Wenn man auf die Landkarte Brandenburgs schaut, wirken Potsdam-Mittelmark und Märkisch-Oderland wie zwei unterschiedliche, aber eng miteinander verwobene Kapitel derselben Geschichte: ländlich geprägt, landschaftlich reizvoll, zugleich im Spannungsfeld zwischen Wachstum, demografischen Veränderungen und strukturellen Herausforderungen. Beide Landkreise stehen sinnbildlich für das, was viele Regionen in Ostdeutschland bewegt – und bieten spannende Beispiele für den konstruktiven Umgang mit Wandel.
Potsdam-Mittelmark gilt als einer der attraktivsten Landkreise Brandenburgs. Die Mischung aus landschaftlichen Reizen, guter Erreichbarkeit und unmittelbarer Nähe zu Potsdam und Berlin hat in den vergangenen Jahren zu stabilem oder sogar wachsendem Bevölkerungsaufkommen geführt. Dabei verläuft die regionale Entwicklung durchaus ungleich: Während die Gemeinden im Speckgürtel Berlins rund um Teltow, Kleinmachnow oder Stahnsdorf einen deutlichen Zuzug erleben, ist der ländlichere Süden – etwa rund um Bad Belzig und Wiesenburg – eher von Stagnation geprägt. Diese Unterschiede spiegeln die Dynamik wider, die zwischen urbanen Einflüssen und klassischem Landleben entsteht. Wirtschaftlich steht der Landkreis auf einem soliden Fundament. Neben der Landwirtschaft und dem traditionellen Handwerk sind zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen aus dem Dienstleistungs-, IT- und Gesundheitssektor im Landkreis ansässig. Die Kaufkraft der Bevölkerung im Speckgürtel stützt zusätzlich den Einzelhandel und die lokale Infrastruktur. Gleichzeitig stehen die periphereren Regionen vor typischen Herausforderungen: Fachkräfte sind schwerer zu gewinnen, die Gründungsdynamik ist geringer und mancherorts sind die Wirtschaftsstrukturen noch sehr klassisch und kleinteilig. Dennoch gilt Potsdam-Mittelmark als stabiler und zukunftsfähiger Landkreis, der seine Stärken bewusst ausspielt.
In der ländlichen Entwicklung zeigt sich im südlichen Fläming eine bemerkenswerte Vielfalt an Projekten, die neue Wege gehen. Alte Scheunen werden zu Co-Working-Spaces umgebaut, Dorfläden entstehen in Genossenschaftsform, Kulturinitiativen beleben Ortskerne und der sanfte Tourismus wächst stetig. Viele Ideen entstehen aus dem Wunsch heraus, ländliche Räume nicht als Abwanderungsregionen, sondern als Lebensorte mit eigenen Qualitäten zu verstehen.
| Bevölkerungsstand Bevölkerungsdichte Bevölkerungsentwicklung Wanderungssaldo Wohnungsleerstandsquote BIP je Einwohner Thünen-Typologie |
222.600 Einwohner 85,9 Einwohner/km² + 3.050 Einwohner + 4.480 Einwohner 3,5 % 28.127 € / Einwohner eher ländlich / weniger gute sozio-ökonomische Lage |
| Bevölkerungsstand Bevölkerungsdichte Bevölkerungsentwicklung Wanderungssaldo Wohnungsleerstandsquote BIP je Einwohner Thünen-Typologie |
200.300 Einwohner 92,8 Einwohner/km² + 2.380 Einwohner + 4.050 Einwohner 5,0 % 23.673 € / Einwohner eher ländlich / weniger gute sozio-ökonomische Lage |
Sie ziehen Menschen an, die ein ruhigeres, zugleich aber kreatives Umfeld suchen. Leerstand ist in Potsdam-Mittelmark kein flächendeckendes Problem, aber in den ländlichen Gebieten durchaus sichtbar. Alte Hofstellen oder Wohnhäuser verlieren ihren ursprünglichen Zweck und bleiben ungenutzt. Gleichzeitig hat sich der Landkreis bewusst für einen aktiven Umgang mit dem Thema Leerstand entschieden. Beratungsangebote, Förderprogramme und Unterstützung für Initiativen, die alte Bausubstanz erhalten und neu beleben möchten, gehören inzwischen zu einem breiten Strategiepaket, das den ländlichen Raum stärken soll.
Im Osten Brandenburgs an der polnischen Grenze liegt Märkisch-Oderland – ein Landkreis, der demografisch stärker von Schrumpfungs- und Alterungstendenzen geprägt ist als Potsdam-Mittelmark. In vielen Gemeinden hat die Bevölkerung seit den 1990er Jahren abgenommen und die Altersstruktur hat sich deutlich verschoben. Ein genauerer Blick zeigt jedoch ein differenziertes Bild: Die Berlin-nahen westlichen Gemeinden wie Hoppegarten oder Petershagen/Eggersdorf erleben eine gegenläufige Entwicklung und gehören zu den Wachstumsgebieten im Landkreis. Sie profitieren von der Nähe zur Hauptstadt.
Demgegenüber durchleben die ländlicheren Gebiete im Bereich Seelow oder der Oderaue einen ruhigeren, manchmal auch zögerlicheren Wandel, stagnieren oder schrumpfen eher leicht. Die wirtschaftliche Struktur Märkisch-Oderlands ist spürbar landwirtschaftlich geprägt. Große Ackerflächen, moderne Agrarbetriebe und die Produktion von Lebensmitteln dominieren vielerorts das Landschafts- und Wirtschaftsbild. Daneben haben sich entlang der Verkehrsachsen Logistikunternehmen, Maschinenbauer und Dienstleister angesiedelt – insbesondere dort, wo der Berliner Einfluss stärker spürbar ist. Die Herausforderung besteht oft darin, junge Menschen zum Bleiben zu bewegen und gleichzeitig Anreize für neue Betriebe zu schaffen. Dennoch entstehen interessante Projekte, die zur regionalen Wertschöpfung beitragen, etwa im Bereich erneuerbarer Energien oder durch handwerklich-kreative Manufakturen.
Die ländliche Entwicklung wird in Märkisch-Oderland vor allem durch die Weite der Landschaft geprägt. Diese räumliche Großzügigkeit eröffnet besonderen Spielraum für neue Nutzungsideen: Agroforstkonzepte, solidarische Landwirtschaften, Kulturprojekte in alten Gutshäusern oder Initiativen zum naturnahen Tourismus sind Beispiele dafür, wie Menschen die Region neu denken. Viele, die aufs Land ziehen, entscheiden sich bewusst für ein ruhigeres Tempo und schätzen den Freiraum, den die Region bietet. Leerstand ist dabei prägnanter als in Potsdam-Mittelmark.
In manchen Dörfern erinnern verlassene Wohnhäuser, ehemalige Stallanlagen oder alte Bahnhofsgebäude an Zeiten, in denen deutlich mehr Menschen vor Ort gelebt und gearbeitet haben. Der Umgang damit ist pragmatisch: Wo es sinnvoll ist, werden Gebäude erhalten und neuen Nutzungen zugeführt – unterstützt von Landesprogrammen, lokalen Initiativen und mutigen Investor*innen. Wo der Erhalt wirtschaftlich oder strukturell keinen Sinn ergibt, wird Rückbau als Option ernst genommen. Gleichzeitig gibt es positive Beispiele dafür, wie alte Hofstellen zu Kulturzentren werden oder wie junge Familien historischen Gebäuden neues Leben einhauchen.
Sowohl Potsdam-Mittelmark als auch Märkisch-Oderland stehen vor grundlegenden Fragen, die viele ländliche Regionen Deutschlands beschäftigen. Dazu gehört die Sicherung der Infrastruktur trotz teils schrumpfender und alternder Bevölkerung. Die medizinische Versorgung, der öffentliche Nahverkehr, die Digitalisierung und die Grundversorgung werden zu Schlüsselfaktoren für die Zukunftsfähigkeit – ebenso wie der konstruktive Umgang mit Leerstand, der als Chance begriffen werden sollte. Die beiden Landkreise Potsdam-Mittelmark und Märkisch-Oderland haben dies erkannt und eigenständig neue Wege der Leerstandsaktivierung beschritten. Sie zeigen auf eindrucksvolle Weise, wie vielfältig ländliche Entwicklung in Brandenburg aussehen kann – wenn man bereit ist, viele mutige kleine Schritte zu gehen.
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