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Blogbeitrag

Erfolgreich gegen den Gewerbeleerstand im Ortskern

Leerstandsmanagement Quierschied

Die 13.000 Einwohner*innen zählende Gemeinde Quierschied im Regionalverband Saarbrücken hat mit ihrem Leerstandsmanagement eine öffentlichkeitswirksame Anlaufstelle geschaffen, die Interessierte niedrigschwellig informiert und unterstützt. Um mehr über das Konzept und die Maßnahmen gegen Leerstände zu erfahren, haben wir uns auf den Weg in die 13 Kilometer nördlich von Saarbrücken gelegene Gemeinde gemacht und vor Ort mit dem Leerstandsmanager Sebastian Zenner, dem Kultur- und Veranstaltungsmanager Robin Schmelzer sowie Theresa Goldammer vom Fachbereich Bauen, Wohnen, Umwelt gesprochen.

Theresa Goldammer, Sebastian Zenner und Robin Schmelzer auf dem Triebener Platz

Leerstand und Wandel in Quierschied

Wie viele andere Gemeinden auch steht die Gemeinde Quierschied vor der Aufgabe, einen belebten Ortskern für Anwohner*innen und Gewerbetreibende zu erhalten und ortsbildprägende Gewerbeleerstände zu reduzieren. Gesellschaftliche Veränderungen, wie der Online-Handel und die Entstehung von Einkaufszentren auf der grünen Wiese, aber auch die Nähe zur Landeshauptstadt Saarbrücken, sorgen dafür, dass die Geschäfte im Ortskern mit geringeren Gewinnen und steigenden Kosten konfrontiert sind und zunehmend schließen müssen. In Quierschied kommt außerdem eine Nachfolgeproblematik hinzu. In den vergangenen Jahren sind einige Gewerbetreibende in den Ruhestand gegangen, ohne eine Nachfolge für ihr Gewerbe zu finden.

„Es findet sich oft einfach keiner, der das bestehende Geschäft mit Stammkundschaft,
auch mit entsprechenden Kenntnissen vor Ort übernimmt.
Wenn das wegfällt, ist natürlich die Hürde heutzutage durch
die gesellschaftlichen Entwicklungen umso größer.“
(Sebastian Zenner)

Das kommunale Leerstandsmanagement – Aufgaben und Grenzen

 Diesen Entwicklungen stellt die Gemeinde seit 2012 ein Leerstandsmanagement entgegen.

Entstanden ist dieses ursprünglich im Rahmen der Städtebauförderung und wird seitdem von der Gemeinde finanziert. Seit 2017 ist Sebastian Zenner für die Leerstände zuständig, wobei das Leerstandsmanagement in die Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit und Gemeindemarketing integriert ist und nur einen Teil seiner Aufgaben ausmacht.

Kernstück des Leerstandsmanagements ist die Sammlung und Vorstellung leerstehender Ladenlokale und Gastronomieflächen auf der Internetseite der Gemeinde. In der Regel werden hier zwischen fünf und zehn Gewerbeimmobilien präsentiert. In dem dazugehörigen Steckbrief finden Interessierte Informationen über die Quadratmeterzahl, Lage, ÖPNV-Anbindung, Besonderheiten wie Toiletten, Küchenanschlüsse, Keller, Barrierefreiheit und Kontaktinformationen.

An die Informationen über die Leerstände kommt die Gemeinde in der Regel durch den Kontakt zu den Eigentümer*innen oder durch aufmerksame Anwohner*innen. Wenn Sebastian Zenner über Immobilienplattformen oder Social Media selber auf einen Leerstand aufmerksam wird, geht er auch direkt auf die Eigentümer*innen zu, um die Immobilie aufzunehmen. Auf der anderen Seite erreichen die Gemeinde ebenfalls Anfragen von Kaufinteressent*innen bzw. Immobiliensuchenden.

Sebastian Zenner verweist dabei auch auf die Grenzen seiner Handlungsmöglichkeiten und Befugnisse, da er selbst nicht als Makler tätig wird und beispielsweise keine Annoncen im Amtsblatt platziert.

Trotzdem kommt es vor, dass der Leerstandsmanager bei Bedarf die Immobiliensuchenden stärker unterstützt, indem er verstärkt in die Recherche geht und sich z. B. über die Eigentümer*innen informiert und bei der Immobiliensuche in eine beratende Rolle „rutscht“. Bei Bedarf begleitet er die Interessent*innen auch zu den Terminen mit den Eigentümer*innen oder stellt den Kontakt zum Bürgermeister her.

Aus Zenners Sicht liegt die Stärke des Leerstandsmanagements in dem niederschwelligen, kostengünstigen und bedürfnisorientierten Vorgehen, wobei die Gemeinde einen Überblick erhält und bei Bedarf individuell unterstützen kann.

„Im Gespräch mit den Interessenten und auch mit den Eigentümern
bekommt man eine Vorstellung davon, welche Erwartungen
auf beiden Seiten vorherrschen und kann vermittelnd einwirken
oder beispielsweise auf Förderprogramme hinweisen oder ähnliches.“
(Sebastian Zenner)

 Ein wichtiger Aspekt ist darüber hinaus die Öffentlichkeitsarbeit. Laut Sebastian Zenner ist diese wichtig, um das Thema in den Köpfen der Menschen präsent zu halten und das Wissen zu festigen, an wen man sich bei Bedarf wenden kann. Zu diesem Zweck ruft die Gemeinde in unregelmäßigen Abständen dazu auf, bestehende Gewerbeleerstände zu melden.

„Nur, wenn Eigentümer und auch Interessenten wissen,
dass wir diese Unterstützung anbieten,
können sie davon auch profitieren.
Deshalb ist es immens wichtig, immer wieder öffentlich darauf hinzuweisen.
Ich kann schließlich nur diejenigen Leerstände präsentieren, die mir bekannt sind.“
(Sebastian Zenner)

Dazu gehört auch, Erfolge öffentlichkeitswirksam zu feiern: Bei Neuansiedlungen schaut deshalb schonmal der Bürgermeister vorbei, um die neuen Ladenbetreiber zu begrüßen. Darüber wird wiederum berichtet: Mit einer Pressemitteilung samt Foto, die im Amtsblatt und über den regionale Presseverteiler veröffentlicht wird. Auf diese Weise verbreitet sich die Erkenntnis, dass sich etwas zum Positiven verändert und die Gemeinde sich für einen belebten Ortskern einsetzt. Auch für die in der Regel jungen Unternehmen hat es einen Vorteil: In Form einer kostenlosen Anschub-„Werbung“ für ihr Geschäft.

Mit Sebastian Zenner haben die Anwohner*innen zudem eine feste, in der Öffentlichkeit bekannte Ansprechperson, was einen unkomplizierten und persönlichen Austausch und Kontakt ermöglicht.

„Wenn man das schon ein paar Jahre macht, wird man
in einer kleinen Gemeinde wie Quierschied schon mal auf der Straße angequatscht.
Das fällt vielen leichter, als eine E-Mail zu schreiben.
Und generell ist es etwas anderes, wenn man jemanden schon kennt –
beispielsweise aus einem Verein. Dann heißt es
‚Du machst das doch bei der Gemeinde.‘
Zwei Vermittlungen liefen genau über diesen Weg,
nachdem ich auf dem Fußballplatz angesprochen wurde.“
(Sebastian Zenner)

Einbahnstraße zur Ortsmitte

Neues Leben für die Ortsmitte – die Erfolgsgeschichten

Seit dem Amtsantritt von Sebastian Zenner im Jahr 2017 konnten durch das Leerstandsmanagement über zehn Ladenlokale oder Immobilien an neue Nutzer*innen vermittelt werden. Auch, wenn zwangläufig immer mal wieder neue Leerstände entstehen, ist die Bilanz positiv und die Leerstandsquote in der Quierschieder Innenstadt konstant – zwischenzeitlich sogar gesunken.

„Generell glaube ich, dass wir die Gesamtsituation
im Rahmen unserer Möglichkeiten verbessern konnten.
Das liegt wohl auch an der öffentlichen Wahrnehmung und
am Verbreiten positiver Nachrichten wie eben bei den Neuansiedlungen.
Das gab es vorher in dieser Fülle nicht.“
(Sebastian Zenner)

Ein großer Erfolg des Leerstandsmanagements der Gemeinde war vor einigen Jahren beispielsweise die Ansiedlung eines Verbrauchermarkts. Später zog ein Fitnessstudio in die Räumlichkeiten eines anderen Verbrauchermarktes ein. Zuletzt sind unter anderem eine Physiotherapie-Praxis, je zwei Imbisse, Bäckerei- und Post-Filialen, insgesamt drei Restaurants und Imbisse sowie eine Metzgerei mit Unterstützung des Leerstandsmanagements eröffnet worden. Auch ein Barbershop und ein Piercingstudio gehören zu den neuen lokalen Angeboten. Zuletzt konnte das Ladenlokal in einer am Marktplatz gelegene Immobilie, das zuletzt als Reisebüro genutzt wurde, nach kurzem Leerstand an eine neue Inhaberin vermittelt werden. Seit April 2025 betreibt diese dort ein Hundezentrum, wenig später gesellte sich aufgrund der Größe des Ladenlokals noch eine Tierfotografin als Untermieterin dazu. Der Fokus liegt aber nicht nur auf konsumorientierten Angeboten. Mit Unterstützung der Gemeinde bezog auch der lokale Verein einzig.ART.ich e.V. ein leerstehendes Ladenlokal in der Innenstadt und kann nun zur Belebung der Ortsmitte beitragen.

Der Verein- und Probenstandort vom Verein einzig.ART.ich e.V. im ehemaligen Leerstand
Das Piercing Studio „CMX Piercing“ im ehemaligen Leerstand

Zusammenspiel von Leerstandsmanagement und Ortskernentwicklung

Während unseres Gesprächs wurde deutlich, dass der Erfolg des Leerstandsmanagements eng mit der Ortskernentwicklung verbunden ist und die Leerstandsproblematik in der Gemeinde themenübergreifend berücksichtigt wird.

„Das Leerstands-Thema wird überall so ein bisschen mitgedacht
und dadurch findet es eigentlich überall ein bisschen statt.“
(Sebastian Zenner)

Viele Maßnahmen zur Ortskernbelebung schließen an das Leerstandsmanagement an und stehen in enger Wechselwirkung zueinander. Im Rahmen des Ende 2025 ins Leben gerufene Wirtschaftsforum „Gemeinsam handeln!“ bietet die Gemeinde den Unternehmen Unterstützung bei der Vernetzung untereinander an.

Eine wichtige Grundlage schuf die Revitalisierung und Neugestaltung der Ortsmitte mithilfe der Städtebauförderung. Zwischen 2012 und 2024 wurden u. a. der Marktplatz sowie der Rathausplatz neu gestaltet und der Veranstaltungssaal „Q.lisse – Haus der Kultur“ errichtet. Der „Triebener Platz“, der auf dem ersten Foto zu Beginn des Artikels zu sehen ist, folgte vor zwei Jahren als letzter Baustein und lädt mit neuen Grünflächen und einer Brunnenanlage zum Verweilen ein.

An der Ortskernbelebung arbeitet auch das Kultur- und Veranstaltungsmanagement maßgeblich mit. Der kommunale Veranstaltungssaal Q.lisse zieht mit seinem eigenen Kulturangebot überregional Leute an und bringt die Menschen dabei auch zu den lokalen Gewerbebetrieben.

Auch wird seit einigen Jahren an den Wochenmarkt-Tagen Mittwoch und Samstag der kostenlose Marktbus eingesetzt. Als „Seniorenbus“ gestartet, bringt er inzwischen Kundinnen und Kunden aller Altersklassen kostenlos von etwas abgelegenen Wohnvierteln in der Gemeinde in die Quierschieder Ortsmitte – und zurück.

Ein Besuchermagnet ist außerdem der wieder aufgelebte Frühjahrsmarkt auf dem neu gestalteten Marktplatz. Aufgrund von sinkenden Besucherzahlen wurde das frühere, traditionelle Konzept des Marktes grundsätzlich überarbeitet. Um seine Attraktivität zu steigern, wurde der neue Markt von Donnerstag auf Samstag verlegt und um einige Elemente ergänzt. So werden beispielsweise lokale Vereine und Unternehmen beteiligt

Über den neuen Frühjahrsmarkt hinaus erweitern ein Gourmet- und Kunstmarkt, Weihnachtsmärkte in allen Gemeindebezirken die Anwohner*innen regelmäßig in die Ortsmitten. Durch diese Maßnahmen wird nicht nur der bestehende lokale Handel unterstützt, sondern der Ortskern auch für potenzielle Gewerbetreibende attraktiver gemacht.

„Das sind die Punkte, die wir aus unserem Bereich
als Schnittstelle zum Leerstandsmanagement zuarbeiten,
weil wir uns dazu auch immer abstimmen.
Wo könnte man was tun, um das Ganze weiterzuentwickeln
und Institutionen, Firmen und Gewerbetreibende in den Ort zu locken?“

(Robin Schmelzer)

Der neu gestaltete Rathausplatz mit Parkmöglichkeiten

Herausforderungen – wenn Eigentümer*innen nicht mitziehen   

Sebastian Zenner verdeutlicht, dass trotz der Erfolge Bemühungen teilweise auch ins Leere laufen und einige Gewerbeleerstände in den letzten 15 Jahren nicht vermittelt werden konnten. Nicht selten wegen mangelnden Interesses der Eigentümer*innen an Renovierungen oder weiteren Vermietungen, an Uneinigkeit in Erbengemeinschaften, finanziellen Fragen oder anderer Gründe. Beispiele reichen von einer früheren Industriestätte über zwei vor sich hin faulende frühere Gaststätten bis hin zu einem noch gar nicht so alten Bürokomplex. Trotz teils bester Lage finden sich keine Interessenten – bzw. wird mit ihnen keine Einigung über Renovierungen, Miete oder Pacht erzielt.

Die Möglichkeiten der Gemeinde sind hier begrenzt. Sie ist auf die Mitwirkung der Eigentümer*innen angewiesen, insbesondere darauf, dass die verfügbaren Leerstände und die Ansprechpartner*innen an das Leerstandsmanagement gemeldet werden. Nur dann können Interessenten sich mit ihnen in Verbindung setzen und über eine mögliche Nutzung verhandeln.

„Manche Eigentümer wohnen oder stammen gar nicht aus Quierschied oder der Umgebung. Wenn man selbst nicht vor Ort ist und eine Immobilie nur als Wertanlage oder Abschreibungsobjekt hält, besteht oft kein Interesse an einer Vermittlung. Dieses Problem existiert allerdings überall.“ (Sebastian Zenner)

Um dem spekulativen Leerstand und der Abwesenheit einiger Eigentümer*innen entgegenzuwirken, plant die Gemeinde die Etablierung eines Eigentümerforums. Ziel ist es, die Eigentümer*innen gezielt anzusprechen und einen Raum zu schaffen, in dem sie sich austauschen, Synergien herstellen und gemeinsame Projekte entwickeln können.

„Wir versuchen was anzustoßen,
aber im Endeffekt entscheiden die Eigentümer,
was sie mit ihrem Eigentum machen.“
(Sebastian Zenner)

Langjähriger Leerstand des ehemaligen Gasthauses „Hopfenblüte“

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