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Blogbeitrag

Ein Kind der Wende und die Idee vom Neuanfang

Wie ein Bürgermeister mit Mut zur Bodenpolitik Zukunft gestaltet

Marco Beckendorf, der Bürgermeister der Gemeinde Wiesenburg/Mark, hat sich entschieden, Schrumpfung nicht als Naturgesetz zu akzeptieren, sondern als einen Auftrag zum Handeln. Die Gemeinde im Westen Brandenburgs – ein Zusammenschluss von 14 Orten mit rund 4.200 Einwohner*innen auf einer Fläche von 220 Quadratkilometern – verfolgt seit einigen Jahren konsequent eine aktive Boden- und Kreditpolitik. Der Ansatz ist so einfach wie mutig: Nicht das Sparen allein bringt eine peripher gelegene, ländliche Gemeinde voran, sondern das bewusste Nutzen von Entwicklungschancen – finanziell hinterlegt, professionell organisiert und mit klaren Zielen.

„Sparen allein stoppt keine Schrumpfung.“
(Marco Beckendorf)

Die amtsfreie Gemeinde im Landkreis Potsdam-Mittelmark war lange Zeit mit den klassischen Herausforderungen strukturschwacher Räume konfrontiert: Hohe Auspendlerquoten, sinkende Bevölkerungszahlen, Arbeitsplatzverluste und eine niedrige kommunale Steuerkraft. Über 30 Prozent der Bevölkerung gingen in den Jahren nach der Wiedervereinigung verloren. In den letzten Jahren lag der jährliche Verlust bei rund einem Prozent. Arbeitsplätze gingen ebenfalls verloren. Innerhalb von acht Jahren reduzierte sich die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs um rund 15 Prozent. Die kommunale Steuerkraft lag mit etwa 500 Euro pro Kopf deutlich unter dem Landesdurchschnitt von rund 1.000 Euro.

„Damals lag Aufbruch in der Luft.
Man hatte das Gefühl, alles sei möglich.
Ich wollte die Energie, die ich als Kind erlebt habe,
nach Brandenburg zurückbringen.

(Marco Beckendorf)

Ein starkes Team für nachhaltige Entwicklung: Regionalmanager*innen Matthias Braun und Laura Ryll, Anne Konstanze Eilzer von der Wirtschaftsförderung und Gemeindebürgermeister Marco Beckendorf

Bürgermeister Marco Beckendorf, der aus Brandenburg stammt und als Kind die Umbruchzeit nach 1990 miterlebte, entschloss sich, die Entwicklung nicht hinzunehmen. Die positive Aufbruchsstimmung, die er damals erlebt hatte, wollte er nun selbst gestalten – zurück in eine Region, in dem Bundesland, aus dem er selbst kommt. In seinem Wahlkampf warb er mit der Überzeugung, dass auch strukturschwache Regionen Zukunft haben, wenn sie diese aktiv gestalten.

Wer Fläche hat, hat Zukunft – eine kommunale Investitionsstrategie stärkt Ortskerne und lokale Wirtschaft

Nach vier Jahren Konsolidierung gelang es der Gemeinde, ihre „dauernde Leistungsfähigkeit“ nachzuweisen – die Voraussetzung, um Investitionskredite aufnehmen zu dürfen. In der Niedrigzinsphase entschied sich die Gemeinde bewusst, 7 Millionen Euro an Krediten aufzunehmen. Dieses Kapital diente nicht dem kurzfristigen Ausgleich, sondern einer langfristigen Strategie: dem Erwerb von Schlüsselimmobilien und Entwicklungsflächen für Wohnen und Gewerbe. Damit schuf sich Wiesenburg/Mark einen Flächenvorrat für die kommenden zehn bis fünfzehn Jahre.

„Es braucht große Projekte, um die Schrumpfung aufzuhalten;
die halte ich nicht auf, indem ich nur eine Kita saniere,
sondern indem ich Entwicklungspotenziale nutze.“
(Marco Beckendorf)

Dieses Vorgehen bedeutete ein kalkulierbares Risiko – und es eröffnete Spielräume. Während die jährlichen investiven Schlüsselzuweisungen vom Land Brandenburg bei etwa 150.000 bis 200.000 Euro liegen, entspricht die Kreditaufnahme einem Vielfachen davon. In gewisser Weise hat die Gemeinde ihre Investitionskraft kurzfristig verstärkt, um sich langfristig zu entwickeln.

„Innenentwicklung ist teurer – aber sie zahlt auf die Ortsqualität ein.“
(Marco Beckendorf)

Der Kern der Strategie lautet Innenentwicklung vor Außenentwicklung. Wiesenburg/Mark setzt auf das Revitalisieren brachliegender Gewerbeflächen innerhalb des Orts, auf Altlastenbeseitigung, Umnutzung und Nachverdichtung. Flächen wie das ehemalige Kreismaschinenwerk oder das Ko-Dorf-Areal werden zu neuen Wohnbaugebieten entwickelt, statt auf der grünen Wiese neue Siedlungsflächen auszuweisen. Außenentwicklung findet lediglich dort statt, wo sie den Ortsrand sinnvoll abrundet – etwa bei großen Baulücken, die formal als Außenbereich gelten.

Dieser Weg ist teurer, langsamer und komplizierter, erfordert Gutachten, Beräumung, Fördermittelanträge und Verwaltungskapazitäten. Doch er stärkt die Ortsmitte, nutzt bestehende Infrastrukturen besser aus und verhindert zusätzliche Flächenversiegelung.

„Die Bürger können heute ihre Sanierung
über eine Hypothek hinterlegen – das war früher schlicht nicht drin.“
(Marco Beckendorf)

Ein entscheidender Baustein ist die aktive kommunale Bodenpolitik. Die Gemeinde hat Grundstücke aufgekauft, entwickelt und gezielt verkauft. Dabei wurde bewusst auf Konzeptvergaben gesetzt – nicht der Höchstpreis entscheidet, sondern die Qualität des Vorhabens. Parallel dazu setzte die Gemeinde Instrumente wie das Vorkaufsrecht und – wenn nötig – Zwangsversteigerungen ein, um Schlüsselgrundstücke zu erwerben.

Die Bodenwerte im Ortskern stiegen dadurch schrittweise von rund 20 Euro pro Quadratmeter auf 80 Euro pro Quadratmeter. Dieser Anstieg ist kein Selbstzweck, sondern eine wichtige finanzielle Hebelwirkung: Bürgerinnen und Bürger erhalten nun realistische Beleihungswerte bei Banken und können Kredite aufnehmen, um Häuser zu sanieren oder zu modernisieren.

Vor Ort wird nicht zwangsläufig auf die Ansiedlung großer Betriebe gesetzt, sondern auf kleinteilige, lokal verankerte Wirtschaft. Die Gemeinde kauft beispielsweise Hallen und Gewerbeflächen, um diese günstig an Gründer*innen vermieten zu können. Ein konkretes Beispiel: Ein Strohhausbauer begann als Einzelunternehmer und beschäftigt mittlerweile einen Gesellen und zwei Auszubildende. Ähnliche Entwicklungen gibt es bei lokalen Handwerksbetrieben und erneuerbaren Energien. Die vorhandenen Biogasanlagen schaffen Beschäftigung und tragen zur regionalen Wertschöpfung bei. Damit verfolgt die Gemeinde den langfristigen Ansatz, lokale Betriebe aufzubauen, die nicht nach wenigen Jahren wieder verschwinden, sondern ein wichtiger Teil der lokalen Entwicklung werden.

Ein Ort, viele Chancen: Wiesenburg gestaltet seine Zukunft durch gezielte Umnutzungen

Marco Beckendorf kann bereits auf einige Projektumsetzungen und -entwicklungen zurückblicken. Aber auch zukünftig liegt noch viel Arbeit in der Gemeinde an. Im Interview betonte der Bürgermeister die konsequente und zügige Umsetzung von Maßnahmen, um etwas Greifbares und Vorzeigbares zu haben. Dies sei wichtig, um der Bevölkerung zu zeigen, dass etwas passiert, dass die Kommune konkret handelt und nicht nur Versprechungen macht. Das wiederum schafft möglichst großes Vertrauen und sorgt dafür, dass weitere Projekte entstehen können.

Erwähnenswert sind insbesondere die Rote Villa, die Kunsthalle und das Gelände der ehemaligen Brennerei. Die Kunsthalle und die alte Brennerei liegen in unmittelbarer Nähe zum Schloss und zum Rathaus, in dem die Gemeindeverwaltung sitzt. Bei der Brennerei handelt es sich um einen Gebäudekomplex aus dem Jahr 1853 mit einem Anbau aus der Nachwendezeit. Dort sind ein Supermarkt, eine Bankfiliale und Ärzte Mieter. Die Gemeinde nutzte ihr kommunales Vorkaufsrecht, um das Gebäude und das Areal mit Hilfe einer Kreditfinanzierung zu erwerben. Damit möchte sie die zentrumsnahe Versorgung dauerhaft sicherstellen und den Druck aus der gewerblichen Mietpreisentwicklung nehmen.

Blick auf das Gelände der ehemaligen Brennerei vom Schloss Wiesenburg

Zu der Brennerei gehörte auch ein Pferdestall für die Kutschpferde. Dieser wurde zunächst zu einer Sporthalle umgebaut und später als örtliche Kunsthalle umgenutzt. Die Halle dient einerseits als Ausstellungs- und Veranstaltungsort, ist aber gleichzeitig das Familien- und Dorfgemeinschaftszentrum des Ortes.

Die Kunsthalle in Wiesenburg mit dem Schornstein der ehemaligen Brennerei im Hintergrund

Das Objekt wurde gezielt als Ankerort durch die Kommune entwickelt. Die Kunsthalle stellt im Grunde den Anfang einer Reihe von Innenentwicklungsprozessen dar, die in Wiesenburg stattfanden und noch immer stattfinden.

Zwei weitere abgeschlossene Projekte befinden sich in unmittelbarer Nähe an der Hauptstraße des Dorfes. Hierbei handelt es sich um die Rote Villa und die Zukunftsschusterei. Die Rote Villa ist eine Jugendstil-Villa aus dem späten 19. Jahrhundert, welche die Kommune erwarb und dadurch vor dem Abriss bewahrte.

Die Kunsthalle in Wiesenburg mit dem Schornstein der ehemaligen Brennerei im Hintergrund

Mit Hilfe von Mitteln aus der LEADER-Förderung sowie der Denkmalpflege des Landkreises konnte das Gebäude saniert werden. Durch den Umbau und die denkmalgerechte Instandsetzung erfolgte eine Umnutzung des ehemaligen Wohngebäudes. Heute befindet sich im Erdgeschoss eine therapeutische Praxis und im Obergeschoss fanden die Büroräume der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Fläming-Havel ihr neues Zuhause.

Die Zukunftsschusterei ist ein ehemaliges Gewerbe- und Geschäftshaus. In den Räumlichkeiten, in denen früher ein Schuster mit dazugehörigem Schuhgeschäft ansässig war, befindet sich heute ein Coworking Space.

Die Rote Villa ist ebenfalls ein ortsbildprägendes Gebäude und beherbergt heute die LAG sowie eine Praxis für Ergotherapie
Etwas unscheinbar, aber mit moderner technischer Ausstattung für flexibles Arbeiten: Die Zukunftsschusterei
Das historische Bahnhofsgebäude wird von einer Genossenschaft betrieben und verwaltet

Das Objekt entwickelte die Gemeinde Wiesenburg/Mark gemeinsam mit der Stadt Bad Belzig durch die interkommunale Zusammenarbeit im Smart-City-Modellprojekt. Geschaffen wurde ein moderner Workspace, der unter anderem von Mitarbeiter*innen der kommunalen Verwaltung genutzt wird.

Wie sich rund um den Bahnhof eine Vision zu einem neuen Quartier entwickelt

Ein größeres Projekt stellt die Entwicklung des Bahnhofquartiers etwas außerhalb vom Zentrum des Ortes dar. Das Bahnhofsgebäude selbst – der Zugverkehr ist im Übrigen noch immer aktiv und Wiesenburg hat eine direkte Anbindung an Berlin und Dessau – ist bereits durch die Kommune und die Genossenschaft Bahnhof am Park eG entwickelt worden. In dem Gebäude aus dem Jahr 1878/79 befinden sich heute ein kleiner Coworking Space, ein Bistro, zwei Ferienwohnungen sowie Raum für Veranstaltungen.

Finanziert wurde die Umnutzung durch Spenden, aus Mitteln der Genossenschaft und durch ESF-Mittel des Landes Brandenburg. Außerdem legt die Entwicklung des Bahnhofsgebäudes den Grundstein für eine umfangreichere Quartiersentwicklung. An den Bahnhof grenzt das Gelände des ehemaligen Sägewerks an. Hierbei handelt es sich um ein circa 50.000 Quadratmeter großes Areal auf dem sich neben dem alten Sägewerk die Baufläche für das KoDorf befindet. Mit dem KoDorf – eine Tiny House Siedlung – entsteht an dieser Stelle ein komplett neues Wohnquartier, für welches das alte Sägewerk zum Gemeinschaftszentrum umgenutzt werden soll.

Die Kommune erwarb das Areal durch eine Förderung, die aus Mitteln ehmaliger Parteien- und Massenorganisationen der DDR (PMO-Mittel) stammen. Für die Umwandlung der Brachfläche zum geplanten KoDorf holte sich die Gemeinde mit der vielleben eG aus München einen gemeinwohlorientierten Entwicklungspartner hinzu. Die vielleben eG hat Erfahrung mit dem Aufbau von KoDörfern und Tiny House Siedlungen als alternatives, integratives und flächensparendes Konzept der Wohnquartiersentwicklung.

Ein weiteres Großprojekt stellt der Drahtzieherpark mit der eigentlichen Drahtzieherei und dem ehemaligen Sozialtrakt des Unternehmens dar. Das Werksgelände befindet sich derzeit im Umbruch, wobei die Fertigungshalle vorerst unangetastet bleibt, da eine Wiederaufnahme des Betriebs bislang noch nicht ausgeschlossen wird. Erwerb und Entwicklung des Geländes werden durch kommunale Eigenmittel, Kreditfinanzierungen und Mittel aus den Förderungen der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW-Mittel), des Kreisentwicklungsbudgets und der aktiven Regionalentwicklung (BBSR) finanziert.

Die Nachnutzung des Industriegeländes rund um die Drahtzieherei ist als Leuchtturmprojekt im Bereich „Neues Arbeiten“ geplant. Die Entwicklung zum Industriegebiet 2.0 zielt auf die Ansiedlung regionaler Kleinbetriebe und Start-ups, was die Wirtschaft vor Ort nachhaltig stärken und diversifizieren soll. Derzeit wird das Gelände zwischengenutzt. In einem Bürogebäude befindet sich die Polizeiwache, während die Werkshallen zum Teil als Lagerraum oder Werkstätten genutzt werden. Zum Industriegelände gehört ebenfalls das Gebäude, in dem sich der Sozialtrakt der Drahtzieherei befindet. Hierfür ist eine Umnutzung zu einer betreuten Wohneinrichtung geplant. Die Gemeinde befindet sich bereits im engen Austausch mit einem interessierten Investor. Ein ausstehendes Gutachten zur Qualität der Bausubstanz und der Machbarkeit in Bezug auf den Umbau sollten zeitnah über den weiteren Verlauf des Projekts entscheiden.

Die Gemeinde Wiesenburg und Bürgermeister Marco Beckendorf haben noch eine Vielzahl weiterer Projekte in Planung. Bei den Ankäufen von leerstehenden Gebäuden und Grundstücken steht jedoch immer im Vordergrund, als Kommune mitentscheiden zu können und im Blick zu behalten, was sich in den einzelnen Ortschaften tut. Das Gemeinwohl, spezifische Bedarfe in der Gemeinde und eine zukunftsfähige Gesamtentwicklung stehen dabei im Fokus und sollen stets berücksichtigt werden.

Im geplanten Bahnhofsquartier tut sich was: Das KoDorf entwickelt sich bereits und das alte Sägewerk wartet auf seine Neunutzung
Flächenentwicklung, Altlastenbereinigung und Investorensuche: Rund um den Drahtzieherpark vollziehen sich derzeit sichtbar und im Fall des Sozialtrakts weniger sichtbare Entwicklungsprozesse

Gemeinwohlorientierung, regionale Kooperationen und funktionierende Daseinsvorsorge als Standortfaktoren

Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die enge Zusammenarbeit mit Vereinen, Genossenschaften und gemeinwohlorientierten Trägern. So wurde das Ensemble „Alte Hölle“ von einem Verein erworben, der die Räumlichkeiten heute für Seminare und Veranstaltungen nutzt. Weitere Beispiele sind die Bahnhofsgenossenschaft oder die Entwicklung des Ko-Dorfs, welches gemeinschaftliches Wohnen, Arbeiten und Leben vereint.

„Wir leben hier die Utopie eines jeden Stadt- und Regionalplaners.“
(Marco Beckendorf)

Diese Projekte finanzieren sich über Genossenschaftsanteile, private Darlehen und Fördermittel. Gewinne fließen nicht ab, sondern werden vor Ort reinvestiert. So entsteht ein stabiler, gemeinwohlorientierter Entwicklungskreislauf.

Marco Beckendorf begreift Wiesenburg nicht als Insel, sondern sieht die Gemeinde als Teil eines regionalen Verbunds, der sich gemeinsam entwickelt und trägt. Gänzlich neue Industrieflächen werden nicht im Gemeindegebiet entstehen – dafür gibt es in den Nachbarkommunen bessere Voraussetzungen. Mehrgeschossiger Wohnungsbau konzentriert sich hingegen auf das nahegelegene Mittelzentrum Bad Belzig, welches über eine gute Infrastruktur verfügt. Die Gemeinde Wiesenburg/Mark profitiert von dieser Nähe und trägt gleichzeitig dazu bei, die Region als Ganzes zu stärken.

„Man kann alleine als Gemeinde nicht viel bewegen –
die Region muss ihre Potenziale gemeinsam heben.“
(
Marco Beckendorf)

Auch bei Fördermitteln, Hochschulkooperationen und Planungsprozessen arbeitet die Gemeinde mit Partnern zusammen. Hochschulen – wie beispielsweise die Hochschule Neubrandenburg – begleiten Projekte wissenschaftlich, Genossenschaften und private Initiativen bringen Kapital und Ideen ein.

Die Gemeinde Wiesenburg/Mark verfügt generell über ein stabiles Grundversorgungsnetz. Es gibt insgesamt zwölf freiwillige Ortsfeuerwehren, mehrere Kitas auch in kleineren Ortsteilen, zwei Hausärzte, zwei Zahnarztpraxen, eine gute Nahversorgung und eine stündliche Busanbindung an das Mittelzentrum Bad Belzig. Diese gute Ausstattung mit Einrichtungen der Daseinsvorsorge ist für viele Menschen ein entscheidender Faktor bei der Wohnortwahl – und wird von der Gemeinde gezielt gepflegt.

Demografische Trends fordern neue Lösungen – Innenentwicklung als möglicher Schlüssel für ländliche Resilienz

Der demografische Wandel bleibt eine Herausforderung. Zwar hat Wiesenburg/Mark sein Minus bei der Einwohnerentwicklung bereits von rund einem Prozent pro Jahr auf unter 0,5 Prozent gedrückt –  und für 2025 zeichnet sich ein erster Zuwachs seit Jahrzehnten ab. Doch strukturelle Trends bleiben bestehen. Die Auspendlerquote ist weiterhin hoch, die Einkommen liegen rund 20 Prozent unter dem Landesdurchschnitt von Brandenburg. Dennoch verfolgt die Gemeinde eine klare Strategie: Die Rückkehr gut ausgebildeter Menschen mittleren Alters vorzubereiten und zu ermöglichen.

„Demografie ist kein Schicksal.
Sie ist eine Einladung, klug zu planen.“
(Marco Beckendorf)

Dazu gehören barrierefreie Mietwohnungen, die älteren Menschen einen Umzug innerhalb des Ortes ermöglichen. Dadurch kommt teils zu freiwerdenden Höfen, die für junge Familien oder Rückkehrer zur Verfügung stehen. Auch Bürgschaften des Landes für Bau- und Sanierungsvorhaben könnten helfen, die Eigenkapitalhürden in ländlichen Räumen zu senken.

Der eingeschlagene Weg ist kein einfacher. Die Förderlogiken des Bundes und der Länder sind oft zu langsam und zu kleinteilig, um die Entwicklungsdynamik vor Ort zu stützen. Innenentwicklung ist teuer und zeitaufwändig, Fachpersonal in kleinen Verwaltungen ist knapp und Banken stufen periphere Räume nach wie vor als risikobehaftet ein. Viele dieser Hürden sind strukturell – und können nur durch eine Reform der Rahmenbedingungen überwunden werden.

Mehr Freiheiten für Kommunen – wer gestalten will, braucht Spielräume

Bürgermeister Beckendorf spricht sich klar für Reformen aus, welche die Handlungsfähigkeit vor Ort stärken. Seine Arbeit in Wiesenburg zeigt auf, welche politischen Weichenstellungen Kommunen tatsächlich handlungsfähig machen. An erster Stelle steht eine Progressive Kommunale Schuldenbremse (PKS), die Investitionen in strukturschwachen Räumen nicht bremst, sondern gezielt ermöglicht. Wer nachweislich in werterhaltende oder wertschöpfende Projekte investiert, braucht planbare Kreditspielräume statt pauschaler Verbote. Zweitens braucht es Landesbürgschaften für private Erst-Hypotheken in ländlichen Räumen, um die typischen Eigenkapitalabschläge der Banken auszugleichen und Sanierungen wie auch Neubauten überhaupt zu ermöglichen.

„Wenn du die richtigen Menschen hast, kommt das Geld.“
(Marco Beckendorf)

Drittens sollten Genossenschaften systematisch gestärkt werden – weniger über Zuschüsse, mehr über Bürgschaften, die privates Engagement hebeln und Erträge vor Ort halten. Viertens ist eine Personaloffensive in den Verwaltungen nötig: unbefristete Stellen für Projekt- und Fördermanagement sowie praxisnahe Studiengänge für kommunale Führung, damit Kapazität und Kompetenz zusammenkommen. Und fünftens brauchen Kommunen verlässliche, mehrjährige Förderkulissen mit einfachen Verfahren und klaren Fristen. Schlanke Prozesse, planbare Mittel und kluge Risikovorsorge sind die beste Sozialrendite – sie senken Transaktionskosten, beschleunigen Innenentwicklung und machen lokale Investitionen wieder rentabel.

Zukunft gestalten statt dem Wandel hinterherzulaufen – resiliente Gemeindeentwicklung durch strategische Investitionen und gezielte Bodenpoltik

Das Beispiel Wiesenburg/Mark zeigt eindrucksvoll, dass ländliche Schrumpfungsräume nicht zwangsläufig demografischem und wirtschaftlichem Niedergang ausgeliefert sind. Bürgermeister Marco Beckendorf beweist mit einer mutigen, strategischen Boden- und Investitionspolitik, dass Kommunen ihre Zukunft selbst aktiv gestalten können. Statt auf kurzfristige Sparlogiken zu setzen, investiert die Gemeinde gezielt in zentrale Lagen, Innenentwicklung und regionale Kooperationen. Dadurch entstehen neue Wohn- und Arbeitsräume, kulturelle und wirtschaftliche Impulse sowie eine bedarfsgerechte Daseinsvorsorge.

„Schulden sind die Vermögen der anderen – entscheidend ist,
dass sie in reale Zukunft vor Ort übersetzt werden.“
(Marco Beckendorf)

Der Schlüssel liegt dabei nicht allein in der Finanzierung, sondern in einem klaren politischen Willen, langfristiger Planung und der Einbindung der Menschen vor Ort. Wiesenburg/Mark nutzt seine Flächen als strategisches Instrument, um Gestaltungshoheit zurückzugewinnen – und schafft so ein stabiles Fundament für eine resiliente kommunale Zukunft. Der Blick nach vorn zeigt: Die Herausforderungen – von demografischem Wandel über restriktive Förderlogiken bis hin zum Fachkräftemangel – bleiben bestehen. Doch das Beispiel Wiesenburg macht Mut. Wenn Kommunen mehr Handlungsspielräume, flexible Förderinstrumente und starke regionale Netzwerke erhalten, können sie nicht nur bestehen, sondern Zukunft gestalten.

Wiesenburg strebt kein unbegrenztes Wachstum an, sondern ein stabiles, zukunftsfähiges Gleichgewicht – getragen von lokaler Wirtschaft, vitalen Ortskernen und engagierten Menschen. Damit wird die Gemeinde zu einem Vorbild für viele ländliche Regionen in Deutschland: Schrumpfung ist kein Schicksal, sondern eine Einladung zum klugen Handeln.

Brandenburg

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