In Mecklenburg-Vorpommern sind im Zuge der Kreisgebietsreform durch den Zusammenschluss mehrerer Altkreise im Bundesvergleich sehr große Landkreise entstanden. Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte ist mit seinen mehr als 5.400 Quadratkilometern der flächenmäßig größte Kreis Deutschlands.
Charakteristisch für die Region ist die einzigartige Seenlandschaft, die aus der letzten Eiszeit hervorgegangen ist. Mehr als 600 größere und kleinere Seen liegen hier, darunter der Kölpinsee, der Plauer See und die Müritz – der größte vollständig in Deutschland liegende See. An ihrem Ostufer wurde 1990 Müritz-Nationalpark ausgerufen mit einer z. T. einzigartigen Flora und Fauna.
Die Region gehört zu den sogenannten „peripheren ländlichen Räumen“, das heißt: geringe bis sehr geringe Besiedlungsdichte und weitläufige Strukturen für die Menschen, die hier leben.
Seit der deutschen Wiedervereinigung 1990 hat der Landkreis – wie große Teile Mecklenburg-Vorpommerns – eine deutliche demografische Veränderung erfahren. In den 1990er- und frühen 2000er-Jahren setzte infolge wirtschaftlicher Umbrüche ein deutlicher Rückgang der Bevölkerung ein. Viele junge Menschen verließen die Region, wodurch die Bevölkerungszahl sank und der Altersdurchschnitt anstieg. Niedrige Geburtenraten verstärkten die Entwicklung. Zwar ist seit Mitte der 2010er-Jahre eine stabilisierende Tendenz zu beobachten, der demografische Wandel in der Region bleibt jedoch weiterhin von einer langfristigen Bevölkerungsabnahme und einer überdurchschnittlichen Alterung geprägt.
| Bevölkerungsstand Bevölkerungsdichte Bevölkerungsentwicklung Wanderungssaldo Wohnungsleerstandsquote BIP je Einwohner Thünen-Typologie |
247.704 Einwohner 45 Einwohner/km² + 2.100 Einwohner + 4.900 Einwohner 6,9 % 30.772,80 € / Einwohner sehr ländlich / weniger gute sozio-ökonomische Lage |
Für die Region bedeutet das langfristig eine Abnahme der Erwerbstätigen, eine steigende Belastung der sozialen und medizinischen Infrastruktur sowie die Notwendigkeit, neue Wege zu finden, um für junge Familien, Rückkehrer und Zuzügler attraktiv zu bleiben. In einigen Städten und touristisch attraktiven Gemeinden findet eine leichte Zuwanderung statt – insbesondere durch Menschen, die bewusst ein Leben im ländlichen Raum suchen oder nach der Erwerbsphase zurückkehren. Auch einzelne wirtschaftliche Ansiedlungen und der Ausbau infrastruktureller Angebote wirken einer weiteren Schrumpfung teilweise entgegen.
Wirtschaftlich zeigt die Mecklenburgische Seenplatte ein zweigeteiltes Gesicht. Einerseits besitzt die Region starkes Potenzial: Der Tourismus ist ein tragender Wirtschaftsfaktor, denn die Seenlandschaft zieht jährlich viele Besucher*innen an, die Wassersport, Erholung und Naturerlebnisse suchen. Auch der Mittelstand ist mit Unternehmen aus Landwirtschaft, Ernährungswirtschaft, Handwerk und einigen spezialisierten Branchen gut vertreten. Gleichzeitig bleibt das Einkommensniveau im Vergleich zum Bundesdurchschnitt zurück.
Der Strukturwandel zeigt sich u. a. an der Arbeitslosenquote im Landkreis, die regelmäßig über dem bundesweiten Mittel liegt bei saisonalen Schwankungen – etwa durch den Tourismussektor. Der Fachkräftemangel stellt Unternehmen zunehmend vor Probleme, weil weniger junge Menschen nachkommen und viele Betriebe Schwierigkeiten haben, qualifiziertes Personal zu finden. So wurde der Landkreis in einem bundesweiten Vergleich als „standortschwach mit hohen Zukunftsrisiken“ eingestuft.
In der Region werden verschiedene Entwicklungsstrategien und Förderprogramme genutzt, u. a. die integrierte ländliche Entwicklung. Dazu gehören Maßnahmen wie der Ausbau digitaler Infrastruktur, die Verbesserung des öffentlichen Verkehrs – zum Beispiel über flexible Busangebote oder bessere Bahnanschlüsse – sowie die Unterstützung von Dorfläden, Treffpunkten oder kulturellen Initiativen. Solche Projekte stärken nicht nur die Grundversorgung, sondern fördern auch das Gemeinschaftsleben in kleinen Orten. Ländliche Entwicklung bedeutet hier auch, innovative Ansätze umzusetzen und neue Ideen zuzulassen: Coworking-Orte auf dem Land, gemeinschaftliche Wohnformen, touristische Mikroangebote oder innovative landwirtschaftliche Projekte haben sich in den letzten zehn Jahren zunehmend etabliert.
Ein Thema, das eng mit Demografie und ländlicher Entwicklung verknüpft ist, betrifft den Leerstand. In vielen Dörfern und Kleinstädten stehen Gebäude leer – von Wohnhäusern über ehemalige Schulen bis zu landwirtschaftlichen Betrieben. Der Landkreis und das Land Mecklenburg-Vorpommern setzen daher zunehmend auf eine systematische Erfassung leerstehender Gebäude und potenziell nutzbarer Flächen mit Leerstandskataster, um den Bestand sichtbar zu machen. Denn Leerstand muss nicht bedeuten, dass ein Ort aufgibt – im Gegenteil: Er kann zum Ausgangspunkt neuer Nutzungen werden. Die Seenplatte bietet dafür eine besonders gute Ausgangslage, denn Natur, Ruhe und Lebensqualität sind attraktive Faktoren für Menschen, die bewusst aufs Land ziehen wollen.
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