Der Landkreis Nordhausen ist der nördlichste Landkreis Thüringens und wurde 1952 als Kreis Nordhausen in der damaligen DDR gegründet. Damit ist Nordhausen der einzige Landkreis der neuen Länder, welcher seit der Wiedervereinigung unverändert besteht.
Auch der Anteil am Harz macht die Region in Thüringen einzigartig. Die Südharzer Karstlandschaft im Norden des Landkreises ist für den Naturschutz und die nachhaltige Regionalentwicklung von großer Bedeutung. Mit der Nähe zum Brocken spielt hier auch der Tourismus eine wichtige wirtschaftliche Rolle.
Die ca. 40.000 Einwohner zählende Stadt Nordhausen bildet das Tor zum Thüringer Harz und ist gleichzeitig das wirtschaftliche, kulturelle und infrastrukturelle Zentrum der Region. Insgesamt ist der Landkreis von einer Mischung aus traditionellen Branchen und mittelständischen Unternehmen geprägt. Wichtige Kernbereiche sind dabei der Bergbau, die Maschinen- und Werkzeugbauindustrie. Auch die Landwirtschaft, welche 54 % des Landkreises prägt, spielt eine wichtige Rolle. Zu den Stärken zählen insbesondere die Lage in der logistischen Mitte Deutschlands und die gute Erreichbarkeit in alle Himmelsrichtungen. Insgesamt konnte der Landkreis in den letzten Jahren eine positive wirtschaftliche Entwicklung verzeichnen. Im Vergleich mit den übrigen Thüringer Landkreisen ist die Wirtschaftsleistung jedoch nach wie vor unterdurchschnittlich.
Der Rückgang des Kalibergbaus und der damit einhergehende Verlust zahlreicher Arbeitsplätze in den 1990er Jahren haben den Strukturwandel der Region maßgeblich beeinflusst. Auch der demografische Wandel prägt die Region. So verzeichnete der Landkreis in den letzten 20 Jahren einen Bevölkerungsverlust von über 20 %. Bevölkerungsprognosen zeichnen eine weiterhin rückläufige Bevölkerungsentwicklung. Hinzu kommen eine Überalterung der Gesellschaft und eine sinkende Zahl der Haushalte. Diese wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen stellen die Region vor große Herausforderungen.
| Bevölkerungsstand Bevölkerungsdichte Bevölkerungsentwicklung Wanderungssaldo Wohnungsleerstandsquote BIP je Einwohner Thünen-Typologie |
81.415 Einwohner 113 Einwohner/km² - 5,3% seit 2011 + 1.700 Einwohner 7,8 % 32.028 € / Einwohner sehr ländlich / weniger gute sozio-ökonomische Lage |
In diesem Zusammenhang ist auch der Leerstand, sowohl auf dem Wohnungsmarkt als auch im Einzelhandel ein präsentes Thema. Im Jahr 2022 standen rund 3.500 Wohnungen leer, was einem Anteil von 7,8 % entspricht. Höhere Leerstandsquoten finden sich vor allem in den kleineren Dörfern der Region. Im Einzelhandel liegt die Leerstandsquote bei 22 % was einem Zuwachs von 8 %-Punkten im Vergleich zu den Jahren 2017/18 entspricht. Verschärft wird diese Problematik weiterhin dadurch, dass die lokale Nachfrage oft nicht mit dem Angebot übereinstimmt. Veränderte Wohnraumanforderungen, wie altersgerechtes Wohnen, erfordern den Umbau und die Anpassung der Bestandsgebäude.
Die gesellschaftlichen Veränderungen sorgen zugleich dafür, dass Kirchen zunehmend aus der Nutzung fallen und leer stehen. Nirgendwo sonst gibt es auf so engem Raum so viele Kirchen wie in Mitteldeutschland. Insbesondere Thüringen hat mit seinen rund 2.000 evangelischen Kirchen eine hohe Dichte an historischen, denkmalgeschützten Kirchengebäuden.
Aufgrund der demografischen Entwicklung, der massiv schrumpfenden Zahl der Kirchenmitglieder, der sinkenden finanziellen Mittel und des abnehmenden Engagements, wächst die Gefahr von steigenden Kirchenleerständen und damit der Verlust von Gebäuden mit hoher kulturhistorischer und sozialer Bedeutung. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) schätzt, dass bereits rund ein Viertel der Kirchen selten oder gar nicht genutzt werden, mit steigender Tendenz. Vor diesem Hintergrund steht das Land Thüringen vor der dringenden Frage, wie die historischen Kirchengebäude abseits religiöser Veranstaltungen genutzt werden können, damit sie weiterhin identitätsstiftende Orte der Begegnung bleiben.
Schon jetzt arbeiten Vereine und Gemeinden vielerorts daran, zukünftige gemeinwohlorientierte Nutzungen der Kirchen zu ermöglichen. Ein Projekt, das die Dringlichkeit zu handeln unterstreicht, ist das IBA-Kirchenprojekt „Aufgeschlossen: Ein neuer Kirchentypus“. Die EKM hat sich gemeinsam mit der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen der Aufgabe gestellt, wenig oder ungenutzte Kirchen wieder in identitätsstiftende Orte zu verwandeln. In diesem Rahmen wurden 500 Ideen gesammelt und sieben Modellprojekte umgesetzt.
In unseren Blogbeiträgen „Kunstkirche Uthleben – mit Kunst zum neuen Leben“ und „Kirche neu gedacht – Netzwerkkirche Ellrich“ haben wir zwei Dorfkirchen mit spannenden Konzepten für eine neue, vielfältige Nutzung vorgestellt. Letztere ist eines der sieben Modellprojekte des IBA-Kirchenprojekts.
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