Beuner Hof Kurzbeschreibung Der in Burgbrohl gelegene Beuner Hof, dessen Grundmauern auf das Jahr 1138 zurückgehen, ist Teil eines engagierten Vorhabens, das nach seiner Fertigstellung vielfältige Funktionen erfüllen soll. Geplant sind eine betreute Senioren-WG sowie Räumlichkeiten für einen Pflegedienst. Der ehemalige Stall und die Scheune wurden zu einem Hofladen mit regionalen Produkten und einem Hofcafé umgebaut. Zusätzlich entstanden Ferienwohnungen, um ein touristisches Angebot zu schaffen. Ergänzt wird das Ensemble durch einen Veranstaltungsraum, der unter anderem für Seminare genutzt werden kann. Das Projekt soll dazu beitragen, den Folgen des demografischen Wandels entgegenzuwirken und als Begegnungsstätte zu dienen. Gebäudetyp Gutshof, landwirtschaftliches Gebäude, historisches Gebäude Nutzungskategorien Nahversorgung, pflegerische Versorgung, medizinische, Versorgung, Veranstaltungsort, Gastronomie, Begegnung, soziale Teilhabe, Übernachtung Finanzierung LEADER, Eigenmittel Beteiligte Akteure Regionalmanagement, Privatpersonen Ort und Landkreis (Bundesland) Burgbrohl, Landkreis Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) Bildquelle: Theresa Göbel c/o Sweco GmbH Kontakt Sweco GmbHStegemannstraße 5-756068 Koblenzregionalentwicklung@sweco-gmbh.de Link www.leader-osteifel-ahr.de
Arche – ein Haus für Jung und Alt
Arche – ein Haus für Jung und Alt Kurzbeschreibung Um einem drohenden Zerfall der daseinsvorsorgenden Infrastruktur in Detern zuvorzukommen, wurde von der Gemeinde sowie der Kirchengemeinde Detern die Rettung der Kirchstraße beschlossen. Da die mit Apotheke, Gastronomie und Läden gesäumte Straße als Zentrum des Dorfes dient, sollte hier auch die Umsetzung des Projektes „Arche“ stattfinden – ein Ort, der für alle Altersgruppen Angebote schafft und die vielfältigen Bedürfnisse der Einwohner*innen abdeckt. Dafür wurde ein Gebäude-Ensemble, bestehend aus einem Haupthaus sowie der alten Dorfschule, saniert und zum Teil auch restauriert. Heute findet man vielfältige Angebote im Haupthaus vor sowie eine Krippe im Gebäude der alten Schule. Gebäudetyp Ehemaliges Schulgebäude, historisches Gebäude Nutzungskategorien Mehrgenerationen, Veranstaltungsort, Kultur, Bildung, Begegnung, soziale Teilhabe Finanzierung ELER, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung, Landesmittel, Landkreis Mittel Beteiligte Akteure Privatpersonen, Stöckener Hof UG, regionale Dienstleister Ort und Landkreis (Bundesland) Detern, Landkreis Leer (Niedersachsen) Bildquelle: Website Kontakt Mehrgenerationenhaus ArcheKirchstraße 2126847 Deterngemeinde@juemme.de Link www.arche-detern.de
Ampelhaus Oranienbaum
Ampelhaus Oranienbaum Kurzbeschreibung Das im Jahr 2016 mit Hilfe von LEADER-Mitteln sanierte Ampelhaus dient heute als Kunst- und Kulturhof. Mit Seminarräumen und Ausstellungsmöglichkeiten bietet es Raum für Künstler*innen, die über ihre Ausstellungen zur kulturellen Belebung der Region beitragen. Zudem beherbergt das Ampelhaus eine Ferienwohnung, die als Ausgangspunkt für Ausflüge in die Umgebung genutzt werden kann, z. B. zum Weltkulturerbe Ferropolis, der „Stadt aus Eisen“. Gebäudetyp Ehemaliges Ampelhaus, historisches Gebäude Nutzungskategorien Kunst, Kultur, Begegnung, Übernachtung Finanzierung LEADER, Denkmalschutz, Eigenmittel Beteiligte Akteure Privatperson, Interessensgemeinschaft Ort und Landkreis (Bundesland) Oranienbaum-Wörlitz, Landkreis Wittenberg (Sachsen-Anhalt) Bildquelle: Website Kontakt AMPELHAUSBrauerstrasse 3306785 Oranienbaum-Wörlitzpost@ampelhaus.com Link www.ampelhaus.com
Alte Schmiede
Alte Schmiede Kurzbeschreibung Im Zuge des Stadtentwicklungskonzeptes der Kreisstadt St. Wendel wurde im Stadtteil Hoof eine denkmalgeschützte Schmiede saniert. Die Schmiede dient nun als Mehrgenerationenplatz mit Aufenthaltsraum sowie Sitz- und Verweilmöglichkeiten. Freie Flächen rundum die Schmiede bieten Platz für Bewegung und Spiel für jede Altersgruppe. Außerdem besteht die Möglichkeit, sich über das Gebäude und seine Entwicklungsgeschichte wie auch über das Schmiedehandwerk zu informieren. Entsprechende Infotafeln sind auf dem gesamten Gelände verteilt. Gebäudetyp Ehemalige Schmiede, historisches Gebäude Nutzungskategorien Mehrgenerationen, Kultur, Begegnung, soziale Teilhabe, Bildung Finanzierung Landesmittel, ELER Beteiligte Akteure Kreisstadt St. Wendel Ort und Landkreis (Bundesland) St. Wendel-Hoof, Landkreis St. Wendel (Saarland) Bildquelle: Website Kontakt Stabsstelle StadtentwicklungRathausplatz 166606 St. Wendelstadtentwicklung@sankt-wendel.de Link www.sankt-wendel.de
Regionalmanagement in Mittelfranken – wie zwei Landkreise den Umgang mit Leerstand neu denken
Regionalmanagement in Mittelfranken – wie zwei Landkreise den Umgang mit Leerstand neu denken Auf unserer Bereisung in den Freistaat Bayern verschlug es uns in den Regierungsbezirk Mittelfranken. Hier haben wir uns zwei Landkreisen gewidmet und mit verschiedenen Akteur*innen vor Ort gesprochen. Stellvertretend für die Landkreise Ansbach und Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim kamen wir mit den jeweiligen Regionalmanagerinnen ins Gespräch. Im Kreishaus zu Ansbach erwartete uns die Diplom-Geografin Andrea Denzinger. Nach ihrem Studium war sie auf unterschiedlichen Ebenen im Bereich der regionalen Entwicklung tätig, ehe sie im Jahr 2021 ins Landratsamt Ansbach wechselte. Die Regionalmanagerin vom Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Andrea Linz ist studierte Landschaftsarchitektin und -planerin mit einem weiteren Abschluss im Aufbaustudiengang Nachhaltiger Tourismus. Im Jahr 2010 begann sie ihre Tätigkeit im Regionalmanagement des Landkreises Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim. Die Regionalmanagements leisten hauptsächlich Vernetzungsarbeit und sorgen für mehr Außenwirksamkeit der jeweiligen Maßnahmen und Projekte. Sie nehmen eine verbindende Position ein und agieren als Schnittstelle zwischen dem jeweiligen Landkreis und den Kommunen. Die Einordnung der Stabsstellen für Regionalmanagement erfolgt regional unterschiedlich. Im Landkreis Ansbach ist sie an die Wirtschaftsförderung angegliedert, im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim an die Kreisentwicklung. Beide Landkreise verbindet nicht nur ihre Lage im selben Regierungsbezirk, sondern vielmehr das besondere Augenmerk auf die kommunale Innenentwicklung und den Umgang mit leerstehenden Gebäuden. Hierbei spielen die Regionalmanagerinnen eine wesentliche Rolle, auf die wir im weiteren Verlauf des Blog-Beitrags noch genauer eingehen. Der mittelfränkische Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim: Ländlich, traditionell und dennoch innovativ Von der grünen Wiese zurück zum Ortskern: Strategiewechsel in den ländlichen Räumen Bayerns Die beiden mittelfränkischen Landkreise liegen in der Metropolregion Nürnberg im Norden Bayerns. Sie gelten nach Typisierung des Thünen-Instituts für Ländliche Räume als sehr ländlich, wobei dem Landkreis Ansbach eine gute und dem Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim eine weniger gute sozioökonomische Lage zugeschrieben wird. Durch ihre Nähe zu verschiedenen Mittel- und Großstädten – je nach geografischer Lage besteht eine gute Anbindung an Städte wie Aalen, Bamberg, Crailsheim, Ellwangen, Erlangen, Fürth oder Nürnberg – leben viele berufsbedingte Auspendler*innen in den beiden Landkreisen. Dies begünstigt eine relativ gute Verfügbarkeit an Einrichtungen der Daseinsvorsorge und macht die Region generell attraktiv. „Irgendwann ist der Bewusstseinswandel einfach eingetreten. Man muss ja nur durch die Ortschaften gehen, sich umschauen und man entdecke jede Menge graue Energie, die verfällt. Wenn man dann Flächenverbrauch im Außenbereich hat und im Ortskern gibt s immer mehr Leerstand, dann muss sich das Bewusstsein auch ändern und man muss ins Handeln kommen.“ (Andrea Denzinger) In den Interviews wird die Situation hinsichtlich Innenentwicklung und Leerstandsaktivierung wie folgt beschrieben: Vielerorts war der kommunale Ansatz lange eher auf die Entwicklung des Gewerbes und die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation ausgerichtet. Hiermit waren jedoch vordergründig die Außenentwicklung und das Bauen auf der „grünen Wiese“ verbunden. In den vergangenen Jahren fand jedoch ein Umdenken statt, wonach die Innenentwicklung wieder stärker in den Fokus der Städte und Gemeinden rückt. Gefördert wird dieses neue Bewusstsein seit Juli 2019 durch die „Flächensparoffensive Bayern“, ein flächendeckendes Programm der Bayerischen Staatsregierung. Demnach wurde das klare Ziel ausgerufen, die Inanspruchnahme neuer Flächen zu reduzieren und eine nachhaltige Flächenentwicklung in ganz Bayern zu fördern. Interkommunale Strukturen in Bayern – wie Netzwerke die Regionalentwicklung vor Ort gestalten Die regionalen Netzwerke in beiden Landkreisen weisen eine Besonderheit auf, die den Strukturen im Freistaat Bayern geschuldet sind. Regionalentwicklung ist stark interkommunal und kooperativ strukturiert – und findet in Form unterschiedlicher Zusammenschlüsse statt. Hierzu zählen die regionalen Planungsverbände, Kommunale Allianzen und Lokale Aktionsgruppen (LAG). Letztere sind im gesamten Bundesgebiet aktiv, da sie regionale Entwicklungsstrategien entwickeln und über die Förderung von Projekten im Rahmen der LEADER-Förderung entscheiden. Die regionalen Planungsverbände sind im Wesentlichen für die strategische Regionalplanung zuständig, welche dann auf den nachgelagerten Ebenen (Landkreise, Städte, Gemeinden) konkret umgesetzt wird. Regionaler Planungsverband Westmittelfranken Der regionale Planungsverband Westmittelfranken ist einer von landesweit 18 Verbänden und umfasst die Landkreise Ansbach, Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim und Weißenburg-Gunzenhausen. Durch den Planungsverband werden insgesamt 123 Städte, Märkte und Gemeinden sowie die kreisfreie Stadt Ansbach zu einer Planungsregion vereint. Das übergeordnete Ziel ist die Koordinierung der räumlichen Entwicklung in der jeweiligen Region. Dies geschieht mit Hilfe der Regionalplanung, welche sich an den vorgegebenen Zielen der Landesplanung Bayerns anlehnt. Kommunale Allianzen Die Kommunalen Allianzen sind freiwillige Zusammenschlüsse von Städten und Gemeinden, welche mit Arbeitsgemeinschaften zu vergleichen sind. Ihre Zielsetzung liegt in der interkommunalen Zusammenarbeit zur Bewältigung gemeinsamer Entwicklungsaufgaben. In den Landkreisen Ansbach und Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim gibt es insgesamt zwölf solcher Zusammenschlüsse. Diese setzen die Ziele der Regionalplanung auf der kommunalen Ebene um und greifen hierbei primär auf Mittel der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) und des Regionalbudgets zurück, um (gemeinsame) Projekte zu realisieren. Lokale Aktionsgruppen Eine weitere wichtige Säule der regionalen Entwicklung stellen die Lokalen Aktionsgruppen (LAG) dar, die sich mit Förderungen im Rahmen des LEADER-Programms befassen. In beiden Landkreisen agieren jeweils drei Aktionsgruppen, wobei sich die LAG Rangau über beide Kreise verteilt. Die Regionalmanagements der Landkreise initiieren Vernetzungs- und Austauschtreffen und wirken in den Gremien der Lokalen Aktionsgruppen mit. Zudem sorgen sie für mehr Sichtbarkeit von Projekten und Maßnahmen, beispielsweise mit den „Aktionstagen Innenorte“, die sich über mehrere Tage und an verschiedenen Orten den Themen der kommunalen Innenentwicklung widmen. Aktionstage Innenorte: Leerstand aktivieren und Innenentwicklung stärken Die „Aktionstage Innenorte“ hatten ihren Auftakt im Jahr 2019. Unter dem Motto „Mein Leben findet Innen statt“ können Interessierte seitdem im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim kommunale und private Projekte der Innenentwicklung und Leerstandsaktivierung kennen lernen und besichtigen. Im Jahr 2023 zog mit dem Slogan „Alte Hüllen – Neues Leben“ der Landkreis Ansbach nach und hat die Idee der „Aktionstage Innenorte“ für sich übernommen. Durch dieses Konzept und zielen die Regionalmanagements auf Bewusstseinsbildung, Erfahrungsaustausch und interkommunale Vernetzung. Bei Interesse an konkreten Projekten der „Aktionstage Innenorte“ finden Sie hier die Programmhefte für den Landkreis Ansbach (2023) und den Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim (2024). Nachfolgend werden einige Beispiele der Leerstandsaktivierung aus den beiden Landkreisen vorgestellt. Beispiele Landkreis Ansbach In ihrem Ortsteil Schweinsdorf erwarb die Gemeinde Neusitz eine ehemalige Gaststätte, um diese neu
Die Scheune Bollewick – vom Gutshaus zur Kulturscheune
Die Scheune Bollewick – vom Gutshaus zur Kulturscheune In Mecklenburg-Vorpommern prägten Gutsbetriebe über Jahrhunderte die ländliche Struktur. Vom 19. Jahrhundert bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie zentrale Akteure der Agrarwirtschaft und ihre meist adeligen Eigentümerfamilien bestimmten über das Leben der Menschen. Heute gibt es in Mecklenburg-Vorpommern noch über 2.000 Gutshäuser, Herrenhäuser, Schlösser und Burgen (Quelle: Hochschule Neubrandenburg). Den Erhalt dieses (bau-)kulturellen Erbes und die Sanierung der meist denkmalgeschützten Gebäude gehen vielerorts Gemeinden wie auch private Akteur*innen (u.a. Vereine, Stiftungen) an, um die Gebäude einer neuen Nutzung zuzuführen. So auch in Bollewick! Wir haben dort die größte Feldsteinscheune Deutschlands besucht und mit der Bürgermeisterin Antje Styskal sowie Doreen Hörning vom Scheunen-Management gesprochen. Bollewick ist auch für viele weitere, zukunftsweisende Entwicklungen und vielfältige Aktivitäten sehr bekannt und daher Ziel vieler Bildungsreisen, u.a. trägt die Gemeinde seit Jahren den Titel „Bioenergiedorf“. Die größte Feldsteinscheune Deutschlands: Geschichte und Visionen Die Geschichte beginnt im Jahr 1881, als Baron Wilhelm Adolf Theodor von Langermann in Bollewick bei Röbel an der Müritz entsprechend seiner Vision einer modernen Landwirtschaft das sogenannte „Landwunder“ errichten ließ: 125 Meter lang, 34 Meter breit, fast 10.000 Quadratmeter Nutzfläche. Die Scheune war ursprünglich Stallscheune für Schafhaltung, Lager und Wohnhaus in einem. Das Mauerwerk aus Feldsteinen wuchs pro Jahr einen Meter. Die Steine stammten von den umliegenden Feldern und wurden auf Steinplätzen bearbeitet, markiert und dann an der Scheune verbaut. Sehr gut sind die sogenannten Zwillingssteine zu erkennen, die durch das Spalten großer Steine entstanden. Ende der 1920er Jahre wurde das Gut wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten aufgelöst. Die Siedlungsgesellschaft „Hof und Hufe“ aus Berlin teilte die Scheune und das dazugehörende Land auf sieben Siedlerfamilien auf, die sie für Viehhaltung und Futterlager nutzten. Die Feldsteinscheune wurde Anfang der 1960er Jahre zwangskollektiviert und im Zuge des Umbaus in den 1970er Jahren von den Bauernfamilien abgekauft. Von 1968 bis 1991 nutzte die LPG „7. November“ das imposante Gebäude als Milchviehanlage mit 650 Kühen und offenen Güllelagern. Das Dorf war durch den Güllegestank sehr belastet. Die schlechten Haltungsbedingungen in einer Landwirtschaft, die Effizienz über Tierwohl stellte, hinterließen Spuren an den Gebäuden, bei den Tieren und den Menschen. Nach der der politischen Wende wurde die LPG „7. November“ liquidiert. Die Liquidatoren konnten die große Scheune auf Grund des maroden Zustandes nicht veräußern und boten das Gebäude der Gemeinde Bollewick als eine Schenkung an. Die Scheune, nun Altlast, stellte die Gemeindevertretung vor große Herausforderungen. In der Zeit des Umbruchs gab es viele Überlegungen, wie die große Scheune genutzt werden könnte; Investoren für eine gewerbliche Nutzung als Möbelhaus oder Baumarkt konnten nicht überzeugt werden. Bürgermeisterin Antje Styskal und Doreen Hörning vom Scheunen-Management vor dem Eingang der Scheune Bollewick Der damals frisch gewählte Bürgermeister Bertold Meyer, dessen Großvater einst zu den Siedlerfamilien gehörte, erkannte das Potenzial des Bauwerks und kämpfte für den Erhalt. „Seine Vision und Initiative hat nach der Wende vor 30 Jahrenaus seiner großen Verbundenheit mit der Scheune begonnen.““(Antje Styskal) Bürgermeister Meyer konnte die Gemeindevertretung überzeugen, die Scheune neu zu nutzen, auch wenn er mit Gegenwind zu kämpfen hatte. Unterstützt wurde er dabei von der Künstlerfamilie Löhlein und seinem Freund Werner Schinko, dem bekannten Illustrator und Künstler. Gemeinsam entwickelten sie die Idee, einen Ort für die Vermarktung regionaler Produkte, Kultur, Kunst und Kunsthandwerk aus der Region zu schaffen. Damit legten sie den Grundstein für eine der eindrucksvollsten Wiederbelebungen im ländlichen Raum Mecklenburgs. Sanierung – Stein für Stein ins neue Leben Bürgermeister aus der Region und der Landrat gründeten 1991 die Arbeits- und Ausbildungsinitiative Röbel e.V. um der stark angestiegene Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken, Sitz dieses Vereins wurde die Feldsteinscheune in Bollewick, Bertold Meyer übernahm die Geschäftsführung. Ab 1992 wurde entkernt, gereinigt, Altlasten und Abraum auch der angrenzenden Flächen und den Güllelagunen wurden entsorgt. Dabei fanden viele der ehemaligen LPG Arbeiter*innen aus der gesamten Region eine neue Arbeitsstelle. Über die Arbeits- und Ausbildungsinitiative Röbel e.V. wurde nicht nur Arbeit in vielen regionalen Projekten organisiert, sondern jüngere Menschen konnten hier auch verschiedene Ausbildungen absolvieren. 1997 erhielten Verein und Gemeinde für diese Leistung unter anderen den Tassilo Tröscher-Preis der Agrasozialen Gesellschaft e.V. in Göttingen. Die Zeit nach der Wende bot die Chance, neu zu denken und Dinge einfach auszuprobieren, sodass die Gemeinde die Planungsphase zügig umsetzte. In den folgenden Jahren wurde Raum um Raum erneuert. Bei der Sanierung wurden z. B. alte Fenster, Türen und Dachziegel aus Abrisshäusern aus der Umgebung verbaut, vor allem in der heutigen „Markthalle“ ist dies heute zu sehen. So ist auch in den Räumlichkeiten im Inneren der Scheune ein historischer Charakter entstanden. Gefördert wurde die Sanierung über EU-, Landes- und Denkmalschutzprogramme (u. a. LEADER) und auch kommunale Eigenmittel. Der Denkmalschutz bewahrte das charakteristische Feldsteinmauerwerk, ließ aber Gestaltungsfreiheit im Inneren. Die Sanierung der Feldsteinscheune schuf Identität und holte die Menschen aus der „Schockstarre“ der Wendeerfahrung, des Umbruchs und der Schließungen. „Nach der Zeit des Stillstands ging es weiter, es ging vorwärts und es wurde etwas Neues geschaffen. Die Menschen machten die Erfahrung ‚Wir können auch etwas gut!‘ Mit der Sanierung haben sie die Tradition aufrechterhalten.“(Antje Styskal sowie Doreen Hörning) Durch die Anstellung in der Arbeits- und Ausbildungsinitiative Röbel e.V. und die vielfältigen Arbeiten und Aufgaben in der Scheune qualifizierten sich viele Beschäftigte und wurden befähigt, sich selbstständig zu machen. In der Folge entwickelten sich neue Betriebe in der Region. Nach der Wende fehlte es in der Region an Infrastruktur. Wie groß das Interesse an kulturellen Angeboten war, zeigte sich bei den ersten Veranstaltungen 1994. Die Kulturscheune Bollewick erlebte einen enormen Besucheransturm: Zur ersten Veranstaltung, der „Messe made in Mecklenburg“ kamen an vier Tagen 6.000 Gäste, den Ostermarkt 1996 besuchten dann schon 10.000 Gäste an zwei Tagen. Auch bei den Veranstaltungen arbeiteten viele Menschen zumeist ehrenamtlich mit. Die Scheune wurde zum Anker mit großer Strahlkraft in die Region. 1993 musste das Dach nach einem schweren Sturmschaden vollständig saniert werden. Eine Investition, die die Gemeinde über Zahlungen der Versicherung sowie Kredite finanzierte. Im Zuge der Dachsanierung erfolgte auch der Ausbau des ersten Obergeschosses. Nutzung – Unternehmen, Kunst, Kultur, Dorfgemeinschaft und Tourismus unter einem Dach Heute ist die Scheune Bollewick
Ein Kind der Wende und die Idee vom Neuanfang – wie ein Bürgermeister mit Mut zur Bodenpolitik Zukunft gestaltet
Ein Kind der Wende und die Idee vom Neuanfang Wie ein Bürgermeister mit Mut zur Bodenpolitik Zukunft gestaltet Marco Beckendorf, der Bürgermeister der Gemeinde Wiesenburg/Mark, hat sich entschieden, Schrumpfung nicht als Naturgesetz zu akzeptieren, sondern als einen Auftrag zum Handeln. Die Gemeinde im Westen Brandenburgs – ein Zusammenschluss von 14 Orten mit rund 4.200 Einwohner*innen auf einer Fläche von 220 Quadratkilometern – verfolgt seit einigen Jahren konsequent eine aktive Boden- und Kreditpolitik. Der Ansatz ist so einfach wie mutig: Nicht das Sparen allein bringt eine peripher gelegene, ländliche Gemeinde voran, sondern das bewusste Nutzen von Entwicklungschancen – finanziell hinterlegt, professionell organisiert und mit klaren Zielen. „Sparen allein stoppt keine Schrumpfung.“(Marco Beckendorf) Die amtsfreie Gemeinde im Landkreis Potsdam-Mittelmark war lange Zeit mit den klassischen Herausforderungen strukturschwacher Räume konfrontiert: Hohe Auspendlerquoten, sinkende Bevölkerungszahlen, Arbeitsplatzverluste und eine niedrige kommunale Steuerkraft. Über 30 Prozent der Bevölkerung gingen in den Jahren nach der Wiedervereinigung verloren. In den letzten Jahren lag der jährliche Verlust bei rund einem Prozent. Arbeitsplätze gingen ebenfalls verloren. Innerhalb von acht Jahren reduzierte sich die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs um rund 15 Prozent. Die kommunale Steuerkraft lag mit etwa 500 Euro pro Kopf deutlich unter dem Landesdurchschnitt von rund 1.000 Euro. „Damals lag Aufbruch in der Luft. Man hatte das Gefühl, alles sei möglich. Ich wollte die Energie, die ich als Kind erlebt habe, nach Brandenburg zurückbringen.“(Marco Beckendorf) Ein starkes Team für nachhaltige Entwicklung: Regionalmanager*innen Matthias Braun und Laura Ryll, Anne Konstanze Eilzer von der Wirtschaftsförderung und Gemeindebürgermeister Marco Beckendorf Bürgermeister Marco Beckendorf, der aus Brandenburg stammt und als Kind die Umbruchzeit nach 1990 miterlebte, entschloss sich, die Entwicklung nicht hinzunehmen. Die positive Aufbruchsstimmung, die er damals erlebt hatte, wollte er nun selbst gestalten – zurück in eine Region, in dem Bundesland, aus dem er selbst kommt. In seinem Wahlkampf warb er mit der Überzeugung, dass auch strukturschwache Regionen Zukunft haben, wenn sie diese aktiv gestalten. Wer Fläche hat, hat Zukunft – eine kommunale Investitionsstrategie stärkt Ortskerne und lokale Wirtschaft Nach vier Jahren Konsolidierung gelang es der Gemeinde, ihre „dauernde Leistungsfähigkeit“ nachzuweisen – die Voraussetzung, um Investitionskredite aufnehmen zu dürfen. In der Niedrigzinsphase entschied sich die Gemeinde bewusst, 7 Millionen Euro an Krediten aufzunehmen. Dieses Kapital diente nicht dem kurzfristigen Ausgleich, sondern einer langfristigen Strategie: dem Erwerb von Schlüsselimmobilien und Entwicklungsflächen für Wohnen und Gewerbe. Damit schuf sich Wiesenburg/Mark einen Flächenvorrat für die kommenden zehn bis fünfzehn Jahre. „Es braucht große Projekte, um die Schrumpfung aufzuhalten; die halte ich nicht auf, indem ich nur eine Kita saniere, sondern indem ich Entwicklungspotenziale nutze.“(Marco Beckendorf) Dieses Vorgehen bedeutete ein kalkulierbares Risiko – und es eröffnete Spielräume. Während die jährlichen investiven Schlüsselzuweisungen vom Land Brandenburg bei etwa 150.000 bis 200.000 Euro liegen, entspricht die Kreditaufnahme einem Vielfachen davon. In gewisser Weise hat die Gemeinde ihre Investitionskraft kurzfristig verstärkt, um sich langfristig zu entwickeln. „Innenentwicklung ist teurer – aber sie zahlt auf die Ortsqualität ein.“(Marco Beckendorf) Der Kern der Strategie lautet Innenentwicklung vor Außenentwicklung. Wiesenburg/Mark setzt auf das Revitalisieren brachliegender Gewerbeflächen innerhalb des Orts, auf Altlastenbeseitigung, Umnutzung und Nachverdichtung. Flächen wie das ehemalige Kreismaschinenwerk oder das Ko-Dorf-Areal werden zu neuen Wohnbaugebieten entwickelt, statt auf der grünen Wiese neue Siedlungsflächen auszuweisen. Außenentwicklung findet lediglich dort statt, wo sie den Ortsrand sinnvoll abrundet – etwa bei großen Baulücken, die formal als Außenbereich gelten. Dieser Weg ist teurer, langsamer und komplizierter, erfordert Gutachten, Beräumung, Fördermittelanträge und Verwaltungskapazitäten. Doch er stärkt die Ortsmitte, nutzt bestehende Infrastrukturen besser aus und verhindert zusätzliche Flächenversiegelung. „Die Bürger können heute ihre Sanierung über eine Hypothek hinterlegen – das war früher schlicht nicht drin.“(Marco Beckendorf) Ein entscheidender Baustein ist die aktive kommunale Bodenpolitik. Die Gemeinde hat Grundstücke aufgekauft, entwickelt und gezielt verkauft. Dabei wurde bewusst auf Konzeptvergaben gesetzt – nicht der Höchstpreis entscheidet, sondern die Qualität des Vorhabens. Parallel dazu setzte die Gemeinde Instrumente wie das Vorkaufsrecht und – wenn nötig – Zwangsversteigerungen ein, um Schlüsselgrundstücke zu erwerben. Die Bodenwerte im Ortskern stiegen dadurch schrittweise von rund 20 Euro pro Quadratmeter auf 80 Euro pro Quadratmeter. Dieser Anstieg ist kein Selbstzweck, sondern eine wichtige finanzielle Hebelwirkung: Bürgerinnen und Bürger erhalten nun realistische Beleihungswerte bei Banken und können Kredite aufnehmen, um Häuser zu sanieren oder zu modernisieren. Vor Ort wird nicht zwangsläufig auf die Ansiedlung großer Betriebe gesetzt, sondern auf kleinteilige, lokal verankerte Wirtschaft. Die Gemeinde kauft beispielsweise Hallen und Gewerbeflächen, um diese günstig an Gründer*innen vermieten zu können. Ein konkretes Beispiel: Ein Strohhausbauer begann als Einzelunternehmer und beschäftigt mittlerweile einen Gesellen und zwei Auszubildende. Ähnliche Entwicklungen gibt es bei lokalen Handwerksbetrieben und erneuerbaren Energien. Die vorhandenen Biogasanlagen schaffen Beschäftigung und tragen zur regionalen Wertschöpfung bei. Damit verfolgt die Gemeinde den langfristigen Ansatz, lokale Betriebe aufzubauen, die nicht nach wenigen Jahren wieder verschwinden, sondern ein wichtiger Teil der lokalen Entwicklung werden. Ein Ort, viele Chancen: Wiesenburg gestaltet seine Zukunft durch gezielte Umnutzungen Marco Beckendorf kann bereits auf einige Projektumsetzungen und -entwicklungen zurückblicken. Aber auch zukünftig liegt noch viel Arbeit in der Gemeinde an. Im Interview betonte der Bürgermeister die konsequente und zügige Umsetzung von Maßnahmen, um etwas Greifbares und Vorzeigbares zu haben. Dies sei wichtig, um der Bevölkerung zu zeigen, dass etwas passiert, dass die Kommune konkret handelt und nicht nur Versprechungen macht. Das wiederum schafft möglichst großes Vertrauen und sorgt dafür, dass weitere Projekte entstehen können. Erwähnenswert sind insbesondere die Rote Villa, die Kunsthalle und das Gelände der ehemaligen Brennerei. Die Kunsthalle und die alte Brennerei liegen in unmittelbarer Nähe zum Schloss und zum Rathaus, in dem die Gemeindeverwaltung sitzt. Bei der Brennerei handelt es sich um einen Gebäudekomplex aus dem Jahr 1853 mit einem Anbau aus der Nachwendezeit. Dort sind ein Supermarkt, eine Bankfiliale und Ärzte Mieter. Die Gemeinde nutzte ihr kommunales Vorkaufsrecht, um das Gebäude und das Areal mit Hilfe einer Kreditfinanzierung zu erwerben. Damit möchte sie die zentrumsnahe Versorgung dauerhaft sicherstellen und den Druck aus der gewerblichen Mietpreisentwicklung nehmen. Blick auf das Gelände der ehemaligen Brennerei vom Schloss Wiesenburg Zu der Brennerei gehörte auch ein Pferdestall für die Kutschpferde. Dieser wurde zunächst zu einer Sporthalle umgebaut und später als örtliche Kunsthalle
Ein Schreibtisch für die Region – wie Prüm mit einem Coworking-Space im ländlichen Raum neue Wege geht
Ein Schreibtisch für die Region Wie Prüm mit einem Coworking-Space im ländlichen Raum neue Wege geht Wer das frühere Verwaltungsgebäude des alten Kreiswasserwerks in Prüm betritt, spürt noch den „Charme“ vergangener Behördenzeiten: graue Flure, schwere Türen, ein Hauch von Aktenstaub in der Luft. Doch hinter der Tür im zweiten Obergeschoss öffnet sich ein ganz anderer Raum. Helle Schreibtische, Pflanzen, gedämpfte Gespräche, leises Tastaturklappern. Hier, wo jahrelang niemand arbeitete, hat die Zukunft Einzug gehalten. Der „Schreibtisch in Prüm“ wirkt auf den ersten Blick unspektakulär. Acht Arbeitsplätze, ein Besprechungsraum, eine Kaffeeküche, solide technische Ausstattung. Kein Startup-Hochglanz, keine hippe Inszenierung. Und doch erzählt dieser Ort davon, wie eine ländliche Region Zukunft gestaltet – pragmatisch, mutig und mit einem tiefen Verständnis für das, was Menschen brauchen, um gut leben und arbeiten zu können. Dass der Coworking-Space hier entstanden ist, war weder Zufall noch das Ergebnis eines strategischen Fahrplans. Es begann – wie so vieles in ländlichen Räumen – mit einem guten Gespräch. Die Idee entsteht – ein urbanes Konzept trifft auf ländliche Realität Als die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz 2015 mit ihrem Projekt „Digitale Dörfer“ erstmals begann, sich mit ländlichen Coworking-Modellen zu befassen, war die Grundfrage klar: Wie lässt sich der Alltag der Menschen in ländlichen Räumen durch digitale Arbeitsformen verbessern? In vielen Gemeinden in Rheinland-Pfalz waren die Arbeitsplätze weit entfernt mit entsprechend langen Pendelwegen. Gleichzeitig wuchsen die Leerstände aufgrund von demographischen und/oder wirtschaftsstrukturellen Verwerfungen. Die Idee in Richtung Coworking reifte schließlich auch durch inspirierende Beispiele aus anderen Ländern: Kleine Arbeitsräume in irischen Dörfern, multifunktionale Arbeitsplätze in Frankreich oder in Skandinavien zeigten, dass Coworking nicht nur ein urbanes, sondern auch ein ländliches Instrument sein kann. Im Jahr 2016 kam diese Erkenntnis endgültig in Prüm an und das Projekt nahm Fahrt auf. Bei einem Vorgespräch mit Bürgermeister Aloysius Söhngen zeigte sich schnell, dass die Verbandsgemeinde ein idealer Standort für ein solches Modellprojekt war. Prüm war geprägt von vielen Auspendelnden, die weite Strecken zurücklegen mussten – nach Luxemburg, nach Köln, nach Bonn. Ein lokaler Arbeitsplatz – flexibel nutzbar, technisch gut ausgestattet und klar von der eigenen Wohnsituation getrennt – schien hier enormes Potenzial zu bieten. Gleichzeitig stand das ehemalige Wasserwerksgebäude leer: zentral gelegen, gut erreichbar, mit ausreichend Parkmöglichkeiten. Ein Ort, der darauf wartete, wieder gefüllt zu werden. „Die Idee entstand, weil klar war: Viele Menschen pendeln täglich weit. Und Prüm kann mehr sein als Ausgangspunkt für lange Arbeitswege.“(Julia Schmitz) Dass das Modellvorhaben überhaupt nach Prüm kam, lag schließlich an einem Förderaufruf der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz. Die Verbandsgemeinde bewarb sich nicht aktiv, sondern wurde direkt in Gespräche eingebunden. Das Projekt wurde zunächst der Kreisverwaltung vorgestellt, anschließend dem Kreisausschuss, der über die Bereitstellung der Räume entscheiden musste. Von Beginn an war klar: Die Entwicklungsagentur würde in der Modellphase die Trägerschaft übernehmen – inklusive Betriebskosten, Öffentlichkeitsarbeit und Verwaltungsaufwand. Die Verbandsgemeinde stellte Ansprechpartner*innen vor Ort und begleitete den organisatorischen Rahmen, ohne eigene Kosten tragen zu müssen. Vom Leerstand zum Arbeitsraum – wie aus einer Idee ein Ort wird Nach den ersten Gesprächen im Frühjahr 2016 ging es vergleichsweise schnell. Vertreter*innen von Verbandsgemeinde, Kreisverwaltung und Entwicklungsagentur legten gemeinsam fest, wie die Räume genutzt und ausgestattet werden sollten. Anfang 2017 begann die Einrichtung: Böden wurden erneuert, Möbel aufgebaut, die technische Infrastruktur verlegt. Die Räume waren in gutem Zustand, sodass der Umbau zügig voranging. Parallel startete die Öffentlichkeitsarbeit. Der „Schreibtisch in Prüm“ wurde in der Prümer Rundschau, im Trierischen Volksfreund und auf den digitalen Kanälen der Verbandsgemeinde angekündigt. Auf der Grenzlandschau und beim „Prümer Sommer“ informierte die Entwicklungsagentur an Infoständen über die neuen Arbeitsmöglichkeiten. Der Coworking-Space war von Beginn an sichtbar – und er wurde verstanden als etwas, das den Alltag der Menschen in Prüm tatsächlich erleichtern konnte. „Der Startschuss fiel sehr früh – und sehr entschlossen. Es war klar: Das ist eine Chance, die wir nutzen müssen.“(Marcel Palms) Nur wenige Wochen nach dem ersten Austausch wurde das Projekt dem Kreisausschuss vorgelegt. Der Kreis stellte die Räume mietfrei zur Verfügung, die Entwicklungsagentur übernahm als Trägerin die gesamte Verantwortung für Kosten, Betrieb und Nutzerverwaltung. Die Verbandsgemeinde stellte lokale Ansprechpartner*innen. Was andernorts jahrelang dauert, geschah hier in wenigen Monaten. Im Juli 2017 wurde der Coworking-Space eröffnet. Vier Büros mit jeweils zwei Arbeitsplätzen, ein Besprechungsraum, eine kleine Kaffeeküche – funktional, freundlich, solide. Der Anfang: Aufbau eines Nutzerkreises und die Frage der Akzeptanz Wie bei vielen neuen Konzepten in ländlichen Räumen ging es in den ersten Monaten vor allem darum, Vertrauen aufzubauen. Wer sollte überhaupt kommen? Welche Berufe würden das Angebot nutzen? Und wie viel Nachfrage würde sich tatsächlich entwickeln? Doch die ersten Buchungen ließen nicht lange auf sich warten. Bereits nach wenigen Wochen waren die ersten Schreibtische vergeben und bis 2019 wuchs die Zahl der regelmäßigen Nutzer*innen auf vier – eine stabile Auslastung von 50 Prozent in einem jungen Projekt, das erst dabei war, sich im Alltag der Region zu verankern. Die Nutzer*innen kamen zumeist aus Berufen, in denen digitale Arbeit flexibel möglich ist: IT, Projektmanagement, Coaching, Grafikdesign, Außendienst, Start-ups oder Beratung. Einige arbeiteten für Arbeitgeber in Ballungsräumen, andere waren selbstständig. Gemein war ihnen das Bedürfnis nach einer professionellen Arbeitsumgebung, die zugleich wohnortnah gelegen ist. Die Pandemie – und ein Raum, der plötzlich unverzichtbar wurde Als im Frühjahr 2020 die Corona-Pandemie ausbrach und viele Arbeitnehmer*innen ins Home Office zwang, wurde Coworking in Prüm plötzlich zu einer echten Alternative. Lange Pendelstrecken nach Luxemburg, Belgien oder Köln ließen sich durch ein oder zwei Tage Arbeit im Coworking-Space ersetzen. Besonders Menschen, die zu Hause kein Arbeitszimmer hatten bzw. nicht in Ruhe arbeiten konnten, fanden hier einen verlässlichen, professionellen Arbeitsort. „Viele wollten einfach einen klaren Ort zum Arbeiten. Nicht Küche, nicht Esstisch, nicht Kinderzimmer.“(Julia Schmitz) Während der Pandemie war der „Schreibtisch in Prüm“ fast durchgehend ausgelastet. Doch auch nach dem Ende der Kontaktbeschränkungen blieb die Nachfrage überraschend hoch. Viele Nutzer*innen merkten, dass die direkte Trennung von Arbeits- und Privatleben – ein professionelles Büro ohne häusliche Ablenkungen – einen Mehrwert schuf, den das Home Office allein nicht bieten konnte. Heute sind sechs der acht Arbeitsplätze dauerhaft belegt. Die durchschnittliche Nutzungsdauer liegt bei etwa einem Jahr. Ein Coworker jedoch hat den Raum seit sieben
Ein historisches Pfarrhaus als Anker der medizinischen Versorgung – Mehren/Vulkaneifel als gelungenes Beispiel für die kooperative Sicherung daseinsvorsorgender Infrastruktur
Ein historisches Pfarrhaus als Anker der medizinischen Versorgung Mehren/Vulkaneifel als gelungenes Beispiel für die kooperative Sicherung daseinsvorsorgender Infrastruktur Als der letzte Pfarrer Ende 2019 das barocke Pfarrhaus im rheinland-pfälzischen Mehren/Vulkaneifel verließ, stand das Gebäude plötzlich leer – und mit ihm eine über Jahrhunderte gewachsene Verbindung zwischen dem Dorf, den dort lebenden Menschen und der Kirche. Leerstand wäre die einfachste Lösung gewesen. Doch Mehren entschied anders: Statt aufzugeben, begann die Kath. Kirchengemeinde, Zukunft zu bauen. Zur selben Zeit nämlich suchte die Allgemeinmedizinerin Christel Werner neue Räumlichkeiten. Ihre bisherige Praxis im Dorf war mittlerweile zu klein geworden, die Mietverträge liefen aus und die Zeit drängte. So kreuzten sich die Wege und es entstand ein Projekt, das bis heute beispielhaft für die Sicherung der medizinischen Versorgung in ländlichen Räumen steht. „Wir wollten nicht nur ein Gebäude retten, sondern Versorgung sichern. Und das mitten im Dorf, nicht am Rand.“(Roland Thelen) Hausärztin Christel Werner mit Architekt und Verwaltungsratsmitglied Roland Thelen Die Vorderansicht des alten Pfarrhauses von der Hauptstraße aus Christel Werner kennt Mehren seit Jahren, sie arbeitete hier bereits seit dem Jahr 2010 und übernahm sechs Jahre später die Praxis ihres Vorgängers. Weggehen war keine Option, im Gegenteil: „Ich war hier angekommen“, sagt sie. Ihre Entscheidung, weiterhin vor Ort zu bleiben, war Ausgangspunkt für ein Vorhaben, das schließlich kirchliche Trägerschaft und kommunale Verantwortung auf innovative Weise verbindet. Das Ergebnis: ein denkmalgeschütztes Pfarrhaus, das heute eine Arztpraxis beherbergt – mit Charakter und Strahlkraft. „Ich habe immer gedacht: Wenn ich das hier mache, dann richtig. Und wenn das Projekt gelingt, ist es ein Gewinn für alle.“(Christel Werner) In den Räumlichkeiten des alten Pfarrhauses ist neben modernen Behandlungsräumen der Charme des Gebäudes bei der Umnutzung erhalten geblieben Durch Engagement, Kooperation und gezielter Förderung zum Erfolg – ein gelungenes Zusammenspiel von Kirche, Kommune, einer engagierten Hausärztin und Drittmittelgebern Was heute selbstverständlich wirkt, war zunächst eine ungewöhnliche Idee. Die Kirchengemeinde hätte auch anders entscheiden können. Doch da war jemand, der eine Vision hatte und zugleich wusste, wie man sie umsetzt: Roland Thelen, Verwaltungsratsmitglied und Architekt, der seit Jahrzehnten kirchliche Bauprojekte begleitet. Zunächst hatte die Ortsgemeinde verschiedene Gebäude anhand des vorliegenden Dorfentwicklungskonzeptes geprüft– aber ohne Ergebnis. Erst ein Gespräch im richtigen Moment brachte die Lösung: das Pfarrhaus. Es handelt sich um einen Ort mit Geschichte, mitten im Dorfkern, gut erreichbar, mit genügend Potenzial für einen zeitgemäßen Praxisbetrieb. „Das Entscheidende war, dass wir nicht lange diskutiert, sondern sofort gehandelt haben. Der Leerstand war Chance, nicht Risiko.“ (Roland Thelen) Doch kirchliche Mittel waren ausgeschlossen, da es sich nun um eine wirtschaftliche Nutzung handelte. Thelen plante, rechnete – und identifizierte das LEADER-Programm als entscheidenden Hebel. Mit 175.000 Euro EU-Förderung und einem klaren Finanzierungskonzept konnte das Pfarrhaus mit veranschlagten Gesamtbaukosten von 375.000 € umgebaut werden. Die Kirchengemeinde als Eigentümerin und Bauherrin schloss nun mit der Verbandsgemeinde Daun als Hauptmieterin den langfristigen Mietvertrag – eine Voraussetzung für Kreditsicherheit und Zuschuss. „Die Verbandsgemeinde hat verstanden: Ohne ärztliche Versorgung verliert ein Ort seine Mitte. Und sie hat Verantwortung übernommen.“ (Roland Thelen) Christel Werner mietete mit ihrer Arztpraxis wiederum unter – flexibel, aber verbindlich genug, um langfristig planen zu können. So entstand eine partnerschaftliche Dreierkonstruktion, die Kosten, Risiko und Verantwortung klug verteilt. „Dass die Verbandsgemeinde hinter uns steht, gibt Sicherheit. Es ist ein Modell, das Schule machen kann.“ (Christel Werner) Die neue Nutzung des alten Pfarrhauses in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche bringt nicht nur Leben zurück in das Gebäude, sondern auch in den Ortskern Herausforderungen und Hindernisse für die medizinische Versorgung – die Realität ländlicher Daseinsvorsorge in Deutschland Der Umbau selbst stellte weniger ein Problem dar. Es war ein ortsangepasster, respektvoller Eingriff. Tragende historische Elemente wie die Kölner Decken blieben erhalten; ein moderner Kubus als Anbau an der Gebäuderückseite ergänzt das Ensemble. Die Praxis funktioniert barrierefrei, kompakt, effizient, patientennah. Eine Belastung war hingegen der bürokratische Aufwand: Denkmalschutzauflagen, Ausschreibungen, Förderrichtlinien, Abrechnungsprüfungen. Insbesondere die förderrechtliche Feinarbeit bis zur letzten Rechnung wirkte hinderlich. Kleine Abweichungen führten zu Rückforderungen, denn die Sanierung und der Umbau von Alt- oder Bestandsbauten lassen sich nicht immer vollständig vorhersehen. „Bei historischen Gebäuden sieht man manche Dinge erst, wenn man die Wände öffnet. Trotzdem mussten alle Arbeitsschritte haargenau nachgewiesen werden.“(Roland Thelen) Während Umbau und Finanzierung grundsätzlich planbar waren, blieb die Versorgungslage die eigentliche Herausforderung. Landarztpraxen sind heute Knotenpunkte in einem System, das vielerorts überlastet ist: Fachärzte fehlen, Krankenhausstandorte schließen, Telemedizin ergänzt, ersetzt aber nicht und Papierarbeit nimmt Überhand. Christel Werner beschreibt es ruhig, aber klar: Das Problem ist strukturell, nicht individuell. „Die fachärztliche Versorgung ist eine Katastrophe. Wir improvisieren täglich – aber die Menschen brauchen echte Zugänge, nicht nur Geduld.“(Christel Werner) Auch Nachwuchsgewinnung ist schwierig: Viele junge Ärzt*innen möchten angestellt arbeiten, nicht allein Verantwortung tragen. Es zieht sie oftmals in größere Kliniken – und damit in die urbanen Räume. Dennoch hat Mehren Antworten gefunden: Ausbildung, Teamaufbau, Delegation durch qualifizierte Medizinische Fachangestellte (MFAs), familiäre Patientenbindung, ergänzende Telemedizin. „Bürokratie ist heute oft der größte Feind der Medizin. Und trotzdem mache ich es einfach – jeden Tag aufs Neue.“(Christel Werner) Vom Leerstand zur daseinsvorsorgenden Infrastruktur – ein Modell für Orte mit Mut und Weitsicht Mehren hat mit dem Pfarrhausprojekt nicht nur eine neue Arztpraxis geschaffen. Der Ort hat gezeigt, wie Versorgung in ländlichen Räumen gelingen kann: durch frühzeitiges Handeln, ein starkes Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft, ungewohnte Partnerschaften einzugehen. Die Praxis ist heute medizinischer Anlaufpunkt, sozialer Treffpunkt – und ein Symbol dafür, dass Dörfer Zukunft bauen können, wenn sie freie Räume intelligent nutzen. „Gesundheit gehört in die Mitte des Dorfes. Und Orte, die das begreifen, gewinnen Zukunft.“(Roland Thelen) Christel Werner wird – wie sie selbst sagt: „so Gott will“ – bis zum Jahr 2030 praktizieren. Schon jetzt sorgt das Team dafür, dass Kontinuität gesichert bleibt, dass nächste Generationen eingebunden werden und dass einerseits die Versorgung am Wohnort entscheidend ist, die richtige Haltung jedoch noch viel entscheidender ist. „Ich habe immer gesagt: Wenn ich hier bin, dann bleibe ich auch für die Menschen. Und das mache ich so lange, wie ich kann.“(Christel Werner) Das Pfarrhaus in Mehren zeigt: Es braucht kein spektakuläres Konzept, um Wirkung zu entfalten. Es braucht Klarheit, Kooperation,
Mit Citymanagement dem Leerstand in der Innenstadt erfolgreich entgegentreten. Erfahrungen aus der mittelfränkischen Kleinstadt Heilsbronn
Mit Citymanagement dem Leerstand in der Innenstadt erfolgreich entgegentreten Erfahrungen aus der mittelfränkischen Kleinstadt Heilsbronn Heilsbronn zählt mit seinen rund 9.700 Einwohner*innen, die überwiegend im Stadtgebiet, aber auch in den 17 angebundenen Dörfern und Weilern leben, zu den vier größten Gemeinden im Landkreis Ansbach. Die Stadt blickt auf eine lange Geschichte zurück. Seit dem frühen 12. Jahrhundert war es ein bedeutendes Zisterzienserkloster, welches maßgeblich zur Entwicklung der Stadt beitrug. Heute stellt Heilsbronn eines der wichtigsten Grundzentren im Landkreis dar. Im Gespräch mit dem 1. Bürgermeister der Stadt Dr. Jürgen Pfeiffer und dem Leiter des Fachbereiches Bürgerservice, Planen und Bauen Tobias Christ haben wir uns über die kommunale Innenentwicklung und die Bedeutung von Leerständen in Heilsbronn unterhalten. Der promovierte Betriebswirtschaftler Dr. Jürgen Pfeiffer ist seit 2008 im Amt des Bürgermeisters der Stadt. Tobias Christ ist Diplom-Verwaltungswirt und seit zehn Jahren als Fachbereichsleiter in Heilbronn tätig und seitdem für die Stadtentwicklung mitverantwortlich. Beide lieferten uns Einblicke in die Ausgangslage der Stadt Heilsbronn, die aktuelle Situation hinsichtlich des Leerstands sowie den konkreten Ansatz der Innenentwicklung, den die Kommune verfolgt. 1. Bürgermeister Dr. Jürgen Pfeiffer und Fachbereichsleiter Bürgerservice, Planen und Bauen Tobias Christ im Rathaus Heilsbronn Zwischen Münster und Marktplatz: Historisches Erbe und lebendige Innenstadt – wie Heilsbronn sein Stadtbild pflegt Aufgrund seiner weitreichenden Geschichte findet sich in Heilsbronn eine Vielzahl historischer Gebäude. Hierzu zählt insbesondere das imposante Münster als stadtbildprägendstes Bauwerk. Aber auch die Spitalkapelle, die alte Klosterbrauerei, der Katharinenturm, in dem sich heute die städtische Bücherei und das Heimatmuseum befinden, oder die historischen Fachwerkgebäude am Marktplatz prägen das Ortsbild. Alte und historische Bausubstanz bringt stets eine gewisse Verantwortung für die Pflege und den Erhalt eben dieser mit sich. Die Stadt hat dies erkannt und geht sehr vorausschauend vor, so dass es in Heilsbronn derzeit nur wenig Leerstand gibt. „Tatsächlich ist es so, dass wir die vier, manchmal auch fünf,Leerstände in der Innenstadt kennen. Die sind jetzt nicht extra verzeichnet. Wir können die aus dem Stehgreif nennen, aber wir führen keinamtliches Kataster in dem Sinne, wie es auch gefördert wird.“ (Tobias Christ) Tobias Christ hat seine Leerstände – sowohl bestehende als auch drohende – im Blick und setzt insbesondere auf Prävention und Vermeidung. Vor allem die kleinen Geschäfte, also die Gewerbetreibenden im Ort, rücken in den Fokus, denn: Bestehende Geschäfte im Ort halten den Kern am Leben und tragen zur Lebensqualität in der Stadt bei. Aus diesem Grund setzt die Stadt Heilsbronn bereits seit 2009 auf eine aktive Stadtentwicklung und ein Citymanagement. Diese Aufgabe übernimmt Citymanager Michael Aulbach von PLANWERK Stadtentwicklung, der sich aktiv für die Stärkung der Innenstadt einsetzt. In diesem Prozess erhält er Unterstützung durch die Lenkungsgruppe Heilsbronn und die verschiedenen Projektgruppen der Stadt, die sich mit der Entwicklung der Innenstadt, dem Einzelhandel und dem Thema Nachhaltigkeit befassen. Der wachsende Druck durch Discounter oder Online-Handel auf den stationären Einzelhandel ist jedoch auch hier spürbar und wird stetig größer. „Citymanagement ist aus meiner Sicht gut dafür, Rahmenbedingungen zu schaffen. Bei uns liegt dieser [Fokus] auf dem Einzelhandel in der Innenstadt.Es wird aber schwierig, wenn es konkreter wird und wir können nur bedingt weiterhelfen. Wenn im Rahmen der Landesplanung und gemessen an der Kaufkraft entschieden wird, dass Heilsbronn einen weiteren Discounter braucht, dann müssen wir das bis zu einer gewissen Größe genehmigen.“(Dr. Jürgen Pfeiffer) Im Gespräch wird schnell klar, dass der Erhalt und die Entwicklung der Stadt nur funktioniert, weil man in Heilsbronn verstanden hat, mit Förderungen zu arbeiten. Insbesondere die Städtebauförderung als dauerhaftes Programm ist von besonderer Relevanz für die Kleinstadt. Aus Sicht der Verwaltung ist dies das Programm mit den geringsten bürokratischen Hürden und dem überschaubarsten Aufwand – vor allem auch gemessen an den Fördersummen. „Die Stadt gewährt eigene Fördermittel, die allerdings wiederum zu 60 Prozent durch Städtebaufördermittel bezuschusst sind. Unsere Fördermaßnahme richtet sich an Eigentümer innerhalb der Fördergebiete, insbesondere des Innenstadtbereichs, zum Beispiel für Fassadenmaßnahmen. Es gibt auch eine Richtlinie der Stadt, in der die förderfähigen Maßnahmen und Bedingungen (…) enthalten sind. Wir haben das aber auch gedeckelt auf eine Bezuschussung von 30.000 Euro je Maßnahme. Wogegen wir uns aber auch entschieden haben, ist die Umwandlung von Leerstand in Wohnraum, weil wir insbesondere in der Innenstadt kein reines Wohnviertel möchten.“ (Tobias Christ) Den besonderen Stellenwert der Innenentwicklung stellen zwei weitere Aspekte dar. Zum Ersten – und zusätzlich zur Prämisse der Bayerischen Flächensparoffensive – hat der Stadtrat der Stadt Heilsbronn per Beschluss den Grundsatz „Innen- vor Außenentwicklung“ in das städtische Entwicklungskonzept aufgenommen. Und zweitens hat die Stadt ein eigenes Förderprogramm aufgestellt, um den Erhalt und die Belebung des Ortskerns weiter voranzutreiben. Aus leer wird lebendig: Mit Ideen, Kooperationen und Mut gegen den Leerstand Im Ortskern gibt es einige gute Beispiele für den Umgang mit drohendem oder tatsächlichem Leerstand. So sind beispielsweise Objekte entwickelt worden, die bereits seit längerer Zeit leer standen; aber es gab auch Projekte, die in Gebäuden realisiert wurden, denen der Leerstand lediglich drohte. Dies entspricht der präventiven Herangehensweise der Stadt, die aber auch nur dann funktionieren kann, wenn ein drohender Leerstand der Kommune bekannt wird. Dafür ist das überschaubare Setting einer Kleinstadt vorteilhaft, was in diesem Kontext einen relevanten Standortvorteil darstellt. Bei den folgenden Beispielen handelt es sich um Projekte, die sowohl von der Kommune als auch von Institutionen sowie von privaten Investor*innen oder Vereinen getragen worden sind. Oftmals ergaben sich jedoch auch kooperative Vorhaben, an deren Umsetzung mehrere Akteur*innen beteiligt waren. Der Katharinenturm: Vom Wohnturm des Türmers zur Bibliothek und zum Museum Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erbaut, ist der Turm das Überbleibsel der ehemaligen Katharinenkirche. Der Turm wurde bereits damals zu einem Wohnturm umfunktioniert und unter anderem vom Türmer bewohnt. Hierbei handelt es sich um den historischen Beruf des Turmwächters, der insbesondere mit dem Brandschutz einer Stadt beauftragt war und im Fall eines Brandes Alarm schlug. Diese Nutzung als Wohnraum reichte bis in das Jahr 1980. Anschließend wurde der Turm mit Mitteln aus der Städtebauförderung und der Denkmalpflege hergerichtet, so dass die Stadtbücherei in das historische Bauwerk einziehen konnte. Im Jahr 1995 eröffnete in der ehemaligen Wohnung des Türmers zusätzlich das Heimatmuseum, die „Heimatstuben“ des Heimatvereins