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Sachsen

Mittelsachsen – mitten im Leben, mitten in Sachsen

Seit der sächsischen Kreisreform im Jahr 2008 zählt die Region zwischen dem mittelsächsischen Hügelland und dem Erzgebirge als eigenständiger Landkreis. Mittelsachsen ist mit seinen 52 Gemeinden und Städten und einer Fläche von 2.116 km² seitdem einer der größten Landkreise Sachsens. Die einwohnerstärkste Kommune ist die Universitätsstadt Freiberg. Die Region ist von kleinen Ortschaften durchzogen und ländlich geprägt. Nur 11 % der Fläche sind bebaut, 88 % bestehen aus Wiesen, Wäldern und Feldern. Neben einem ruhigen, ländlichen Lebensstil hat der Landkreis auch in Bezug auf die Baukultur einiges zu bieten. Die mehr als 1.000 Jahre zurückreichende Geschichte der Region hat ein reiches Erbe an Denkmälern, historischen Stadtkernen, restaurierten Fachwerkbauten und Brückenbauwerken hervorgebracht. Über 200 Burgen, Schlösser und Klöster laden zu einem Besuch ein. Mit dem Bergbau im Erzgebirge ist die Region zudem Teil einer einzigartigen, jahrhundertealten Kulturlandschaft, die 2019 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen wurde.

Der Landkreis ist eine der wirtschaftsstärksten Regionen Ostdeutschlands und wird von kleinen und mittelständischen Unternehmen geprägt. Mit Forschungseinrichtungen wie der TU Bergakademie Freiberg, der Hochschule Mittweida sowie Instituten der Fraunhofer-Gesellschaft ist der Landkreis auch ein bedeutender Wissenschaftsstandort.

Nordsachsen 

Der Landkreis Nordsachsen entstand ebenfalls im Zuge der sächsischen Kreisreform 2008 durch den Zusammenschluss der beiden ehemaligen Landkreise Torgau-Oschatz und Delitzsch. Er grenzt im Nordwesten an Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Im Süden weist die Region eine unmittelbare Nähe zu Leipzig auf. Mit 199.824 Einwohnern hat der Landkreis die niedrigste Einwohnerzahl und die niedrigste Einwohnerdichte des Freistaats Sachsen. Er liegt in der Leipziger Tieflandsbucht und ist von einer flachen Landschaft, weiten Feldern und ausgedehnten Wäldern geprägt. Insbesondere der Braunkohleabbau im letzten Jahrhundert hat die Landschaft nachhaltig verändert. Auch Nordsachsen ist reich an Kulturschätzen. In der Region finden sich zahlreiche Schlösser, Burgen, Kirchen, ehemalige Rittersitze und Mühlen. Letztere haben den Landkreis auch als Mühlenregion bekannt gemacht. Die Wirtschaft im Landkreis Nordsachsen ist vielfältig geprägt. Neben der traditionellen Landwirtschaft und der Ernährungswirtschaft spielen Logistik und das produzierende Gewerbe eine zunehmend wichtige Rolle. Letztere werden durch die verkehrsgünstige Lage im Umfeld des Flughafens Leipzig/Halle begünstigt. 

Landkreis Mittelsachsen

Bevölkerungsstand
Bevölkerungsdichte
Bevölkerungsentwicklung
Wanderungssaldo
Wohnungsleerstandsquote
BIP je Einwohner
Thünen-Typologie
296.430 Einwohner
140 Einwohner/km²
- 6,2 % seit 2011
+ 14,1 je 1000 Einwohner
10,7 %
31.752 € / Einwohner
eher ländlich / weniger gute sozio-ökonomische Lage

Landkreis Nordsachsen

Bevölkerungsstand
Bevölkerungsdichte
Bevölkerungsentwicklung
Wanderungssaldo
Wohnungsleerstandsquote
BIP je Einwohner
Thünen-Typologie
199.824 Einwohner
97 Einwohner/km²
- 0,1 % seit 2011
+ 10,2 je 1000 Einwohner
7,7 %
39.667 € / Einwohner
eher ländlich / weniger gute sozio-ökonomische Lage

Gemeinsame Herausforderungen und Perspektiven

Trotz der vielfältigen Potenziale stehen die beiden ländliche Landkreise vor weitreichenden demografischen Herausforderungen. Wie vielerorts ist auch der Landkreis Mittelsachsen von einer anhaltenden negativen Bevölkerungsentwicklung geprägt. Die Entwicklung deckt sich mit der Bevölkerungsentwicklung der ostdeutschen Bundesländer insgesamt. Prognosen sagen weitere Bevölkerungsverluste, zugunsten der kreisfreien Städte Dresden und Leipzig, voraus. Im Landkreis Nordsachsen sind leicht rückläufige Bevölkerungszahlen und eine alternde Gesellschaft mit einem Medianalter von über 50 Jahren aktuelle Herausforderungen. 

Die demografischen Entwicklungen der beiden Landkreise machen sich auch auf dem Wohnungsmarkt bemerkbar. In den ländlichen Regionen Sachsens hat sich der Wohnungsleerstand als Dauerproblem etabliert. Als Reaktion darauf gibt es im Freistaat Sachsen Rückbauförderungsprogramme, die den Rückbau von dauerhaft ungenutzten Wohngebäuden unterstützen und so zur Aufwertung des Wohnumfelds beitragen. Aufgrund der hohen Nachfrage wurde die Fördersumme für das Jahr 2024 verdoppelt und das Bewilligungsverfahren vereinfacht. Mit der Nestbau-Zentrale wurde zudem eine zentrale Anlaufstelle für potenzielle Zuziehende geschaffen, um ihnen die Ankunft und das Bleiben in der Region so einfach wie möglich zu machen.

Sachsens Bahnhöfe im Wandel der Zeit 

Die Bevölkerungsverluste in Kombination mit wirtschaftlichen und strukturellen Veränderungen haben dazu beigetragen, dass neben Wohnimmobilien auch Bahnhöfe in den Fokus der Leerstandsdebatte gerückt sind. Durch ihre Größe, ihren Baustil und ihre Lage im Stadtzentrum sind Bahnhöfe oft die Visitenkarte und das Aushängeschild der Städte und Kommunen. Dennoch machte der Leerstand von Bahnhöfen im Osten Deutschlands in der Vergangenheit zunehmend Schlagzeilen. Zuletzt kämpften sächsische Städte wie Freiberg, Riesa und Meißen um den Erhalt ihrer Bahnhöfe. Hintergrund ist unter anderem die dauerhafte Stilllegung und der Verkauf ländlicher Bahnhöfe durch die Deutsche Bahn. Sachsen war im 19. und frühen 20. Jahrhundert aufgrund des hohen Bedarfs an effizienten Transportwegen – insbesondere durch den boomenden Bergbau und Maschinenbau – von einem vergleichsweise dichten Eisenbahnnetz geprägt. Auch heute verfügt Sachsen über die höchste Schienennetzdichte aller Bundesländer.

Nach der Wiedervereinigung wurden zahlreiche Strecken, die wenig ausgelastet und wirtschaftlich nicht rentabel waren, stillgelegt. Dadurch fielen viele Bahnhofsgebäude aus der Nutzung. Allein zwischen 2000 und 2019 wurden über 70 Bahnhöfe geschlossen. Damit belegt das Land bundesweit den zweiten Platz hinter Sachsen-Anhalt. Ein großer Teil der Bahnhofsgebäude befindet sich infolge des massenhaften Verkaufs der Gebäude zudem im Besitz von Kommunen und Privatpersonen. Begrenztes Nutzungsinteresse und fehlende Mittel verschärfen die Leerstandsproblematik dieser Gebäude zunehmend.

Trotz dieser vielfältigen Herausforderungen gelingt es einigen mutigen Kommunen und engagierten Akteuren, den Verfall einzelner Bahnhöfe aufzuhalten und ihnen mit kreativen Konzepten neues Leben einzuhauchen. Dadurch leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Dorfentwicklung und Leerstandsaktivierung. Zwei spannende Beispiele aus Nordsachsen und Mittelsachsen haben wir in den beiden Blogbeiträgen „Bahnhof Zschortau“ und „Generationenbahnhof Erlau“ näher unter die Lupe genommen.

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