VillaKunterbunt Kurzbeschreibung Bei der VillaKunterbunt handelt es sich um das erste realisierte Projekt des SauRiassl Syndikats, einem Netzwerk aus u. a. Verein und GmbH, das sich für klimaneutrale Sanierungen und gemeinschaftliches Wohnen in Landkreis Altötting einsetzt. Sauriassl ist der Mundart-Name der Region um Altötting herum. Der 150 Jahre alte Gasthof in Niedertaufkirchen wurde saniert und an moderne Wohnbedarfe angepasst. Dabei wurde die alte Ölheizung durch eine Pelletheizung ersetzt, das Dach komplett erneuert, alle Fenster und Türen ausgetauscht und die Gebäudehülle energetisch gedämmt. Gleichzeitig entstanden sieben Wohneinheiten mit Platz für rund 20 Bewohner*innen. Ein besonderer Fokus liegt auf nachhaltiger Energieversorgung: Über eine Photovoltaikanlage auf dem Dach wird Mieterstrom erzeugt. Damit wurde das Gebäude für Wohnen umgenutzt und der Bestand erhalten. Gebäudetyp Ehemaliges Gasthaus / historisches Gebäude Nutzungskategorien Wohnen, gemeinschaftliches Leben Finanzierung Direktkredite, Eigenmittel, Bank und KfW-Kredite Beteiligte Akteure SauRiassl Syndikat, Projektgruppe Ort und Landkreis (Bundesland) Niedertaufkirchen, Landkreis Mühldorf am Inn (Bayern) Bildquelle: Website Kontakt SauRiassl SyndikatKonventstr. 8284503 Altöttinginfo@sauriassl.org Link www.sauriassl.org/projekte
GenossenschaftsHaus
GenossenschaftsHaus Kurzbeschreibung In dem Altstadthaus aus dem 16. Jahrhundert im historischen Stadtkern von Burghausen wurden ehemals ungenutzte Flächen im Dach- und Erdgeschoss identifiziert. Das SauRiassl Syndikat, ein Netzwerk aus Wohnprojekten, das sich für klimaneutrales und gemeinschaftliches Wohnen in Landkreis Altötting einsetzt (Sauriassl ist der Mundart-Name der Region in und um Altötting), plant dort, neuen Wohnraum zu schaffen, ohne den denkmalgeschützten Charakter zu zerstören. Dabei soll auch die energetische Sanierung des Gebäudes erfolgen; geplant ist des Weiteren eine Photovoltaikanlage für die eigene Stromversorgung, mit dem Ziel, ökologische als auch soziale Aspekte der Nutzung zu verbinden. Gebäudetyp Mehrfamilienhaus der Altöttinger Baugenossenschaft Nutzungskategorien Selbstverwaltetes Wohnen Finanzierung Direktkredite, Eigenmittel, Bank und KfW Kredite Beteiligte Akteure SauRiassl Syndikat, Projektgruppe Ort und Landkreis (Bundesland) Altötting, Landkreis Altötting (Bayern) Bildquelle: Website Kontakt Genossenschaftshaus n.e.V.Trostberger Straße 5784503 Altöttinginfo@genossenschaftshaus.org Link www.genossenschaftshaus.org
G188 Burghausen
G188 Burghausen Kurzbeschreibung In dem Altstadthaus aus dem 16. Jahrhundert im historischen Stadtkern von Burghausen wurden ehemals ungenutzte Flächen im Dach- und Erdgeschoss identifiziert. Das SauRiassl Syndikat, ein Netzwerk aus Wohnprojekten, das sich für klimaneutrales und gemeinschaftliches Wohnen in Landkreis Altötting einsetzt (Sauriassl ist der Mundart-Name der Region in und um Altötting), plant dort, neuen Wohnraum zu schaffen, ohne den denkmalgeschützten Charakter zu zerstören. Dabei soll auch die energetische Sanierung des Gebäudes erfolgen; geplant ist des Weiteren eine Photovoltaikanlage für die eigene Stromversorgung, mit dem Ziel, ökologische als auch soziale Aspekte der Nutzung zu verbinden. Gebäudetyp Historisches Altstadthaus (16. Jahrhundert) Nutzungskategorien Wohnen Finanzierung Direktkredite, Eigenmittel, Bank Beteiligte Akteure SauRiassl Syndikat, Bewohner*innen Ort und Landkreis (Bundesland) Burghausen, Landkreis Altötting (Bayern) Kontakt SauRiassl SyndikatKonventstr. 8284503 Altöttinginfo@sauriassl.org Link www.sauriassl.org/projekte Bildquelle: Website
Quick13 | Wurmannsquick
Quick13 | Wurmannsquick Kurzbeschreibung Das Geschäftshaus am Marktplatz von Wurmannsquick wurde vom SauRiassl Syndikat, einem Netzwerk aus Wohnprojekten, das sich für klimaneutrales und gemeinschaftliches Wohnen in und um den Landkreis Altötting einsetzt (Sauriassl ist der Mundart-Name der Region um Altötting), 2019 in gemeinschaftliches Eigentum überführt In dem ungenutzten Ladenraum im Erdgeschoss entstand eine barrierefreie Wohnung. Im Zuge der energetischen Sanierung wurde neben der Wärmedämmung die Heizung auf eine Wärmepumpe umgestellt. Den Strom für die Mieter erzeugt eine Photovoltaikanlage in Verbindung mit einem Stromspeicher. Nach diesen Maßnahmen ist das zuvor weniger genutzte Gebäude wieder dauerhaft bewohnt und trägt zur lokalen Aktivierung von Bestandsbauten bei. Gebäudetyp Über 100‑jähriges Marktplatzhaus (ehemals Laden/Wohnnutzung) Nutzungskategorien Wohnen Finanzierung Direktkredite, Eigenmittel, Bank und KfW-Kredite Beteiligte Akteure SauRiassl Syndikat, Bewohner*innen Ort und Landkreis (Bundesland) Landkreis Rottal-Inn (Bayern) Bildquelle: Website Kontakt SauRiassl SyndikatKonventstr. 8284503 Altöttinginfo@sauriassl.org Link www.sauriassl.org/projekte
Generationenbahnhof Erlau
Generationenbahnhof Erlau Der Bahnhof der Gemeinde Erlau in Mittelsachsen ist ein klassisches Beispiel für die zahlreichen Stilllegungen von Bahnhofsgebäuden in ländlichen Regionen Ostdeutschlands. Knapp 15 Jahre lang stand das unter Denkmalschutz stehende Ensemble leer und war dem Verfall ausgesetzt. Doch die Gemeinde und die Menschen in Erlau wollten den Verlust des ortsbildprägenden und identitätsstiftenden Gebäudes nicht tatenlos hinnehmen. Das Ergebnis jahrelanger Arbeit kann sich sehen lassen: Der Generationenbahnhof ist heute ein zentraler Treffpunkt und Möglichkeitsort für Erlau. Um mehr über diese inspirierende Umnutzung des Bahnhofsgebäudes zu erfahren, haben wir uns auf den Weg in die Region im Mittelsächsischen Hügelland gemacht. Vor Ort haben wir mit einigen engagierten Akteur*innen des Generationenbahnhof Erlau e.V. sowie mit dem damaligen Bürgermeister gesprochen. Gemeinsam haben sie an der neuen Nutzung für das ehemalige Empfangsgebäude gearbeitet und die Idee des Generationenbahnhofs umgesetzt und haben uns von ihren Erfahrungen berichtet. Vom belebten Bahnhof zum Haltepunkt Der Bahnhof Erlau war lange ein belebter Ort in der gleichnamigen Gemeinde. Gelegen an der Eisenbahnstrecke Riesa-Chemnitz war er bis Ende des 20. Jahrhunderts ein regionaler Umschlagplatz für landwirtschaftliche Erzeugnisse, lokale Industrieprodukte und Baustoffe. Für die Anwohner*innen stellte er eine wichtige Verbindung in die regionalen Zentren wie Rochlitz oder Mittweida und in die Großstadt Chemnitz dar. Wie vielerorts setzte auch in Erlau in den 1970er- und 1980er-Jahren ein zunehmender Bedeutungsverlust des Bahnhofs ein. Die abnehmenden Fahrgastzahlen und die Rationalisierung der Bahn führten schließlich dazu, dass das Empfangsgebäude im Jahr 1990 weitgehend außer Betrieb genommen wurde. Drei Wohnungen, welche sich ebenfalls im Gebäude befanden, wurden noch einige Jahre bewohnt. Ab 1999 folgte, nachdem die letzten Mieter*innen der Wohnungen ausgezogen waren, der endgültige Leerstand. Zurück blieb lediglich der 100 Meter nördlich gelegene Bahnhaltepunkt. Das sanierte Bahnhofsgebäude in Erlau Konzept und Umsetzung – „Bürger und Dienstleister Hand in Hand“ Der Wunsch der Gemeinde, das identitätsstiftende Gebäude wieder in einen lebendigen Ort zu verwandeln, war groß. Im Gemeindeblatt wurde vor diesem Hintergrund eine Umfrage veröffentlicht, welche neue Nutzung sich die Erlauer*innen für den ehemaligen Bahnhof vorstellen könnten. Das Ergebnis: einen sozialen Treffpunkt und einen Bürgerbereich. Den entscheidenden Anstoß gab es schließlich im Jahr 2012 durch eine Entwurfsstudie von Architekturstudierenden der Technischen Universität Dresden, welche die Entwicklungsmöglichkeiten des Bahnhofsgebäudes aufzeigte. Initiiert wurde diese von Jana Ahnert, der heutigen Vereinsvorsitzenden des Generationenbahnhof Erlau e.V. und damaligen Mitarbeiterin an der TU Dresden. Nach der öffentlichen Vorstellung des Konzepts mit 100 Teilnehmenden war die Begeisterung unter den Anwesenden groß. Kurz darauf schlossen sich der damalige Bürgermeister Wolfgang Ahnert und einige interessierte Anwohner*innen zu einem Initiativkreis zusammen. Es entwickelte sich eine konkrete Vision für das Gebäude – die Kombination aus medizinischen und gemeinschaftlichen Angeboten, bei der bürgerschaftliches Engagement und professionelle Dienstleistungen unter einem Dach zusammenkommen und sich gegenseitig unterstützen. Mit viel Engagement gelang es der Gemeinde und dem damaligen Bürgermeister im Jahr 2014, das Bahnhofgebäude zu kaufen. Aufgrund der hohen Erhaltungskosten, des geringen Gebäudewerts und des geringen Interesses anderer potenzieller Käufer wurde ein symbolischer Kaufpreis von einem Euro vereinbart. Noch im selben Jahr gründete sich der Verein Generationenbahnhof Erlau e.V., der die Organisation und Netzwerkarbeit für den bürgerschaftlichen Bereich des Generationenbahnhofs bis heute übernimmt. Nach einer sportlichen Planungsphase von weniger als 1,5 Jahren konnte die Sanierung im Januar 2016 beginnen, bei der die Gemeinde als Bauherr fungierte. In enger Abstimmung und guter Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz gelang es, einen Großteil der Außenfassaden sowie etliche historische Elemente wie Türen und Fenster zu erhalten. Mit der Vorstellung, dass sich jede Epoche in der Architektur des Gebäudes widerspiegeln sollte, wurde außerdem ein moderner Anbau aus Fertigbeton mit zusätzlichen Behandlungsräumen für den Zahnarzt erstellt. 2017 erfolgte schließlich die Eröffnung des Generationenbahnhofs. Der Schlüssel für die erfolgreiche Bauphase war die gute Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit Denkmalpflege und Bauaufsichtsbehörde. „Da bin ich mit dem einen oder anderen Becher Kaffee und dem einen oder anderen Stück Kuchen hingefahren, habe das mit denen beraten und dann hat das funktioniert. Es kommt immer darauf an, wie man mit den Leuten umgeht.“ (Wolfgang Ahnert) Das Bahnhofsgebäude nach knapp 15 Jahren Leerstand (Foto: Generationenbahnhof Erlau e.V.) Das Bahnhofsgebäude während der Sanierung 2016 (Foto: Generationenbahnhof Erlau e.V.) Heute befinden sich unter Berücksichtigung des demografischen Wandels eine Seniorentagespflege, ein ambulanter Pflegedienst und eine Zahnarztpraxis in dem Generationenbahnhof. Verbunden wurde dieses professionelle Angebot mit einem ehrenamtlich betriebenen Bürgerbereich, bestehend aus einem Bürgerbüro und einem Bürgersaal als Raum für Bildung, Begegnung, Kultur und Freizeit. Unter dem Motto „Gutes Landesleben in Gemeinschaft“ entstand über die Zeit außerdem eine lange Liste an Aktivitäten wie z. B. Kartenspielrunden, Kreativtreff, Eltern-Kind-Kreis oder Cocktailabende. Die Räume werden darüber hinaus für Vorträge, Workshops oder auch für Ausstellungen genutzt. Auch mit lokalen Vereinen, einer Volkshochschule und weitere externen Akteuren wird zusammengearbeitet. Für den ehemaligen Bürgermeister steht heute fest, die klaren Vorstellungen und die tragbare Nutzungsidee, welche aus dem Ort heraus entwickelt wurden, waren ein entscheidender Erfolgsfaktor für das Projekt: „Das ist ganz, ganz wichtig, wenn Sie so was machen, dass Sie die Nutzung vorne weg klären.“ (Wolfgang Ahnert) Der Generationenbahnhof als Gemeinschaftsprojekt Im Gespräch wurde schnell deutlich, dass der Bahnhof von Beginn an ein Gemeinschaftsprojekt war, geprägt von einer engen Zusammenarbeit zwischen Kommune, Verein, späteren Nutzer*innen und Dienstleister*innen. Die gemeinsame Projektentwicklung war besonders wichtig, damit alle dieselbe Vision teilen. Jana Ahnert erinnert sich insbesondere an die essenzielle Unterstützung der Gemeinde: „Dass die Kommune gesagt hat: ‚Ja, wir gehen das an‘, war eigentlich ein großer Erfolgsfaktor für uns, denn ohne sie hätten wir das niemals stemmen können.“ Einen weiteren Vorteil brachte die multifunktionale Aufstellung des Teams mit Kontakten im ganzen Landkreis. Frederike Bremer, ehemalige Koordinatorin des Bahnhofs, beschreibt, wie wichtig es für die Umsetzung des Projekts war, die verschiedenen Begabungen geschickt zu bündeln und zu verknüpfen. Das Projekt lebt von der Gemeinschaft und einem breiten Netzwerk. Dabei ist es wichtig, ein offener Mensch ohne Berührungsängste zu sein, Kontakte aufzubauen und diese Verbindungen zu pflegen, so Bremer. Das Nutzungskonzept (Abbildung: Generationenbahnhof Erlau e.V.) Auch die Bürger*innen der Gemeinde waren von Anfang an involviert. „Wir haben immer versucht, viel Öffentlichkeitsarbeit zu machen, über das Projekt zu informieren, einzuladen. – Es gab immer die Möglichkeit, mitzudenken, mitzumachen, sich einzubringen, Wünsche
Neues Leben auf altem Grund – wie erst drei, jetzt vier, Initiator*innen das Alte Postgelände in Strausberg in ein Kultur- und Wohnquartier verwandeln
Neues Leben auf altem Grund Wie erst drei, jetzt vier, Initiator*innen das Alte Postgelände in Strausberg in ein Kultur- und Wohnquartier verwandeln Das ehemalige Postgelände in Strausberg hat eine bewegte Geschichte und bietet mit seinen rund 25 Hektar Wald sowie fünf Hektar bebauter Fläche enormes Entwicklungspotenzial. Auch die Stadt selbst blickt auf eine lange militärische Vergangenheit zurück. Seit dem 18. Jahrhundert Garnisonsstadt und zu DDR-Zeiten Sitz des Verteidigungsministeriums, spiegelt sich diese Historie auch auf dem Gelände wider. Auf den ersten Blick wirkt das Areal eher unscheinbar: ein Plattenbau im Zentrum, einst Büro- und Verwaltungstrakt und heute unter Denkmalschutz, dazu ein paar kleinere Gebäude und Hallen. Doch das eigentlich Beeindruckende verbirgt sich unter der Erde: Mit einer Fläche von 8.500 Quadratmetern auf mehreren Ebenen erstreckt sich hier die einst größte Nachrichtenbunkeranlage der DDR, die sogenannte Nachrichtenzentrale-2. Nach der Wiedervereinigung ging das Areal über die Deutsche Post an die Deutsche Telekom AG. Die Initiator*innen Matthias Merkle, Antje Borchardt, Mona el Gammal und Melanie Seeland vor dem ehemaligen Pförtnerhäuschen – der heutigen Schmorpost – des alten Postgeländes „Wir haben das Gelände nicht gesucht – es hat uns gefunden.“(Matthias Merkle) Im Jahr 2010 übernahm Matthias Merkle das Gelände, inklusive aller Gebäude, Waldflächen und des Bunkers. Ursprünglich war das Ziel, die große Waldfläche zu erhalten – doch schon bald entwickelte sich daraus eine Vision für ein nachhaltiges Wohn- und Kulturquartier. Gemeinsam mit Melanie Seeland und Antje Borchardt nahm Merkle das Projekt in Angriff. Als ein anderer Käufer absprang, ergriffen sie die Chance und begannen, den Ort Schritt für Schritt neu zu gestalten. Wer heute über das alte Postgelände am Rande von Strausberg spaziert, spürt sofort: Hier entsteht etwas Neues – und doch ruht über allem eine Geschichte. Zwischen alten Hallen, mächtigen Kiefern und den Relikten des Kalten Krieges formt sich seit einigen Jahren ein besonderer Ort. Strausberg, ein Mittelzentrum östlich von Berlin, war lange Zeit von militärischer Nutzung geprägt. Doch nach der Wiedervereinigung fielen zahlreiche Flächen brach, während kulturelles Leben vor allem im nahegelegenen Berlin stattfand. Genau das wollten die drei Initiator*innen ändern. Sie sahen die Chance, einen Freiraum zu schaffen – einen Raum für Kunst, Handwerk und Nachbarschaft. Mit Theateraufführungen, Ausstellungen und einer Gaststätte gelang es ihnen, erste Brücken zu schlagen. Das Theater auf dem Gelände wurde zu einem Ort des Dialogs – für Künstler*innen, Handwerker*innen, Familien, alteingesessene Strausberger und neugierige Besucher. Aus einem Gelände mit schwerer Vergangenheit wächst so Schritt für Schritt ein lebendiger Ort für die Zukunft. Mit Hartnäckigkeit, Engagement und einer Idee – aus gemeinsamer Arbeit wächst ein Ort für alle 2017 eröffnet das Theater; parallel wächst die Holzwerkstatt, später die Gastronomie Schmorpost. Und aus der Nutzung heraus bildet sich eine Wohnungsgenossenschaft für das große Bestandsgebäude. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Helle, hohe Räume, günstige Mieten – laut Matthias Merkle etwa fünf Euro warm, für mindestens 25 Jahre abgesichert. Die Entscheidung gegen chic und für eine Öffnung für Personen von außen war bewusst: „Wenn Neubau später teurer wird, brauchst Du Orte, die sozial durchlässig bleiben.“ Die Öffnung war jedoch teilweise auch aus der Not heraus geboren und der drängenden Zeit geschuldet, das ehemalige Büro- und Verwaltungsgebäude einer neuen Nutzung zuzuführen. Alle Personen und Vereine, die heute in dem Gebäude vorzufinden sind, wurden mit ihrem Einzug Teil der Genossenschaft. „Wir hatten gehofft, eine Gruppe zu finden, die das Haus übernimmt. Stattdessen haben wir mit Nutzer*innen die Genossenschaft gegründet.“(Matthias Merkle) Strukturell steht das Vorhaben auf drei Füßen: eine gemeinnützige UG für das Theater, eine GmbH für Gastronomie und Holzwirtschaft, eine Besitzgesellschaft für die Immobilienentwicklung. „Die Bank will Gewährleistung, Versicherungen, klare Kostenträger – das ist richtig“, erklärt Merkle. „Kulturförderung [für das Theater] kommt vom Land, etwas vom Bund, „von der Stadt nur sehr wenig“. Der Rest wird erwirtschaftet: durch Genossenschaftsmieten, Gastronomie, Holzwirtschaft – und jahrelange Eigenleistung. „Als die Schmorpost endlich genehmigt war, standen wir selbst in der Küche und am Tresen“, sagt Merkle. „Zwei Jahre lang, bis wir Löhne tragen konnten.“ „Förderungen bringen Netzwerke und Legitimation. Es hätte uns früher Integrität verliehen, die wir dann mühsam nachweisen mussten.“(Matthias Merkle) Dass viele klassische Förderprogramme wie LEADER oder die Städtebauförderung nicht passten, kostete nicht nur Geld, sondern auch Hebel. Laut Merkle lebt das Projekt von Zeit, die niemand bezahlt und von einer Hartnäckigkeit, die man nicht planen kann. In den Leerzeiten wurde der Wald gepflegt, der Bunkerbereich ausgelichtet, Wege angelegt – keine großen Gesten, aber sichtbare Zeichen für Menschen, die spazieren gehen und beiläufig zu Nutzer*innen werden. So entsteht auch eine Art von Bindung, die nicht durch Pläne, sondern durch Benutzbarkeit entsteht. „Ohne Ehrenamt geht es nicht, aber es bräuchte mehr Würdigung dafür.“ (Melanie Seeland) Ein Ort im Wandel – das alte Postgelände wird zum lebendigen Kultur- und Wohnquartier Am Eingang des Geländes passiert man die alte Pforte, in der sich seit Ende 2021 eine Gastwirtschaft, die bereits erwähnte Schmorpost, befindet. Die Gastronomie stellt einen der bereits abgeschlossenen Entwicklungsschritte dar. Die Eröffnung war aber nicht nur für die Initiator*innen ein wichtiger Meilenstein. Sie sorgt auch für Außenwirkung und lockt Menschen aus dem Ort auf das alte Postgelände. Finanziert und umgenutzt wurde die Schmorpost aus Eigenmitteln bzw. mit Eigenleistung. Die Innenausstattung ist aus dem eigenen Holz und wurde größtenteils in der Waldwirtschafterei gefertigt. Bestuhlung und andere Teile der Einrichtung sind gebraucht und werden hier nun weiterverwendet. Zur Schmorpost gehört auch ein Biergarten für die sonnigen Tage. Die Schmorpost auf dem alten Postgelände: Von außen ist der Charme des Ehemaligen Pfortengebäudes erhalten geblieben, angrenzend befindet sich der Biergarten … … und im Innenraum wurde die Ausstattung zum größten Teil selbst aus dem eigenen Holz gefertigt In einer der alten Hallen wurde ein Theater eingerichtet, die „Die Andere Welt Bühne“, die das kulturelle Angebot der Region erweitert. Mit der Veranstaltung von Workshops sowie Angebote für Kinder und Jugendliche haben die Initiator*innen zudem einen gesellschaftlichen Auftrag angenommen. Hierfür geht Melanie Seeland, die für den Betrieb des Theaters verantwortlich ist, Kooperationen mit Kindergärten und Schulen der Stadt ein und schafft Angebote für interessierte Bürger*innen. Den Bau der Innenausstattung übernahmen die Initiator*innen selbst. In der Waldwirtschafterei fertigten sie beispielsweise die
Speicher III
Speicher III Kurzbeschreibung Um den alten Speicher mitten in Havixbeck-Hohenholte zu einem generell für die Öffentlichkeit verfügbaren Ort zu machen, hat der Hohenholter Kunst- und Kulturverein mit dem Umbau des Speichers begonnen. Seit der Fertigstellung ist nun ein Dreiklang im Gebäude eingekehrt, welcher aus den Bereichen „Kunst & Kultur“, dem Café sowie einem Coworking Space besteht. Während die kulturelle Seite des Speichers die verschiedensten Angebote, von kleinen Konzerten bis hin zu Vorlesungen, abdeckt, kann man im Café bei Kuchen, Kaffee, Bier und Herzhaftem die Seele baumeln lassen. Diese Ruhe des Cafés soll sich auch auf den Coworking Space übertragen. Wer einen Ort fürs entspannte Arbeiten in gemütlicher Atmosphäre sucht, kann dort fündig werden. Gebäudetyp Ehemalige Gaststätte Nutzungskategorien Gastronomie, Arbeiten, Coworking, Kunst, Kultur, Begegnung, soziale Teilhabe Finanzierung LEADER, Stiftung Kunst und Kultur Münsterland, Eigenmittel Beteiligte Akteure Hohenholter Kunst- und Kulturverein e.V. Ort und Landkreis (Bundesland) Havixbeck-Hohenholte, Landkreis Coesfeld (Nordrhein-Westfalen) Bildquelle: Website Kontakt Kunst- und Kulturverein Hohenholte e.V.Zur Aabrücke 248329 Havixbeck-Hohenholtepost@speicher3.com Link www.speicher3.com
Robinienhof Fronhausen / Sichertshausen
Robinienhof Fronhausen / Sichertshausen Kurzbeschreibung Nach 25 Jahren Leerstand kaufte ein neuer privater Eigentümer den stark vernachlässigten Robinienhof am Dorfeingang. In den nächsten Jahren wurde der unter Denkmalschutz stehende Hof von einem erfahrenen Planungsbüro saniert. Dabei stand der Erhalt des ursprünglichen Charmes und des baukulturellen Erbes im Fokus. Heute bietet der Hof Wohn- und Lebenseinheiten für zwölf Menschen in sieben Wohnungen. Ein weiterer Ausbau ist in Planung. Gebäudetyp Ehemaliger landwirtschaftlicher Hof Nutzungskategorien Wohnen Beteiligte Akteure Eigentümer und Vermieter: Andreas Bostroem, Planungsbüro Buchenauer, Marburg Ort und Landkreis (Bundesland) Fronhausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf(Hessen) Kontakt Service Wohnungsbau Hessen:service@wohnungsbau.hessen.de Link www.wohnungsbau.hessen.de (pdf)
Re:hof Rutenberg
Re:hof Rutenberg Kurzbeschreibung Im Jahr 2012 erwarb ein niederländisches Künstlerpaar den alten Pfarrhof, bestehend aus dem Pfarrhaus und angrenzenden Stallgebäuden sowie einer Scheune. Dazu kommt ein großes Grundstück. Mit viel Eigenleistung und -mitteln wurde das Ensemble innerhalb von drei Jahren umgebaut und es entstand ein Erholungsort, mit jeder Menge Platz und Möglichkeiten für Feiern und Veranstaltungen. Der Pfarrhof stellt das alte Dorfzentrum dar und wurde um 1870 erbaut. In den 1970er Jahren diente er als evangelisches Erholungsheim und stand vor seinem Umbau zum Re:Hof über Jahre leer, worunter die Bausubstanz bereits gelitten hatte. Gebäudetyp Landwirtschaftliche Gebäude, Kirchengebäude, Pfarrhof, Ensemble Nutzungskategorien Tourismus, Übernachtung, Gewerbe, Veranstaltungsort Finanzierung Eigenmittel Beteiligte Akteure Privatpersonen Ort und Landkreis (Bundesland) Lychen, Landkreis Uckermark (Brandenburg) Bildquelle: Website Kontakt Re:hof RutenbergDorfstraße 2317279 Lychengast@rehof-rutenberg.de Link www.re-hof.de
Pfarrhaus Langenwolmsdorf
Pfarrhaus Langenwolmtsdorf Kurzbeschreibung Im kleinen Ort Stolpen hat die evangelische Kirchengemeinde Stolpener Land einen Komplex aus Pfarrhaus und Nebengebäude erneuert. Das Nebengebäude, einst eine alte Scheune, wurde abgerissen und ein neues Gebäude gebaut, um die Gemeinderäume zu erweitern. Sie dienen hauptsächlich für die Nutzung von Kinder- und Jugendaktivitäten. Das Pfarrhaus als Hauptgebäude wurde saniert und bietet nicht nur Platz für Gottesdienste, sondern auch für private Feiern, Seniorentreffen und den örtlichen Posaunenchor. Somit dienen die Sanierung und der Umbau vor allem dem sozialen Miteinander. Gebäudetyp Pfarrhaus, ehemalige Scheune Nutzungskategorien Begegnung, Kultur, soziale Teilhabe Finanzierung LEADER, Landeskirche, Spenden. Eigenmittel Beteiligte Akteure Kirchengemeinde Stolpener Land, Privatperson Ort und Landkreis (Bundesland) Langenwolmsdorf, Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (Sachsen) Bildquelle: Website Kontakt Pfarramt StolpenAlte Schulstraße 901833 Stolpenpfarrarmt@kirche-stolpen.de Link www.laendlicher-raum.sachsen.de