Böhmsholz – ein Dorf im Wald bei Lüneburg Kurzbeschreibung Der Waldhof Böhmsholz, nur sechs Kilometer vom historischen Stadtkern Lüneburgs entfernt, war über Jahrzehnte ein beliebter Ausflugsort, umgeben von altem Baumbestand und einem Bachlauf. Der rund 14.000 m² große Ort aus sechs Gebäuden (ein ehemaliger Waldgasthof, mehrere Wohnhäuser, ein Pferdestall, zusammen etwa 1.400 m² Wohnraum mit 33 Zimmern) wurde über einen Immobilienmakler zum Kauf angeboten. Die Gebäude waren bereits kernsaniert und mussten nur geringfügig umgebaut werden. Daraus sind sieben Wohneinheiten entstanden. Seit Herbst 2023 leben dort dreizehn Erwachsene und zwölf Kinder, dazu drei Hunde, einige Kaninchen und Pfauen. Die Bewohner*innen wollten das Anwesen nicht nur privat nutzen, sondern auch für Veranstaltungen öffnen. Im alten Gasthaus ist dafür auf rund 100 m² ein Veranstaltungsraum für bis zu 50 Gäste entstanden, ergänzt um einen freistehenden Holzbackofen und die Terrasse vor dem denkmalgeschützten Fachwerkhaus. Gebäudetyp Waldhof Nutzungskategorien Gemeinschaftliches Wohn- und Eventprojekt Finanzierung Conplan Projektentwicklungsgesellschaft mbH, Kapital der Käufer*innen/Bauparteien Beteiligte Akteure Conplan Projektentwicklungsgesellschaft mbH & Co KG, 7 Familien Ort und Landkreis (Bundesland) Böhmsholz bei Lüneburg, Landkreis Lüneburg (Niedersachsen) Quelle: Website Kontakt Boomwood GmbH & Co. KGBöhmsholz 021399 Lüneburghallo@boomwood.orgstraeter@conplan-projekte.de Link www.conplan-projekte.de/boehmsholzwww.boomwood.org
Alsenhof (Lägerdorf) – Historisches Hofensemble
Alsenhof (Lägerdorf) – Historisches Hofensemble Kurzbeschreibung Der Alsenhof in Lägerdorf wurde 1850 von der Familie Alsen errichtet. Über die Jahrzehnte diente das 15.000 m² große Gelände mit Wohnhaus, Stallgebäude und Garten unter anderem einem Zementwerk und einer Möbelaufbereitungsfirma als Standort, ehe es längere Zeit leerstand. 2019 nahm die eigens gegründete Alsenhof eG ihre Arbeit auf, unterstützt vom Eigentümer Martin Dethlefsen, um den Hof zu einem Kreativzentrum für Wohnen, Arbeiten, Coworking und Begegnung zu entwickeln. Das Projekt dient als Schlüsselprojekt im Ortsentwicklungskonzept der Gemeinde Lägerdorf. Heute befinden sich im Wohnhaus ein Coliving-Projekt und ein aktiver Coworking-Space, dazu eine Selbsthilfewerkstatt für Camper, Bandproberäume, ein Eltern-Kind-Café und regelmäßige Workshops. Geplant ist die Sanierung des ehemaligen, rund 2.000 m² großen Stallgebäudes, für die aktuell eine Machbarkeitsstudie zur Bankfinanzierung läuft. Geplant ist die Nutzung als Coworking-Event-Halle. Grundstück und Gebäude gehören der Alsenhof Kreativzentrum GmbH. Gebäudetyp Historisches Ensemble mit einer Gesamtfläche von 15.000 m² Nutzungskategorien Gemeinwohlorientierter Zukunftsort. Er verbindet gemeinschaftliches Wohnen mit Arbeiten, Coworking und kulturellen Begegnungen im ländlichen Raum. Finanzierung Genossenschaftliche und unternehmerische Finanzierung, Genossenschaftsanteile, Kapital der Gründer und Investoren, Förderungen über CoWorkLand eG, Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein, das BMEL, die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, EFRE-Mittel und das Werkhaus, die Finanzierung der Coworking- und Eventhalle wird derzeit auf Grundlage einer Machbarkeitsstudie für eine Bankfinanzierung geprüft Beteiligte Akteure Alsenhof eG, Alsenhof Kreativzentrum GmbH, Coworkland (Machbarkeitsstudie), Kreative Nordlichter e.V. (Kooperationspartner). Gemeinde Lägerdorf, Netzwerk Zukunftsorte Quelle: Website Ort und Landkreis (Bundesland) Lägerdorf, Landkreis Steinburg (Schleswig-Holstein) Kontakt Alsenhof eGDorfstraße 1525566 Lägerdorfheiko@alsenhof.de Link www.zukunftsorte.land/orte/alsenhofwww.alsenhof.de
Posthof eG
Posthof eG Kurzbeschreibung Ungefähr 7 km von Rendsburg entfernt hat die Genossenschaft Posthof eG Anfang 2019 einen historischen Resthof mit 7 Hektar Wald, Wiesen und Garten gekauft, um dort ein gemeinschaftliches Hof- und Lebensprojekt aufzubauen. Aktuell leben dort in unterschiedlichen Wohnformen 12 Erwachsene und 6 Kinder zwischen 0 und 80 Jahren, dazu Schafe, Katzen und Hühner. Nachhaltigkeit und sozial-ökologische Transformation sind zentrale Leitideen des Projekts, das sich nach eigener Aussage weiterhin „mitten im Wandel und Aufbau“ befindet. Ein kleines Reetdach-Nebengebäude wurde zum „Seminarräumchen“ umgebaut, dort finden regelmäßig Yoga- und Qi-Gong-Kurse, ein Philosophie-Gesprächskreis, ein Frauenkreis, Kakao-Zeremonien und Jahreskreisfeste statt, außerdem lässt sich der Raum für Seminare, Workshops und private Feiern mieten. Der Hof beherbergt zudem eine BUND-Ortsgruppe, eine Naturerlebniswerkstatt für Kinder sowie eine FoodCoop und nimmt internationale Freiwillige auf. Gebäudetyp Historischer Resthof Nutzungskategorien Gemeinschaftliches Hof- und Lebensprojekt, Mehrgenerationen-Wohnprojekt, Workshops und Seminare Finanzierung Eigenkapital, solidarische Direktkredite aus dem persönlichen Netzwerk, Bankdarlehen, Genossenschaftsanteile, Mieteinnahmen Beteiligte Akteure Genossenschaft „Posthof eG“, Posthof Gemeinschaft (Bewohner*innen), BUND Ortsgruppe Rendsburg, FoodCoop Posthof, Naturerlebniswerkstatt Humulus Ort und Landkreis (Bundesland) Nübbel bei Rendsburg, Landkreis Rendsburg-Eckernförde (Schleswig-Holstein) Quelle: Website Kontakt Posthof eGNübbeler Weg 5324768 Rendsburgposthof-eg@posteo.de Link www.posthof-rendsburg.de
Neues Leben in alten Klassenzimmern – Wohnprojekt staTThus
Neues Leben in alten Klassenzimmern – Wohnprojekt staTThus Kurzbeschreibung Im Modellprojekt „Neues Leben in alten Klassenzimmern“ wurde das denkmalgeschützte ehemalige Osterhusumer Schulgebäude von 1951 zu einem generationenübergreifenden, gemeinschaftlichen Wohnprojekt mit 23 barrierefreien und barrierearmen Wohnungen umgebaut. Ziel war es, bezahlbaren Wohnraum auch für Menschen mit geringem Einkommen zu schaffen. Gemeinschaftsräume im Gebäude sollen soziale Kontakte ermöglichen, sowohl unter den Bewohner*innen als auch mit dem umliegenden Quartier. Getragen wird das Projekt von der gegründeten Kleingenossenschaft staTThus eG, die 2017 den Bauantrag stellte. Die meisten Bewohner*innen zogen bereits Anfang 2019 ein, die offizielle Einweihung fand im Juni 2019 statt. Da im inzwischen voll bewohnten Altbau alle Wohnungen vergeben sind, plant die Gemeinschaft nun unter dem Namen „staTThus wächst“ einen direkt angrenzenden Neubau mit 12 weiteren Wohnungen, für den im Mai 2026 der erste Spatenstich erfolgte. Gebäudetyp Ehemaliges Schulgebäude Nutzungskategorien Genossenschaftlich organisiertes Mehrgenerationenhaus Finanzierung Genossenschaftsanteil, zusätzlich Anteile je Quadratmeter, Bundeszuwendung 200.000 € aus dem Modellprogramm „Gemeinschaftliches Wohnen – Selbstbestimmt leben“, Soziale Wohnraumförderung des Landes Schleswig-Holstein über die IB.SH, Förderkredit der KfW, Mieteinnahmen Beteiligte Akteure Genossenschaft, Fachplaner, Stadt und Bewohnerschaft Ort und Landkreis (Bundesland) Husum, Landkreis Nordfriesland (Schleswig-Holstein) Quelle: Website Kontakt staTThus eG WohnprojektPestalozziring 11a25813 Husuminfo@statthus-husum.de Link www.statthus-husum.dewww.wohnprogramm.fgw-ev.dewww.planerkollektiv.de/statthus-husumwww.genossenschaftsgruendung.de/statthus-eg
Allmende Wulfsdorf – ein selbstverwaltetes Dorfprojekt
Allmende Wulfsdorf – ein selbstverwaltetes Dorfprojekt Kurzbeschreibung Auf dem ehemaligen Gelände eines seit 2001 leerstehenden Ausbildungszentrums in Ahrensburg-Wulfsdorf bei Hamburg ist ein lebendiges, genossenschaftlich organisiertes Dorf entstanden. Knapp 300 Menschen leben hier in etwa 15 Häusern unterschiedlicher Größe, inklusive eines integrativen Kindergartenhauses, eines Jugendhauses, eines Gesundheitszentrums und eines Atelierzentrums. Eine eigene Forschungshalle widmet sich der Kulturpflanzenentwicklung. Die Siedlungsstruktur des ehemaligen Ausbildungszentrums wurde dabei weitgehend erhalten und in das neue Konzept integriert. Das Zusammenleben organisiert sich über einen Verein, eine Wohnungseigentümergemeinschaft und eine eigene Bürgerstiftung, dazu Gremien wie Dorfrat und Lenkungsgruppe sowie zahlreiche Arbeitsgruppen, die von der Grünpflege bis zur Sozialfonds-Vergabe reichen. Ein Teil der Wohnungen ist sozial gebunden, um integratives und betreutes Wohnen für Menschen mit Behinderung zu ermöglichen. Eigenleistung der Bewohner*innen ist bis heute fester Bestandteil des Gemeinschaftslebens. Gebäudetyp Ehemaliges Erziehungsheim/Ausbildungszentrum Nutzungskategorien Wohnen, Gewerbe, Kultur/Kunst, Gesundheit, Kinder- und Jugendarbeit, Forschung, Gemeinschaft/Begegnung Finanzierung Eigenkapital, Bankdarlehen, Spenden sowie öffentliche Förderungen wie insbesondere durch das Innenministerium Schleswig-Holstein, Stiftung Mercator, IKEA-Stiftung Schleswig-Holstein, Landeslotterie Schleswig-Holstein, Stiftung trias Beteiligte Akteure Allmende Wulfsdorf e.V., Hausgemeinschaften, Stadt Hamburg, Stadt Ahrensburg, Conplan GmbH, verschiedene Architekturbüros Ort und Landkreis (Bundesland) Ahrensburg-Wulfsdorf, Landkreis Stormarn (Schleswig-Holstein) Quelle: privat Kontakt Allmende Wulfsdorf e.V.Bornkampsweg 3622926 Ahrensburginfo@allmende-wulfsdorf.de Link www.allmende-wulfsdorf.de
Boulderchurch in Bad Orb
Boulderchurch in Bad Orb Kurzbeschreibung Aufgrund rückläufiger Gottesdienstbesuche und Sicherheitsbedenken durch einen baufälligen Kirchenturm stand die katholische Kirche St. Michael in Bad Orb seit 2016 leer. Die beiden Freunde Marc Ihl (Betriebswirt) und Marco Köhler (Schreinermeister) verwandelten die leerstehende Kirche in eine Boulderhalle. Die Kirche wurde dafür teilentweiht. In einem Seitenflügel bleibt eine Kapelle für die katholische Gemeinde erhalten, die dort auch die Jugendkirche „Mountain“ betreibt. Nach mehrjähriger Planung und rund sechsmonatiger Bauzeit öffnete die Boulderchurch am 12. April 2025. Alte Kirchenbänke aus Eichenholz wurden zu Bistro-Möbeln und zur Verkleidung der Empfangstheke, zwei Beichtstühle zu Express-Umkleiden umgebaut. 2026 gewann das Projekt den 1. Platz beim Hessischen Demografie-Preis. Gebäudetyp Katholische Kirche Nutzungskategorien Sport/Freizeit, Gastronomie, Gemeinschaft/Begegnung, kirchliche Nutzung Finanzierung 100.000 € LEADER-Förderung, Mittel des Landes Hessen im Rahmen des GAP-Strategieplans 2023–2027, ca. 400.000 € Eigenkapital, 8.000 € Preisgeld beim Hessischen Demografie-Preis Beteiligte Akteure Marc Ihl und Marco Köhler als Gründer und Betreiber der Boulderchurch GmbH, Bistum/katholische Pfarrgemeinde Bad Orb, SPESSARTregional e.V. Ort und Landkreis (Bundesland) Bad Orb, Landkreis Main-Kinzig-Kreis (Hessen) Quelle: Website Kontakt BoulderchurchMichaelstraße 163619 Bad Orbinfo@boulderchurch.de Link www.boulderchurch.de
Kulturdenkmal Grandhotel Waldlust
Kulturdenkmal Grandhotel Waldlust Kurzbeschreibung Als das Grandhotel Waldlust 1902 eröffnet wurde, gehörte es zu den renommiertesten Hotels Europas. Nach der Schließung im Jahr 2005 stand das Gebäude mehr als 20 Jahre leer und verfiel zunehmend. 2019 übernahmen die „Denkmalfreunde Waldlust e.V.“, ein Tochterverein des seit 2006 bestehenden Denkmalvereins Freudenstadt, die Aufgabe, das Gebäude zu sichern und schrittweise instand zu setzen. Das Hotel blieb in den Händen eines privaten Investor. Der Verein begann, einzelne Bereiche des Gebäudes wiederherzustellen und nutzbar zu machen. Internationale Freiwilligengruppen arbeiteten den ehemaligen Tanzsaal im Untergeschoss auf, Auszubildende des Stuckateurhandwerks sanierten die Eingangshalle. Auch ein historischer Saalleuchter, der mehrere Jahre eingelagert war, wurde wieder im Gebäude angebracht. Inzwischen wird die Waldlust für Konzerte, Kunstausstellungen und Besuchertage genutzt. Gebäudetyp Luxushotel Nutzungskategorien Veranstaltungsort für Konzerte, Kunstausstellungen, Führungen und Fototouren Finanzierung Mitgliedsbeiträge und Spenden, Ticketeinnahmen, Unterstützung durch die Jugendbauhütte Baden-Württemberg Beteiligte Akteure Denkmalfreunde Waldlust e.V., Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg, Jugendbauhütte Baden-Württemberg/Deutsche Stiftung Denkmalschutz Ort und Landkreis (Bundesland) Freudenstadt, Landkreis Freudenstadt (Baden-Württemberg) Quelle: Website Kontakt Denkmalfreunde Waldlust e.V.Lauterbadstraße 9272250 Freudenstadtanfrage@waldlust-denkmal.de Link waldlust-denkmal.de/events
Gasthaus Adler
Gasthaus Adler Kurzbeschreibung Im Ortskern von Moosheim (Bad Saulgau) wurde das denkmalgeschützte ehemalige Gasthaus „Adler“ aus dem Jahr 1840 zu einem inklusiven Begegnungsort umgenutzt. Das Gebäude stand rund 30 Jahre leer, bevor ein Paar aus Architektin und Restaurator es 2020 entdeckte und sich trotz seines schlechten Zustands für den Erhalt entschied. In den folgenden fünf Jahren sanierten sie das Gebäude weitgehend in Eigenleistung und bewahrten dabei seine historische Bausubstanz und seinen Charakter. Die Idee für die heutige Nutzung entstand aus der persönlichen Erfahrung. Sie suchten nach einem bezahlbaren und barrierearmen Urlaubsort für eine Wohngruppe von Menschen mit Behinderung. Im „Adler“ wurden deshalb zwei barrierearme Ferienwohnungen eingerichtet. Seit September 2025 ist zudem das Café im Erdgeschoss regelmäßig geöffnet, ein kleiner Dorfladen befindet sich im Aufbau. Zwei Räume im Obergeschoss werden bereits für Veranstaltungen und Gruppentreffen genutzt. Im Juni 2026 wurde der „Adler“ von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg als „Denkmal des Monats“ ausgezeichnet. Gebäudetyp Ehemaliges Gasthaus Nutzungskategorien Inklusives Übernachtungsangebot mit einem Café, Dorfladen und Veranstaltungen Finanzierung LEADER (Regionalentwicklung Mittleres Oberschwaben, REMO), Zuschuss der Denkmalstiftung Baden-Württemberg, Eigenleistung und Spenden Beteiligte Akteure Corinna Wagner (Architektin, Denkmalpflege) und Jürgen Schulz-Lorch (Restaurator, Künstler), Regionalentwicklung Mittleres Oberschwaben (REMO) Quelle: Harry Schulz Ort und Landkreis (Bundesland) Bad Saulgau Moosheim, Landkreis Sigmaringen (Baden-Württemberg) Kontakt Gasthaus AdlerKirchstraße 4188348 Bad Saulgau Moosheimwagner@corinna-wagner.eu Link www.v1moosheim.de
Erfolgreich gegen den Gewerbeleerstand im Ortskern: Leerstandsmanagement Quierschied
Erfolgreich gegen den Gewerbeleerstand im Ortskern Leerstandsmanagement Quierschied Die 13.000 Einwohner*innen zählende Gemeinde Quierschied im Regionalverband Saarbrücken hat mit ihrem Leerstandsmanagement eine öffentlichkeitswirksame Anlaufstelle geschaffen, die Interessierte niedrigschwellig informiert und unterstützt. Um mehr über das Konzept und die Maßnahmen gegen Leerstände zu erfahren, haben wir uns auf den Weg in die 13 Kilometer nördlich von Saarbrücken gelegene Gemeinde gemacht und vor Ort mit dem Leerstandsmanager Sebastian Zenner, dem Kultur- und Veranstaltungsmanager Robin Schmelzer sowie Theresa Goldammer vom Fachbereich Bauen, Wohnen, Umwelt gesprochen. Theresa Goldammer, Sebastian Zenner und Robin Schmelzer auf dem Triebener Platz Leerstand und Wandel in Quierschied Wie viele andere Gemeinden auch steht die Gemeinde Quierschied vor der Aufgabe, einen belebten Ortskern für Anwohner*innen und Gewerbetreibende zu erhalten und ortsbildprägende Gewerbeleerstände zu reduzieren. Gesellschaftliche Veränderungen, wie der Online-Handel und die Entstehung von Einkaufszentren auf der grünen Wiese, aber auch die Nähe zur Landeshauptstadt Saarbrücken, sorgen dafür, dass die Geschäfte im Ortskern mit geringeren Gewinnen und steigenden Kosten konfrontiert sind und zunehmend schließen müssen. In Quierschied kommt außerdem eine Nachfolgeproblematik hinzu. In den vergangenen Jahren sind einige Gewerbetreibende in den Ruhestand gegangen, ohne eine Nachfolge für ihr Gewerbe zu finden. „Es findet sich oft einfach keiner, der das bestehende Geschäft mit Stammkundschaft, auch mit entsprechenden Kenntnissen vor Ort übernimmt. Wenn das wegfällt, ist natürlich die Hürde heutzutage durch die gesellschaftlichen Entwicklungen umso größer.“ (Sebastian Zenner) Das kommunale Leerstandsmanagement – Aufgaben und Grenzen Diesen Entwicklungen stellt die Gemeinde seit 2012 ein Leerstandsmanagement entgegen. Entstanden ist dieses ursprünglich im Rahmen der Städtebauförderung und wird seitdem von der Gemeinde finanziert. Seit 2017 ist Sebastian Zenner für die Leerstände zuständig, wobei das Leerstandsmanagement in die Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit und Gemeindemarketing integriert ist und nur einen Teil seiner Aufgaben ausmacht. Kernstück des Leerstandsmanagements ist die Sammlung und Vorstellung leerstehender Ladenlokale und Gastronomieflächen auf der Internetseite der Gemeinde. In der Regel werden hier zwischen fünf und zehn Gewerbeimmobilien präsentiert. In dem dazugehörigen Steckbrief finden Interessierte Informationen über die Quadratmeterzahl, Lage, ÖPNV-Anbindung, Besonderheiten wie Toiletten, Küchenanschlüsse, Keller, Barrierefreiheit und Kontaktinformationen. An die Informationen über die Leerstände kommt die Gemeinde in der Regel durch den Kontakt zu den Eigentümer*innen oder durch aufmerksame Anwohner*innen. Wenn Sebastian Zenner über Immobilienplattformen oder Social Media selber auf einen Leerstand aufmerksam wird, geht er auch direkt auf die Eigentümer*innen zu, um die Immobilie aufzunehmen. Auf der anderen Seite erreichen die Gemeinde ebenfalls Anfragen von Kaufinteressent*innen bzw. Immobiliensuchenden. Sebastian Zenner verweist dabei auch auf die Grenzen seiner Handlungsmöglichkeiten und Befugnisse, da er selbst nicht als Makler tätig wird und beispielsweise keine Annoncen im Amtsblatt platziert. Trotzdem kommt es vor, dass der Leerstandsmanager bei Bedarf die Immobiliensuchenden stärker unterstützt, indem er verstärkt in die Recherche geht und sich z. B. über die Eigentümer*innen informiert und bei der Immobiliensuche in eine beratende Rolle „rutscht“. Bei Bedarf begleitet er die Interessent*innen auch zu den Terminen mit den Eigentümer*innen oder stellt den Kontakt zum Bürgermeister her. Aus Zenners Sicht liegt die Stärke des Leerstandsmanagements in dem niederschwelligen, kostengünstigen und bedürfnisorientierten Vorgehen, wobei die Gemeinde einen Überblick erhält und bei Bedarf individuell unterstützen kann. „Im Gespräch mit den Interessenten und auch mit den Eigentümern bekommt man eine Vorstellung davon, welche Erwartungen auf beiden Seiten vorherrschen und kann vermittelnd einwirken oder beispielsweise auf Förderprogramme hinweisen oder ähnliches.“ (Sebastian Zenner) Ein wichtiger Aspekt ist darüber hinaus die Öffentlichkeitsarbeit. Laut Sebastian Zenner ist diese wichtig, um das Thema in den Köpfen der Menschen präsent zu halten und das Wissen zu festigen, an wen man sich bei Bedarf wenden kann. Zu diesem Zweck ruft die Gemeinde in unregelmäßigen Abständen dazu auf, bestehende Gewerbeleerstände zu melden. „Nur, wenn Eigentümer und auch Interessenten wissen, dass wir diese Unterstützung anbieten, können sie davon auch profitieren. Deshalb ist es immens wichtig, immer wieder öffentlich darauf hinzuweisen. Ich kann schließlich nur diejenigen Leerstände präsentieren, die mir bekannt sind.“ (Sebastian Zenner) Dazu gehört auch, Erfolge öffentlichkeitswirksam zu feiern: Bei Neuansiedlungen schaut deshalb schonmal der Bürgermeister vorbei, um die neuen Ladenbetreiber zu begrüßen. Darüber wird wiederum berichtet: Mit einer Pressemitteilung samt Foto, die im Amtsblatt und über den regionale Presseverteiler veröffentlicht wird. Auf diese Weise verbreitet sich die Erkenntnis, dass sich etwas zum Positiven verändert und die Gemeinde sich für einen belebten Ortskern einsetzt. Auch für die in der Regel jungen Unternehmen hat es einen Vorteil: In Form einer kostenlosen Anschub-„Werbung“ für ihr Geschäft. Mit Sebastian Zenner haben die Anwohner*innen zudem eine feste, in der Öffentlichkeit bekannte Ansprechperson, was einen unkomplizierten und persönlichen Austausch und Kontakt ermöglicht. „Wenn man das schon ein paar Jahre macht, wird man in einer kleinen Gemeinde wie Quierschied schon mal auf der Straße angequatscht. Das fällt vielen leichter, als eine E-Mail zu schreiben. Und generell ist es etwas anderes, wenn man jemanden schon kennt – beispielsweise aus einem Verein. Dann heißt es ‚Du machst das doch bei der Gemeinde.‘ Zwei Vermittlungen liefen genau über diesen Weg, nachdem ich auf dem Fußballplatz angesprochen wurde.“ (Sebastian Zenner) Einbahnstraße zur Ortsmitte Neues Leben für die Ortsmitte – die Erfolgsgeschichten Seit dem Amtsantritt von Sebastian Zenner im Jahr 2017 konnten durch das Leerstandsmanagement über zehn Ladenlokale oder Immobilien an neue Nutzer*innen vermittelt werden. Auch, wenn zwangläufig immer mal wieder neue Leerstände entstehen, ist die Bilanz positiv und die Leerstandsquote in der Quierschieder Innenstadt konstant – zwischenzeitlich sogar gesunken. „Generell glaube ich, dass wir die Gesamtsituation im Rahmen unserer Möglichkeiten verbessern konnten. Das liegt wohl auch an der öffentlichen Wahrnehmung und am Verbreiten positiver Nachrichten wie eben bei den Neuansiedlungen. Das gab es vorher in dieser Fülle nicht.“ (Sebastian Zenner) Ein großer Erfolg des Leerstandsmanagements der Gemeinde war vor einigen Jahren beispielsweise die Ansiedlung eines Verbrauchermarkts. Später zog ein Fitnessstudio in die Räumlichkeiten eines anderen Verbrauchermarktes ein. Zuletzt sind unter anderem eine Physiotherapie-Praxis, je zwei Imbisse, Bäckerei- und Post-Filialen, insgesamt drei Restaurants und Imbisse sowie eine Metzgerei mit Unterstützung des Leerstandsmanagements eröffnet worden. Auch ein Barbershop und ein Piercingstudio gehören zu den neuen lokalen Angeboten. Zuletzt konnte das Ladenlokal in einer am Marktplatz gelegene Immobilie, das zuletzt als Reisebüro genutzt wurde, nach kurzem Leerstand an eine neue Inhaberin vermittelt werden. Seit
Abtei Marienmünster – von der Klosteranlage zum lebendigen Kulturort
Abtei Marienmünster von der Klosteranlage zum lebendigen Kulturort Die ehemalige Benediktinerabtei Marienmünster im Norden des Kreises Höxter ist eine der am besten erhaltenen historischen Klosteranlagen Westfalens und lockt heute als Kultur- und Begegnungsstätte zahlreiche Touristen sowie Kultur- und Musikbegeisterte an. Träger ist die 2006 gegründete Kulturstiftung Marienmünster, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Erhalt der Klosteranlage zu sichern und Wissenschaft, Kunst und Kultur zu fördern. Vor Ort haben wir mit Hans Hermann Jansen gesprochen. Der Musiker kam vor über 35 Jahren in die Abtei und ist dort seitdem u. a. als Kulturmanager und Leiter der Kulturstiftung Marienmünster tätig. Blick von Westen auf die Abtei Marienmünster Strukturwandel und Leerstand Die Abtei Marienmünster wurde im Jahr 1803 nach über 650 Jahren klösterlichem Leben in Folge der Säkularisation aufgelöst und ihr Besitz verstaatlicht. Während die Pfarrkirche St. Jakobus im staatlichen Besitz blieb und nach wie vor von der Kirchengemeinde genutzt wird, wurde der westliche Teil der Anlage an verschiedene Privateigentümer verkauft, welche die Gebäude bis in das 21. Jahrhundert landwirtschaftlich nutzten. Aus dem Besitz der Familie Derenthal entstand 1817 die Derenthal’sche Stiftung, die sich später dem Erhalt der Klosteranlage widmete. Nachdem in den 1990er Jahre Teile des Wirtschaftshofes aufgegeben werden mussten, standen die drei Scheunen im Westen der Abtei leer. In Kombination mit dem schlechten baulichen Zustand erhöhte sich der Handlungsdruck, die Scheunen für die Zukunft zu sichern und wieder zu beleben. Hans Herrmann Jansen beschreibt außerdem, wie die Abtei Ende des 20. Jahrhunderts von einem Konglomerat an Nutzer*innen und Besitzer*innen geprägt war. „Wir haben festgestellt, dass dieser als Gesamtkorpus gedachte Zusammenhang im Jahr 1803 völlig zerstört wurde und in viele Partikularinteressen zerfiel.“ Kulturstiftung Marienmünster – mit Stifter-Identität zum Kulturort Im Jahr 1999 begannen die Beratungsgespräche mit den Eigentümer*innen und Anwohner*innen der Abtei gemeinsam mit der Stadt Marienmünster, dem Regierungspräsidium Detmold sowie dem Amt für Denkmalpflege in Bezug auf eine sinnstiftende Nachnutzung und Rettung der denkmalgeschützten Scheunen. Inhaltlich sollte die neue Nutzung dem Charakter eines Klosters entsprechen und als Ort der Gemeinschaft, Bildung und Kultur weitergedacht werden. Auf dieser Grundlage wurde die Idee, den ehemaligen Wirtschaftshof als Begegnungs- und Bildungsstätte zu etablieren, geboren. Über die Zeit hat sich ein musikalischer Schwerpunkt etabliert. Hintergrund war die bereits seit 1993 in der Abtei aktive Gesellschaft der Musikfreunde der Abtei Marienmünster e.V., welche es sich, ebenfalls unter der Führung von Hans Hermann Jansen, zur Aufgabe gemacht hat, das musikalisch-literarische Leben vor Ort zu unterstützen. 2006 wurde die Kulturstiftung Marienmünster als Betreiberin der Kulturstätte gegründet. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Derenthal’sche Stiftung, welche die Kulturstiftung nicht nur gründete, sondern ihr auch die Scheunen, bestehend aus Schafstall, Reisescheune und Ackerhaus, zur Verfügung stellte. Hans Hermann Jansen betont, wie wichtig die Gründung einer gemeinnützigen Stiftung für das Vorhaben war, um die Finanzierung und den kulturellen Auftrag langfristig zu sichern. Gleichzeitig trägt die Stiftung laut ihm zur gemeinschaftlichen Identität bei. „Das war für mich eben auch klar, dass es eine exemplarische Entwicklung auch im ländlichen Raum immer nur durch diese Stifter-Identitäten gibt.“ Mit der Kulturstiftung wird außerdem das Ziel verfolgt, die seit der Verstaatlichung des Klosters entstandenen verschiedenen Interessen zusammenzuführen. Vor diesem Hintergrund pachtete die Kulturstiftung weitere Gebäude und Flächen, wie den Klostergarten, welcher 2014 durch die Stiftung in seinen historischen benediktinischen Zustand gebracht wurde. In den 1990er Jahren hatte Hans Hermann Jansen außerdem damit begonnen, leerstehende Wohnungen auf dem Anwesen durch die Ansiedelung von Künstler*innen wiederzubeleben. Aus dieser Entwicklung entstanden vielfältige Nutzungspotenziale. Luftansicht Scheunen, Links: Schafstall, Mitte: Reisescheune, Rechts: Ackerscheune Frontansicht Ackerscheune (Konzertsaal) Von Schweinestall zum Konzertsaal – die Sanierung Mit dem Ziel, möglichst viel der ursprünglichen Bausubstanz und den historischen Charakter zu erhalten, wurde 2004 mit den Sanierungsarbeiten begonnen. Die Scheunen dienten zuletzt als Lager und Schweineställe. Die früheren Innenwände der Ackerscheune waren bereits entfernt worden und so konnte sie ohne eine Beschädigung der historischen Bausubstanz in einen Konzertsaal verwandelt werden. Kernaufgabe der behutsamen Restaurierung war die Erneuerung der über 300 Jahre alten, sanierungsbedürftigen Dächer aus Wesersandsteinplatten. Diese wurden mit regionaltypischen Solling-Sandsteinplatten neu eingedeckt. Ergänzt wurde die Sanierung mit einem modernen Zwischenbau, der die drei Scheunen verbindet und die historische Architektur durch einen zeitgenössischen Stil abrundet. 2007 konnte die erste, 2010 die zweite und 2013 die dritte Scheune eröffnet werden. Für die spätere kulturelle Nutzung der großen Räumlichkeiten war außerdem der Einbau eines modernen Energiesystems wichtig. Mit der Wandtemperierung, kombiniert mit einer Biogasanlage, kann heute zuverlässig und nachhaltig geheizt werden. Hans Hermann Jansen berichtet von einer gelungenen Sanierungsphase, die von einer guten Zusammenarbeit und einer großen Solidarität geprägt war. Die Derenthal’sche Stiftung war über den gesamten Zeitraum Bauherrin. Beteiligt waren außerdem die Stadt, der Kreis als untere Bauaufsichtsbehörde und die Bezirksregierung Detmold. Hinzu kamen viele ehrenamtliche Helfer*innen aus der Umgebung und der Region, die durch ihre hohe Solidarität und Identifizierung mit den Zielen der Kulturstiftung insgesamt über 600.000 Stunden Arbeit geleistet haben. Außenansicht, moderner Zwischenbau (Foto: Kulturstiftung Marienmuenster) Innenansicht Foyer in der Reisescheune (Foto: Kulturstiftung Marienmuenster) Finanzierung zwischen privatem Engagement und Förderungen Die finanzielle Grundlage für die Umnutzung der drei Scheunen, mit einem Gesamtvolumen von knapp 5 Mio. €, bildet eine gemischte Finanzierungsstruktur, bei der öffentliche und private Mittel miteinander kombiniert wurden. Eine Schlüsselrolle spielte das private Engagement der Derenthal’schen Stiftung, welche neben den Gebäuden auch Barvermögen einbrachte und die Gründung der Kulturstiftung mit einem Startkapital von 50.000 € ermöglichte. Gleichzeitig wurden für die Umnutzung verschiedene öffentliche Fördermittel genutzt. Der mit Abstand größte Anteil von 3 Mio. € konnte durch die Städtebauförderung abgedeckt werden. Weitere Sanierungsmaßnahmen wurden von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, dem Regionalen Wirtschaftsförderungsprogramm (RWP) und der NRW-Stiftung gefördert. Eine große finanzielle und psychische Belastung stellten die unvorhersehbaren zusätzlichen Kosten dar, welche nicht förderfähig und durch die Städtebauförderung nicht abgedeckt wurden. Daraufhin musste die Familienstiftung Schulden in Höhe von 1,5 Mio. € aufnehmen. „Die Familienstiftung war schachmatt durch die Städtebauförderung. Das war also eine Investitionsfalle, wenn man ganz ehrlich sein will. Die Eigenanteile wurden immer höher.“ Hans Herrmann Jansen hätte sich vor diesem Hintergrund ein Controlling für die Vorhaben der verschiedenen beteiligten Institutionen, Architekten und Bauleute gewünscht, um eine bessere Kalkulation der Kosten zu