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Fachtagung mit Exkursionen

Praxistage Leerstand gestalten

Baukultur in ländlichen Räumen erhalten

Fachtagung mit Exkursionen

Mittwoch, 22. bis Donnerstag, 23. April 2026, Eiermannbau, Apolda, Thüringen

Die Baukultur in den Dörfern und Kleinstädten ländlicher Räume prägt das Gesicht unseres Landes und trägt zur lokalen Identität bei. Wie gelingt es, Leerstand zu aktivieren und dabei traditionelle Bauweisen und regionale Besonderheiten zu bewahren und gleichzeitig die heutigen Anforderungen an Wohnen, Arbeiten und Nachhaltigkeit zu erfüllen? Welche neuen Nutzungen können entwickelt werden für kreative und kulturelle Angebote der Daseinsvorsorge? Und welche Faktoren tragen zum Gelingen gemeinschaftlicher Prozesse zwischen Kommunen, Planung, Regionalentwicklung und Bürger*innen bei? Unsere Fachtagung möchte zu diesen Fragen Einblicke in unterschiedliche Aspekte geben, Umsetzungs- und Anwendungsbeispiele vorstellen und Denkanstöße liefern. Sie bietet Raum für Diskussion, Austausch und Vernetzung sowie die Möglichkeit, eigene Erfahrungen und Ideen einzubringen.

Die Fachtagung wird im Rahmen des BULEplus-Projekts „Lebendige Orte aktiv gestalten – Potenziale für Innenentwicklung und Leerstandsaktivierung in ländlichen Räumen“ von der Agrarsozialen Gesellschaft e.V. in Kooperation mit der Stiftung Baukultur Thüringen und dem LeerGut-Agent*innen e.V. veranstaltet.

Vortragstagung am 22. April

  • Führung durch den Eiermannbau mit Katja Fischer; Treffpunkt im Foyer
  • Ankommen, Anmeldung, Begrüßungskaffee mit Laugengebäck
  • Begrüßung
    Colette Boos-John, Thüringer Ministerin für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum
    Judith Conrad, Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Referat 812
  • Aufbruch ins Bestehende – über Baukultur in ländlichen Räumen
    Katja Fischer, Geschäftsführende Vorständin Stiftung Baukultur Thüringen
  • Baukultur trifft Raumentwicklung: Entwicklungen in ländlichen Räumen
    Prof. Dr. Rainer Danielzyk, Leibniz Universität Hannover, Studiendekan Fachgruppe Landschaft,
    Institut für Umweltplanung Arbeitsgruppe Raumordnung und Regionalentwicklung
  • Paneldiskussion mit Katja Fischer, Prof. Dr. Rainer Danielzyk sowie
    Dr. Leo Bockelmann, Thünen-Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen
    Denis Peisker, Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen mbH, Stadt- und Regionalentwicklung
    Dr.-Ing. Bertram Schiffers, Vorstand Leergut-Agent*innen e.V.
  • Mittagspause
  • Kirche: Leerstand oder Gemeinschaftsort? Ideen aus der Evangelischen Kirche in
    Mitteldeutschland
    Elke Bergt, Referatsleiterin F3 Bau, Evangelische Kirche in Mitteldeutschland, Landeskirchenamt
  • Rückfragen, Austausch, Diskussion zu den Vorträgen
  • Ländliche Entwicklung in Thüringen: Wie Förderprogramme Kultur, Gemeinschaft
    und neue Angebote verbinden
    Pascal Wagenschwanz, Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen
    Raum, Referat 4B2 Förderung der Ländlichen Entwicklung
  • Lebendige Dörfer: Wie ländliche Förderung Identität und Angebote in Hessen stärkt
    Silke Erdmann, Hessisches Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat, Referat IX 1 Dorf- und Regionalentwicklung, Geoschutz und Regionale Vermarktung
  • Rückfragen, Austausch, Diskussion zu den Vorträgen
  • Kaffee-Pause
  • Blick in die Umsetzungspraxis – Erfahrungen teilen, Beispiele austauschen
    (parallele Workshops, bei der Anmeldung ist eine Auswahl zu treffen)
  • Workshop 1: Kommunale Kooperationen umsetzen
    Kurz-Impuls: Die digitale Plattform Baukultur in der Wartburgregion
    Anne Chodura, LEADER-Regionalmanagement Wartburgregion
    Hermann Kuhl, Kuhl|Frenzel GmbH & Co. KG Agentur für Kommunikation
    www.wartburgregion-baukultur.de
  • Workshop 2: Förderung mit guten Geschichten gewinnen
    Kurz-Impuls: Das Thüringer Netzwerk zur Belebung von Leerstand
    Katrin Hitziggrad, LeergutAgent*innen e.V.
    www.leergut-agenten.de
  • Workshop 3: Prozesse für Begegnung und Kultur gestalten
    Kurz-Impuls: Die Aktivitäten im Schwarzatal
    Robin Kallenbach, Zukunftswerkstatt Schwarzatal e.V.
    Dr. Maria Frölich-Kulik, Haus Bräutigam e.V.
    www.zukunftswerkstatt-schwarzatal.de und www.hausbraeutigam.cargo.site
  • Workshop 4: Bauen im Bestand mit kreativen Ideen
    Kurz-Impuls: Das Kooperationsprojekt Domäne Dornburg
    Nicole Winter, Abteilungsleiterin Immobilien
    Kurz-Impuls: Dornburg, Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen mbH (LEG Thüringen)
    Luca Marco Reusch, Robert Anton, Büro exnovum GmbH
    www.leg-thueringen.de und www.baunetz-campus.de
  • Austausch zu den Workshop-Ergebnissen
  • Abschluss und Ausblick auf die Exkursionen
  • Ende der Veranstaltung
  • Abendessen
    Hotel am Schloß Apolda, Jenaer Straße 2, 99510 Apolda
Moderation

Katrin Hitziggrad, Geschäftsführerin Die Zukunftsoptimisten, Vorstandsmitglied LeergutAgent*innen e.V.

Exkursionen am 23. April

Exkursion 1: Von Apolda ins Ilmtal
  • Landgut Holzdorf
    Re-Aktivierung des Landguts in sozialer Trägerschaft zum Begegnungs- und Arbeitsort, Rundgang, Strohhaus und Besuch im Park
  • Schloss Tonndorf
    Schaffung eines Begegnungs- und Gemeinschaftsortes in einem Baukulturdenkmal, Schloss-Führung durch die verschiedenen Bereiche
  • Niedermühle Kappellendorf
    Wiederbelebung durch einen privaten Akteur mit neuen Wohnungen und
    einem Architekturbüro, Rundgang (angefragt)
Exkursion 2: Rund um Apolda
  • Getreidespeicher Oßmannstedt
    Umnutzung eines ehemaligen Wirtschaftshofes zum Begegnungsort, Erfahrungen aus dem Reallabor vor Ort
  • Kulturgut Ulbrichshalben
    Entwicklung des ehemaligen Ritterguts zu einem Kultur- und Veranstaltungsort, Rundgang durch die historische Anlage
  • Domäne und Versuchsgut Dornburg
    Belebung des historischen Areals bei den Dornburger Schlössern, Einblick in ein Kooperationsprojekt
Treffpunkt Exkursionen

8:30: Hotel am Schloß Apolda GmbH, Jenaer Straße 2, 99510 Apolda

Hinweis: Beide Busse fahren nach dem Ende der Exkursionen (ca. 16:00 Uhr) zunächst den Bahnhof Apolda an und danach wieder zum Hotel am Schloß Apolda.

IBA Thüringen / Stiftung Baukultur Thüringen
Fotos: Thomas Müller

Rückblick: Praxistage Leerstand gestalten

Über den Tellerrand geschaut: Förderansätze im Vergleich

2. und 3. April 2025

Die Möglichkeiten der Innenentwicklung und Leerstandsaktivierung in ländlichen Räumen sind vielfältig. Sie bergen besondere Potenziale für die nachhaltige Gestaltung und Entwicklung von Gemeinden, Dörfern und kleinen Städten. Das Erkennen dieser „Möglichkeitsräume“, die mit leerstehenden Immobilien oder Brachflächen einhergehen, ist eine wichtige Voraussetzung für die Realisierung von Projekten, die das Gemeinwohl und die Lebensqualität vor Ort bereichern. Es gibt bereits eine Vielzahl an Förderprogrammen auf Bundes- und Landesebene, derer sich Gestalter*innen der ländlichen Räume bedienen können. Welche Fördermöglichkeiten zur Verfügung stehen, wie sie konkret für die Aktivierung von Leerstand nutzbar sind und welche Erfolgsgeschichten daraus resultieren – diese Aspekte standen im Fokus der erstmalig durchgeführten „Praxistage Leerstand gestalten“ am 02. und 03. April 2025 in Ansbach.

Fast 100 Akteur*innen, die sich haupt-, ehrenamtlich oder als Privatperson für dieses Thema interessieren, kamen auf Einladung der Agrarsozialen Gesellschaft e.V. (ASG) in der Ansbacher Orangerie zusammen, um verschiedene Förderansätze zu beleuchten und gelungene Praxisbeispiele kennenzulernen. In der Spitze rund 130 Personen verfolgten die Veranstaltung parallel im Livestream. Moderiert wurde die Veranstaltung von Barbara Wunder, Expertin für Innenentwicklung und Flächensparen. Sie ist u. a. Mitglied des Präsidiums der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum.

Vertreter*innen von Bund, Land und Kreis eröffnen Veranstaltung zur ländlichen Entwicklung

Die Grußworte wurden gehalten von Dr. Jürgen Ludwig (Landrat des Landkreises Ansbach), Judith Conrad (Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat) und Martin Alexy (Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus). In seiner Ansprache hob der Landrat Dr. Ludwig das Spannungsfeld zwischen fehlendem Wohnraum für junge Menschen und leerstehenden Hofstellen sowie die stärkere Berücksichtigung baugestalterischer Aspekte hervor. Frau Conrad, als Vertreterin des BMEL, verwies darauf, das Bundesprogramm Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung (BULEplus) als Raum für Möglichkeiten sowie Ideen zu verstehen und ermutigte dazu, sich mit Impulsen aus der Praxis an das Bundesministerium zu wenden. Das abschließende Grußwort von Herrn Alexy betonte vordergründig die Relevanz der Themen der gleichwertigen Lebensverhältnisse sowie der Förderung der Gemeinschaft und des Zusammenhalts in den Regionen und welchen Beitrag die Dorf- und Regionalentwicklung hierbei leisten können.

Impulse zur Innenentwicklung und Leerstandsaktivierung im ländlichen Raum

Im Anschluss machte Prof. Dr. Peter Dehne (Hochschule Neubrandenburg) den Auftakt der Vortragsserie, indem er das Thema „Leerstandsaktivierung“ in den Kontext der sich verändernden Förderlandschaften zur Entwicklung ländlicher Räume einordnete. Er betonte besonders den Wandel von Konzepten der Stadt- und Dorferneuerung (Top-down), hin zu bürgerschaftlichem Engagement und gemeinwohlorientierten Ansätzen (Bottom-up), welche in der Entwicklung der
bundesweiten Förderprogrammatik an Bedeutung gewinnen. Konkrete Einblicke in die Möglichkeiten der Städtebauförderung gab Dr. Karin Veith (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung). Auch wenn dieses Instrument häufiger im (groß)städtischen Kontext zum Einsatz kommt, so profitieren auch die ländlichen Räume, die allein in den drei Jahren zwischen 2020 und 2023 rund 1,3 Mrd. Euro aus den drei Teilprogrammen „Lebendige Zentren“, „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ sowie „Sozialer Zusammenhalt“ verbuchen konnten.

Am Nachmittag stellte Josef Roßkopf (Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken) die wesentlichen Instrumente der ländlichen Entwicklung für vitale Dörfer und Gemeinden vor. Dabei richtete er das Augenmerk vor allem auf die Ansätze der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) und der Dorferneuerung, die er mit anschaulichen Praxisbeispielen aus Mittelfranken unterlegte. Sehr praxisnah ging es weiter mit Andrea Denzinger (Regionalmanagerin Landratsamt Ansbach), die in ihrem Vortrag auf die „Aktionstage Innenorte“ im Landkreis Ansbach einging. Sie betonte die große Bedeutung der Innenentwicklung und zeigte auf, wie in diesem Kontext Wissenstransfer, Vernetzung und Unterstützungsangebote für die regionalen Kommunen auf kreative Weise umgesetzt werden. Anschließend lieferten Corinna Weingärtner (Studiengesellschaft für Projekte zur Erneuerung der Strukturen, SPES) und Thomas Gedemer (1. Bürgermeister Stadt Herbolzheim) einen spannenden Einblick in zukunftsorientierte Wohnmodelle für junge Erwachsene in Herbolzheim. Dabei setzt die in Baden-Württemberg gelegene Kleinstadt gezielt auf die Umnutzung von Leerständen, wobei neben bezahlbarem Wohnraum oftmals auch neue Begegnungsorte entstehen.

Leerstandsaktivierung in der Praxis – Einblicke aus Gemeinden und Projekten

„Was können wir als Bürgermeister tun? Es geht um Haltung! Nicht sagen, was nicht geht, sondern was gemeinsam geht.“

Thomas Gedemer (Bürgermeister Herbolzheim)

Später am Nachmittag folgten vier weitere Praxisimpulse im kurzweiligen Pecha Kucha-Stil. Diese Vortragtechnik beinhaltet eine maximale Redezeit von 6:40 Minuten, wobei 20 Vortragsfolien jeweils 20 Sekunden eingeblendet werden. Dieser Herausforderung stellten sich Franziska Wurzinger (Flächensparmanagement Regierung von Mittelfranken), Detlef Genz (1. Bürgermeister Gemeinde Uehlfeld), Michaela Stömer und Andreas Stock („Osta51“, Krautostheim) sowie Helmut Krämer (1. Bürgermeister Gemeinde Giebelstadt).

„Die Herausforderung ist, wie wir miteinander umgehen. Entscheidungen treffen wir gemeinsam. Das ist nicht immer leicht, aber am Ende für Alle zufriedenstellender.“

Andreas Stock (Osta51)

Die vier Impulse zeigten die große Vielfalt der Möglichkeiten, die mit der Aktivierung von Leerstand einhergehen – von der Entwicklung multifunktionaler Konzepte zur Einsparung von Flächen über innovative und gemeinschaftliche Wohnformen bis hin zu neuen Orten der Begegnung und des gesellschaftlichen Miteinanders. Anschließend standen die Impulsgeber*innen an verschiedenen Stationen im Workshop-Format für vertiefende Gespräche zur Verfügung. Der Tag endete mit einem gemeinsamen Abendessen im Ansbacher Hotel „Hürner“.

Exkursionen zu Beispielen aus der Region – Belebte Orte durch Leerstandsnutzung

Am zweiten Tag führten zwei spannende Exkursionen in die Landkreise Ansbach und Neustadt an der Aisch. Dort wurden jeweils drei Standorte besucht, die in besonderer Weise aufzeigen, wie leerstehende Objekte mit neuem Leben gefüllt werden. Die erste Exkursion ging von Ansbach in westlicher Richtung über Schweinsdorf, Neusitz und Dombühl nach Feuchtwangen. Ein Highlight war die neu gestaltete Ortsmitte am wiederbelebten Bahnhof in Dombühl, wo sich u. a. ein Dorfladen sowie das Café „GleisD“ und die gegenüberliegende ehemalige Bahnhofswirtschaft, in der nun geförderte Wohnungen angeboten wird, befinden. Die zweite Exkursion führte in nördlicher Richtung über Neuhof an der Zenn und Markt Erlbach nach Langenfeld. Hier konnten die Teilnehmer*innen beispielsweise das Mehrgenerationenhaus „Dorflinde“ in Langenfeld besichtigen und weitere Maßnahmen der Ortskernentwicklung bei einem Rundgang kennenlernen. Bei beiden Exkursionen erläuterten engagierte Praxisakteur*innen die Genese der einzelnen Projekte und gaben wertvolle Hinweise, wie eine erfolgreiche Umsetzung gelingen kann. Es wurde eindrucksvoll gezeigt, wie die vertrauensvolle Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamt, eine sorgfältige Planung unter Einbindung von Bürger*innen sowie mutiges Handeln und ein „langer Atem“ zu lebendigen Orten führen.

Praxistage „Leerstand gestalten“ – Ein gelungener Austausch mit Perspektive

An beiden Tagen eröffneten sich den Teilnehmer*innen viele neue Perspektiven auf die Aktivierung von Leerstand. Sie konnten vorhandenes Wissen vertiefen und neue Kontakte knüpfen, die ihnen sicherlich weiterhelfen, um die so wichtige Aufgabe der nachhaltigen Innenentwicklung weiterhin mit Enthusiasmus, Weitsicht und Kreativität anzugehen. Wir danken allen Beteiligten für die sehr gelungenen „Praxistage Leerstand gestalten“. Wir sehen uns hoffentlich im nächsten Jahr wieder!

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