immobilien aufzuwerten und anschließend in Büros zu verwandeln.   Für Bernd Knoblich steht in diesem Zusammenhang fest – ein konkreter Plan mit einem realistischen und tragbaren Nutzungskonzept ist das A und O für eine erfolgreiche Leerstandsaktivierung. „Das Entscheidendste ist, glaube ich, dass man tatsächlich genau weiß und einen genauen Plan hat, wie man die Räumlichkeiten füllt und das war das, was es mir hier auch so einfach gemacht hat.“ Bernd Knoblich Für Bernd Knoblich steht in diesem Zusammenhang fest – ein konkreter Plan mit einem realistischen und tragbaren Nutzungskonzept ist das A und O für eine erfolgreiche Leerstandsaktivierung. „Das Entscheidendste ist, glaube ich, dass man tatsächlich genau weiß und einen genauen Plan hat,wie man die Räumlichkeiten füllt und das war das, was es mir hier auch so einfach gemacht hat.“ Das Bahnhofsgebäude vor der Sanierung nach 25 Jahren Leerstand Innenansicht: Hohe Decke und ein besonderes Flair im Gemeinschaftsbüro Die Sanierung – gute Zusammenarbeit, viel Vertrauen und ein gemeinsames Ziel Auch wenn Bernd Knoblich bereits einige Erfahrungen mit der Umnutzung von Bestandsgebäuden sammeln konnte, brachte der marode Zustand des Bahnhofes neue Herausforderungen mit sich. Der Landschaftsarchitekt erinnert sich, wie er gemeinsam mit dem Bürgermeister durch ein zugenageltes Fenster gestiegen ist, um sich einen ersten Eindruck zu machen. „Man konnte da durch die drei Etagen hindurchsehen, von unten bis oben. Die ganzen Decken waren durchgebrochen. Das Dach saß mehr schlecht als recht obendrauf.“ Das Bahnhofsgebäude im Umbau Vom Stillstand zum Kauf – Hürden und wie ihnen begegnet werden kann Bevor die Sanierungsarbeiten beginnen konnten, stand das Projekt jedoch noch vor einem großen Hindernis – dem Kauf des alten Empfangsgebäudes. Der Erwerb des Gebäudes von der Deutschen Bahn stockte zunächst aufgrund der vorangegangenen gescheiterten Versteigerung, wodurch die DB nicht mehr als Eigentümer im Grundbuch eingetragen war. Erst durch die Eröffnung eines Notaranderkontos und einen Anzahlungspreis von 1 800 € gelang es der Deutschen Bahn, den Grundbucheintrag zurückzubekommen. Zusätzliche Probleme brachte die Strategie „Starke Schiene Deutschland“, welche den vorangegangenen großmaßstäbigen Verkauf von Bahnhofsgebäuden durch die Deutsche Bahn bremsen sollte. Die Lösung – Handlungsdruck für die DB aufgrund der Denkmalschutzrichtlinien. Ohne den Verkauf der Immobilie hätte die Bahn Kosten in Höhe von 180 000 € für die Notsicherung aufbringen müssen. Innenansicht: Durchgebrochene Böden und ein löchriges Dach Bernd Knoblich verweist in diesem Zusammenhang insgesamt auf die schleppenden Verhandlungen mit Behörden, einschließlich der Deutschen Bahn: „Diese unglaublich zähen Verhandlungen, bis man überhaupt so etwas kaufen kann – da geben eigentlich 90 % der Leute auf.“  Entscheidend ist laut dem Landschaftsarchitekten, viele gute Kontakte und eine wohlwollende Gemeinde auf seiner Seite zu haben. Insbesondere die Unterstützung durch den Bürgermeister war bei den Verhandlungen mit der DB essentiell. Das Landschaftsarchitekturbüro konnte darüber hinaus auf wertvolle Kontakte und zuverlässige Netzwerkpartner zurückgreifen. Mit der engagierten Baufirma hatte das Büro Knoblich bereits zwei Projekte durchgeführt. Auch zum Denkmalamt bestanden aufgrund von früherer beruflicher Zusammenarbeit bereits Kontakte. Hinzu kam ein guter Draht zur Bauaufsicht und die bereits erwähnte Unterstützung der Gemeinde, was eine unkomplizierte Abstimmung auf Augenhöhe ermöglichte. „Wenn man die guten Kontakte nicht gehabt hätte, weiß ich nicht, ob man das so schnell und so zielorientiert gelöst hätte.“ Nach einem Jahr Planung fiel dann im Februar 2023 der Startschuss. Das Team, ergänzt durch ein Leipziger Architekturbüro und verschiedene Handwerkersbetriebe, machte sich mit viel Feingefühl und Liebe zum Detail für die]]></description>
			<style id="elementor-post-24967">.elementor-24967 .elementor-element.elementor-element-8a9fc97{--display:flex;--flex-direction:row;--container-widget-width:initial;--container-widget-height:100%;--container-widget-flex-grow:1;--container-widget-align-self:stretch;--flex-wrap-mobile:wrap;--gap:0px 30px;--row-gap:0px;--column-gap:30px;}.elementor-24967 .elementor-element.elementor-element-76e7fdb{--display:flex;--flex-direction:column;--container-widget-width:100%;--container-widget-height:initial;--container-widget-flex-grow:0;--container-widget-align-self:initial;--flex-wrap-mobile:wrap;}.elementor-widget-text-editor{color:var( --e-global-color-text );}.elementor-widget-text-editor.elementor-drop-cap-view-stacked .elementor-drop-cap{background-color:var( --e-global-color-primary );}.elementor-widget-text-editor.elementor-drop-cap-view-framed .elementor-drop-cap, .elementor-widget-text-editor.elementor-drop-cap-view-default .elementor-drop-cap{color:var( --e-global-color-primary 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									<h3><strong>Bahnhof Zschortau – vom ruinösen Leerstand zum modernen Bürostandort</strong></h3><p>Infolge der zahlreichen Stilllegungen von Bahnhöfen in Ostdeutschland stehen in vielen ländlichen Regionen die ortsbildprägenden und meist unter Denkmalschutz stehenden Bahnhofsgebäude leer. Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken und den Orten einen wichtigen Teil ihrer Geschichte und Identifikationsgrundlage zurückzugeben, versuchen private Akteur*innen und Gemeinden vielerorts, den Gebäuden wieder Leben einzuhauchen – so auch in Zschortau, einem Ortsteil der Gemeinde Rackwitz im Landkreis Nordsachsen.</p><p>Mit dem Ziel, mehr über die Umnutzung des Bahnhofsgebäudes in Zschortau zu erfahren, haben wir uns auf den Weg in die Region 19 km nördlich von Leipzig gemacht und vor Ort mit Bernd Knoblich, Landschaftsarchitekt und Gründer des Büros Knoblich gesprochen, welcher das denkmalgeschützte Empfangsgebäude am Bahnhof heute als Bürostandort nutzt.</p>								</div>
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									<h4><strong>Bahnhof Zschortau – die Geschichte</strong></h4><p>Das Bahnhofsgebäude in Zschortau weist eine wechselvolle Geschichte auf. Der Bahnhof liegt an der bedeutsamen Eisenbahnstrecke zwischen Leipzig und Delitzsch und war nach seiner Entstehung um 1870 ein wichtiger Haltepunkt für die Region zwischen Leipzig und Bitterfeld.</p><p>In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verlor das Empfangsgebäude des Landbahnhofes, unter anderem aufgrund des abnehmenden Güterverkehrs und Rangierbetriebs, zunehmend an Bedeutung und wurde 1996 endgültig außer Betrieb genommen. Es folgten über 25 Jahre Leerstand und Verfall, die das historische und ortsbildprägende Gebäude in einem ruinösen Zustand mit beschädigten Dächern, zugenagelten Fenstern und Graffiti zurückgelassen haben. Die angrenzende Bahnhaltestelle blieb dabei bestehen und bindet den Ortsteil der Gemeinde an die umliegenden Städte an.</p><p>Auch wenn es in der Gemeinde selbst keine Nachnutzungsabsichten gab, war ihr Wunsch, das ortsbildprägende Gebäude zu erhalten, groß. Nach einer gescheiterten Versteigerung im Jahr 2015 und unklaren Eigentümerverhältnissen wandte sich der Bürgermeister der Gemeinde schließlich an den Landschaftsarchitekten Bernd Knoblich. Nach zwei Jahren Überzeugungsarbeit kam dann 2022 die rettende Wende für den verfallenen Bahnhof: Der Landschaftsarchitekt kaufte das Gebäude von der Deutschen Bahn und entwickelt einen modernen und nachhaltigen Bürostandort für seine Mitarbeiter*innen, wodurch nicht nur ein Schandfleck verschwunden ist, sondern auch neue Arbeitsplätze in die Gemeinde gekommen sind. </p>								</div>
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									<h4><strong>Die Idee – moderne Büros im Nullenergiehaus </strong></h4><p>Bernd Knoblich kam in den 1990er Jahren nach seinem Studium an der TU Berlin nach Sachsen und gründete 2001 schließlich das gleichnamige Büro Knoblich. Das Planungsbüro für Landschaftsarchitektur, Umweltplanung und Bauleitplanung mit heute über 60 Mitarbeiter*innen ist vor allem in Ostdeutschland tätig. Zu den Bürostandorten gehören das alte Forsthaus in Zschepplin bei Leipzig, eine alte Bürgermeistervilla in Erkner bei Berlin und seit 2024 das alte Bahnhofsgebäude in Zschortau. Das Besondere – alle drei Bürostandorte befinden sich in sorgfältig sanierten Altbauten. Bernd Knoblich betont, dass dies Teil der Nachhaltigkeitsstrategie des Planungsbüros sei – für die eigenen Bürostandorte sollen keine neuen Gebäude an unbebauten Orten entstehen. Stattdessen ist es die Philosophie des Landschaftsarchitekten, alte Immobilien aufzuwerten und anschließend in Büros zu verwandeln.  </p><p>Für Bernd Knoblich steht in diesem Zusammenhang fest – ein konkreter Plan mit einem realistischen und tragbaren Nutzungskonzept ist das A und O für eine erfolgreiche Leerstandsaktivierung.</p><p style="text-align: center;"><em>„Das Entscheidendste ist, glaube ich, dass man tatsächlich genau weiß und einen genauen Plan hat, wie man die Räumlichkeiten füllt und das war das, was es mir hier auch so einfach gemacht hat.“</em></p>								</div>
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									<p>Für Bernd Knoblich steht in diesem Zusammenhang fest – ein konkreter Plan mit einem realistischen und tragbaren Nutzungskonzept ist das A und O für eine erfolgreiche Leerstandsaktivierung.</p><p style="text-align: center;"><em>„Das Entscheidendste ist, glaube ich, <br />dass man tatsächlich genau weiß <br />und einen genauen Plan hat,<br />wie man die Räumlichkeiten füllt und das war das, <br />was es mir hier auch so einfach gemacht hat.“</em></p>								</div>
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									<h4><strong>Die Sanierung – gute Zusammenarbeit, viel Vertrauen und ein gemeinsames Ziel </strong></h4><p>Auch wenn Bernd Knoblich bereits einige Erfahrungen mit der Umnutzung von Bestandsgebäuden sammeln konnte, brachte der marode Zustand des Bahnhofes neue Herausforderungen mit sich. Der Landschaftsarchitekt erinnert sich, wie er gemeinsam mit dem Bürgermeister durch ein zugenageltes Fenster gestiegen ist, um sich einen ersten Eindruck zu machen.</p><p style="text-align: center;"><em>„Man konnte da durch die drei Etagen <br />hindurchsehen, von unten bis oben. <br />Die ganzen Decken waren durchgebrochen. <br />Das Dach saß mehr schlecht als recht obendrauf.“ </em></p>								</div>
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									<h4><strong>Vom Stillstand zum Kauf – Hürden und wie ihnen begegnet werden kann </strong></h4><p>Bevor die Sanierungsarbeiten beginnen konnten, stand das Projekt jedoch noch vor einem großen Hindernis – dem Kauf des alten Empfangsgebäudes. Der Erwerb des Gebäudes von der Deutschen Bahn stockte zunächst aufgrund der vorangegangenen gescheiterten Versteigerung, wodurch die DB nicht mehr als Eigentümer im Grundbuch eingetragen war. Erst durch die Eröffnung eines Notaranderkontos und einen Anzahlungspreis von 1 800 € gelang es der Deutschen Bahn, den Grundbucheintrag zurückzubekommen. Zusätzliche Probleme brachte die Strategie „Starke Schiene Deutschland“, welche den vorangegangenen großmaßstäbigen Verkauf von Bahnhofsgebäuden durch die Deutsche Bahn bremsen sollte. Die Lösung – Handlungsdruck für die DB aufgrund der Denkmalschutzrichtlinien. Ohne den Verkauf der Immobilie hätte die Bahn Kosten in Höhe von 180 000 € für die Notsicherung aufbringen müssen.</p>								</div>
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									<p>Bernd Knoblich verweist in diesem Zusammenhang insgesamt auf die schleppenden Verhandlungen mit Behörden, einschließlich der Deutschen Bahn:</p><p style="text-align: center;"><em>„Diese unglaublich zähen Verhandlungen, <br />bis man überhaupt so etwas kaufen kann – <br />da geben eigentlich 90 % der Leute auf.“</em><em> </em></p><p>Entscheidend ist laut dem Landschaftsarchitekten, viele gute Kontakte und eine wohlwollende Gemeinde auf seiner Seite zu haben. Insbesondere die Unterstützung durch den Bürgermeister war bei den Verhandlungen mit der DB essentiell. Das Landschaftsarchitekturbüro konnte darüber hinaus auf wertvolle Kontakte und zuverlässige Netzwerkpartner zurückgreifen. Mit der engagierten Baufirma hatte das Büro Knoblich bereits zwei Projekte durchgeführt. Auch zum Denkmalamt bestanden aufgrund von früherer beruflicher Zusammenarbeit bereits Kontakte. Hinzu kam ein guter Draht zur Bauaufsicht und die bereits erwähnte Unterstützung der Gemeinde, was eine unkomplizierte Abstimmung auf Augenhöhe ermöglichte.</p><p style="text-align: center;"><em>„Wenn man die guten Kontakte nicht gehabt hätte, <br />weiß ich nicht, ob man das so schnell <br />und so zielorientiert gelöst hätte.“</em></p>								</div>
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									<p>Nach einem Jahr Planung fiel dann im Februar 2023 der Startschuss. Das Team, ergänzt durch ein Leipziger Architekturbüro und verschiedene Handwerkersbetriebe, machte sich mit viel Feingefühl und Liebe zum Detail für die nächsten 1,5 Jahre an die Rettung des ehemaligen Empfangsgebäudes. Im Oktober 2024 konnte der Bürobetrieb schließlich starten.  </p><p>Mit dem Anspruch, möglichst viele historische Details zu erhalten und den Charme des Empfangsgebäudes zu bewahren, wurden in Abstimmung mit dem Denkmalschutz einzelne Steine an der Außenfassade entnommen und ersetzt. Die historische Form und Farbe der Ziegel und Fugen konnte durch einen Gutachter bestimmt und schließlich rekonstruiert werden. Im Innenbereich wurden die neuen Türen und Fenster dem ursprünglichen Design entsprechend nachgebaut. In vielen Bereichen des Gebäudes konnten die historischen Fliesen erhalten bleiben. Die Wände wurden ebenfalls nach dem ursprünglichen Farbkonzept gestaltet.</p>								</div>
				</div>
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									<p>Bernd Knoblich verweist auf das besondere Flair, das das ehemalige Empfangsgebäude ausstrahlt und den Standort unter den Mitarbeiter*innen zum beliebten Arbeitsplatz macht. Hinzu kommen die großzügigen und funktionalen Räumlichkeiten, die die Immobilie bietet. Die großen Besprechungsräume ermöglichen Fachbereichstreffen und Meetings mit Platz für über 30 Mitarbeiter*innen. Durch den Standort an der Bahnhaltestelle ist das Büro auch für Mitarbeiter*innen aus Leipzig gut erreichbar – ein wichtiger Standortvorteil für das Büro in der kleinen Ortschaft. Bernd Knoblich erzählt, dass viele die Möglichkeit schätzen, mit der Bahn zur Arbeit zu pendeln. Ein elektrisches Poolfahrzeug, mit dem sich die Mitarbeiter*innen in die Fläche zu den Kund*innen begeben können, vervollständigt die emissionsarme und flexible Mobilität. Das Bahnhofsgebäude in Zschortau passt somit genau in die Nachhaltigkeitsstrategie des Büros.</p><p>Viel Abstimmungsarbeit mit dem Denkmalamt erforderte insbesondere die PV-Anlage, welche, angepasst an das Dach, im Format der Schieferplatten angefertigt wurde und heute sowohl den Hausbedarf, die Heizungsanlage (Wärmepumpe) als auch die Ladesäulen für das E-Auto versorgt.</p>								</div>
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									<p>Bernd Knoblich verweist auf das besondere Flair, das das ehemalige Empfangsgebäude ausstrahlt und den Standort unter den Mitarbeiter*innen zum beliebten Arbeitsplatz macht. Hinzu kommen die großzügigen und funktionalen Räumlichkeiten, die die Immobilie bietet. Die großen Besprechungsräume ermöglichen Fachbereichstreffen und Meetings mit Platz für über 30 Mitarbeiter*innen. Durch den Standort an der Bahnhaltestelle ist das Büro auch für Mitarbeiter*innen aus Leipzig gut erreichbar – ein wichtiger Standortvorteil für das Büro in der kleinen Ortschaft. Bernd Knoblich erzählt, dass viele die Möglichkeit schätzen, mit der Bahn zur Arbeit zu pendeln. Ein elektrisches Poolfahrzeug, mit dem sich die Mitarbeiter*innen in die Fläche zu den Kund*innen begeben können, vervollständigt die emissionsarme und flexible Mobilität. Das Bahnhofsgebäude in Zschortau passt somit genau in die Nachhaltigkeitsstrategie des Büros.</p><p>Viel Abstimmungsarbeit mit dem Denkmalamt erforderte insbesondere die PV-Anlage, welche, angepasst an das Dach, im Format der Schieferplatten angefertigt wurde und heute sowohl den Hausbedarf, die Heizungsanlage (Wärmepumpe) als auch die Ladesäulen für das E-Auto versorgt.</p><p>Vereinzelte Probleme gab es insbesondere durch die Auflagen in Bezug auf den Arbeits- und Brandschutz. Auch liegt zurzeit noch keine Nutzungsgenehmigung für das oberste Geschoss vor, da ein zweiter Fluchtweg fehlt. In Zukunft soll der obere Bereich als Ausgleichsort zur Arbeit genutzt werden und den Mitarbeiter*innen mit spielerischen oder sportlichen Elementen zur Verfügung stehen.</p>								</div>
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									<p>Die Finanzierung des Umbaus erfolgte aus eigener Tasche mit einem Kredit von der Bank.</p><p style="text-align: center;"><em>„Die größte Hoffnung damals hatte ich <br />in die LEADER–Förderkulisse gesetzt. <br />Aber als wir uns mit der Deutschen Bahn <br />wegen des Kaufs einig geworden waren, <br />waren wir gerade zwischen zwei Förderperioden.“</em></p><p>Angefragt wurde außerdem die Denkmalförderung. Bernd Knoblich berichtet, dass diese jedoch lediglich die historische Außenbeschriftung des Bahnhofes gefördert hätten, wodurch die geringe Fördersumme in keinem Verhältnis zu dem entstandenen Arbeitsaufwand durch die Antragstellung gestanden hätte. </p><h4><strong>Ein neuer Alter Bahnhof für die Region  </strong></h4><p>Der sanierte Bahnhof ist nicht nur für Bernd Knoblich und sein Team eine Bereicherung. Auch in der Bevölkerung ist die Freude über den in neuem Glanz erstrahlenden Bahnhof groß. Der Landschaftsarchitekt erinnert sich, dass ihn viele bereits während der Umbaumaßnahmen kontaktiert haben, um ihre Freude über die Sanierungsmaßnahmen auszudrücken. Viele persönliche Geschichten kamen zum Vorschein und machten deutlich, welche Erinnerungen und emotionale Verbundenheit die Anwohner*innen mit dem alten Bahnhof verbinden. Am Tag der Architektur 2025 hat das Büro schließlich für alle interessierten Bürger*innen die Türen geöffnet:</p><p><em>„Es waren über 1 000 Leute da und es waren unglaublich bewegende zwei Tage. Ich hätte nie gedacht, dass mich das auch selber so mitnimmt, aber da waren Leute, die standen hinten und haben geweint.“ </em></p>								</div>
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									<h5><strong>Sachsen</strong></h5><p>Um mehr über die Region dieser Bereisung zu erfahren hier klicken.</p>								</div>
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									<h5>Sachsen</h5><p>Trailer der Bereisung als Youtube-Video</p>								</div>
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		<title>Regionalmanagement in Mittelfranken – wie zwei Landkreise den Umgang mit Leerstand neu denken</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Feb 2026 15:09:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[BUNDESLÄNDER]]></category>
		<category><![CDATA[Bayern]]></category>
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					<description><![CDATA[Regionalmanagement in Mittelfranken – wie zwei Landkreise den Umgang mit Leerstand neu denken Auf unserer Bereisung in den Freistaat Bayern verschlug es uns in den Regierungsbezirk Mittelfranken. Hier haben wir uns zwei Landkreisen gewidmet und mit verschiedenen Akteur*innen vor Ort gesprochen. Stellvertretend für die Landkreise Ansbach und Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim kamen wir mit den jeweiligen Regionalmanagerinnen ins Gespräch. Im Kreishaus zu Ansbach erwartete uns die Diplom-Geografin Andrea Denzinger. Nach ihrem Studium war sie auf unterschiedlichen Ebenen im Bereich der regionalen Entwicklung tätig, ehe sie im Jahr 2021 ins Landratsamt Ansbach wechselte. Die Regionalmanagerin vom Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Andrea Linz ist studierte Landschaftsarchitektin und -planerin mit einem weiteren Abschluss im Aufbaustudiengang Nachhaltiger Tourismus. Im Jahr 2010 begann sie ihre Tätigkeit im Regionalmanagement des Landkreises Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim. Die Regionalmanagements leisten hauptsächlich Vernetzungsarbeit und sorgen für mehr Außenwirksamkeit der jeweiligen Maßnahmen und Projekte. Sie nehmen eine verbindende Position ein und agieren als Schnittstelle zwischen dem jeweiligen Landkreis und den Kommunen. Die Einordnung der Stabsstellen für Regionalmanagement erfolgt regional unterschiedlich. Im Landkreis Ansbach ist sie an die Wirtschaftsförderung angegliedert, im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim an die Kreisentwicklung. Beide Landkreise verbindet nicht nur ihre Lage im selben Regierungsbezirk, sondern vielmehr das besondere Augenmerk auf die kommunale Innenentwicklung und den Umgang mit leerstehenden Gebäuden. Hierbei spielen die Regionalmanagerinnen eine wesentliche Rolle, auf die wir im weiteren Verlauf des Blog-Beitrags noch genauer eingehen. Der mittelfränkische Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim: Ländlich, traditionell und dennoch innovativ Von der grünen Wiese zurück zum Ortskern: Strategiewechsel in den ländlichen Räumen Bayerns Die beiden mittelfränkischen Landkreise liegen in der Metropolregion Nürnberg im Norden Bayerns. Sie gelten nach Typisierung des Thünen-Instituts für Ländliche Räume als sehr ländlich, wobei dem Landkreis Ansbach eine gute und dem Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim eine weniger gute sozioökonomische Lage zugeschrieben wird. Durch ihre Nähe zu verschiedenen Mittel- und Großstädten – je nach geografischer Lage besteht eine gute Anbindung an Städte wie Aalen, Bamberg, Crailsheim, Ellwangen, Erlangen, Fürth oder Nürnberg – leben viele berufsbedingte Auspendler*innen in den beiden Landkreisen. Dies begünstigt eine relativ gute Verfügbarkeit an Einrichtungen der Daseinsvorsorge und macht die Region generell attraktiv. „Irgendwann ist der Bewusstseinswandel einfach eingetreten. Man muss ja nur durch die Ortschaften gehen, sich umschauen und man entdecke jede Menge graue Energie, die verfällt. Wenn man dann Flächenverbrauch im Außenbereich hat und im Ortskern gibt s immer mehr Leerstand, dann muss sich das Bewusstsein auch ändern und man muss ins Handeln kommen.“ (Andrea Denzinger) In den Interviews wird die Situation hinsichtlich Innenentwicklung und Leerstandsaktivierung wie folgt beschrieben: Vielerorts war der kommunale Ansatz lange eher auf die Entwicklung des Gewerbes und die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation ausgerichtet. Hiermit waren jedoch vordergründig die Außenentwicklung und das Bauen auf der „grünen Wiese“ verbunden. In den vergangenen Jahren fand jedoch ein Umdenken statt, wonach die Innenentwicklung wieder stärker in den Fokus der Städte und Gemeinden rückt. Gefördert wird dieses neue Bewusstsein seit Juli 2019 durch die „Flächensparoffensive Bayern“, ein flächendeckendes Programm der Bayerischen Staatsregierung. Demnach wurde das klare Ziel ausgerufen, die Inanspruchnahme neuer Flächen zu reduzieren und eine nachhaltige Flächenentwicklung in ganz Bayern zu fördern. Interkommunale Strukturen in Bayern – wie Netzwerke die Regionalentwicklung vor Ort gestalten Die regionalen Netzwerke in beiden Landkreisen weisen eine Besonderheit auf, die den Strukturen im Freistaat Bayern geschuldet sind. Regionalentwicklung ist stark interkommunal und kooperativ strukturiert – und findet in Form unterschiedlicher Zusammenschlüsse statt. Hierzu zählen die regionalen Planungsverbände, Kommunale Allianzen und Lokale Aktionsgruppen (LAG). Letztere sind im gesamten Bundesgebiet aktiv, da sie regionale Entwicklungsstrategien entwickeln und über die Förderung von Projekten im Rahmen der LEADER-Förderung entscheiden. Die regionalen Planungsverbände sind im Wesentlichen für die strategische Regionalplanung zuständig, welche dann auf den nachgelagerten Ebenen (Landkreise, Städte, Gemeinden) konkret umgesetzt wird. Regionaler Planungsverband Westmittelfranken Der regionale Planungsverband Westmittelfranken ist einer von landesweit 18 Verbänden und umfasst die Landkreise Ansbach, Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim und Weißenburg-Gunzenhausen. Durch den Planungsverband werden insgesamt 123 Städte, Märkte und Gemeinden sowie die kreisfreie Stadt Ansbach zu einer Planungsregion vereint. Das übergeordnete Ziel ist die Koordinierung der räumlichen Entwicklung in der jeweiligen Region. Dies geschieht mit Hilfe der Regionalplanung, welche sich an den vorgegebenen Zielen der Landesplanung Bayerns anlehnt. Kommunale Allianzen Die Kommunalen Allianzen sind freiwillige Zusammenschlüsse von Städten und Gemeinden, welche mit Arbeitsgemeinschaften zu vergleichen sind. Ihre Zielsetzung liegt in der interkommunalen Zusammenarbeit zur Bewältigung gemeinsamer Entwicklungsaufgaben. In den Landkreisen Ansbach und Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim gibt es insgesamt zwölf solcher Zusammenschlüsse. Diese setzen die Ziele der Regionalplanung auf der kommunalen Ebene um und greifen hierbei primär auf Mittel der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) und des Regionalbudgets zurück, um (gemeinsame) Projekte zu realisieren. Lokale Aktionsgruppen Eine weitere wichtige Säule der regionalen Entwicklung stellen die Lokalen Aktionsgruppen (LAG) dar, die sich mit Förderungen im Rahmen des LEADER-Programms befassen. In beiden Landkreisen agieren jeweils drei Aktionsgruppen, wobei sich die LAG Rangau über beide Kreise verteilt. Die Regionalmanagements der Landkreise initiieren Vernetzungs- und Austauschtreffen und wirken in den Gremien der Lokalen Aktionsgruppen mit. Zudem sorgen sie für mehr Sichtbarkeit von Projekten und Maßnahmen, beispielsweise mit den „Aktionstagen Innenorte“, die sich über mehrere Tage und an verschiedenen Orten den Themen der kommunalen Innenentwicklung widmen. Aktionstage Innenorte: Leerstand aktivieren und Innenentwicklung stärken Die „Aktionstage Innenorte“ hatten ihren Auftakt im Jahr 2019. Unter dem Motto „Mein Leben findet Innen statt“ können Interessierte seitdem im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim kommunale und private Projekte der Innenentwicklung und Leerstandsaktivierung kennen lernen und besichtigen. Im Jahr 2023 zog mit dem Slogan „Alte Hüllen – Neues Leben“ der Landkreis Ansbach nach und hat die Idee der „Aktionstage Innenorte“ für sich übernommen. Durch dieses Konzept und zielen die Regionalmanagements auf Bewusstseinsbildung, Erfahrungsaustausch und interkommunale Vernetzung. Bei Interesse an konkreten Projekten der „Aktionstage Innenorte“ finden Sie hier die Programmhefte für den Landkreis Ansbach (2023) und den Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim (2024). Nachfolgend werden einige Beispiele der Leerstandsaktivierung aus den beiden Landkreisen vorgestellt. Beispiele Landkreis Ansbach In ihrem Ortsteil Schweinsdorf erwarb die Gemeinde Neusitz eine ehemalige Gaststätte, um diese neu]]></description>
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									<h3>Regionalmanagement in Mittelfranken – wie zwei Landkreise den Umgang mit Leerstand neu denken</h3><p>Auf unserer Bereisung in den Freistaat Bayern verschlug es uns in den Regierungsbezirk Mittelfranken. Hier haben wir uns zwei Landkreisen gewidmet und mit verschiedenen Akteur*innen vor Ort gesprochen. Stellvertretend für die Landkreise Ansbach und Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim kamen wir mit den jeweiligen Regionalmanagerinnen ins Gespräch. Im Kreishaus zu Ansbach erwartete uns die Diplom-Geografin Andrea Denzinger. Nach ihrem Studium war sie auf unterschiedlichen Ebenen im Bereich der regionalen Entwicklung tätig, ehe sie im Jahr 2021 ins Landratsamt Ansbach wechselte. Die Regionalmanagerin vom Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Andrea Linz ist studierte Landschaftsarchitektin und -planerin mit einem weiteren Abschluss im Aufbaustudiengang Nachhaltiger Tourismus. Im Jahr 2010 begann sie ihre Tätigkeit im Regionalmanagement des Landkreises Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim.</p><p>Die Regionalmanagements leisten hauptsächlich Vernetzungsarbeit und sorgen für mehr Außenwirksamkeit der jeweiligen Maßnahmen und Projekte. Sie nehmen eine verbindende Position ein und agieren als Schnittstelle zwischen dem jeweiligen Landkreis und den Kommunen. Die Einordnung der Stabsstellen für Regionalmanagement erfolgt regional unterschiedlich. Im Landkreis Ansbach ist sie an die Wirtschaftsförderung angegliedert, im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim an die Kreisentwicklung.</p><p>Beide Landkreise verbindet nicht nur ihre Lage im selben Regierungsbezirk, sondern vielmehr das besondere Augenmerk auf die kommunale Innenentwicklung und den Umgang mit leerstehenden Gebäuden. Hierbei spielen die Regionalmanagerinnen eine wesentliche Rolle, auf die wir im weiteren Verlauf des Blog-Beitrags noch genauer eingehen.</p>								</div>
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									<h4>Von der grünen Wiese zurück zum Ortskern: Strategiewechsel in den ländlichen Räumen Bayerns</h4><p>Die beiden mittelfränkischen Landkreise liegen in der Metropolregion Nürnberg im Norden Bayerns. Sie gelten nach <a href="https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn057783.pdf" target="_blank" rel="noopener">Typisierung des Thünen-Instituts</a> für Ländliche Räume als sehr ländlich, wobei dem Landkreis Ansbach eine gute und dem Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim eine weniger gute sozioökonomische Lage zugeschrieben wird. Durch ihre Nähe zu verschiedenen Mittel- und Großstädten – je nach geografischer Lage besteht eine gute Anbindung an Städte wie Aalen, Bamberg, Crailsheim, Ellwangen, Erlangen, Fürth oder Nürnberg – leben viele berufsbedingte Auspendler*innen in den beiden Landkreisen. Dies begünstigt eine relativ gute Verfügbarkeit an Einrichtungen der Daseinsvorsorge und macht die Region generell attraktiv.</p><p style="text-align: center;"><em>„Irgendwann ist der Bewusstseinswandel einfach eingetreten. <br />Man muss ja nur durch die Ortschaften gehen, sich umschauen <br />und man entdecke jede Menge graue Energie, die verfällt. <br />Wenn man dann Flächenverbrauch im Außenbereich hat und im Ortskern <br />gibt s immer mehr Leerstand, dann muss sich das Bewusstsein auch ändern <br />und man muss ins Handeln kommen.“ <br /></em><em>(</em><em>Andrea Denzinger)</em></p>								</div>
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									<p>In den Interviews wird die Situation hinsichtlich Innenentwicklung und Leerstandsaktivierung wie folgt beschrieben: Vielerorts war der kommunale Ansatz lange eher auf die Entwicklung des Gewerbes und die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation ausgerichtet. Hiermit waren jedoch vordergründig die Außenentwicklung und das Bauen auf der „grünen Wiese“ verbunden. In den vergangenen Jahren fand jedoch ein Umdenken statt, wonach die Innenentwicklung wieder stärker in den Fokus der Städte und Gemeinden rückt. Gefördert wird dieses neue Bewusstsein seit Juli 2019 durch die „<a href="https://www.flaechensparoffensive.bayern/" target="_blank" rel="noopener">Flächensparoffensive Bayern</a>“, ein flächendeckendes Programm der Bayerischen Staatsregierung. Demnach wurde das klare Ziel ausgerufen, die Inanspruchnahme neuer Flächen zu reduzieren und eine nachhaltige Flächenentwicklung in ganz Bayern zu fördern.</p><h4>Interkommunale Strukturen in Bayern – wie Netzwerke die Regionalentwicklung vor Ort gestalten</h4><p>Die regionalen Netzwerke in beiden Landkreisen weisen eine Besonderheit auf, die den Strukturen im Freistaat Bayern geschuldet sind. Regionalentwicklung ist stark interkommunal und kooperativ strukturiert – und findet in Form unterschiedlicher Zusammenschlüsse statt. Hierzu zählen die regionalen Planungsverbände, Kommunale Allianzen und Lokale Aktionsgruppen (LAG). Letztere sind im gesamten Bundesgebiet aktiv, da sie regionale Entwicklungsstrategien entwickeln und über die Förderung von Projekten im Rahmen der LEADER-Förderung entscheiden. Die regionalen Planungsverbände sind im Wesentlichen für die strategische Regionalplanung zuständig, welche dann auf den nachgelagerten Ebenen (Landkreise, Städte, Gemeinden) konkret umgesetzt wird.</p><h4>Regionaler Planungsverband Westmittelfranken</h4><p>Der <a href="https://www.region-westmittelfranken.de/" target="_blank" rel="noopener">regionale Planungsverband Westmittelfranken</a> ist einer von landesweit 18 Verbänden und umfasst die Landkreise Ansbach, Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim und Weißenburg-Gunzenhausen. Durch den Planungsverband werden insgesamt 123 Städte, Märkte und Gemeinden sowie die kreisfreie Stadt Ansbach zu einer Planungsregion vereint. Das übergeordnete Ziel ist die Koordinierung der räumlichen Entwicklung in der jeweiligen Region. Dies geschieht mit Hilfe der Regionalplanung, welche sich an den vorgegebenen Zielen der Landesplanung Bayerns anlehnt.</p>								</div>
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									<h4>Kommunale Allianzen</h4><p>Die Kommunalen Allianzen sind freiwillige Zusammenschlüsse von Städten und Gemeinden, welche mit Arbeitsgemeinschaften zu vergleichen sind. Ihre Zielsetzung liegt in der interkommunalen Zusammenarbeit zur Bewältigung gemeinsamer Entwicklungsaufgaben. In den Landkreisen Ansbach und Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim gibt es insgesamt zwölf solcher Zusammenschlüsse. Diese setzen die Ziele der Regionalplanung auf der kommunalen Ebene um und greifen hierbei primär auf Mittel der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) und des Regionalbudgets zurück, um (gemeinsame) Projekte zu realisieren.</p><h4>Lokale Aktionsgruppen</h4><p>Eine weitere wichtige Säule der regionalen Entwicklung stellen die Lokalen Aktionsgruppen (LAG) dar, die sich mit Förderungen im Rahmen des LEADER-Programms befassen. In beiden Landkreisen agieren jeweils drei Aktionsgruppen, wobei sich die <a href="https://www.lag-rangau.de/" target="_blank" rel="noopener">LAG Rangau</a> über beide Kreise verteilt. Die Regionalmanagements der Landkreise initiieren Vernetzungs- und Austauschtreffen und wirken in den Gremien der Lokalen Aktionsgruppen mit. Zudem sorgen sie für mehr Sichtbarkeit von Projekten und Maßnahmen, beispielsweise mit den „Aktionstagen Innenorte“, die sich über mehrere Tage und an verschiedenen Orten den Themen der kommunalen Innenentwicklung widmen.</p><h4>Aktionstage Innenorte: Leerstand aktivieren und Innenentwicklung stärken</h4><p>Die „Aktionstage Innenorte“ hatten ihren Auftakt im Jahr 2019. Unter dem Motto „Mein Leben findet Innen statt“ können Interessierte seitdem im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim kommunale und private Projekte der Innenentwicklung und Leerstandsaktivierung kennen lernen und besichtigen. Im Jahr 2023 zog mit dem Slogan „Alte Hüllen – Neues Leben“ der Landkreis Ansbach nach und hat die Idee der „Aktionstage Innenorte“ für sich übernommen. Durch dieses Konzept und zielen die Regionalmanagements auf Bewusstseinsbildung, Erfahrungsaustausch und interkommunale Vernetzung. Bei Interesse an konkreten Projekten der „Aktionstage Innenorte“ finden Sie hier die Programmhefte für den <a href="https://www.landkreis-ansbach.de/PDF/Programmheft_Aktionstage_Innenorte.PDF?ObjSvrID=3797&amp;ObjID=2028&amp;ObjLa=1&amp;Ext=PDF&amp;WTR=1&amp;_ts=1738619762" target="_blank" rel="noopener">Landkreis Ansbach (2023)</a> und den <a href="https://www.frankens-mehrregion.de/fileadmin/0_Kreis-Nea/Bilder/Kreisentwicklung/Regionalmanagement/Broschu__re_Aktionstage_2024.pdf" target="_blank" rel="noopener">Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim (2024)</a>. Nachfolgend werden einige Beispiele der Leerstandsaktivierung aus den beiden Landkreisen vorgestellt.</p>								</div>
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									<h4>Beispiele Landkreis Ansbach</h4><p>In ihrem Ortsteil Schweinsdorf erwarb die Gemeinde Neusitz eine ehemalige Gaststätte, um diese neu zu entwickeln. Das leerstehende Gebäude bestand aus der Gaststätte selbst und einem angeschlossenem Wirtschaftsgebäude. Beide Objekte konnte die Gemeinde mit unterschiedlicher Nutzung revitalisieren.</p>								</div>
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									<p>Das Wirtschaftsgebäude wurde zum Dorfgemeinschaftshaus ausgebaut, während aus der ehemaligen Gaststätte ein Wohnhaus mit insgesamt neun Wohneinheiten wurde. Finanzielle Bezuschussung der Vorhaben kamen vom Amt für Ländliche Entwicklung über Programme der Dorferneuerung und Gemeindeentwicklung. Die Innenausstattung des Dorfgemeinschaftshauses wurde durch Fördermittel der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) unterstützt. Das Wohnhaus – im Ort als das Mehrfamilienhaus „Otilia“ bekannt – erhielt eine Förderung des sozialen Wohnungsbaus.</p><p>Die Marktgemeinde Dombühl entwickelte das Areal rund um den örtlichen Bahnhof. Hierzu zählte insbesondere der Ankauf des Bahnhofgebäudes im Jahr 2015 mit dem Ziel, dieses zu sanieren und einen lebendigen Ortskern zu schaffen.</p>								</div>
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									<p>In dem Bahnhofsgebäude entstanden ein Dorfladen und das „Gleis D – Café am Bahnhof“. Diese öffneten 2021 ihre Türen und schlossen damit Lücken in der Nahversorgung des Ortes. Zudem  schufen sie einen Ort, an dem sich Menschen treffen und miteinander ins Gespräch kommen. Im Obergeschoss des Gebäudes zog der örtliche Allgemeinmediziner mit seiner Praxis ein, die sich vorher an einer anderen Stelle im Ort befand. Finanziert wurde die umfangreiche Sanierung durch kommunale Mittel sowie die Programme der Dorferneuerung und Gemeindeentwicklung. Förderfähig waren Teile der Sanierung wie auch die Verschönerung des Bahnhofsplatzes inklusive Schaffung von Parkmöglichkeiten.</p><p>Die gegenüberliegende ehemalige Bahnhofsgaststätte erwarb die Gemeinde im Jahr 2017, um neuen Wohnraum zu schaffen. Da die Sanierung und Umnutzung des Gebäudes für die Gemeinde jedoch finanziell nicht möglich war, suchte man einen Investor und fand diesen schließlich.</p>								</div>
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									<p>Das Wirtschaftsgebäude wurde zum Dorfgemeinschaftshaus ausgebaut, während aus der ehemaligen Gaststätte ein Wohnhaus mit insgesamt neun Wohneinheiten wurde. Finanzielle Bezuschussung der Vorhaben kamen vom Amt für Ländliche Entwicklung über Programme der Dorferneuerung und Gemeindeentwicklung. Die Innenausstattung des Dorfgemeinschaftshauses wurde durch Fördermittel der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) unterstützt. Das Wohnhaus – im Ort als das Mehrfamilienhaus „Otilia“ bekannt – erhielt eine Förderung des sozialen Wohnungsbaus.</p><p>Die Marktgemeinde Dombühl entwickelte das Areal rund um den örtlichen Bahnhof. Hierzu zählte insbesondere der Ankauf des Bahnhofgebäudes im Jahr 2015 mit dem Ziel, dieses zu sanieren und einen lebendigen Ortskern zu schaffen.</p><p>In dem Bahnhofsgebäude entstanden ein Dorfladen und das „Gleis D – Café am Bahnhof“. Diese öffneten 2021 ihre Türen und schlossen damit Lücken in der Nahversorgung des Ortes. Zudem  schufen sie einen Ort, an dem sich Menschen treffen und miteinander ins Gespräch kommen.</p>								</div>
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									<p>Im Obergeschoss des Gebäudes zog der örtliche Allgemeinmediziner mit seiner Praxis ein, die sich vorher an einer anderen Stelle im Ort befand. Finanziert wurde die umfangreiche Sanierung durch kommunale Mittel sowie die Programme der Dorferneuerung und Gemeindeentwicklung. Förderfähig waren Teile der Sanierung wie auch die Verschönerung des Bahnhofsplatzes inklusive Schaffung von Parkmöglichkeiten.</p><p>Die gegenüberliegende ehemalige Bahnhofsgaststätte erwarb die Gemeinde im Jahr 2017, um neuen Wohnraum zu schaffen. Da die Sanierung und Umnutzung des Gebäudes für die Gemeinde jedoch finanziell nicht möglich war, suchte man einen Investor und fand diesen schließlich.</p><p>Die Finanzierung wurde durch die soziale Wohnraumförderung des Freistaats Bayern gefördert, da es sich um die Schaffung von „öffentlichem“ und bezahlbarem Wohnraum handelte. Nicht zuletzt veräußerte die Kommune das Gebäude an den Investor. Im Jahr 2022 waren die Wohnungen fertiggestellt und konnten bezogen werden.</p><p>Bei den „Aktionstagen Innenorte“ im Jahr 2023 war die Stadt Heilsbronn eine der Beispielkommunen. Einen umfangreichen Artikel zu den dortigen Maßnahmen sowie ein Interview mit dem Bürgermeister Dr. Jürgen Pfeiffer und dem Fachbereichsleiter Bürgerservice, Planen und Bauen Tobias Christ finden Sie <a href="https://leerstand-aktivieren.de/bundeslaender/mit-citymanagement-dem-leerstand-in-der-innenstadt-erfolgreich-entgegentreten-erfahrungen-aus-der-mittelfraenkischen-kleinstadt-heilsbronn/" target="_blank" rel="noopener">hier</a>.</p>								</div>
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									<h4>Beispiele<strong> Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim</strong></h4><p>In Neuhof an der Zenn erwarb die Gemeinde im Jahr 2020 das Areal der ehemaligen Sparkasse, auf dem sich auch eine Scheune befand. Die Scheune wurde abgerissen und ein neues Gebäude an gleicher Stelle errichtet. Finanzielle Unterstützung für den Abriss der Scheune und die Entkernung des Sparkassengebäudes kam aus der Städtebauförderung. Die Umnutzung der ehemaligen Sparkasse beinhaltete den Einzug einer Arztpraxis sowie darüber liegende Wohneinheiten. Die Arztpraxis wurde im Jahr 2022 durch den ortsansässigen Arzt bezogen und nach dessen Praxisaufgabe Anfang 2025 von einem medizinischen Versorgungszentrum aus Nürnberg übernommen.</p>								</div>
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										<img loading="lazy" decoding="async" width="1242" height="796" src="https://leerstand-aktivieren.de/wp-content/uploads/Exkursion-2-Neuhof-an-der-Zen-03.jpg" class="attachment-full size-full wp-image-23735" alt="" srcset="https://leerstand-aktivieren.de/wp-content/uploads/Exkursion-2-Neuhof-an-der-Zen-03.jpg 1242w, https://leerstand-aktivieren.de/wp-content/uploads/Exkursion-2-Neuhof-an-der-Zen-03-900x577.jpg 900w, https://leerstand-aktivieren.de/wp-content/uploads/Exkursion-2-Neuhof-an-der-Zen-03-768x492.jpg 768w" sizes="(max-width: 1242px) 100vw, 1242px" />											<figcaption class="widget-image-caption wp-caption-text">Die neugebaute Krippe „Spatzennest“ auf dem ehemaligen Sparkassenareal in Neuhof an der Zenn</figcaption>
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									<p>In den Neubau an Stelle der Scheune ist nach Fertigstellung im Jahr 2023 eine Kinderkrippe eingezogen. Das „Spatzennest“ wurde durch Landesmittel des Freistaates Bayern gefördert. Im Inneren des Neubaus befindet sich ein historischer Brunnen, der erhalten und mit einer Glasplatte abgedeckt wurde, um Vergangenheit und Zukunft symbolisch zu verbinden. In den Brunnen wurde bei der Eröffnung der Krippe im September 2023 eine Zeitkapsel eingelassen. Die Krippe betreut Kinder im Alter zwischen 0 und 3 Jahren und wird von der Evangelischen-Lutherischen Kirche in Bayern betrieben.</p>								</div>
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									<p>Im Neuhofer Ortsteil Neuselingsbach befindet sich der Hammerhof. 2014 erwarb Michael Schmutzer den leerstehenden Gasthof und begann ihn zu entwickeln. Anfangs wurde das Gebäude privat genutzt, während Umbau- und Sanierungsarbeiten durchgeführt wurden. Gut drei Jahre später – in den Jahren 2017/18 – bot Michael Schmutzer die ersten Veranstaltungen im <a href="https://www.derhammerhof.de" target="_blank" rel="noopener">Hammerhof</a> an. Diese hatten einen Pop-Up-Charakter, beschäftigten sich mit Themen der modernen Arbeitswelt („New Work“) und richteten sich gezielt an Unternehmen aus der Region. Im Jahr 2020 erfolgte eine Professionalisierung mit der Gründung der Hammerhof Akademie und der <a href="https://www.neuehoefe.de" target="_blank" rel="noopener">NEUE HÖFE GmbH</a>, im Zuge dessen auch Michael Schmutzers Schwester Sabine Sauber in das Geschäft und die damit verbundene Gestaltung eingestiegen ist.</p>								</div>
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									<p>Bei der Entwicklung des alten Gasthofes – wie auch bei weiteren Projekten – wurde sich bewusst gegen die Inanspruchnahme von Fördermitteln entschieden, so dass die Finanzierung der Sanierungs- und Umbaumaßnahmen komplett durch Eigenkapital erfolgte. Begründet wird dies mit den teils restriktiven Bedingungen und bürokratischen Prozesse, die mit Fördermitteln oftmals einher gehen. Sabine Sauber und Michael Schmutzer wollten flexibel sein und frei agieren können, was bei geförderten Projekten nicht immer gegeben sei. Nach der Entwicklung des Hammerhofs folgten noch weitere Projekte der NEUE HÖFE GmbH – zwei davon in unmittelbarer Nähe.</p>								</div>
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									<p>In Neuhof an der Zenn erwarb die NEUE HÖFE Campus GmbH im Jahr 2019 zwei weitere Gebäude: das ehemalige Gasthaus „Schwarzer Adler“ und einen alten Gutshof. Beide standen leer und wurden von Sabine Sauber und Michael Schmutzer nach Vorbild des bereits bestehenden Hammerhofs saniert und umgenutzt. Die Fertigstellung erfolgte zwei Jahre später. Den „Gutshof Neun“ nutzten sie vorerst selbst, entschieden sich später jedoch dafür, ihn zu verpachten. Der „Schwarze Adler“ wurde von Beginn an verpachtet und ist mittlerweile an den früheren Pächter verkauft worden.</p>								</div>
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									<p>Ferner haben wir die Gemeinde Langenfeld besucht, welche bei den „Aktionstagen Innenorte“ im Jahr 2024 eine der Beispielkommunen war. Dort berichtete uns Bürgermeister Reinhard Streng über Entwicklungen und Maßnahmen zur Stärkung des ländlichen Ortskerns. Den gesonderten Artikel finden Sie <a href="https://leerstand-aktivieren.de/bundeslaender/wie-der-gemeindebuergermeister-mit-und-fuer-langenfeld-eine-buergerschaftliche-entwicklungsphilosophie-verfolgt/" target="_blank" rel="noopener">hier</a>.<br /><br /></p><h4>Innenentwicklung als Zukunftsaufgabe: Perspektiven für Ansbach und Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim</h4><p>Die Eindrücke aus den beiden mittelfränkischen Landkreisen zeigen deutlich: Der Wandel der regionalen Entwicklung hat längst begonnen – und er findet seinen Ausgangspunkt zunehmend im Inneren der Orte. Leerstände sind nicht mehr bloß Zeichen des Strukturwandels, sondern werden Schritt für Schritt zu Chancenräumen, in denen neue Formen des Zusammenlebens, der Versorgung und der Arbeit entstehen können. Die beiden Regionalmanagerinnen nehmen dabei eine Schlüsselposition ein. Sie vernetzen Akteur*innen, bündeln Wissen, schaffen Sichtbarkeit und begleiten Kommunen auf dem oftmals komplexen Weg der Innenentwicklung. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Herausforderungen weiterhin groß sind. Unklare Eigentumsverhältnisse, fehlende Investitionsbereitschaft oder finanzielle Hürden sind nach wie vor Realität.</p>								</div>
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									<p>Doch die Beispiele aus Ansbach und Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim machen Mut: Wo Kommunen, private Akteur*innen und regionale Netzwerke zusammenwirken, können aus „alten Hüllen“ neue Orte des Miteinanders entstehen – Dorfläden, Arztpraxen, Kinderkrippen oder innovative Arbeitsorte, die weit über den Ort hinaus ausstrahlen. Mit der Flächensparoffensive, den interkommunalen Zusammenschlüssen und Formaten wie den „Aktionstagen Innenorte“ hat der Freistaat Bayern einen Rahmen geschaffen, der Impulse setzt und Sichtbarkeit schafft. Entscheidend bleibt jedoch das regionale Engagement vor Ort – Menschen, die Leerstand nicht als Hindernis, sondern als Ressource sehen.</p><p> </p>								</div>
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									<h5><strong>Mittelfranken</strong></h5><p>Um mehr über die Region dieser Bereisung zu erfahren hier klicken.</p>								</div>
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		<title>Die Scheune Bollewick – vom Gutshaus zur Kulturscheune</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Jan 2026 15:56:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[BUNDESLÄNDER]]></category>
		<category><![CDATA[Mecklenburg-Vorpommern]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Scheune Bollewick – vom Gutshaus zur Kulturscheune In Mecklenburg-Vorpommern prägten Gutsbetriebe über Jahrhunderte die ländliche Struktur. Vom 19. Jahrhundert bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie zentrale Akteure der Agrarwirtschaft und ihre meist adeligen Eigentümerfamilien bestimmten über das Leben der Menschen. Heute gibt es in Mecklenburg-Vorpommern noch über 2.000 Gutshäuser, Herrenhäuser, Schlösser und Burgen (Quelle: Hochschule Neubrandenburg). Den Erhalt dieses (bau-)kulturellen Erbes und die Sanierung der meist denkmalgeschützten Gebäude gehen vielerorts Gemeinden wie auch private Akteur*innen (u.a. Vereine, Stiftungen) an, um die Gebäude einer neuen Nutzung zuzuführen. So auch in Bollewick! Wir haben dort die größte Feldsteinscheune Deutschlands besucht und mit der Bürgermeisterin Antje Styskal sowie Doreen Hörning vom Scheunen-Management gesprochen. Bollewick ist auch für viele weitere, zukunftsweisende Entwicklungen und vielfältige Aktivitäten sehr bekannt und daher Ziel vieler Bildungsreisen, u.a. trägt die Gemeinde seit Jahren den Titel „Bioenergiedorf“. Die größte Feldsteinscheune Deutschlands: Geschichte und Visionen Die Geschichte beginnt im Jahr 1881, als Baron Wilhelm Adolf Theodor von Langermann in Bollewick bei Röbel an der Müritz entsprechend seiner Vision einer modernen Landwirtschaft das sogenannte „Landwunder“ errichten ließ: 125 Meter lang, 34 Meter breit, fast 10.000 Quadratmeter Nutzfläche. Die Scheune war ursprünglich Stallscheune für Schafhaltung, Lager und Wohnhaus in einem. Das Mauerwerk aus Feldsteinen wuchs pro Jahr einen Meter. Die Steine stammten von den umliegenden Feldern und wurden auf Steinplätzen bearbeitet, markiert und dann an der Scheune verbaut. Sehr gut sind die sogenannten Zwillingssteine zu erkennen, die durch das Spalten großer Steine entstanden. Ende der 1920er Jahre wurde das Gut wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten aufgelöst. Die Siedlungsgesellschaft „Hof und Hufe“ aus Berlin teilte die Scheune und das dazugehörende Land auf sieben Siedlerfamilien auf, die sie für Viehhaltung und Futterlager nutzten. Die Feldsteinscheune wurde Anfang der 1960er Jahre zwangskollektiviert und im Zuge des Umbaus in den 1970er Jahren von den Bauernfamilien abgekauft. Von 1968 bis 1991 nutzte die LPG „7. November“ das imposante Gebäude als Milchviehanlage mit 650 Kühen und offenen Güllelagern. Das Dorf war durch den Güllegestank sehr belastet. Die schlechten Haltungsbedingungen in einer Landwirtschaft, die Effizienz über Tierwohl stellte, hinterließen Spuren an den Gebäuden, bei den Tieren und den Menschen. Nach der der politischen Wende wurde die LPG „7. November“ liquidiert. Die Liquidatoren konnten die große Scheune auf Grund des maroden Zustandes nicht veräußern und boten das Gebäude der Gemeinde Bollewick als eine Schenkung an. Die Scheune, nun Altlast, stellte die Gemeindevertretung vor große Herausforderungen. In der Zeit des Umbruchs gab es viele Überlegungen, wie die große Scheune genutzt werden könnte; Investoren für eine gewerbliche Nutzung als Möbelhaus oder Baumarkt konnten nicht überzeugt werden. Bürgermeisterin Antje Styskal und Doreen Hörning vom Scheunen-Management vor dem Eingang der Scheune Bollewick Der damals frisch gewählte Bürgermeister Bertold Meyer, dessen Großvater einst zu den Siedlerfamilien gehörte, erkannte das Potenzial des Bauwerks und kämpfte für den Erhalt. „Seine Vision und Initiative hat nach der Wende vor 30 Jahrenaus seiner großen Verbundenheit mit der Scheune begonnen.““(Antje Styskal) Bürgermeister Meyer konnte die Gemeindevertretung überzeugen, die Scheune neu zu nutzen, auch wenn er mit Gegenwind zu kämpfen hatte. Unterstützt wurde er dabei von der Künstlerfamilie Löhlein und seinem Freund Werner Schinko, dem bekannten Illustrator und Künstler. Gemeinsam entwickelten sie die Idee, einen Ort für die Vermarktung regionaler Produkte, Kultur, Kunst und Kunsthandwerk aus der Region zu schaffen. Damit legten sie den Grundstein für eine der eindrucksvollsten Wiederbelebungen im ländlichen Raum Mecklenburgs. Sanierung – Stein für Stein ins neue Leben Bürgermeister aus der Region und der Landrat gründeten 1991 die Arbeits- und Ausbildungsinitiative Röbel e.V. um der stark angestiegene Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken, Sitz dieses Vereins wurde die Feldsteinscheune in Bollewick, Bertold Meyer übernahm die Geschäftsführung. Ab 1992 wurde entkernt, gereinigt, Altlasten und Abraum auch der angrenzenden Flächen und den Güllelagunen wurden entsorgt. Dabei fanden viele der ehemaligen LPG Arbeiter*innen aus der gesamten Region eine neue Arbeitsstelle. Über die Arbeits- und Ausbildungsinitiative Röbel e.V. wurde nicht nur Arbeit in vielen regionalen Projekten organisiert, sondern jüngere Menschen konnten hier auch verschiedene Ausbildungen absolvieren. 1997 erhielten Verein und Gemeinde für diese Leistung unter anderen den Tassilo Tröscher-Preis der Agrasozialen Gesellschaft e.V. in Göttingen. Die Zeit nach der Wende bot die Chance, neu zu denken und Dinge einfach auszuprobieren, sodass die Gemeinde die Planungsphase zügig umsetzte. In den folgenden Jahren wurde Raum um Raum erneuert. Bei der Sanierung wurden z. B. alte Fenster, Türen und Dachziegel aus Abrisshäusern aus der Umgebung verbaut, vor allem in der heutigen „Markthalle“ ist dies heute zu sehen. So ist auch in den Räumlichkeiten im Inneren der Scheune ein historischer Charakter entstanden. Gefördert wurde die Sanierung über EU-, Landes- und Denkmalschutzprogramme (u. a. LEADER) und auch kommunale Eigenmittel. Der Denkmalschutz bewahrte das charakteristische Feldsteinmauerwerk, ließ aber Gestaltungsfreiheit im Inneren. Die Sanierung der Feldsteinscheune schuf Identität und holte die Menschen aus der „Schockstarre“ der Wendeerfahrung, des Umbruchs und der Schließungen. „Nach der Zeit des Stillstands ging es weiter, es ging vorwärts und es wurde etwas Neues geschaffen. Die Menschen machten die Erfahrung ‚Wir können auch etwas gut!‘ Mit der Sanierung haben sie die Tradition aufrechterhalten.“(Antje Styskal sowie Doreen Hörning) Durch die Anstellung in der Arbeits- und Ausbildungsinitiative Röbel e.V. und die vielfältigen Arbeiten und Aufgaben in der Scheune qualifizierten sich viele Beschäftigte und wurden befähigt, sich selbstständig zu machen. In der Folge entwickelten sich neue Betriebe in der Region. Nach der Wende fehlte es in der Region an Infrastruktur. Wie groß das Interesse an kulturellen Angeboten war, zeigte sich bei den ersten Veranstaltungen 1994. Die Kulturscheune Bollewick erlebte einen enormen Besucheransturm: Zur ersten Veranstaltung, der „Messe made in Mecklenburg“ kamen an vier Tagen 6.000 Gäste, den Ostermarkt 1996 besuchten dann schon 10.000 Gäste an zwei Tagen. Auch bei den Veranstaltungen arbeiteten viele Menschen zumeist ehrenamtlich mit. Die Scheune wurde zum Anker mit großer Strahlkraft in die Region. 1993 musste das Dach nach einem schweren Sturmschaden vollständig saniert werden. Eine Investition, die die Gemeinde über Zahlungen der Versicherung sowie Kredite finanzierte. Im Zuge der Dachsanierung erfolgte auch der Ausbau des ersten Obergeschosses. Nutzung – Unternehmen, Kunst, Kultur, Dorfgemeinschaft und Tourismus unter einem Dach Heute ist die Scheune Bollewick]]></description>
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									<h3><strong>Die Scheune Bollewick – vom Gutshaus zur Kulturscheune</strong></h3><p>In Mecklenburg-Vorpommern prägten Gutsbetriebe über Jahrhunderte die ländliche Struktur. Vom 19. Jahrhundert bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie zentrale Akteure der Agrarwirtschaft und ihre meist adeligen Eigentümerfamilien bestimmten über das Leben der Menschen. Heute gibt es in Mecklenburg-Vorpommern noch über 2.000 Gutshäuser, Herrenhäuser, Schlösser und Burgen (Quelle: Hochschule Neubrandenburg).</p><p>Den Erhalt dieses (bau-)kulturellen Erbes und die Sanierung der meist denkmalgeschützten Gebäude gehen vielerorts Gemeinden wie auch private Akteur*innen (u.a. Vereine, Stiftungen) an, um die Gebäude einer neuen Nutzung zuzuführen.</p><p>So auch in Bollewick! Wir haben dort die größte Feldsteinscheune Deutschlands besucht und mit der Bürgermeisterin Antje Styskal sowie Doreen Hörning vom Scheunen-Management gesprochen. Bollewick ist auch für viele weitere, zukunftsweisende Entwicklungen und vielfältige Aktivitäten sehr bekannt und daher Ziel vieler Bildungsreisen, u.a. trägt die Gemeinde seit Jahren den Titel „Bioenergiedorf“.<br /><br /></p><h4>Die größte Feldsteinscheune Deutschlands: Geschichte und Visionen</h4><p>Die Geschichte beginnt im Jahr 1881, als Baron Wilhelm Adolf Theodor von Langermann in Bollewick bei Röbel an der Müritz entsprechend seiner Vision einer modernen Landwirtschaft das sogenannte „Landwunder“ errichten ließ: 125 Meter lang, 34 Meter breit, fast 10.000 Quadratmeter Nutzfläche. Die Scheune war ursprünglich Stallscheune für Schafhaltung, Lager und Wohnhaus in einem. Das Mauerwerk aus Feldsteinen wuchs pro Jahr einen Meter. Die Steine stammten von den umliegenden Feldern und wurden auf Steinplätzen bearbeitet, markiert und dann an der Scheune verbaut. Sehr gut sind die sogenannten Zwillingssteine zu erkennen, die durch das Spalten großer Steine entstanden. <br />Ende der 1920er Jahre wurde das Gut wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten aufgelöst. Die Siedlungsgesellschaft „Hof und Hufe“ aus Berlin teilte die Scheune und das dazugehörende Land auf sieben Siedlerfamilien auf, die sie für Viehhaltung und Futterlager nutzten.</p><p>Die Feldsteinscheune wurde Anfang der 1960er Jahre zwangskollektiviert und im Zuge des Umbaus in den 1970er Jahren von den Bauernfamilien abgekauft. Von 1968 bis 1991 nutzte die LPG „7. November“ das imposante Gebäude als Milchviehanlage mit 650 Kühen und offenen Güllelagern. Das Dorf war durch den Güllegestank sehr belastet. Die schlechten Haltungsbedingungen in einer Landwirtschaft, die Effizienz über Tierwohl stellte, hinterließen Spuren an den Gebäuden, bei den Tieren und den Menschen.</p><p>Nach der der politischen Wende wurde die LPG „7. November“ liquidiert. Die Liquidatoren konnten die große Scheune auf Grund des maroden Zustandes nicht veräußern und boten das Gebäude der Gemeinde Bollewick als eine Schenkung an. Die Scheune, nun Altlast, stellte die Gemeindevertretung vor große Herausforderungen. In der Zeit des Umbruchs gab es viele Überlegungen, wie die große Scheune genutzt werden könnte; Investoren für eine gewerbliche Nutzung als Möbelhaus oder Baumarkt konnten nicht überzeugt werden.</p>								</div>
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									<p style="text-align: left;">Der damals frisch gewählte Bürgermeister Bertold Meyer, dessen Großvater einst zu den Siedlerfamilien gehörte, erkannte das Potenzial des Bauwerks und kämpfte für den Erhalt.</p><p style="text-align: center;"><em>„Seine Vision und Initiative hat nach der Wende vor 30 Jahren<br />aus seiner großen Verbundenheit mit der Scheune begonnen.“</em><em>“<br />(Antje Styskal)</em></p><p>Bürgermeister Meyer konnte die Gemeindevertretung überzeugen, die Scheune neu zu nutzen, auch wenn er mit Gegenwind zu kämpfen hatte. Unterstützt wurde er dabei von der Künstlerfamilie Löhlein und seinem Freund Werner Schinko, dem bekannten Illustrator und Künstler. Gemeinsam entwickelten sie die Idee, einen Ort für die Vermarktung regionaler Produkte, Kultur, Kunst und Kunsthandwerk aus der Region zu schaffen. Damit legten sie den Grundstein für eine der eindrucksvollsten Wiederbelebungen im ländlichen Raum Mecklenburgs.</p>								</div>
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									<h4>Sanierung – Stein für Stein ins neue Leben</h4><p>Bürgermeister aus der Region und der Landrat gründeten 1991 die Arbeits- und Ausbildungsinitiative Röbel e.V. um der stark angestiegene Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken, Sitz dieses Vereins wurde die Feldsteinscheune in Bollewick, Bertold Meyer übernahm die Geschäftsführung. Ab 1992 wurde entkernt, gereinigt, Altlasten und Abraum auch der angrenzenden Flächen und den Güllelagunen wurden entsorgt. Dabei fanden viele der ehemaligen LPG Arbeiter*innen aus der gesamten Region eine neue Arbeitsstelle. Über die Arbeits- und Ausbildungsinitiative Röbel e.V. wurde nicht nur Arbeit in vielen regionalen Projekten organisiert, sondern jüngere Menschen konnten hier auch verschiedene Ausbildungen absolvieren.</p><p>1997 erhielten Verein und Gemeinde für diese Leistung unter anderen den Tassilo Tröscher-Preis der Agrasozialen Gesellschaft e.V. in Göttingen.</p><p>Die Zeit nach der Wende bot die Chance, neu zu denken und Dinge einfach auszuprobieren, sodass die Gemeinde die Planungsphase zügig umsetzte. In den folgenden Jahren wurde Raum um Raum erneuert. Bei der Sanierung wurden z. B. alte Fenster, Türen und Dachziegel aus Abrisshäusern aus der Umgebung verbaut, vor allem in der heutigen „Markthalle“ ist dies heute zu sehen. So ist auch in den Räumlichkeiten im Inneren der Scheune ein historischer Charakter entstanden. Gefördert wurde die Sanierung über EU-, Landes- und Denkmalschutzprogramme (u. a. LEADER) und auch kommunale Eigenmittel. Der Denkmalschutz bewahrte das charakteristische Feldsteinmauerwerk, ließ aber Gestaltungsfreiheit im Inneren.</p><p>Die Sanierung der Feldsteinscheune schuf Identität und holte die Menschen aus der „Schockstarre“ der Wendeerfahrung, des Umbruchs und der Schließungen.</p><p style="text-align: center;"><em>„Nach der Zeit des Stillstands ging es weiter, <br />es ging vorwärts und es wurde etwas Neues geschaffen. <br />Die Menschen machten die Erfahrung ‚Wir können auch etwas gut!‘ <br />Mit der Sanierung haben sie die Tradition aufrechterhalten.“</em><br /><em>(Antje Styskal sowie Doreen Hörning)</em></p><p>Durch die Anstellung in der Arbeits- und Ausbildungsinitiative Röbel e.V. und die vielfältigen Arbeiten und Aufgaben in der Scheune qualifizierten sich viele Beschäftigte und wurden befähigt, sich selbstständig zu machen. In der Folge entwickelten sich neue Betriebe in der Region.</p><p>Nach der Wende fehlte es in der Region an Infrastruktur. Wie groß das Interesse an kulturellen Angeboten war, zeigte sich bei den ersten Veranstaltungen 1994. Die Kulturscheune Bollewick erlebte einen enormen Besucheransturm: Zur ersten Veranstaltung, der „Messe made in Mecklenburg“ kamen an vier Tagen 6.000 Gäste, den Ostermarkt 1996 besuchten dann schon 10.000 Gäste an zwei Tagen. Auch bei den Veranstaltungen arbeiteten viele Menschen zumeist ehrenamtlich mit. Die Scheune wurde zum Anker mit großer Strahlkraft in die Region.</p><p>1993 musste das Dach nach einem schweren Sturmschaden vollständig saniert werden. Eine Investition, die die Gemeinde über Zahlungen der Versicherung sowie Kredite finanzierte. Im Zuge der Dachsanierung erfolgte auch der Ausbau des ersten Obergeschosses.</p>								</div>
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									<h4>Nutzung – Unternehmen, Kunst, Kultur, Dorfgemeinschaft und Tourismus unter einem Dach</h4><p>Heute ist die Scheune Bollewick ein lebendiges Zentrum für Handwerk, Kultur, Bildung und Begegnung und den Landtourismus. Sie wird von der Gemeinde mit einem Konzept aus Ladenzeile und Büroräumen in Mietverhältnissen mit geringen Quadratmeterpreisen bewirtschaftet. Auf zwei Etagen beherbergt sie:</p><ul><li>Läden mit regionalen Produkten und Kunsthandwerk</li><li>Ateliers, Werkstätten und Praxen</li><li>Büros von u. a. Technik- oder Dienstleistungsunternehmen</li><li>Gastronomie und das Hotel „Scheunen-Domizil“</li><li>Ausstellungs- und Veranstaltungsräume für Märkte, Tagungen, Konzerte und Hochzeiten</li><li>Räume für Vereine und Bildungsangebote</li></ul><p>Das Konzept ist für Unternehmen attraktiv, sodass Leerstand kein Problem darstellt. Der Hotel- und Restaurantbetrieb war kurze Zeit ohne Pächter, wird aber seit Mai 2025 fortgeführt. Durch diese Nutzungskombination aus Wirtschaft, Kultur, Hotelbetrieb, Tourismus und Regionale Vermarktung schafft die Scheune Bollewick eine breite Basis – sowohl finanziell als auch gesellschaftlich.</p><p>Das Haus wird von einem festen Team bewirtschaftet: vier Teilzeitkräfte im Scheunenmanagement, ein Bundesfreiwilligendienstleistender und zwei Teilzeit-Hausmeister kümmern sich um den laufenden Betrieb. Im Vergleich zu den 1990er Jahren gibt es deutlich weniger Ehrenamt.</p><p style="text-align: center;"><em>„Die Scheune lebt von den Menschen, die hier arbeiten, <br />die sich mit Herzblut einsetzen, für die Zukunft neues zu entwickeln <br />und überlegen, wohin es gehen soll.“</em><br /><em>(Doreen Hörning)</em></p><p>Rund 70 Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt an der Scheune, in der Gemeinde wie bei den Betrieben, (Dienstleistungs-)Unternehmen und Ladengeschäften. Viele Mieter sind seit Jahrzehnten hier – ein Zeichen wirtschaftlicher Stabilität. Eines der ersten Geschäfte war der Bauernladen (1994) mit seinem Sortiment regionaler Produkte, dass bald um Deko-Artikel u. ä. für die Zielgruppe Tourismus erweitert wurde. Mit ihrer einzigartigen Architektur ist die Scheune Bollewick ein Leuchtturm des Landtourismus. Jährlich kommen rund 120.000 Besucherinnen und Besucher (Quelle: Heinrich-Böll-Stiftung MV).</p><p style="text-align: center;"><em>„Unsere Saison dauert von Ostern bis Dezember. <br />Ohne Touristen ginge es nicht.“</em><br /><em>(Doreen Hörning)</em></p><p>Als regionale Sehenswürdigkeit sorgt die Scheune mit ihrer Vielfalt an Angeboten und Aktivitäten dafür, dass Gäste das Land erleben können. Aktionen wie die historische Leinen-Aktion „Hier wurde Flachs gebrechelt“ machen Geschichte greifbar und zeigen handwerkliche Traditionen. Die Zusammenarbeit mit den Tourismusverbänden gestaltet sich indes schwierig – dort liegt der Schwerpunkt auf der Küste, während die Müritzregion weniger präsent ist. Viele Projekte, die in Bollewick angestoßen wurden, kommen dadurch nicht zum Abschluss.</p>								</div>
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									<p style="text-align: center;"><em>„Wir sind infrastrukturell sehr wichtig – </em><br /><em>das sehen die Tourismusverbände nicht so.“ </em><br /><em>(Antje Styskal)</em></p><p>Deshalb schaut man über die Landesgrenze hinaus: Gemeinsam mit Wittstock in Brandenburg, das nach der Landesgartenschau 2019 eine sehr positive Entwicklung genommen hat, werden neue Projekte vorbereitet.</p><p>Seit ihren Anfängen als Raum für Kultur und Kunsthandwerk hat sich die Scheune als Veranstaltungsort etabliert. Der Ostermarkt, der Adventsmarkt und zahlreiche Kunsthandwerkermärkte sind von hoher Bedeutung für die Region und den Tourismus. Messen regionaler Verbände, Flohmärkte u.v.m. finden statt. In der Alten Schmiede hat das Standesamt einen Sitz und Hochzeiten werden auf der Tenne gefeiert. Höhepunkte im Jahr sind Konzerte des Landesjugendorchesters und das traditionelle Adventskonzert mit der Neubrandenburger Philharmonie.</p><p>Kultur und Kunst aus der Region sind nach wie vor zentral für das Leben in der Scheune, die durch dauerhafte (u. a. von Werner Schinko) wie auch wechselnde Ausstellungen Kunst auf dem Land sichtbar macht. Ein neuer Kontakt konnte mit dem Museumsverband für die zukünftige Arbeit geknüpft werden.</p><p>Des Weiteren dienen die Räume in der Scheue auch als Dorfgemeinschaftshaus, genutzt von unterschiedliche Gruppen aus dem Dorf für Yoga- oder Sportkurse uvm. Eine neue Gruppe „Silversurfer“ übt gemeinsam den Umgang mit digitaler Technik. Der Tanztee, einmal im Monat, eine Veranstaltung gegen die Einsamkeit im Alter, wird rege genutzt. Im Dorf haben sich zudem aktive Frauen zusammengefunden, die in der Scheune ein Dorffrühstück oder Laternenfest veranstalten.</p><p>Die fortwährende Herausforderung ist, für die unterschiedlichen Zielgruppen – Gäste von außen, die Bevölkerung vor Ort – passende Angebote zu entwickeln. Hier setzen die neuen Kooperationen im Bereich Bildung mit Schulen, der Kirche und auch Hochschulen an: Die Hochschule Neubrandenburg kommt für Tagungen oder Seminare ebenso die Universität Wismar.</p><p style="text-align: center;"><em>„Wir zeigen, dass es geht, <br />auch große Tagungen am Land zu machen.“</em><br /><em>(Doreen Hörning)</em></p><p>Ein häufiges Problem bleibt allerdings die ländliche Lage. Viele denken, der Ort sei schwer zu erreichen – doch daran wird aktiv gearbeitet. Das Amt Röbel hat den Nachbarschaftsbus als Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr eingeführt. So bleiben Menschen aus Bollewick und den umliegenden Dörfern mobil, auch wenn sie noch nicht oder nicht mehr Autofahren können. Eine Anbindung besteht außerdem über die Bahnstation in Wittstock und in Waren an der Müritz und weiter mit dem Bus nach Röbel.</p>								</div>
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									<h4>Wirtschaftlicher Betrieb und Förderung</h4><p>Die Scheune ist ein Ort vielfältiger Nutzung – ein Haus mit Geschäften, Veranstaltungsräumen und kulturellem Leben. Die gemischte Nutzung trägt entscheidend zur Stabilität bei. Den Betrieb bewältigt die Gemeinde durch die Einnahmen aus den Vermietungen, den Veranstaltungen sowie der PV-Anlage auf dem Dach. Auch gewerbliche Steuereinnahmen fließen ein. Sie ist damit ein gutes Beispiel für die Kombination von Fördermitteln und Wirtschaftsbetrieb. Die Gemeinde erreicht so Unabhängigkeit und Stabilität. Ziel bleibt es, das Gebäude zu erhalten – einige bauliche Maßnahmen stehen an. Die Akquise von Fördermitteln ist Hauptaufgabe der Bürgermeisterin, denn die verfügbaren Mittel sind knapp. Auch um Projekte umzusetzen, bemüht sie sich kontinuierlich um passende Fördermittel. Dabei macht sie die Erfahrung, dass der Zugang zu Förderung zunehmend schwieriger wird:</p><p style="text-align: center;"><em>„Wenn sie nach Förderung fragen, heißt es oft:<br />Bollewick hat schon alles. </em><br /><em>Ein Musterdorf zu sein, ist nicht immer gut.“</em><br /><em>(Antje Styskal)</em></p><p>Aktuell sind Förderprogramme stärker auf Innovation und Partizipation ausgerichtet und weniger auf Bestandsführung oder Gebäudeerhaltung.</p><p style="text-align: center;"><em>„Für neue Türen gibt es kein Förderprogramm.“</em><br /><em>(Antje Styskal)</em></p><p>Erfolgreich war hingegen die Teilnahme an der Initiative „Neulandgewinner“ – mit den dort erhaltenen 50.000 Euro Fördermitteln konnten Bildungsangebote ausgebaut und nötiges Inventar angeschafft werden. Solche Fördermöglichkeiten fehlten.</p><p style="text-align: center;"><em>„Um einen modernen Auftritt in historischen Mauern zeigen zu können, <br />bedarf es der Pflege und Weiterentwicklung der Scheune Bollewick.<br /></em><em>Unser Ziel ist, als Ort der nachhaltigen Begegnung <br />für vielfältige Aktivitäten in einer modernen <br />ländlichen Gemeinschaft bestehen zu können“</em><br /><em>(Antje Styskal)</em></p><p>Die Scheune steht baulich stabil, doch Modernisierung und Personalbindung bleiben Themen. Die Vision: Die Scheune bleibt ein Ort, an dem Geschichte, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft unter einem Dach leben – ein Beispiel dafür, dass ländlicher Raum Zukunft hat, wenn Menschen Verantwortung übernehmen.</p>								</div>
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									<h5><strong>Mecklenburgische Seenplatte</strong></h5><p>Um mehr über die Region dieser Bereisung zu erfahren hier klicken.</p>								</div>
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									<h5>Mecklenburg-Vorpommern</h5><p>Trailer der Bereisung als Youtube-Video</p>								</div>
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