Bei unserer zweiten Fachtagung nahmen wir wieder einmal die Chancen und Potenziale von leerstehenden Gebäuden in den Fokus. Schon mit dem Tagungsort Eiermannbau, einem der beeindruckenden Industriebauten in der Textil- und Glockenstadt Apolda, knüpften wir an die Frage an, wie es gelingen kann, Baukultur und regionaltypische Bauweisen zu erhalten und gleichzeitig den heutigen Anforderungen zu entsprechen. Gut 60 Teilnehmende füllten den besonderen Raum des Eiermannbaus und nutzten die Gelegenheit, Wissen zu vertiefen, Kontakte zu knüpfen und gemeinsam mit Akteur*innen aus der ländlichen Entwicklung, Planung und Architektur, Verwaltung und dem Ehrenamt in den Austausch zu gehen.
Vielen Dank an alle Beteiligten! Wir sehen uns hoffentlich im nächsten Jahr wieder!
Die Tagung machte deutlich: Der Umgang mit Leerstand ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe zwischen Ressourcenbewusstsein, wirtschaftlichen Chancen und kultureller Verantwortung.
Mit gastfreundlichen Worten wandte sich Ministerin Colette Boos-John an die Tagungsgäste und betonte, wie wichtig es sei, die ländlichen Räume in den Blick zu nehmen, gerade in Thüringen! Denn ihre Fülle präge das Land, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung werde von den Aktiven in den kleinen Gemeinden getragen. Vor allem durch die demographischen Entwicklungen brauche es Förderung wie z. B. den aktuellen Wettbewerb „Neues Leben. Alte Räume“. Die Ministerin blickte auch auf die derzeitigen Kürzungspläne auf EU-Ebene und deren Folgen für die Landwirtschaft und das Land und betonte, dass sie sich für den Erhalt der Förderung ländlicher Räume im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) einsetze.
„Wie wir die ländlichen Räume wahrnehmen, davon hängt auch ab,
ob wir Verantwortung übernehmen und ‚einfach mal machen‘.
Wir haben zu kämpfen, uns unterzuhaken und gemeinsam
auch für LEADER zu kämpfen.“
Judith Conrad dankte allen teilnehmenden Engagierten dafür, dass sie die Einladung zu den Praxistagen angenommen haben, denn der Austausch und die Vernetzung seien entscheidend für ländliche Entwicklung. Auf der Ebene des Bundes gehe es u. a. im Bundesprogramm Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung darum, Modelle, Forschung und Wissenstransfer voranzubringen. Aktuell werde die Dynamik der GAP auf allen Ebenen diskutiert, vor allem die Frage, wo die Politik für ländliche Räume verortet werden wird, sei noch zu klären. Aber auch wenn die Fördermittel weniger werden, sei sie sicher, dass gute Ergebnisse auch in Zukunft erzielt werden, so Frau Conrad.
„Für Leerstand und Baukultur ist die entscheidende Frage,
wie bringen wir Menschen in Gemeinschaft zusammen,
sodass Begegnung im Leerstand stattfindet?“
Mit fundierter Expertise führte die erfahrene Moderatorin durch den Tag und schuf eine offene Atmosphäre für Diskussion und Reflexion.
„Nutzen Sie die Gelegenheit und sprechen Sie
mit den unterschiedlichen Aktiven, die heute hier sind!“
Die Baukultur der ländlichen Räume in Thüringen werde von den vielen ländlichen Gemeinden geprägt, in denen 84 Prozent der Menschen im Land leben. Die bestehenden Gebäude aus den verschiedenen Epochen gelte es zu nutzen, gerade im Kontext des hohen Ressourcenverbrauchs in der Baubranche. Bestandserhalt bewahrt nicht nur materielle, sondern auch immaterielle Werte und entwickelt sie weiter, zitierte Katja Fischer den Baukulturbericht. Bei leerstehenden Gebäude gehe es auch um die Art, wie man darüber spreche. Daher stelle die Stiftung Baukultur Thüringen seit Mitte der 2010er Jahren den Begriff „Leergut“ der Bezeichnung „Schrottimmobilien“ gegenüber. Baukultur ist eine Strategie und ein Prozess, in dem Menschen Leerstand zu Möglichkeitsräumen machen, so Frau Fischer.
„Wir müssen uns bei Gebäudesanierungen fragen, wie wenig ist genug?
Nicht jede neue Nutzung erfordert eine Sanierung mit Kosten
von 3.000 Euro je Quadratmeter.“
Mit der Überschrift „Baukultur trifft Raumentwicklung“ ging Rainer Danielzyk zunächst auf die Entwicklung von Wirtschaft und Bevölkerung in den verschiedenen Typen ländlicher Räume ein und verdeutlichte die große Bandbreite. Im Kontext des Grundsatzes der Gleichwertigkeit hob er die Bedeutung von Regionalentwicklungsstrategien hervor, besonders für die Sicherung der Daseinsvorsorge. Innenentwicklung und Leerstandsaktivierung stellten national wie international eine zentrale Herausforderung an der Schnittstelle von Baukultur sowie Orts- und Regionalentwicklung in ländlichen Räumen dar. Ihre Umsetzung gewinne angesichts der Vision einer „Flächenkreislaufwirtschaft“ der EU bis 2050 trotz erheblicher Hindernisse und uneindeutiger Rahmenbedingungen zunehmend an Bedeutung.
„Die wichtigste Grundlage ist:
Es gibt nicht DEN ländlichen Raum, sondern wir wissen um die große Vielfalt.
Auch Städte, denken Sie an Gelsenkirchen, haben mit
Rückgang der Wirtschaft und der Bevölkerung zu tun.“
Im Panel-Gespräch vertieften die Beteiligten den Blick auf Thüringen und hoben die Bedeutung von Einzelpersonen („Leitwölfe“) hervor. Von den Tagungsgästen wurden Fragen nach den wichtigsten Faktoren, die es braucht, um Leerstand zu aktivieren, eingebracht. Die Frage „Wie fängt man an?“ beantwortete Bertram Schiffers mit einem Verweis auf bestehende Beispiele. Im Gespräch mit Aktiven, die bereits Projekte umsetzen, könnten Ideen konkretisiert und erste Schritte geplant werden.
„Es braucht Menschen mit Mut und Leidenschaft.“
(Dr. Leo Bockelmann, Thünen-Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen)
Mit der Frage „Kirche: Leerstand oder Gemeinschaftsort“ stellte die Referatsleiterin Bau Ideen und Ansätze der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) vor. In ihrer Verwaltung liegen 3.900 Sakralgebäude, die zu annähernd 100 Prozent denkmalgeschützt und zu 50 Prozent mindestens mittelalterlich sind – und das bei sinkenden Mitgliedszahlen, skizzierte Elke Bergt die Situation. Wie Kirchen auch künftig lebendige Orte im Dorf bleiben können, wenn ihre Nutzung bewusst gestärkt, gebündelt und zugleich offen für neue Ideen und Partnerschaften gedacht wird, zeigte sie anhand von Beispielen, die u. a. im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Thüringen entwickelten wurden. Dabei ging sie auf in der Kooperation von kirchlichen und nichtkirchlichen Initiativen entstandenen offene Kirchen wie z. B. die Bienen Garten Kirche in Roldisleben oder die Her(r)bergskirchen ein.
„Wir sollten die eigene Nutzung unserer Kirchen stärken
und dort konzentrieren, wo es möglich ist,
gleichzeitig aber den Mut haben, Kirchen offen zu halten
und neue Nutzungspartner willkommen zu heißen –
auch in Form von Erprobungsräumen und zeitlich begrenzten Projekten.“
Der Referent für Förderung der Ländlichen Entwicklung im Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum erläuterte den politischen Kontext ländlicher Entwicklungsprogramme: Angesichts von Bevölkerungsrückgang und dem Wegfall grundlegender Angebote ergebe sich eine klare staatliche Verantwortung, diesen Funktionsverlusten durch gezielte Förderprogramme entgegenzuwirken. Pascal Wagenschwanz zeigte anhand von Praxisbeispielen für die Aktivierung von Leerstand, dass Förderinstrumente nur dann wirksam sind, wenn sie von engagierten Akteur*innen mit konkreten Ideen umgesetzt werden. Erfolgreiche Projekte zeichneten sich insbesondere durch Mehrfachnutzungen aus, die verschiedene Bedürfnisse – von Versorgung bis Begegnung – miteinander verknüpfen und so tragfähige Strukturen schaffen.
„Belebung entsteht, wenn Nutzung zum Alltag wird.
Langfristiger Erfolg stellt sich eben erst ein,
wenn die neuen Nutzungen und Angebote von der Bevölkerung
als selbstverständlich angenommen werden.“
Welche Ansätze der Dorf- und Regionalentwicklung das Land Hessen verfolgt, um Baukultur und regionaltypische Bauweisen zu erhalten, darauf blickte Silke Erdmann, Hessisches Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat. Die Förderung basiere auf den „Grundsätzen des regionaltypischen Bauens“, wobei die teils erheblichen Unterschiede der Baukultur in den hessischen Regionen berücksichtigt werden, so Frau Erdmann. Dabei ziele das Land bei der Dorfentwicklung darauf, Ortskerne funktional und gestalterisch zu erhalten und im Sinne der Innenentwicklung weiterzuentwickeln, um die Kommunen bei der Umsetzung u. a. von Beteiligungsprozessen zu unterstützen und das bürgerschaftliche Engagement zu stärken. Denn dieses trage den Erhalt von Baukultur, wie sie am Beispiel des Fördergegenstands Strategischer Sanierungsbereich in der Gemeinde Jossgrund zeigte.
„Es geht uns darum, die historische Bausubstanz in Hessen
an den heutigen Bedarfen orientiert weiterzuentwickeln.
Daher können auch Rückbau und Neubau wesentliche Bausteine sein
für einen positiven Beitrag zum Ortsbild.“
Vier Workshops boten Raum für intensiven Austausch und die Gelegenheit, Praxisbeispiele aus Thüringen kennenzulernen.
Die digitale Plattform Baukultur in der Wartburgregion stellten Anne Chodura vom LEADER-Regionalmanagement Wartburgregion sowie Hermann Kuhl, Kuhl|Frenzel GmbH & Co. KG Agentur für Kommunikation unter der Überschrift „Wissen teilen – Orte gestalten – Baukultur vermitteln“ vor.
Am Beispiel Alte Schule in Luisenthal tauschten sich die beiden LeerGut-Agenten Aron Bernt und Dipl.-Ing. Klaus Schotte, Planer & Berater, mit den Tagungsgästen darüber aus, wie das Instrument des LeerGut-Scheins Praxisakteure dabei unterstützt, leerstehende Gebäude neu zu nutzen.
Unter der Überschrift „Wie kommt Neues im Dorf an? Prozesse für Begegnung und Kultur gestalten“ teilten Robin Kallenbach, Zukunftswerkstatt Schwarzatal e.V., und Dr. Maria Frölich-Kulik, Haus Bräutigam e.V., ihre Erfahrungen bei der Aktivierung von Leerstand im Schwarzatal.
Das große Kooperationsprojekt Domäne Dornburg unter Trägerschaft der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen mbH (LEG Thüringen) stellten die beiden zentralen Akteure Nicole Winter, LEG Thüringen, sowie Luca Marco Reusch und Robert Anton, exnovum GmbH, vor. Dritter Kooperationspartner ist die Bauhaus-Uni Weimar.
Die Fachtagung setzte wichtige Impulse für den Umgang mit leerstehenden Gebäuden und die zukünftige Entwicklung ländlicher Räume. Wir freuen uns auf den weiteren Austausch mit allen Akteur*innen, die sich für die Potenziale von Leerstand einsetzen!
2. und 3. April 2025
Die Möglichkeiten der Innenentwicklung und Leerstandsaktivierung in ländlichen Räumen sind vielfältig. Sie bergen besondere Potenziale für die nachhaltige Gestaltung und Entwicklung von Gemeinden, Dörfern und kleinen Städten. Das Erkennen dieser „Möglichkeitsräume“, die mit leerstehenden Immobilien oder Brachflächen einhergehen, ist eine wichtige Voraussetzung für die Realisierung von Projekten, die das Gemeinwohl und die Lebensqualität vor Ort bereichern. Es gibt bereits eine Vielzahl an Förderprogrammen auf Bundes- und Landesebene, derer sich Gestalter*innen der ländlichen Räume bedienen können. Welche Fördermöglichkeiten zur Verfügung stehen, wie sie konkret für die Aktivierung von Leerstand nutzbar sind und welche Erfolgsgeschichten daraus resultieren – diese Aspekte standen im Fokus der erstmalig durchgeführten „Praxistage Leerstand gestalten“ am 02. und 03. April 2025 in Ansbach.
Fast 100 Akteur*innen, die sich haupt-, ehrenamtlich oder als Privatperson für dieses Thema interessieren, kamen auf Einladung der Agrarsozialen Gesellschaft e.V. (ASG) in der Ansbacher Orangerie zusammen, um verschiedene Förderansätze zu beleuchten und gelungene Praxisbeispiele kennenzulernen. In der Spitze rund 130 Personen verfolgten die Veranstaltung parallel im Livestream. Moderiert wurde die Veranstaltung von Barbara Wunder, Expertin für Innenentwicklung und Flächensparen. Sie ist u. a. Mitglied des Präsidiums der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum.
Die Grußworte wurden gehalten von Dr. Jürgen Ludwig (Landrat des Landkreises Ansbach), Judith Conrad (Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat) und Martin Alexy (Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus). In seiner Ansprache hob der Landrat Dr. Ludwig das Spannungsfeld zwischen fehlendem Wohnraum für junge Menschen und leerstehenden Hofstellen sowie die stärkere Berücksichtigung baugestalterischer Aspekte hervor. Frau Conrad, als Vertreterin des BMEL, verwies darauf, das Bundesprogramm Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung (BULEplus) als Raum für Möglichkeiten sowie Ideen zu verstehen und ermutigte dazu, sich mit Impulsen aus der Praxis an das Bundesministerium zu wenden. Das abschließende Grußwort von Herrn Alexy betonte vordergründig die Relevanz der Themen der gleichwertigen Lebensverhältnisse sowie der Förderung der Gemeinschaft und des Zusammenhalts in den Regionen und welchen Beitrag die Dorf- und Regionalentwicklung hierbei leisten können.
Im Anschluss machte Prof. Dr. Peter Dehne (Hochschule Neubrandenburg) den Auftakt der Vortragsserie, indem er das Thema „Leerstandsaktivierung“ in den Kontext der sich verändernden Förderlandschaften zur Entwicklung ländlicher Räume einordnete. Er betonte besonders den Wandel von Konzepten der Stadt- und Dorferneuerung (Top-down), hin zu bürgerschaftlichem Engagement und gemeinwohlorientierten Ansätzen (Bottom-up), welche in der Entwicklung der
bundesweiten Förderprogrammatik an Bedeutung gewinnen. Konkrete Einblicke in die Möglichkeiten der Städtebauförderung gab Dr. Karin Veith (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung). Auch wenn dieses Instrument häufiger im (groß)städtischen Kontext zum Einsatz kommt, so profitieren auch die ländlichen Räume, die allein in den drei Jahren zwischen 2020 und 2023 rund 1,3 Mrd. Euro aus den drei Teilprogrammen „Lebendige Zentren“, „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ sowie „Sozialer Zusammenhalt“ verbuchen konnten.
Am Nachmittag stellte Josef Roßkopf (Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken) die wesentlichen Instrumente der ländlichen Entwicklung für vitale Dörfer und Gemeinden vor. Dabei richtete er das Augenmerk vor allem auf die Ansätze der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) und der Dorferneuerung, die er mit anschaulichen Praxisbeispielen aus Mittelfranken unterlegte. Sehr praxisnah ging es weiter mit Andrea Denzinger (Regionalmanagerin Landratsamt Ansbach), die in ihrem Vortrag auf die „Aktionstage Innenorte“ im Landkreis Ansbach einging. Sie betonte die große Bedeutung der Innenentwicklung und zeigte auf, wie in diesem Kontext Wissenstransfer, Vernetzung und Unterstützungsangebote für die regionalen Kommunen auf kreative Weise umgesetzt werden. Anschließend lieferten Corinna Weingärtner (Studiengesellschaft für Projekte zur Erneuerung der Strukturen, SPES) und Thomas Gedemer (1. Bürgermeister Stadt Herbolzheim) einen spannenden Einblick in zukunftsorientierte Wohnmodelle für junge Erwachsene in Herbolzheim. Dabei setzt die in Baden-Württemberg gelegene Kleinstadt gezielt auf die Umnutzung von Leerständen, wobei neben bezahlbarem Wohnraum oftmals auch neue Begegnungsorte entstehen.
„Was können wir als Bürgermeister tun? Es geht um Haltung! Nicht sagen, was nicht geht, sondern was gemeinsam geht.“
Thomas Gedemer (Bürgermeister Herbolzheim)
Später am Nachmittag folgten vier weitere Praxisimpulse im kurzweiligen Pecha Kucha-Stil. Diese Vortragtechnik beinhaltet eine maximale Redezeit von 6:40 Minuten, wobei 20 Vortragsfolien jeweils 20 Sekunden eingeblendet werden. Dieser Herausforderung stellten sich Franziska Wurzinger (Flächensparmanagement Regierung von Mittelfranken), Detlef Genz (1. Bürgermeister Gemeinde Uehlfeld), Michaela Stömer und Andreas Stock („Osta51“, Krautostheim) sowie Helmut Krämer (1. Bürgermeister Gemeinde Giebelstadt).
„Die Herausforderung ist, wie wir miteinander umgehen. Entscheidungen treffen wir gemeinsam. Das ist nicht immer leicht, aber am Ende für Alle zufriedenstellender.“
Andreas Stock (Osta51)
Die vier Impulse zeigten die große Vielfalt der Möglichkeiten, die mit der Aktivierung von Leerstand einhergehen – von der Entwicklung multifunktionaler Konzepte zur Einsparung von Flächen über innovative und gemeinschaftliche Wohnformen bis hin zu neuen Orten der Begegnung und des gesellschaftlichen Miteinanders. Anschließend standen die Impulsgeber*innen an verschiedenen Stationen im Workshop-Format für vertiefende Gespräche zur Verfügung. Der Tag endete mit einem gemeinsamen Abendessen im Ansbacher Hotel „Hürner“.
Am zweiten Tag führten zwei spannende Exkursionen in die Landkreise Ansbach und Neustadt an der Aisch. Dort wurden jeweils drei Standorte besucht, die in besonderer Weise aufzeigen, wie leerstehende Objekte mit neuem Leben gefüllt werden. Die erste Exkursion ging von Ansbach in westlicher Richtung über Schweinsdorf, Neusitz und Dombühl nach Feuchtwangen. Ein Highlight war die neu gestaltete Ortsmitte am wiederbelebten Bahnhof in Dombühl, wo sich u. a. ein Dorfladen sowie das Café „GleisD“ und die gegenüberliegende ehemalige Bahnhofswirtschaft, in der nun geförderte Wohnungen angeboten wird, befinden. Die zweite Exkursion führte in nördlicher Richtung über Neuhof an der Zenn und Markt Erlbach nach Langenfeld. Hier konnten die Teilnehmer*innen beispielsweise das Mehrgenerationenhaus „Dorflinde“ in Langenfeld besichtigen und weitere Maßnahmen der Ortskernentwicklung bei einem Rundgang kennenlernen. Bei beiden Exkursionen erläuterten engagierte Praxisakteur*innen die Genese der einzelnen Projekte und gaben wertvolle Hinweise, wie eine erfolgreiche Umsetzung gelingen kann. Es wurde eindrucksvoll gezeigt, wie die vertrauensvolle Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamt, eine sorgfältige Planung unter Einbindung von Bürger*innen sowie mutiges Handeln und ein „langer Atem“ zu lebendigen Orten führen.
An beiden Tagen eröffneten sich den Teilnehmer*innen viele neue Perspektiven auf die Aktivierung von Leerstand. Sie konnten vorhandenes Wissen vertiefen und neue Kontakte knüpfen, die ihnen sicherlich weiterhelfen, um die so wichtige Aufgabe der nachhaltigen Innenentwicklung weiterhin mit Enthusiasmus, Weitsicht und Kreativität anzugehen. Wir danken allen Beteiligten für die sehr gelungenen „Praxistage Leerstand gestalten“. Wir sehen uns hoffentlich im nächsten Jahr wieder!
Bleiben Sie auf dem Laufenden über erfolgreiche Praxisbeispiele, Veranstaltungen, Förderprogramme rund um Leerstandaktivierung und Innenentwicklung.
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